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Künstliche Intelligenz auf dem Vormarsch


TASPO - epaper ⋅ Ausgabe 41/2018 vom 13.10.2018

Aktuelle Entwicklungen im Gartenmarkt standen im Fokus des 5. GardenSummit des BHB Handelsverbandes Heimwerken, Bauen und Garten. Bei dem Gipfel ging es insbesondere um den immer populärer werdenden E-Commerce und geeignete Gegenstrategien des stationären Handels. 130 Teilnehmer, darunter ein Drittel aus dem Handel, informierten sich in Köln am 5. September in Experten-Vorträgen zu Vertriebskanälen, Trends und erfolgsversprechenden Zukunftsstrategien. VonVerena Groß


Die Baumärkte holen sich noch immer das größte Stück vom Gartenmarkt-Umsatz, aber es wird kontinuierlich kleiner, wie Kai Kächelein, ...

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... kommissarischer Vorstandssprecher des BHBs, während der Begrüßung sagte. Das liegt vor allem am Internet: Zwar macht der Anteil des Versandhandels erst 3,7 Prozent aus, doch der Wettbewerb wird härter, insbesondere durch Amazon, weshalb jetzt das eigene Geschäftsmodell überprüft werden sollte, riet Kächelein. Bislang sind die Gartensortimente mit einem Gesamtbruttoumsatz von 2,73 Milliarden Euro wichtige Treiber des Umsatzwachstums von 1,7 Prozent zur Jahresmitte.

Mit stimmigen Konzepten auf der Fläche werden sich Kunden auch in Zukunft begeistern lassen. „Wo – wenn nicht im Garten – gelingt es, den viel zitierten Erlebniskauf zu zelebrieren?“ fragte Kächelein. Laut Marktforschungs-Portal Statista ist der Garten für 89 Prozent der Deutschen ein Ort zum Wohlfühlen. Und dafür wird bereitwillig Geld ausgegeben. Im Trend für das kommende Jahr sind Wohnwelten für den Garten mit gemütlichen Sitzgruppen und Outdoorküchen. „Auch die Nachfrage nach dem Zweitgrill ist ungebrochen“, sagte Kächelein.

Dienstleistungen werden zunehmend gefragt und die Nachfrage nach gärtnerischer Unterstützung steige. Darauf müsse der Handel stärker als bisher mit einem „Do it for me“ reagieren. Gefragt seien zudem fertige Ideen und Lösungen. Der stationäre Handel müsse seine Cross-Channel-Kompetenz ausbauen und ogistik-Leistungen entwickeln.

Wachstumstreiber: Grills und Bewässerung

Christian Knapp, Head of Retail Home der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK), präsentierte in seinem Vortrag die gesamtwirtschaftlichen Rahmenbedingungen für den grünen Markt. Die Branche könne derzeit insgesamt von der aktuellen Konsumlaune der Verbraucher profitieren, die stark in den eigenen Wohnungsbau und Renovierungsarbeiten investierten. So kauften 84,4 Prozent aller Haushalte in Deutschland mindestens einmal im Jahr Produkte des Gartensortiments, im Schnitt gäbe dabei jeder Haushalt 355 Euro aus.

Dabei sei die Entwicklung innerhalb der Vertriebslinien unterschiedlich. Im Gegensatz zu den Baumärkten mit einem Umsatzzuwachs von 1,7 Prozent und einem Plus im Bereich Garten von 2,9 Prozent im 1. Halbjahr 2018 hätten die Gartencenter im selben Zeitraum 1,8 Prozent des Gesamtumsatzes eingebüßt, dabei 0,5 Prozent im Bereich Garten im engeren Sinne. Insgesamt seien die Rahmenbedingungen heute aber für alle Anbieter mit Blick auf die privaten Konsumausgaben der Verbraucher gut, betonte Knapp. Wichtigste Wachstumstreiber seien dabei derzeit insbesondere Grillgeräte und das Thema Bewässerung.

Vision: Gartencenter als Treffpunkt in der Stadt

Seine Vision vom Handel der Zukunft stellte Jens Fischer vor, Inhaber von K.U.L.T.OBJEKT Marken- und Erlebnisarchitektur. Das Gartencenter der Zukunft ist für ihn ein Treffpunkt in der Stadt. „Jene Marken und Händler werden künftig erfolgreich sein, die sich als Teil einer Freizeitkultur verstehen und um das Thema ‚Shopping‘ herum ‚gesuchte Orte‘ kreieren, wo es den Menschen Spaß macht hinzugehen“, glaubt Fischer. So könnten sich Gartencenter in Marktplätze mit Anziehungskraft entwickeln, wo Geschichten erzählt werden und wo eine Kleinkunstbühne, Picknickflächen und Sitzbänke zum Verweilen einladen.

„Sie werden mehr Aufmerksamkeit in den Ort des Verkaufens legen müssen, um Menschen in Zukunft grüne Erlebnisse verkaufen zu können“, sagte Fischer. Händler müssten in drei Jahren entschieden haben, wie sie ihre Verkaufsorte umbauen und dies in fünf Jahren umsetzen. „Ansonsten haben sie spätestens in sechs Jahren die größten Probleme.“

Künstliche Intelligenz: Maschinen beraten künftig

Braucht ein Unternehmen künstliche Intelligenz, um in Zukunft erfolgreich zu sein? Dieser Frage ging Alexander Kelm, Geschäftsführer von Green Solutions Software, in seinem Vortrag nach. Er führte aus, bis 2020 werden 85 Prozent aller Kundeninteraktionen ohne menschlichen Service auskommen. Darüber hinaus gehen bis 2025 etwa 140 Millionen Vollzeitstellen verloren und werden durch künstliche Intelligenz ersetzt. Laut Kelm hat es bei der künstlichen Intelligenz einen großen Entwicklungsschub in den vergangenen Jahren gegeben, und im nächsten Schritt werden auch die grünen Themen betroffen sein.

Die Autorin

Verena Groß, Freie Journalistin, ausgebildete Zeitungsredakteurin und Biologin

Spannende Vorträge bot der diesjährige BHB GardenSummit in Köln. In Parallelsessions konnten die Teilnehmer verschiedene Fokuspunkte auf den Point of Sale setzen.


Foto: BHB

Ein Anwendungsbeispiel sind Chatbots, also Dialogsysteme, bei denen ein Mensch schriftlich oder über Sprache Informationen mit einem technischen System austauscht. Ein solches Programm lässt sich beispielsweise in einem Webshop für Pflanzen einsetzen. Kunden kommen ohne Wartezeiten schneller und zu jeder Tagesund Nachtzeit zu ihren Antworten.

Chatbots können auch eingesetzt werden, um über Whatsapp mit Kunden zu kommunizieren. Beispielsweise wenn sie Fragen zum Rückschnitt ihrer Pflanzen haben oder einen Tisch im Gartencenter-Café reservieren wollen. Benötigt ein Kunde Beratung für das Pflanzen einer Hecke, kann ihm der Chatbot ein erklärendes Video dazu heraussuchen. Künstliche Intelligenz ist auch in der Lage, auf einem Foto einen Schädling oder eine Krankheit zu identifizieren und ein passendes Pflanzenschutzmittel zu empfehlen.

Durch aktives „Social Listening“ eröffnet sich für Händler die Möglichkeit der aktiven Kontaktaufnahme. Postet ein Familienvater über Facebook ein Foto von seiner Frau mit einem Blumenstrauß, macht ihm das intelligente System ein Kompliment und erinnert ihn zum nächsten Valentinstag daran, seiner Frau wieder Blumen zu schenken. Einen Strauß, der zu seinem Profil passt, bekommt er gleich vorgeschlagen.


„Sie werden mehr Aufmerksamkeit in den Ort des Verkaufens legen müssen, um Menschen in Zukunft grüne Erlebnisse verkaufen zu können“.
Jens Fischer, CEO K.U.L.T.OBJEKT


Anstatt allen Zielgruppen die gleichen Informationen zu geben, werden sie personalisiert und beispielsweise zwischen Hobbygärtner, Staudensammler und einem passioniertem Griller unterschieden. Zudem misst künstliche Intelligenz, welche Angebote funktionieren, lernt daraus und schlägt Produkte nach dem Geschmack des Kundentypen vor.

Will der Kunde einen Balkonkasten bepflanzen, kann er Kombinationen online ausprobieren und bekommt angezeigt, welche weiteren Artikel zu seiner Auswahl passen. Personalisierte Inhalte erhöhen nach Aussage von Kelm die Kaufwahrscheinlichkeit um 34 Prozent und sorgen für einen 19-prozentigen Anstieg der Verkäufe. Künstliche Intelligenz ermögliche es auch, anhand von Fotos nach einem Produkt zu suchen. Wer beispielsweise eine Pflanze am Straßenrand oder auf dem Foto in einer Zeitschrift entdeckt, kann sie abfotografieren und sich anzeigen lassen, wo es sie zu kaufen gibt. Mit Hilfe von Augmented Reality lässt sich über die Kamera des Smartphones ein Gegenstand aus dem Onlineshop, etwa ein neuer Gartentisch oder ein Baum, digital in einer tatsächlichen Umgebung darstellen. „Die Qualität der Zusammenarbeit zwischen Mensch und Maschine bestimmt künftig den Wettbewerb“, lautete das Fazit von Kelm.