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KRYPTOKOMPASS-SPEZIAL: Krypto-Wale – Wie groß ist der Einfluss der Großinvestoren?


Kryptokompass - epaper ⋅ Ausgabe 12/2019 vom 05.12.2019

Die Wale kontrollieren den Kurs“ - so oder so ähnlich ist eine gerne im Krypto-Bereich geäußerte Theorie. Wale, sprich Großinvestoren, sollen dabei mit ihrem Kapital die Kurse von Kryptowährungen auf- und abwärts kontrollieren können. Sie sollen mit Kleinanlegern ein Katz- und Maus-Spiel spielen, so dass eine Fundamental- oder Chartanalyse keinen Sinn ergebe.

Ist das wirklich so? Um sich einer möglichen Antwort auf diese Frage zu nähern, möchten wir in diesem Artikel drei Dinge diskutieren:

• Wie sind Marktkapitalisierung und das parallele Verhalten von Kursen zu bewerten?

• Was können Wale alles tun? ...

Artikelbild für den Artikel "KRYPTOKOMPASS-SPEZIAL: Krypto-Wale – Wie groß ist der Einfluss der Großinvestoren?" aus der Ausgabe 12/2019 von Kryptokompass. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Kryptokompass, Ausgabe 12/2019

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Woher kommen jedoch diese Tauschgeschäfte? Marktteilnehmer setzen ihre An- und Verkaufsangebote in das so genannte Order Book, eine Liste der aktuell verfügbaren Angebote. Das kann dann wie folgt aussehen:

Wie zu sehen ist, unterscheidet man zwischen Bids und Asks. Bids sind dabei die Kaufpreise, welche Käufer der oben aufgeführten zweiten Gruppe zu bezahlen bereit sind. Asks sind dazu komplementär die Verkaufspreise, welche Verkäufer der dritten Gruppe akzeptabel finden. Auf diese, von so genannten Makern angelegte Angebote können nun Taker eingehen. Davon ausgehend, dass der durchschnittliche Käufer und Verkäufer zu einem akzeptablen Kurs verkaufen möchte, sind die Bid- und Ask-Gebote entsprechend ihrer Höhe angeordnet. Bidpreise werden, je tiefer sie im Order Book sind, preiswerter, Askpreise teurer. Nun kann man davon ausgehen, dass viele Käufer möglichst preiswerte Kurse erhoffen. Sie werden also höchstwahrscheinlich auf eines der obersten Ask-Gebote eingehen. Dasselbe lässt sich für Verkäufer bezüglich der unter „Bid“ aufgeführten Angebote sagen. Da von einem derartigen Verhalten der Marktteilnehmer auszugehen ist, hat sich eine weitere Darstellung des Order Books durchgesetzt.

In der Markttiefe oder Depth of Market werden Bid- und Ask-Order kumulativ dargestellt:

Marktteilnehmer werden in erster Linie die im Order Book weit oben stehenden Angebote annehmen. Ebenso wird ein Großteil der von den Makern angelegten Angebote weit oben im Order Book platziert sein. Doch das muss nicht sein: Böswillige Wale machen sich genau das zunutze, um den Markt in ihre Richtung zu bewegen. Einige Beispiele und wie man Anzeichen für derartiges Verhalten in den Order Books erkennen kann, werden wir in den nächsten Abschnitten diskutieren.

Wash Trading

Wash Trading ist eine Manipulation des Order Books. Sie suggeriert eine deutlich höhere Marktaktivität als real existiert. Wale bauen dabei Positionen im Order Book auf und erfüllen diese selbst. Sie zahlen dafür zwar auch Trading-Gebühren, jedoch kann Wash Trading zwei für sie positive Effekte haben:

• Sie suggerieren so ein größeres Interesse an dem Asset.

• Durch eine geschickte Balance aus Bid- und Ask Order können sie den Markt preislich in die Richtung bewegen, die für sie interessant ist.

Anleger sollten deshalb im Order Book auf das Erscheinen neuer Order achten, ob beispielsweise zeitgleich unter Bid und Ask dieselben Beträge erscheinen.

Spoofing

Spoofing ist eine Manipulationstaktik, die dem Wash Trading recht ähnlich ist. Hier erstellt der Wal Markt-Order und bricht diese, bevor sie erfüllt werden können, wieder ab. Was er so erreichen kann, ist ein Bewegen des Marktpreises in die von ihm gewünschte Richtung. Worauf Anleger hier achten können, sind verdächtige neue Order, die auf einmal wieder verschwinden. Sollte man derartiges Verhalten regelmäßig sehen, ist auf diesem Markt Vorsicht geboten.

Pump-and-Dump-Systeme

Pump-and-Dump-Systeme sind im aktuellen Marktklima weniger anzutreffen als Ende 2017, aber gerade bei kleineren Kryptowährungen durchaus noch vorhanden. Nicht nur einzelne Wale sind für derartige Betrugsschemata bekannt. Es existieren nicht wenige Pump-and-Dump-Gruppen, bei der sich Teilnehmer erhoffen, frühzeitig von derartigen Pumps zu erfahren und so davon zu profitieren - und nicht durch einen Dump einen hohen Verlust erleiden. Das Order Book allein wird einem hier wenig helfen, jedoch sollte man sich nach ähnlichen Schemata wie beim Wash Trading umsehen. Zusätzlich können hier die sozialen Medien beobachtet werden, ob eine bestimmte Klientel den Markt in eine gewisse Richtung drängen möchte. Hier ist weniger auf große Newsquellen denn auf etwaige Youtuber oder bestimmte Twitter-Umfelder zu achten. Als Faustregel kann man sich merken: je emotionaler die angeblichen Investment-Empfehlungen vorgebracht werden, desto kritischer sind sie zu sehen. Ferner lassen sich Pump-and-Dump-Gruppen in Messengern wie etwa Telegram oder auch Online finden, was ein Monitoring zum Selbstschutz ermöglicht. Dies sind nur drei Beispiele für manipulatives Verhalten, welches gerade Wale an Märkten praktizieren können. Eine Art der Manipulation sollte noch erwähnt werden: Das Aufbauen großer Buy- oder Sellwalls. Schaut man auf die oben erwähnte Depth of Market, kann man sich vorstellen, dass ein abruptes Ansteigen der Bids oder Asks ein Zeichen ist, dass ein derartiger Kurs kaum unter- beziehungsweise überschritten wird. Entsprechend können derartige Sell- und Buywalls wichtige Supports oder Resistances sein. Hier kann jedoch der Wal gegen die Schwarmintelligenz handeln: Er kann mit seinem großen Kapital derartige Walls aufbauen und so bestimmte Trends suggerieren. Anleger sollten deshalb nicht einfach die momentane Markttiefe betrachten, sondern auch, woher diese kam.

Wie sind große On-Chain-Bewegungen zu bewerten?

Wenn es um Wale geht, liegt die Assoziation zu Diensten wie Whale Alert sehr nahe. Bei Whale Alert handelt es sich um ein Projekt, welches verschiedene Blockchains verfolgt und bei großen Token-Bewegungen diese auf Twitter veröffentlicht. Der Gedanke ist, dass Interessierte so möglichst schnell von etwaigen den Markt kontrollierenden Token-Bewegungen erfahren. Sofern die Adressen auf der Blockchain bestimmten Börsen oder sonstigen Entitäten zuzuordnen sind, wird diese Information ebenfalls geboten. Es kommt dann zu Tweet-Antworten wie diesen:

News um eine Bewegung von mehreren tausend Bitcoins beschäftigen die Community, wie auch an obigen Kommentaren sichtbar ist. Kann jedoch so ohne Weiteres ein Zusammenhang zwischen großen Transaktionen und dem Kurs gefunden werden? Sollten große Transaktionen einen starken Einfluss auf die Kurse von Kryptowährungen haben, sollte man einen zeitlichen Zusammenhang zwischen dem On-Chain-Verhalten und den Kursen, mindestens an verschiedenen Börsen, erkennen können. Dank Whale Alert können die Zeitpunkte großer Token-Bewegungen auf unterschiedlichen Blockchains ausgelesen werden. Whale Alert unterscheidet dabei zwischen drei Gruppen von Transaktionen:

Transfers zwischen verschiedenen Adressen können beispielsweise von oder zu Börsen gehen. Diesem Typ von Transaktionen, speziell wenn es zu einer bestimmten Börse oder von einer Börse weggeht, wird sehr viel Bedeutung beigemessen.

Generierung oder Minting von Token findet speziell im Bereich der Stable Coins statt. Insbesondere Tether kann sich nicht von derartiger Token-Generierung freisprechen. Da Tether zusätzlich noch sehr eng mit der Börse Bitfinex assoziiert ist, haben die Vorwürfe einer Kursmanipulation Bitcoins durchaus ein gewisses Fundament. Verbrennen (Burning) von Token ist letztlich das Gegenteil der Token-Generierung. Token werden vernichtet. Bei Krypto-Assets mit einer zentraleren Governance findet derartiges durchaus häufiger statt. Wichtig bezüglich etwaiger Token Burns ist, dass diese auch auf dem Weg eines Transfers laufen können: In diesem Fall überweist der Wal eine große Menge Token einfach an eine Adresse, die niemand kontrolliert. Können nun diese unterschiedlichen Formen von On-Chain-Transaktionen einen Einfluss auf die Kurse haben? Um das genauer zu analysieren, haben wir uns die Meldungen von Whale Alert zwischen dem 14. Oktober und dem 14. November 2019 angeschaut. Insgesamt kam es in dieser Zeit zu gut 800 auf Whale Alert gemeldeten Ereignissen und damit zu einer akzeptablen Statistik.

Transfers

Transaktionen von und zu Börsen hin stehen in dem Verdacht, die Kurse dramatisch zu beeinflussen. Der Gedankengang ist einleuchtend: Wale übertragen eine große Menge an Token an eine Börse und verkaufen diese da. Durch die Veräußerung im großen Stil wird das Order Book erschüttert und es kommt zu einem Kurssturz. Lässt sich Derartiges über die Daten auf Whale Alert verifizieren? Zumindest, was Bitcoin selbst betrifft, eher weniger:

Zugegeben: Die Geldmenge Bitcoins ist so groß, dass selbst etwaige Wale es schwer haben sollten, diesen Kurs dramatisch zu manipulieren. Wie sieht es jedoch mit kleineren Kryptowährungen aus? Es ist interessant zu beobachten, wie sich beispielsweise Link im Zuge großer Transaktionen verhielt:

Hier sieht man einen eindeutigen Zusammenhang zwischen dem Schieben von insgesamt vier Millionen US-Dollar in LINK auf Binance und dem Einbrechen des Chainlink-Kurses bezüglich Bitcoin. Ob dieser jedoch eine Nebenerscheinung des allgemeinen Kursturzes oder ein durch die große Tokenbewegung ausgelöstes Ereignis ist, kann man diskutieren.

Minting

Ein klassisches Beispiel des Kurseinflusses durch die Generierung weiter Coins ist das „Drucken“ von Tether. Griffin und Shams haben erst im letzten Monat ein Research Paper zu der These, dass der Bitcoin-Kurs Ende 2017 in erster Linie durch das Drucken von USDT-Token in die Höhe getrieben wurde.

Auch heutzutage lassen sich derartige Entwicklungen mindestens vermuten: Nachdem der Bitcoin-Kurs Ende Oktober unter 8.000 US-Dollar fiel, konnte er im Anschluss daran auf über 10.000 US-Dollar steigen. Auch Tether war in der Zeit nicht inaktiv:

Ob man hier Tether den schwarzen Peter zuschieben kann, sei dahingestellt. Zwar existiert ein grober zeitlicher Zusammenhang aber gerade bei der größten Token-Bewegung blieb der Bitcoin-Kurs vergleichsweise ruhig.

Burning

Ein besonders dramatisches Ereignis bezüglich der Token Burns spielte sich am 5. November ab: Die Stellar Development Foundation verringerte den XLM-Supply um 50 Prozent. Tatsächlich stieg der Lumen-Kurs im Zuge dieses Burnings:

Der Einfluss war jedoch vergleichsweise gering: Trotz einer Reduktion der Token-Menge um über 50 Prozent stieg der Kurs gerade einmal um gute 20 Prozent an. Zusätzlich sank der Stellar-Kurs innerhalb der nächsten Tage wieder auf das Ursprungslevel, konnte jedoch von dort wieder etwas ansteigen.

Worauf sollten Anleger achten?

Wir sehen: Zum Teil existieren zeitliche Korrelationen zwischen Onchain-Bewegungen und den Kursen der Kryptowährungen. Diese reichen jedoch nicht aus, um sich bei Tweets auf Whale Alert direkt Sorgen zu machen. Anleger können Whale Alert und ähnliche Dienste als ein Frühwarn-System sehen, welches jedoch eher weitere Analyseschritte nach sich ziehen sollte.

Dabei wäre als erstes ein genauerer Blick On-Chain sinnvoll. Whale Alert und ähnliche Dienste verlinken auf relevante Transaktionen auf einem die Kryptowährung unterstützenden Explorer. Gerade im Bitcoin-Ökosystem sind viele der zu Börsen gehörende Adressen bekannt. Sollte es also zu einer großen Transaktion von einer Börse auf eine unbekannte Wallet gehen, kann häufig auf den zweiten Blick diese eine Cold Wallet der Börse sein. Wichtig wäre in dem Zusammenhang auch ein Verfolgen der sozialen Medien um besagte Börse. Häufig geben Börsen bekannt, wenn interne Wallet-Arbeiten stattfinden, so dass Anleger sich nicht über Bewegungen auf der Blockchain Sorgen machen müssen. Schließlich kann das Beobachten des Order Books hilfreich sein. Wie weiter oben dargestellt, können Tätigkeiten wie Spoofing oder Wash Trading zum Teil im Order Book gesehen werden. Dasselbe gilt auch für Pump- and Dump-Systeme.

Zum Abschluss können Anleger sich noch die einfachste Faustregel merken: Je größer die betrachtete Kryptowährung und je liquider die Börse, desto geringer sollte der Einfluss durch etwaige Waltätigkeiten sein. Größen wie die Marktkapitalisierung - oder noch besser die realisierte Kapitalisierung-können eine Orientierung darüber bieten, wie dramatisch etwaige Einflüsse von Walen sein können. An sich wäre das Handelsvolumen von Börsen ebenfalls eine wichtige Größe. Es ist jedoch ein offenes Geheimnis, dass viele Börsen hier inkorrekte Werte angeben. In der Mai-Ausgabe des Kryptokompasses von 2019 wurden einige Börsen im Kontext von Initial Exchange Offerings diskutiert. Dieser Artikel, wie auch der Bitwise Report, bieten eine Orientierung, wie weit dem Handelsvolumen auf der jeweiligen Börse zu vertrauen ist. Kurzgefasst: Je kleiner der Markt desto höher das Risiko, in die Fänge der Wale zu gelangen. Keine Angst vor Walen!

Weitere Literatur

Griffin, Shams – Is Bitcoin really Un-tethered?, dazu eine kritische Abhandlung auf Long Hash

Stellar Foundation halbiert Lumen-Supply

Was ist das Order Book?

Detecting Stock Market manipulations using supervised learning algorithms

Report vom Bitwise Asset Management über Krypto-Börsen