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Krimi Stewardess-Stalker: Wenn aus Liebe Wahnsinn wird…


die aktuelle Krimi - epaper ⋅ Ausgabe 11/2020 vom 10.10.2020

Es begann mit unerwünschten Botschaften, gefälschten Pornof ilmen und bis zu 164 Anrufen am Tag


Artikelbild für den Artikel "Krimi Stewardess-Stalker: Wenn aus Liebe Wahnsinn wird…" aus der Ausgabe 11/2020 von die aktuelle Krimi. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: die aktuelle Krimi, Ausgabe 11/2020

Die junge Frau träumte davon, als Stewardess die Welt zu entdecken


Jung, hübsch und zielstrebig

Die 23-jährige Sophie N. hatte so große Pläne. Doch dann trat fataler Weise Patrick S., 35, in ihr Leben. Und von einem Tag auf den anderen Tag war nichts mehr, wie es war. Für die Stewardess wurde es zu einem Sturzflug in die Hölle …

Lächelnd guckt Sophie N. aus der geöffneten Flugzeugtür. Ihre blauen Augen strahlen. Die blonden Haare wehen im Wind. Die Flugbegleiterin-Uniform sitzt, als wäre sie eigens für sie ...

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... entworfen worden. Das Fliegen war ihr Leben, ihr Traum, ihr größter Wunsch. Um sich diesen zu erfüllen, musste sie hart arbeiten: Sophie nahm neben ihrer Ausbildung zur Reiseverkehrsfrau einen Nebenjob an. In einem Modeladen in ihrer Heimat Dessau. Eine Notwendigkeit, die ihr zum Verhängnis wurde. Denn ihre strahlenden Augen und ihr Lachen blieben hier nicht unbemerkt. Patrick S., einem Kollegen, fielen sie besonders auf. Die beiden kamen ins Gespräch, verstanden sich prächtig. Zwei junge Menschen, deren Zukunft noch vor ihnen lag. Doch diese schicksalhafte Begegnung im Jahr 2017 war der Anfang einer Tragödie und bedeutete das Ende eines unschuldigen Lebens …

Patrick S. verliebte sich unsterblich. Sophie erwiderte diese Liebe nicht. Doch einfach nur Freunde zu sein – das kam für ihn nicht infrage! Sah er doch in Sophie so viel mehr. Er ließ nicht locker. Der Kollege begann mit unerwünschten Botschaften. Schrieb ihr zahlreiche Nachrichten. Wollte sie überzeugen, dass sie beide zusammengehörten. Als die meisten Schreiben unbeantwortet blieben, wurde er hartnäckiger. Rief sie an. Doch Sophie ging nicht ran. Voller Sehnsucht wollte er wohl ihre Stimme hören. Schnell übertrieb er es aber. Bis zu 164 Anrufe pro Tag liefen auf Sophies Handy auf. Und das war noch nicht alles …

Sein Verhalten wurde immer schlimmer, seine Vorgehensweise beängstigender. Ein fürchterliches Beispiel dafür, wie aus Liebe Wahnsinn wird: Im Internet soll Patrick S. gefälschte Profile in ihrem Namen erstellt haben. Schließlich folgte der wahre Albtraum für die junge Frau: Ein Fake-Pornofilm tauchte auf! In dem sieht der Zuschauer eine blonde Frau von hinten. Sprachnachrichten von Sophie untermalen die Szenen. Alles wurde gezielt so zusammengeschnitten, dass es so klingen sollte, als hätte sie da Sex. Das Opfer erstattete damals Strafanzeige gegen Unbekannt. Die Polizei überprüfte IP- und E-Mail-Adressen. Ohne Erfolg. Die Behörden konnten Patrick S. nichts nachweisen.

Sollte der Terror damit beendet sein? Jedenfalls packte Sophie N. ihre Koffer. Ein sechsmonatiges Praktikum in Barcelona sollte ihr Fernweh stillen, ihre Fachkenntnisse erweitern und Abstand zum Stalking-Drama bringen. Doch sie hatte die Rechnung ohne Patrick S. gemacht. Ein halbes Jahr ohne Sophie? Für ihn scheinbar unmöglich! Er reiste ihr hinterher und überraschte die junge Frau in Spanien. Das erwartete Happy End trat natürlich nicht ein. „Dort sagte sie ihm erneut, dass aus ihnen kein Paar werden wird“, erinnern sich die Eltern des Opfers. Für Patrick S. musste es wie ein Schlag ins Gesicht gewesen sein. Was danach in seinem Kopf vorging, weiß niemand. Es scheint so, als begannen damit teuflische Planungen. Seine Liebe, sein vermeintlicher Wahnsinn schlugen offenbar in Hass um. Seiner ehemaligen Kollegin wünschte er vermutlich nichts Gutes mehr …

Was für ein Ende! Im eigenen Bad niedergestochen (Symbolbild)


Er soll Sophie N. wegen unerwiderter Liebe ermordet haben: Patrick S.


In einer Wohnung dieses Mehrfamilienhauses in Hannover wurde die Leiche gefunden


Der Prozess am Landgericht Hannover: Die Staatsanwaltschaft wirft Patrick S. (r.) heimtückischen Mord aus niederen Beweggründen vor



Wie in Hitchcocks „Psycho“ ... In ihrem eige nen Badezimmer stach er unerbittlichzu … und hinterher jammer te der Täter: „Papa, ich habe eine Frau getötet“


Am 11. Januar 2020 folgte die grauenvolle Tat. Nach zwei Jahren Stalking-Terror fasste Patrick S. den entsetzlichen Entschluss. Er erzählte seinen Eltern, er wolle nach Leipzig, eine Freundin besuchen. Stattdessen fuhr er mit dem Auto nach Hannover. Zur Wohnung seines Opfers. Über die Balkontür verschaffte er sich Zugang ins Haus, um ihr in ihren eigenen vier Wänden aufzulauern. Als die 23-Jährige schließlich nach Hause kam, hätte er sie brutal überrumpelt, heißt es. Bewaffnet mit einem Elektroschocker und Pfefferspray stürzte Patrick S. sich auf sie. „Er schlug ihr mehrmals mit voller Kraft ins Gesicht“, so steht es in der Anklage: „Die Schläge waren so heftig, dass er den Nasenknorpel zertrümmerte. Als sie schrie, hielt er ihr den Mund zu …“ Bis Sophie wehrlos am Boden lag. In ihrem eigenen Badezimmer stach er unerbittlich zu. Er fügte ihr tiefe Schnitte in den Hals zu, auch in die Halsschlagader. Ein krasser Messer-Mord – fast wie in Alfred Hitchcocks Kino-Thriller „Psycho“.

Besonders tragisch: Fast wäre Sophie ihrem Stalker entkommen. Nur ein paar Wochen später hätte für sie ein neues Leben begonnen. Denn die Wohnung, in der ihr junges Leben ein so schlimmes Ende fand, war bereits gekündigt. Im Februar sollte sie ihren Traumjob beginnen, als Stewardess nach der Thomas-Cook-Pleite wieder durchstarten. Diesmal bei der österreichischen Fluggesellschaft Austrian Airlines. Doch dazu kam es nicht mehr. Nach dem Verbrechen flüchtete Patrick S. zu seinen Eltern nach Dessau. „Ich habe Mist gebaut. Ich habe eine Frau getötet“, soll er gesagt haben. Danach ging er ins Badezimmer, packte Zahncreme und Zahnbürste ein – und verabschiedete sich. Tags darauf stellte er sich der Polizei. Doch was genau war der Auslöser für seine abscheuliche Tat? Was bringt jemanden dazu, einen einst geliebten Menschen so eiskalt zu ermorden? Und was ist die gerechte Strafe dafür? Seit Juli laufen die Verhandlungen am Landgericht Hannover. Der mutmaßliche Täter hat den Mord an der Stewardess zwar gestanden, aber nur vor seinen Eltern, der Polizei und gegenüber dem psychiatrischen Gutachter. Vor Gericht schweigt er. Seine Eltern können sich das Ganze nicht erklären: „Wir haben ihn sehr liebevoll großgezogen.“ Sie schildern zunächst ein idyllisches Familienbild: „Ein ganz lieber Junge!“ Doch dann vollzog sich eine Wandlung. Obwohl Patrick S. bis zur Untersuchungshaft im Elternhaus lebte, veränderte sich die Beziehung: „Er hat sich immer mehr zurückgezogen. Der Zugang wurde weniger, von sich aus gar nicht mehr.“ Und von Sophie hätten die Eltern bis zur Mordnacht nichts gewusst.

Jung, hübsch, selbstbewusst: So posierte Sophie N. für ihr Facebook-Profilbild


Sophies Eltern sind Nebenkläger. Im Bild: Mutter Christina mit Rechtsanwalt Marco Bennewitz


Trauriger Abschied: Im schneeweißen Kleid und mit fünf roten Rosen im Sarg wurde sie beerdigt


Der Patrick, den die Prozessbeobachter da auf der Anklagebank sehen, wirkte so gar nicht wie ein eiskalter Stalker! Er fing sogar zu weinen an. Im Gefängnis schien er Zeit zum Nachdenken gehabt zu haben. Per Brief bat er seinen Vater, das Grab von Sophie aufzusuchen und Blumen abzulegen. Ob er das Verbrechen bereut? Ist der heute 36-Jährige nicht voll zurechnungsfähig? Oder sogar ernsthaft krank? „Er hat gesagt, dass er Albträume hat und mal zum Arzt müsste“, berichtet seine Mutter über die Zeit vor der Tat. Als er nach dem Mord nach Hause kam, meinte Patrick zu ihr, dass es ihm so leid tue und dass er das nicht gewollt habe. Er habe Halluzinationen gehabt, habe ganz schlimme Sachen gesehen.

Patricks Vater ist krank, er leidet an Schizophrenie und Depressionen, nimmt dagegen Medikamente. Sind diese Schilderungen womöglich nur Berechnung? Oder ist der Mordfall etwa die fürchterliche Tat eines psychisch Kranken? Es gibt viele Fragen, die das Gericht noch klären muss. Zum Zeitpunkt des Redaktionsschlusses dieser Ausgabe stand das Urteil noch aus.

Im Gerichtssaal sitzt auch Sophies Mutter Christina. Das Leid ist ihr deutlich anzusehen. Doch sie will nicht untätig abwarten. Sie und ihr Ehemann Thomas sind Nebenkläger im Prozess. Die beiden wollen Gerechtigkeit für ihre Tochter. Sie wollen, dass sie niemals vergessen wird! Auf dem Titelbild der Facebook-Seite von Sophies Mama lacht die Stewardess noch einmal allen Profilbesuchern entgegen. Daneben steht: „Meine Trauer um Dich wird mich ein Leben lang begleiten. Und sie wird mich verändern.“


Fotos: BILD/Marcus Prell/Thilo Scholtyseck, dpa/picture-alliance, iStock, Privat