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Küchenfronten mit Geschichte


Landlust Zuhaus - epaper ⋅ Ausgabe 3/2019 vom 03.07.2019

Werner Leuthe gestaltet Böden, Küchen und Möbel mit Furnieren aus gebrauchtem Eichenholz.


Artikelbild für den Artikel "Küchenfronten mit Geschichte" aus der Ausgabe 3/2019 von Landlust Zuhaus. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Landlust Zuhaus, Ausgabe 3/2019

Diese Küche trägt ein Furnier aus Mooreiche, die wahrscheinlich mehrere Tausend Jahre alt ist. Der Schreiner hat die Maserung über die verschiedenen Flächen durchlaufen lassen.


Diese Furniere waren einst alte Balken in einem Bremer Fachwerkhaus.


Auch mit rustikalem Material ist eine moderne Wirkung machbar.


Das Furnier wird zu Platten verpresst …


… und zu Fronten und Blenden verarbeitet.


Werner Leuthe schleift seine Schätze mit Vorsicht.


Die Blockbandsäge bewegt sich waagerecht durch den schwarzgrauen Balken, durch die ...

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Die Blockbandsäge bewegt sich waagerecht durch den schwarzgrauen Balken, durch die Wunden der Jahrhunderte, die Löcher und Risse, die Spuren von Nägeln und Holzwürmern. Gerade so will Werner Leuthe seine Bretter haben.
Selbst bei den alten Bodendielen darf die Schleifmaschine nicht recht ran. Leuthe lässt sie da, die Patina von Pfützen und Flecken, die Spuren von Schuhen und Pantoffeln, die das Holz flach gelaufen haben.
„Früher wollten die Kunden Perfektion, gleichmäßige Flächen, glatt, fehlerfrei“, sagt Leuthe. „Heute wünschen sich viele die Lebendigkeit von altem Holz“. Der gelernte Parkettleger, 57, stammt aus Augsburg. Nach der Lehre hatte er den väterlichen Verlegebetrieb verlassen und dasselbe Handwerk in Rosenheim auf eigene Faust betrieben: 30 Jahre lang Böden legen – mit 15 Mitarbeitern.

Mindestens 100 Jahre

2009 hat er die Werkstatt zugemacht, den Firmennamen und die Kundenkartei verkauft. Exklusive Raumgestaltung aus Altholz, genauer aus alter Eiche, sollte von nun an sein Geschäft sein – unter der Marke Old Oak. Zuvor war es schon sein Hobby gewesen. Jetzt verkauft er zum Broterwerb Furniere aus mindestens 100 Jahre altem Holz oder gestaltet daraus selbst Möbel und Bodenbeläge. „Ich habe viel Lehrgeld bezahlt“, räumt Leuthe ein. Die seriösen Anbieter unter den Altholzhändlern zu finden, die guten Betriebe unter den Trockenofenbetreibern, Sägewerken und Lohnfertigern in der Region, aber auch im östlichen Ausland, das war nicht leicht.
Was der Fachmann hatte, war viel Wissen über Holz und seine Kontakte zu Architekten, Schreinern und Bauherren. So konnte er auf Empfehlungen hoffen. Interessenten kommen heute entweder selbst in seine Ausstellung oder bitten ihren Schreiner, bei ihm vorbeizuschauen. Auf Wunsch vermittelt Leuthe aber auch Handwerker, die mit seinem Material gut umgehen können.

Dünne Furniere aus dicken Balken

Das warme Holz einer alten Eiche wird hier mit kühlem Edelstahl kombiniert.


Ihnen liefert er fünf Millimeter dickes Furnier (zum Beispiel aus alten Balken), das er zu Platten verpresst hat. Daraus können die Küchenbauer ihre Fronten schneiden und auf Tischlerplatten verkleben. Die Kanten bekommen einen Umleimer, ebenfalls aus Furnier. Dickere, 40 bis 50 Millimeter starke Platten verarbeitet Leuthe meistens selbst zu Tischen oder Theken. Auch Altholzböden kann man bei ihm beziehen. Hier wird das
Furnier mit neuem Unterbau zu dreifach verleimten Fußbodenbrettern.
Das Eichenholz, das er bearbeitet, ist nicht von hier. Natürlich stehen gerade in Oberbayern riesige alte Eichen. Man kennt sie als Solitäre in der Landschaft, Wegmarken, Schutzpflanzungen am Rande großer Nadelwälder. Doch als Baumaterial hat die Eiche hier keine große Tradition. Auf den kargen Böden wuchsen Fichte und Weißtanne in Mengen und mit den gewünschten dichten Jahresringen. Für Bauernhäuser, Scheunen und Stadel nahm man gewiss nicht die kostbare Eiche her.

Fundstücke aus Eichenholz

Beim Verbauen der Hölzer geht es um das Gefühl für Maserung und Farbe.


So muss der Handwerker seine Quellen im Norden und Osten suchen, im Spessart, im Raum Bremen, in Slowenien und Kroatien. Hier ließen gute Böden riesige Eichenwälder entstehen. Und natürlich verwendeten die Menschen in vorindustrieller Zeit den Rohstoff vor ihrer Haustür für Häuser, Möbel und Arbeitsgeräte. Bis zu 300 Jahre alte Weinpressen aus Slowenien, 50 Zentimeter dick, teils mit eingravierter Jahreszahl, zeugen von dieser Vergangenheit.
Das Material hat seinen Markt. Fachwerkbauten, Blockhäuser, Scheunen – wer immer etwas Derartiges abreißen will, hat schnell die Altholzhändler vor der Tür. Doch das Angebot ist endlich. Auf 20 000 bis 50 000 Kubikmeter schätzt Leuthe die Vorräte an altem Eichenholz in Europa.

Genaue Altersbestimmung

In dieser Küche wurden historische Balken aus Kroatien verbaut. Man sieht noch die Spuren von alten Verzapfungen.


Die Wurmlöcher sind mit schwarzem Kitt gefüllt.


Leuthe macht aus dem hochwertigen Holz Furniere für Fußböden für 200 bis 300 Euro pro Quadratmeter oder mehrere 1000 Euro teure Tische und Theken mit Stahlunterbau vom Ausmaß einer Festtafel. „Die Kunden möchten schon gerne wissen, woher das Holz genau kommt, wann es wohl gefällt wurde, wozu es vorher gedient hat“, erzählt Leuthe. Auf Wunsch lässt er es sogar wie ein Archäologe datieren und stellt entsprechende Zertifikate aus.
Bis Sylt und Potsdam hat Old Oak schon geliefert. Küchen der näheren Umgebung sind aus Leuthes Altholz entstanden, vor Kurzem sogar aus kostspieliger Mooreiche. Die Stämme sind luftdicht abgeschlossen im Moor erhalten geblieben. Aber auch Kleinmöbel, zum Beispiel eine Flurgarderobe, kann man bei ihm ordern.

KONTAKT

Werner Leuthe
Old Oak GmbH
Meraner Straße 32
83024 Rosenheim
Tel.: 0 80 31/4 31 36
www.oldoak.de