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Kultur-Notizen


Die Kirche - epaper ⋅ Ausgabe 26/2021 vom 04.07.2021

Chorin/epd Der 58. Choriner Musiksommer wurde am vergangenen Samstag mit einem Konzert des Philharmonischen Orchesters des Staatstheaters Cottbus eröffnet. Auf dem Programm des Festivals im früheren Zisterzienserkloster Chorin stehen 36 Konzerte an 18 Tagen, darunter mit dem Blechbläser -ensemble Ludwig Güttler, dem Dresdner Kreuzchor, den Berliner Symphonikern, dem Kammer -orchester des Nationaltheaters Prag und dem Mendelssohn Kammer -orchester Leipzig. Das Abschluss -konzert am 29. August wird von den Blechbläsern des Rundfunk-Sinfonieorchesters Berlin gestaltet.

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Albrecht Mayer hat während der Corona-Pandemie in Berliner Parks gespielt.
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Weder Ghandi noch Mutter Theresa

Albrecht Mayer ist Solo-Oboist bei den Berliner Philharmonikern. Auch für ihn gab es seit Beginn der Corona-Pandemie kaum noch Möglichkeiten vor Publikum aufzutreten. Also schwang sich der Musiker auf sein Rad und beglückte Menschen kostenlos im Park mit Bach, Händel oder Mozart. Mit Almut Lüder sprach er über diese Zeit als „Straßenmusiker“

Herr Mayer, Sie waren in den vergangenen Monaten in Parks unterwegs und spielten Ihre Oboe als Maßnahme gegen die Corona- Tristesse. Was hat das mit Ihnen gemacht?

Für uns Musiker ist es wichtig, sich auf einer Bühne zu verströmen und dabei Energie zu empfangen. Die Bühne kann alles sein. Als Kind in den 1970er Jahren wurde ich auf Partys aufgefordert: Spiel’ doch mal was. Bei Einladungen bei Freunden heute heißt es: Willst du etwas spielen? Dass ich mit Corona in die Zeit zurückgefallen bin wie als Zwölfjähriger, als ich in der Fußgängerzone gespielt habe, war etwas Besonderes. Bei den Parkmusiken in Neukölln, Kreuzberg, Moabit, Wedding und Reinickendorf bin ich mit dem Fahrrad hinfahren. Dabei baute ich Energie ab. Dann spielte ich dort für Arbeitslose oder Flüchtlinge mit anderem Kulturhintergrund. Das war eine positive Geschichte: Ich konnte mich verströmen, meine Energie abbauen und gleichzeitig mein Herz ein bisschen heilen lassen durch Menschen, die mir zuhörten. Gleichzeitig habe ich geübt.

Was haben Sie gespielt?

Alles, wofür ich keine Noten brauchte. Sämtliche Arien, die ich von Bach kenne, ein bisschen Mozart, ein bisschen Händel.

Bei Straßenmusik ziehen doch nur die Hits.

Als ich Kind war, war das so. Später kam ein Boom mit Straßenmusikern, da musste man sich Gehör verschaffen. Ich erinnere mich an die peruanischen Flötenensembles, die durch die Lande zogen. Das wurde alles so inflatorisch, dass dem irgendwann ein Riegel vorgeschoben wurde. Im letzten Jahr gab es in den Städten ja nur noch Imbissstände, die geöffnet hatten. Alles andere war zu. Als ich dann meine Stücke ohne Begleitung gespielt habe, war das Anziehungspunkt genug.

Der Weltklassegeiger Joshua Bell hat einmal als Bettler verkleidet, in Washington in der U-Bahn, Bach-Solo-Partiten gespielt. Alle liefen an ihm vorbei, jedoch einer erkannte ihn und warf ihm 20 Dollar in den Kasten. Haben Sie ähnliches erlebt?

Dort, wo ich gespielt habe, wurde ich normalerweise nicht erkannt. Da leben Menschen, die sich Tickets für die Philharmonie gar nicht leisten können. Deshalb war es für mich besonders schön, als sie die Musik genießen konnten und ich merkte, dass sie ihnen guttut. Wenn man andere glücklich macht, macht man sich selbst auch glücklich.

Werden Sie Ihre Erfahrungen zu den Philharmonikern mitnehmen, künftig einen kleinen Teil der Plätze für Bedürftige frei zu halten?

Wir haben schon etliche soziale Projekte durchgeführt wie „Rhythm is it“ oder „Trip to Asia“ für Kinder aus unterprivilegierten Familien, als Simon Rattle unser Chef war.

Hat Sie Corona, haben die letzten anderthalb Jahre Sie in irgend - einer Weise weitergebracht?

Ich kann nicht feststellen, dass Corona für die Menschen irgend - etwas besser gemacht hat. Es ist eine sehr traurige Bilanz, weil das Kulturleben im europäischen Ausland ganz anders unterstützt wurde als bei uns. Spanien oder Italien waren stark von der Pandemie betroffen. In den Ländern sind schon lange wieder viele Dinge offen und finden Konzerte statt. Bei uns sind Kulturveranstaltungen immer noch hintenangestellt. Es werden erst die Biergärten, die Schwimmbäder, dann die Stadien geöffnet mit 10 000 Leuten, dann kommen wir und dürfen einen Saal für 2 500 Leute mit 1 000 Leuten schachbrettmusterartig besetzen. Damals wurde das als großes Geschenk gefeiert. Das kann ich nicht als solches empfinden.

Sind die Parkmusiken in Berlin für Sie auch ein Akt der Nächstenliebe?

Ich bin Christ und halte viel von christlicher Nächstenliebe. Aber, wie ich vorhin formuliert habe: Es muss ein Geben und Nehmen sein. Ich gebe sehr gerne und empfange aber auch sehr gerne Energie. Ich bin nicht Mahatma Gandhi und ich bin auch nicht Mutter Theresa. Ich bin nur ein normaler Mensch mit guten und schlechten Seiten. Ich bin jemand, der das Publikum liebt und der das Publikum braucht.

Wollen Sie die Parkmusiken nach Corona beibehalten?

Ganz sicherlich.

Albrecht Mayer wurde 1965 in Erlangen geboren und ist in Bamberg aufgewachsen. Er ist seit 1992 Solo-Oboist der Berliner Philharmoniker und tritt auch weltweit als Solokünstler auf. Bislang wurde er dreimal mit dem Echo-Klassik-Preis ausgezeichnet.