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KÜNSTLERISCHE FREIHEIT: APOCALYPTICA


Metal Hammer - epaper ⋅ Ausgabe 1/2020 vom 11.12.2019

APOCALYPTICA besinnen sich auf ihren Ursprung und liefern mit CELL-0 ein reines Instrumentalalbum ohne gesanglichen Gastbeitrag. Die Finnen genießen allerhand Freiheiten und stellen diese ganz bewusst vor kommerziellen Erfolg. Mit EICCA TOPPINEN (2.v.l.) ergründen wir, wie viel Leidenschaft trotz jahrelanger Erfahrung noch immer in der Cellisten-Combo brodelt und versuchen außerdem, ihm einige Details zur anstehenden Tournee mit Sabaton zu entlocken.


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... bespielt haben, bitten Apocalyptica mit Sprachrohr Eicca Toppinen nur wenige Häuser weiter zum Interview. Die leise, aber vehemente Hoffnung, der Cellist würde auf ein kurzes Gastspiel für den gemeinsamen Song ‘Bittersweet’ bei Lauri Ylönen und Co. vorbeischauen, erweist sich im Nachhinein leider als Wunschdenken; wäre ja auch zu schön gewesen. Vom Konzert seiner Kollegen habe er zwar gewusst, das Cello jedoch auf der laufenden Promoreise nicht dabei, rechtfertigt Toppinen sein Fernbleiben – na gut. Sein Instrument ist dem Musiker bereits einen Schritt voraus und auf dem Weg zum nächsten Konzerttermin in die Türkei. Zum Zeitpunkt unseres Gesprächs stecken die Finnen noch immer inmitten ihrer „Plays Metallica By Four Cellos“-Tour und feiern mit nunmehr circa 230 Shows ausgiebig den zwanzigsten Geburtstag des gleichnamigen Debüts von 1996. Auch wenn das letzte reguläre Studioalbum SHADOWMAKER (2015) vier Jahre zurückliegt, kann von Ruhephase nicht die Rede sein. Generell scheinen Apocalyptica umtriebig und voller Arbeitseifer: Pünktlich zur im Januar anstehenden Tour mit Sabaton und Amaranthe steht mit CELL-0 ein neues Album in den Startlöchern, das eine Rückbesinnung zum Ursprung der Band markiert. Ohne Gastsänger legt das Quartett den Fokus einzig auf die instrumentale Darbietung. Die Bedeutung des Albumtitels scheint auf den ersten Blick also ziemlich offensichtlich zu sein…

… doch der Titel steht nicht, wie zunächst vermutet, für das Wort „Cello“, sondern für „Cell-Zero“.
Mit der „Plays Metallica By Four Cellos“-Tournee wollten wir zurück zu unseren Wurzeln, und mit dem darauf folgenden Album an die Zeiten von CULT (2000) und REFLECTIONS (2003) anknüpfen. Dort liegt der Kern von Apocalyptica. CELL-0 steht für den Ursprung aller Dinge im Universum – die Zelle, aus der heraus alles entsteht. Auch Noten haben denselben Ursprung, doch es gibt unzählige Möglichkeiten und Variationen, sie miteinander zu kombinieren.

Seit der Veröffentlichung von SHADOWMAKER sind vier Jahre vergangen. Mit welchen Gefühlen blickst du heute auf das Album?
Mit SHADOWMAKER haben wir nicht das erreicht, was wir uns vorgenommen hatten. Ich habe den Eindruck, dass für manche Fans Album und Band nicht zusammengepasst haben.

Die Lieder gingen vorrangig in Richtung Rock und Alternative…
… und waren nicht mehr wirklich Metal. Vieles war anders und ich verstehe, dass es nicht von jedem wohlwollend zur Kenntnis genommen wurde. Auch wenn dieses Album nicht so erfolgreich war: Ich bin stolz auf die Platte, finde sie großartig, kann aber auch andere Meinungen nachvollziehen und verstehe die Kritik. Vor allem, wenn jemand eher mit Alben wie CULT oder REFLECTIONS sympathisiert.

CELL-0 beinhaltet jedenfalls all das, was SHADOWMAKER vielleicht vermissen ließ.
Für uns hat es sich richtig angefühlt, und wie erwähnt spielen wir gegenwärtig eine instrumentale Tournee. Mit SHADOWMAKER sind wir ziemlich weit gegangen, schon allein unter dem Aspekt betrachtet, dass wir quasi einen festen Sänger hatten (Franky Perez – Anm.d.A.). Die Stücke waren sehr vom Gesang bestimmt. Auch das ist ein Teil von Apocalyptica. Wir haben seit unserem Bestehen mit vielen Künstlern zusammengearbeitet, die unsere Musik unterschiedlich beeinflusst haben.

Doch nicht auf CELL-0. Wart ihr der Kollaborationen diesmal leid?
Vor SHADOWMAKER war ich wirklich genervt, was die Zusammenarbeit mit anderen Musikern angeht. Die Zeiten waren zwar stets spannend, aber auch von vielen äußeren Faktoren abhängig. Diesmal wollten wir einfach selbst Herr der Lage sein. Man muss nicht zwingend beides in ein Paket pressen (instrumentale Stücke sowie solche mit Gesang – Anm.d.A.). Dank der modernen Technik können wir Lieder mit Gesang veröffentlichen, wann immer wir wollen. Dabei müssen diese aber keinesfalls in direkter Verbindung zu einem neuen Album stehen.

METAL HAMMER-Autorin Lisa Gratzke mit Eicca Toppinen


Neben Gastvokalisten habt ihr auch auf einen Produzenten verzichtet.
Wir haben quasi die Tür hinter uns geschlossen und sind lediglich mit einem Toningenieur ins Studio gegangen. Als wir angefangen haben, am Album zu arbeiten, hatten wir nicht einmal einen Plattenvertrag – und wollten das auch nicht. Wir wollten uns durch nichts und niemanden beeinflussen lassen.

Dieses Vorgehen erfordert viel Eigenverantwortung und bringt bestimmt die ein oder andere Schwierigkeit mit sich?
Nicht mehr als in der Vergangenheit auch. Wir haben viel Musik veröffentlicht und während all dieser Produktionen immer dazugelernt. Wir wissen, wie man mit Celli aufnehmen muss, was funktioniert und was nicht. Ein Produzent will von Beginn an wissen, in welche Richtung die Platte gehen wird. Doch wir wollten niemandem erklären müssen, worauf wir abzielen. Wir haben die Arrangements der Songs im Studio erarbeitet und sogar während der Aufnahmen noch viel geschrieben. Das Album ist auf eine sehr organische, intensive Art entstanden. Jeder war für seine eigenen Kompositionen verantwortlich und kümmerte sich darum, dass alles eingespielt wird. Sehr angenehm, aber natürlich auch viel harte Arbeit – so wie bei jedem Album, egal ob mit oder ohne Produzent.

Mit den bereits veröffentlichten Stücken ‘Ashes Of The Modern World’ oder ‘Rise’ gebt ihr einen Einblick in das, was den Hörer auf CELL-0 erwartet. Wie empfindest du die bisherige Resonanz?
Soweit ich das beurteilen kann, wirklich positiv. Ich habe ein paar Kommentare auf YouTube gecheckt: Darin wurde der Stil als intensiv und düster beschrieben. Exakt so sollen sich die Lieder anfühlen. Wir erwarten nicht, dass CELL-0 ein „Bestseller“ wird. Die Leute sollen das Album als wichtig empfinden. Das ist die Hauptsache. Die Schönheit instrumentaler Musik liegt darin, dass sie jeder individuell erfahren kann. Wir geben dem Hörer eine Plattform für seine unterschiedlichen Gedanken und Gefühle, und um Unterbewusstes nach vorne zu locken.

Welche Emotionen hast du empfunden, als du die fertige Platte zum ersten Mal gehört hast?
Ich bin mit allen Songs zufrieden. Wir haben es geschafft, auszudrücken, was wir ausdrücken wollten. Am intensivsten jedoch ist das Songwriting, mit vielen Auf und Abs. Im einen Moment ist man total überzeugt von dem, was man geschrieben hat, während man im nächsten alles scheiße findet und von Selbstzweifeln geplagt wird. Ich bin kein Mensch, der immer sofort mit seiner Arbeit zufrieden ist. Okay, etwas ist gut. Doch es kann noch besser, noch aufregender, noch tiefgründiger werden! Ich versuche mich immer aufs Neue herauszufordern und das, was ich erschaffe, zu hinterfragen. Das ist schwierig, führt letzten Endes jedoch zu besserer Musik.

Welche Ziele hast du dir für die Zukunft gesteckt?
Persönlich versuche ich, mental frei zu sein. Freiheit ist der Schlüssel zum Glück. Mit Apocalyptica haben wir hart gearbeitet, um das zu erreichen. Technisch betrachtet würde ich gerne mehr Filmmusik schreiben und erhoffe mir außerdem viele spannende und herausfordernde Projekte von denen ich nicht weiß, ob sie erfolgreich sein werden oder nicht. Ich mag es, ins kalte Wasser zu springen und dann zu sehen, wie ich mich darin behaupte. So lernt man am meisten.

Doch erst einmal geht es für euch auf Tour – gemeinsam mit Sabaton und Amaranthe!
Sabaton sind auf uns zugekommen. Sie wollten mit der Tour zu THE GREAT WAR nicht nur verschiedene Künstler zusammenbringen, sondern jeden Abend ein richtiges Event kreieren. Amaranthe werden eröffnen, danach sind wir an der Reihe. Die jeweilige Band wird aber nicht einfach nur ihren Auftritt abliefern… Mehr werde ich nicht verraten. Alles zu seiner Zeit. (lacht)

Das klingt spannend, und bei dir scheint die Vorfreude auf die gemeinsame Zeit – trotz des noch laufenden Tourneemarathons – bereits ebenfalls groß zu sein.?
Ich liebe jedes Konzert, das wir spielen, und ganz besonders die Verbindung, die ich zum Publikum spüre. Es geht nicht um mich oder darum, wer ich bin. Es geht um die Leute. Wir haben über die Jahre begriffen, wie wichtig für unsere Hörer das ist, was wir tun. Das ist sehr bewegend und eine große Auszeichnung! Wir wollen andere mit unserer Musik erreichen. Dabei spielt es keine Rolle, wie viele es sind. Es wird immer Menschen geben, die die Musik genauso fühlen wie wir.