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KULTURGESCHICHTE: AM ANFANG WAR DIE TÜTE


daheim - epaper ⋅ Ausgabe 5/2020 vom 14.08.2020

Die Zuckertüte versüßt ABC-Schützen die Einschulung. Ihre Wurzeln hat sie in Thüringen


Artikelbild für den Artikel "KULTURGESCHICHTE: AM ANFANG WAR DIE TÜTE" aus der Ausgabe 5/2020 von daheim. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: daheim, Ausgabe 5/2020

2. Einschulung in den 1920ern und in den 1970ern: Jede Zeit hat ihre Mode. Aber eine Schultüte muss sein


1. Einschulung in den 1920ern und in den 1970ern: Jede Zeit hat ihre Mode. Aber eine Schultüte muss sein


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... Kästner 1906 in Dresden eingeschult wurde, fiel ihm seine Zuckertüte zu Boden. Bis an die Knöchel stand er „in Bonbons, Pralinen, Datteln, (…) Feigen, Apfelsinen, Törtchen, Waffeln und goldenen Maikäfern“.

Mit dieser Fülle hätte er selbst 2020 noch Eindruck gemacht.

Die Geschichte der Schultüte, die ABC-Schützen den Einstieg in einen neuen Lebensabschnitt versüßen soll, war damals schon fast 100 Jahre alt. Ihren Ursprung hat sie in Thüringen, die ersten gesicherten Nachweise kommen aus Jena. 1817 erhielten dort Kinder zur Einschulung Papiertüten mit süßem Gebäck. Von Jena aus verbreitete sich die Tradition allmählich über ganz Deutschland. In manchen Regionen kam sie allerdings erst nach dem Zweiten Weltkrieg an.

In diesen Wochen ist es wieder so weit: Kindergartenkinder sehen ihrem ersten Schultag und vor allem der kegel förmigen Wundertüte mit leuchtenden Augen entgegen. In Ostdeutschland heißt sie bis heute Zuckertüte und ist mit einer speziellen Schleife sowie einem Stofftier geschmückt. Früher erzählte man den Kindern, dass im Keller des Lehrers ein Zuckertütenbaum wachse. Wenn seine Früchte reif sind, sei es höchste Zeit, in die Schule zu gehen.

Diese Vorstellung wird in vielen Kindergärten am Leben erhalten, indem zum Abschied kleine Tüten an einen Baum gehängt werden.

Überhaupt feiert man den Schulbeginn in den neuen Bundesländern vergleichsweise groß als Familienfest mit Freunden und Verwandten. Da die Gäste ebenfalls Zuckertüten mitbringen, kommt eine stattliche Ausbeute zusammen. Dass Schultüten heute zuweilen in einem absurden Wettbewerb um Aufmachung und Inhalt zum Statussymbol werden, finden manche befremdlich.

Ungleichheiten gab es allerdings schon früher – zwischen Erstklässlern reicher Bürger mit Tüte und Bauernkindern, die oft keine hatten.

Einschulungsfotos zeigen, dass nicht nur Frisur und Kleidung, sondern auch die Schultüte einen Rückschluss darauf zulässt, in welchem Jahrzehnt die Aufnahmen gemacht wurden. Sie ist ein Stück Kulturgeschichte.