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KROATIEN:Das erste Mal an Bord


Charter Horizonte - epaper ⋅ Ausgabe 1/2019 vom 18.01.2019

Wie können absolute Nichtsegler für das Segeln begeistert werden? Mit einem Törn auf einem komfortablen Katamaran in einem attraktiven Urlaubsrevier vielleicht


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Das Platzangebot auf einem Katamaran ist groß. Ideal für Einsteiger, allerdings war es während des Törns recht kühl


Fotos: Silke Springer

Trogir ist die Stadt der Liebe. Wer in Split wohnt, verabredet sich zum ersten Date nicht etwa in seinem Heimatort, sondern im 30 Kilometer entfernten Trogir. Heißt es. Für uns ist Trogir die letzte Urlaubsstation. Hierher kommen wir allerdings nicht nur der Liebe wegen, sondern weil der Ort ganz in der Nähe ...

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... unserer Charterbasis liegt und ausgesprochen attraktiv ist. Schmale Gassen, römische Hinterlassenschaften wohin das Auge schaut, selbst die Pflastersteine wurden schon von römischen Sandalen rund geschliffen. Wie verabredet stolpern wir beim Bummel durch die Altstadt über eine Hochzeitgesellschaft. Genau wie wir, als wir in einem Straßencafé zu Füßen des Castells unseren Törn Revue passieren lassen.

Nie zuvor daran gedacht

Sechs Tage zuvor hatten wir uns in der Agana Marina eingefunden und einen 44 Fuß großen Sunsail-Katamaran bezogen. Das Besondere dabei: Zwei aus unserer Crew hatten noch niemals zuvor einen Segelurlaub gemacht und – ehrlich gesagt – auch nicht daran gedacht, jemals einen zu unternehmen.

Bis meine Anfrage kam: Habt ihr Lust, auf einen Kroatien-Törn mitzukommen? Gezögert haben sie nicht, vielmehr sehr zügig zugesagt. Die Neugier aufs Segeln war groß, und die Tatsache, dass wir mit einem besonders geräumigen Katamaran unterwegs sein würden, hat die Bedenken, sich auf engstem Raum eventuell ‚eingesperrt‘ zu fühlen, beiseite gewischt. Ob Seekrankheit dem Ferienspaß einen Strich durch die Rechnung machen würde, blieb allerdings in den Hinterköpfen.

Endlich an Bord

Mit großem A und O wurden schließlich die Kabinen inspiziert und die Kojen bezogen. Direkt danach begann schon das Abenteuer.

Nicht etwa mit Segeln, sondern mit Einkaufen im örtlichen Supermarkt. Da wir nicht vorhatten, jeden Abend in einem Hafen festzumachen, sondern auch die eine oder andere Ankerbucht ansteuern wollten, füllten sich – sehr zum Erstaunen unserer Neusegler – zwei große Einkaufswagen wie von Geisterhand. Wasser, Wein, Bier, Brot, Nutella und Nudeln türmten sich zu Bergen und mussten später sorgsam auf dem Schiff verstaut werden. Mit dem Vorteil, dass danach jeder wusste, wo Teller, Besteck und Konservendosen zu finden sind. Die erste Nacht war für den einen oder anderen recht ungemütlich, denn trotz ruhiger Nachbarlieger und wenig Bewegung im Hafen gab es jede Menge ungewohnte Töne. Fischerboote tuckerten vorbei, die vorderen Mooringleinen quietschten auch nach sorgfältigem Umstecken immer mal wieder, die Gangway scheuerte und wurde schließlich eingeholt. Geräusche, die für segelungeübte Ohren schwer zu lokalisieren sind und zum Lauschen animieren, statt in den Schlaf zu wiegen. Wie gut, dass der nächste Morgen mit Sonnenschein und drei Beaufort aufwartete. Es konnte losgehen. Mit Ruhe und Bedacht wurde erst die Genua ausgerollt, danach das Groß hochgekurbelt – und letztlich ein Kurs abgesteckt, der uns halbwinds auf die Nordspitze der Insel Solta führen sollte, mit der wärmenden Sonne im Gesicht. Schnell fanden die beiden Neuen bequeme Plätze und genossen Aussicht und Segeln. Während wir uns auf der Insel Solta in der Sesula Bucht, die etwas südlich von Maslinica liegt, die Zeit bis zum Abendessen mit Schnorcheln und Baden vertrieben, drehte der Wind immer weiter auf Nordwest und nahm kontinuierlich zu. Mit dem Ergebnis, dass Schwell aufkam, der breitseits in die Bucht reindrückte und den Kat zum Rollen brachte. Zunächst nur leicht, dann immer stärker.

Katamarane sind besonders für Einsteiger attraktiv


In Kroatiens Häfen nehmen die mit Katamaranen belegten Liegeplätze weiter zu


Auf dem Vordeck können größere Gruppen zusammensitzen


Ein Katamaran bietet viele ruhige Plätze zum Entspannen


Unter dem festen Bimini kann man der Hitze gut entfliehen


Bordleben

Achterbahn fahren und kein Ende in Sicht. Bei dieser Windrichtung war auch der Hafen von Maslinica keine Ausweichoption, sodass wir beschlossen, in die schützende Bucht von Agana zurückzukehren. Wir wollten nicht schon am ersten Tag riskieren, dass Seekrankheit aufkam. Ein weiser Entschluss, denn nach einer erfreulicherweise für alle erholsamen Nacht starteten wir einen neuen Versuch mit Ziel Solta. Diesmal war er von Erfolg gekrönt. Am zweiten Abend übernachteten wir im neuen Yachthafen von Maslinica und probierten unsere Kochkünste in der geräumigen Pantry aus. Es gab Pasta und Salat und als Nachttisch eine kurzweilige Kartenspielrunde. Die dritte Nacht verbrachten wir in Milna auf Braĉ, diesmal mit einem leckeren Essen im Restaurant Omo direkt am Hafen. Allmählich kehrte Alltag ins Bordleben ein. Brötchen holen, abwaschen, Leinen klarieren, Segel setzen, Knoten üben, Navigieren lernen, relaxen auf dem Trampolin. Auf einem Kat können viele Interessen bedient werden. Wogegen wir machtlos waren, waren die Wetterkapriolen. Okay, Anfang Oktober muss man mit Wind und auch mit Regen rechnen, doch die zweite Wochenhälfte empfing uns mit zwölf Grad, was für den dalmatinischen Frühherbst außergewöhnlich kalt ist. Während des Segelns trugen wir Fleece und volles Ölzeug, beim Landgang dicke Jacken. Auch in den Restaurants war es kalt, denn Heizungen gibt es dort in der Regel nicht. Weil es unmöglich war, abends im Cockpit zu sitzen, versammelten wir uns nach dem Abendessen im Salon, drehten die Bordheizung auf und holten die Spielkarten raus. Ungeplant hockten wir länger und enger aufeinander als gedacht. Irgendwann können sogar 14 Meter Länge und sieben Meter Breite ziemlich klein werden.

Das Manövrieren mit zwei Maschinen fällt vielen einfacher


Es wird laut

Erst am letzten Urlaubstag erfüllte sich unsere Hoffnung auf Wetterberuhigung und -besserung. Davor stand noch eine stürmische Überfahrt, mit ziemlich schwammiger Vorhersage. Der Wetterbericht, den wir morgens beim Hafenmeister eingeholt hatten und im Internet bestätigt sahen, erwies sich als indifferent und bot von jedem etwas. Von leichtem Wind aus Nordwest war die Rede, teilweise auf Nordost drehend und in der Bucht von Split von einzelnen starken bis stürmischen Böen begleitet. Wir waren also auf alles gefasst, was gut war, denn nach anfänglich sehr, sehr leichter Brise, in der wir die Motoren zu Hilfe nahmen, um überhaupt voran zu kommen, drehte der Wind tatsächlich auf Nordost und nahm dabei schnell und stetig zu. Innerhalb von wenigen Minuten hatten wir das erste Reff eingebunden, die Genua ein Stück eingerollt und das zweite Reff klariert. Erstaunlicherweise baute sich trotz Landabdeckung eine hohe, steile Welle auf, die breitseits auf den Katamaran zulief und ihn ordentlich durchrüttelte. Ein Blick in die Gesichter der Segelneulinge zeigte: Sie genossen die Situation. Selbst als der Wind auf sieben Beaufort anstieg und das zweite Reff eingebunden werden musste, war bei ihnen alles im Lot. Von Seekrankheit und Furcht keine Spur. Zwei Stunden später flaute der Wind ebenso schnell ab, wie er gekommen war. In der Enge von Trogir lösten sich die dunklen Regenwolken auf und ließen der Sonne den Vortritt. Angenehm am Ende des Urlaubs noch einmal ihre Wärme zu spüren.

Experiment geglückt

Auf der Hafenpromenade von Trogir hängten wir unsere dicken Segeljacken über die Restaurant-Stuhllehnen und bestellten einen erfrischenden Aperitif. Doch bevor die Entspannung so richtig greifen konnte, galt es noch, ein Versprechen einzufordern: Vor Reiseantritt hatten die Segelanfänger ein Interview zugesagt, das ihre Segeleindrücke widerspiegeln sollte. Arif begann mit den Worten: „Schade, schon unser letzter Tag…“

Schoten verlaufen dort, wo sie nicht im Weg sind: auf dem Aufbau

Fragen an diecrew

Julia und Arif waren das erste Mal an Bord eines Segelbootes


Als Ihr das Schiff zum ersten Mal gesehen habt, was dachtet Ihr da?

Julia: Es kam mir riesig vor. Gleichzeitig habe ich aber überlegt, wie wohl sechs Leute darauf eine ganze Woche lang Urlaub machen sollten.

Arif: Auch mir kam es groß vor und sehr luxuriös. Ich hab mich allerdings gefragt, wie ein derartiges Schiff überhaupt segeln kann. Das war für mich schwer vorstellbar.

Während Ihr Euch unter Deck umgeschaut habt, welche Gedanken schossen Euch durch den Kopf?

Arif: Beeindruckend fand ich, dass jede Kabine ein eigenes Bad hat. Dafür haben wir wenig Stauplätze für Taschen und Koffer gefunden und sie später über das gesamte Schiff verteilt. Glücklich war ich, dass das Bett lang genug war. Bei 1,97 Meter Körpergröße ist das keine Selbstverständlichkeit.

Julia: Beim ersten Blick in unsere Kabine war ich überrascht, wie groß sie ist. Trotzdem muss man sich daran gewöhnen, dass der Platz begrenzt ist.

Wie beschreibt Ihr den ersten Segeltag?

Arif: Die Bewegungsfreiheit an Deck hat mir gefallen. Ich bin viel herumgewandert. Vom Cockpit auf das Trampolin, vom Steuerstand nach hinten. Das Herumklettern hat sich abenteuerlich angefühlt, und ich hatte immer wieder einen anderen Blick auf das Wasser.

Julia: Ich habe mich sicher gefühlt. Bei Schräglage hätte ich vielleicht Angst bekommen. Am schönsten fand ich es, nachdem wir die Motoren ausgestellt hatten. Unter Segeln schleicht man durch die Wellen. Dann ist es wunderbar leise.

Nach sechs Tagen Kat-Urlaub würde ich gern wissen, wie sich das Segeln insgesamt für Euch angefühlt hat.

Julia: In den ersten Tagen, als wir nur wenig Wind hatten, habe ich mich hin und wieder zum Sonnenbaden auf das Deck gelegt, was wirklich angenehm war, gleichzeitig habe ich mich aber gefragt: War es das jetzt mit dem Segeln? So langsam kommt man voran? Später, als es richtig zur Sache ging, fand ich das Segeln viel aufregender. Da musste man aufmerksam sein, gut zuhören und konnte das Segeln viel besser wahrnehmen.

Arif: Genau das habe ich auch empfunden. Als wir mit normalen Windstärken gesegelt sind, fand ich das entspannend, aber nicht spannend. Bei sechs Windstärken begann das Abenteuer. Man fühlte das Schiff, musste sich festhalten, hat Lebendigkeit gespürt.

Segel-Urlaub unterscheidet sich deutlich von Hotel-Ferien. Wie gefiel Euch das Leben an Bord?

Julia: Dadurch, dass wir uns alle kannten, hat man sich relativ schnell aneinander gewöhnt. Nach fünf Tagen habe ich aber festgestellt, dass ich Auszeiten brauche, mich auch mal zurückziehen muss. Vor allem abends, nach einem langen Tag, den man zusammen verbracht hat. Andererseits ist es aber auch nett, im Salon zusammen zu sitzen oder draußen am Cockpittisch.

Arif: Mir kam es nicht so beengt vor, was sicher typbedingt ist. Tagsüber habe ich mir öfter Kopfhörer aufgesetzt und mich nach vorn zurückgezogen. Für mein Empfingen gab es genug Rückzugsorte.

Wie hat Euch das Revier gefallen?

Arif: Schön, aber etwas eintönig. Am besten hat mir das Schnorcheln gefallen. Ich habe so viele Fische gesehen und Seesterne…

Julia: Superschön, weil es immer was zu sehen gab. Ich hätte mir allerdings mehr Strände gewünscht, dann hätte man tagsüber auch mal an Land gehen können. Immer mal wieder festen Boden unter den Füßen zu haben, ist für jemanden, der es nicht gewohnt ist, Tag und Nacht an Bord zu verbringen, sehr angenehm…

Könntet Ihr euch vorstellen, noch einmal einen Segelurlaub zu verbringen?

Arif: In derselben Konstellation sofort. Allerdings würde ich vorher Segeln lernen wollen, damit ich aktiver sein kann. Während des Segelns haben mir die Wetterbedingungen, selbst der Regen, nichts ausgemacht.

Julia: Beim nächsten Mal würde ich zu einer anderen Jahreszeit fahren oder in einem Revier, in dem es wärmer ist und in dem es mehr Strände gibt. Und ich würde, wie Arif, vorher noch viel mehr über das Segeln wissen wollen. Für den ersten Trip war der Urlaub aber cool, ganz anders, aufregend und ereignisreich.