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Kunst


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tip Berlin - epaper ⋅ Ausgabe 14/2022 vom 06.07.2022
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Ergun Çağatay: Wir sind von hier

FOTOGRAFIE Er zählt zu den bekanntesten Fotografen aus Istanbul. Ergun Çağatay (1937–2018) arbeitete für Associated Press, wurde 1983 bei einem Bombenanschlag in Paris schwer verletzt, er bereiste Zentralasien. In Deutschland porträtierte er Eingewanderte aus der Türkei, fuhr mit ihnen in Kohlegruben des Ruhrgebiets, fotografierte sie bei Ford Köln am Fließband (Abb.) und in den Turbulenzen der deutschen Vereinigung 1990. Das Museum Europäischer Kulturen würdigt Çağatay in einer Retrospektive mit über 100 Aufnahmen, einer Medieninstallation sowie einem Magazin mit Beiträgen etwa von der Schriftstellerin Dilek Güngör und der Fotografin Candida Höfer.

Museum Europäischer Kulturen Arnimallee 25, Dahlem, Di–Fr 10–17, Sa/ So 11–18 Uhr, 8/ 4 €, bis 18 J., ALG II 1. So/ Monat frei, Tickets: smb.museum, 8.7.–7.2.

Sascha Wiederhold

MALEREI Seine ...

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... „Bogenschützen“ (1928) hängen seit 2021 in der Dauerschau der Neuen Nationalgalerie, und sein Lebenswerk wird nun wiederentdeckt: Sascha Wiederhold (1904–1962) malte konstruktivistisch, futuristisch, bunt orphistisch-kubistisch wie hier „Segelboote“ im Hafen. Die Neue Nationalgalerie zeigt rund 50 Arbeiten des Malers, der unter der NS-Diktatur Buchhändler wurde.

Neue Nationalgalerie Potsdamer Str. 50, Tiergarten, Di–Mi, Fr–So 10–18, Do 10–20 Uhr, 12/ 6 €, 8/ 4 €, bis 18 J., ALG II + 1. So/Monat frei, Tickets: smb. museum, bis 8.1.

48 Stunden Nowosibirsk

NEUKÖLLN Vom Kulturfestival „48 Stunden Neukölln“ Ende Juni bleibt unter anderem eine Ausstellung in der Galerie im Saalbau mit Arbeiten von fünf Künstler:innen und Kunstgruppen über das auftauende Sibirien. Yanina Boldyreva, Chto Delat, Mayana Nasybullova, Aleksandr Nikolsky (Abb.) und presidiomodel setzen sich mit Fragen des Überlebens auseinander – in gestickten, gemalten, gefilmten, gebauten Beiträgen, die in Russland kaum noch gezeigt werden könnten.

Galerie im Saalbau Karl-Marx-Str. 141, Neukölln, Mo–So 10–20 Uhr, bis 7.8.

Vergoldet / Doré

EDELMETALL Es ist nicht alles Gold, was glänzt, aber Schweigen soll Gold sein? Die 25 Künstler:innen der Ausstellung auf Schloss Biesdorf, die von Gastkurator Harald F. Theiss ausgerichtet wird, setzen echtes und falsches Gold ein, um dem symbolischen Wert des Edelmetalls auf die Schliche zu kommen. Clemens Wolf hat einen Fallschirm vergoldet und Via Lewandwosky lässt einen Besen gülden leuchten. Auch Karin Sander, Michael Müller (Abb.) und Antje Blumenstein nehmen teil.

Schloss Biesdorf Alt Biesdorf 55, Biesdorf, Mi/Do, Sa–Mo 10–18, Fr 12–21 Uhr, bis 21.8.

Sibylle Bergemann

LEBENSWERK So kennt man ihre Fotos weniger: Diese Aufnahme aus Dakar (2001) ist Teil der Retrospektive mit über 200, auch unveröffentlichten Aufnahmen, mit der die Berlinische Galerie die Fotografin Sibylle Bergemann (1941– 2010) würdigt. Ebenfalls zu sehen sind Aufnahmen ihrer Weggefährt:innen wie Arno Fischer und Ute Mahler.

Berlinische Galerie Alte Jakobstr. 124–128, Kreuzberg, Mi–Mo 10–18 Uhr, 10/ 6 €, bis 18 J., ALG II und 1. So/ Monat frei, Zeitfenstertickets: berlinischegalerie. de, bis 10.10. H S. 87

Ansehen!

INVENTUR Eine Bestandsaufnahme haben sie im Bröhan-Museum gemacht, und die hat ergeben: Von über 20.000 Sammlungsstücken wurden etwa 1.500 von Frauen gefertigt. Nun stellt das Team die Frage: Wie haben sich deren 99 Urheberinnen behaupten können? Die neue Schau soll Antworten geben – mit Biografien und 300 Objekten wie Erna Zarges-Dürrs Schale (um 1930).

Bröhan-Museum Schloßstr. 1a, Charlottenburg, Di–So 10–18 Uhr, 8/5 €, bis 18 J., 1. Mi + 1. So/Monat frei, Tickets: broehan-museum. de, bis 4.9.

Die Form der Freiheit

ABSTRAKTION Erst vor fünf Jahren hat das Haus der Kulturen der Welt den Einfluss des CIA auf westliche Kultur nach 1945 offengelegt. Das Museum Barberini in Potsdam feiert nun die Nachkriegs-Abstraktion nicht als Ausdruck politischer Freiheit, sondern als Ausdruck freier Körper im Rhythmus von Jazz, Swing und Rock – mit Arbeiten etwa von Lee Krasner, Mark Rothko und Sam Francis (hier „Mein Muschel-Engel“, 1986).

Museum Barberini Alter Markt, Potsdam, Mi–Mo 10–19 Uhr, Sa/So 18/ 10 €, Mo, Mi–Fr 16/ 10 €, bis 18. J. + ALG II frei, Zeitfenstertickets: museum-barberini.de, bis 25.9.

12. Berlin Biennale

GROSSCHAU Kurator Kader Attia hat die 12. Berlin Biennale unter das Motto Reparatur gestellt. An sechs Ausstellungsorten geht es um die Frage, wie wir historischen Brüchen und Verwerfungen konstruktive Perspektiven abgewinnen können, in Beiträgen von rund 80 Künstler:innen, unter ihnen Omer Fast aus Berlin mit einer Arbeit zu Überwachung (Abb.).

Akademie der Künste, KW, ehem. Stasi-Zentrale, Hamburger Bahnhof, Projektraum Wilhelmstraße Stasi-Zentrale bis 18 Uhr, Wilhelmstr. 0–24 Uhr, 18/ 9 €, bis 18 J. + 1. So/ Monat frei, Adressen S. 90 /91, bis 18.9.

S. 83

Garden of Ten Seasons

LETZTE CHANCE Bevor für den Weddinger Projektraum Savvy mit neuer Leitung 2022 eine neue Phase beginnt, ist hier ein Höhepunkt des Kunstsommers zu sehen. Die Kathmandu-Triennale, die Anfang des Jahres in Nepal stattfand, hat Kunst nach Berlin geschickt. Es geht um Dekolonialisierung vor allem in Asien und – ähnlich wie auf der 12. Berlin Biennale – um nichtwestliche Vorschläge für Auswege aus Krisen. Und um nicht in Stunden getaktete Zeit. Ein Fest für den Verstand und alle Sinne.

Savvy Reinickendorfer Str. 17, Wedding, Do–So 14–19 Uhr, bis 10.7.

TEXTE: CLAUDIA WAHJUDI

Sibylle Bergemann

REISEN Parallel zu Sibylle Bergemanns großer Retrospektive in der Berlinischen Galerie (S. 87) zeigt die Galerie Kicken Berlin eine Auswahl von Aufnahmen der 2010 gestorbenen Berliner Fotografin. Darunter sind selten gesehene Stücke wie das Standporträt der zeitlos melancholischen Benedite Leuwerda (1994) oder von 1991 „Frieda, New York” (Abb.). Die Ausstellung ist Teil der Reihe „Sheroes of Photography“, mit der die auf Fotos spezialisierte Galerie Künstlerinnen würdigt.

Kicken Berlin Kaiserdamm 118, Charlottenburg, Di–Fr 14–18 Uhr, bis 9.9.

Henrik Olesen

UPDATE Ideen von Männlichkeit zählen zu den Themen, die Henrik Olesen regelmäßig bearbeitet. In der Galerie Buchholz aktualisiert der Berliner Künstler aus Dänemark nun zwei eigene Arbeiten. Er hat seine Sammlung digitaler Daten und Bilder zum legalen Status von Homosexualität aktualisiert, die er erstmals 2001 im Kunstverein Braunschweig zeigte. Und er hat ein zweites Mal Anthony Caros berühmte rote Stahlskulptur „Early One Morning“ von 1962 kopiert – in einer gleichsam queeren Fassung (Abb.).

Galerie Buchholz Fasanenstr. 30/ 31, Charlottenburg, Di–Sa 11–18 Uhr, bis 20.8.

Lukas K. Stiller: Paradox.Paradise

FOTOGRAFIE Eine Portion männliches Heldentum ist dabei, wenn der Street Art-Künstler Mr. Paradox Paradise des Nachts an Hochhäusern klettert, um seine Kalligrafie an Fassaden anzubringen. Der Fotograf Lukas K. Stiller hat diese Haltung fast ungebrochen festgehalten und sorgt doch für Transparenz. Dank seiner Serie lässt sich die Methode von Mr. Paradox Paradise nachvollziehen. Nichts für Menschen mit Höhenangst.

Urban Spree Revaler Str. 99, Friedrichshain, Di–Fr 14–19, Sa/So 12–19 Uhr, bis 24.7.

Tiina Itkonen – Ice Has a Memory: Greenland’s Vanishing Song Lines

ERDERWÄRMUNG Tiina Itkonen arbeitet mit Forschenden des Piniartoq-Projekts zusammen, die in Grönland Effekte der Erderwärmung untersuchen. Die Künstlerin aus Helsinki fotografiert, Wissenschaftlerinnen schreiben Texte dazu. Dabei geht es zwar auch um Eis und Bären, aber vor allem um die Folgen des Eisschwunds für die lokale Bevölkerung. Seit 20 Jahren schon ist Itkonen auf Grönland unterwegs – sie hat Einsicht in das Dänemark unterstellte Land wie wenig andere westeuropäische Künstler:innen. Itkonen bespielt das Erdgeschoss der Galerie Persons Projects, im ersten Stock stellen Ilkka Halso, Sanna Kannisto, Sandra Kantanen, Mikko Rikala Fotografien zum Thema Ökosysteme aus.

Persons Projects Lindenstr. 34–35, Kreuzberg, Di–Sa 11–18 Uhr, bis 3.9.

Grit Richter

ROT Fast ist es Malerei für die nächste Hitzewelle: Die Hamburger Künstlerin Grit Richter zeigt ihre sechste Einzelschau in der Galerie Tanja Wagner. Und obwohl in der obigen Arbeit von 2022 ein erfrischendes Grün mitschwingt, bleibt Rot die Farbe, die auf Richters Gemälden, Objekten und Schriften in den verschiedensten Nuancen und Mischungen leuchtet. So offen die Kurven und amorphen Formen für Interpretation sind, eines vermitteln sie immer: den Eindruck von Krisenhaftigkeit, davon, dass alles verglühen kann.

Galerie Tanja Wagner Pohlstr. 64, Tiergarten, Di–Sa 12–18 Uhr, bis 27.8.

Ewa Partum

LETZTE CHANCE Ewa Partum zählt zu den Künstlerinnen, die ab den 1960er-Jahren den Weg für feministische Kunst in Polen bereiteten. Von ihren Performances, ihrer Lyrik und ihren „Übungen“ (hier ihre „Conceptual Exercises“ von 1973/ 2020) berichtet eine Ausstellung in der Galerie Mathias Güntner. Sie vereint Fotografie teils künstlerischen, teils eher dokumentarischen Charakters und Buchstabenobjekte. Und davon, dass Ewa Partums konzeptueller Geist rege bleibt, zeugt eine neuere Bodenarbeit aus Gummi.

Galerie Mathias Güntner Knesebeckstr. 90, Charlottenburg, Do–Sa 11–18 Uhr, bis 16.7.

Hamburger Sezessionisten

RÜCKBLICK Nicht nur in München, Berlin und Wien gab es eine Sezession, eine Abspaltung fortschrittlicher Künstler:innen vom Akademiebetrieb mit seinem Historismus. Bis zur ihrer Auflösung 1933 (und für kurze Zeit nach 1945) existierte auch eine Hamburgische Sezession. Ihr gehörten Künstler:innen wie Alma del Banco, Gretchen Wohlwill, Emil Metzel (hier seine „Ballspieler“, 1955) und Dorothea Maetzel-Johannsen an. Die Salongalerie Möwe gibt einen wohnlichen Einblick in das Schaffen dieser Gruppe.

Salongalerie Die Möwe Auguststr. 50b, Mitte, Di–Sa 12–18 Uhr, bis 27.8.

Yuri Albert: I Is Someone Else

KONZEPTUALISMUS Bereits einige Bildtitel lassen Selbstironie und schwarzen Humor des ehemals Moskauer Konzeptualisten Yuri Albert ahnen: „Ich hasse die Avantgarde“ oder „I Am Not Baselitz“. Drucke, Fotos, Plastiken, Karikaturen, Zeichnungen und Gemälde geben Einblick in das Schaffen des 1959 geborenen Künstlers, der unter anderem die sprachlichen und symbolischen Besonderheiten des Kunstbetriebs untersucht. Zusammengestellt hat die Schau Alina Serban, Kuratorin des rumänischen Pavillons auf der 53. Venedig-Biennale 2009.

Galerie Volker Diehl Niebuhrstr. 2, Charlottenburg, Di–Fr 11–18, Sa 11–14 Uhr, bis 31.8.

TEXTE: CLAUDIA WAHJUDI