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Kunst in Zeiten der Erderhitzung


neue energie - epaper ⋅ Ausgabe 7/2021 vom 01.07.2021

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Bildquelle: neue energie, Ausgabe 7/2021

Zerfließende Meisterwerke: Edvard Munchs ?Der Schrei?, frei interpretiert vom Grafikkünstler Alper Dostal als Teil seiner ?Hot Art Exhibition?.

Herbst lin. Die Zuschauer sitzen auf ihren Plätzen, manche weiter unten, andere weiter oben. Die Platzwahl soll sich noch als wichtig erweisen. Weit weg, ganz am Ende des langen Raums, steht ein unförmiger Berg aus Kissen, Schaumstoff, Gummibällen und Luftmatratzen. Dann setzt sich das Ding stockend in Bewegung, auf das Publikum zu. Zwischendurch stoppt es immer wieder, Gelb- und Rotlichter gehen an und wieder aus. Dann geht es weiter. Das Ganze dauert eine Weile und man denkt sich: Das sieht ja ganz lustig aus, aber besonders spannend ist es nicht. Und irgendwann wird es ja wohl anhalten?

Tut es aber nicht. Stattdessen schwappt das Gummi-Schaumstoff-Gebilde in Zeitlupe über die erste Reihe. Eine Frau hält noch ein paar Momente lang mühsam dagegen, dann wird sie teilweise verschluckt. Von oben eilen einige zu Hilfe, andere schauen amüsiert zu, denken: Blöd für die da unten. Und fragen sich: Wie ...

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... hoch kommt das wohl noch? „Alarmstufe Rot ist, wenn Liebe ist“ heißt das Stück der Gruppe Showcase Beat Le Mot, das 2019 im Rahmen des Monolog-Festivals lief. Die Festival-Macher hatten die Frage aufgeworfen: „Lässt sich der Alarm spüren und spürbar machen?“, in Anlehnung an eine globale Krisenwarnung von UN-Generalsekretär António Guterres. Und tatsächlich beschleicht einen, dem natürlich harmlosen Kissenberg entkommen, das Gefühl: Vielleicht hat man gerade etwas, das man im Prinzip schon wusste über den Klimawandel, erst so richtig verstanden.

Das Klima ist in den letzten Jahren auch in der Kunst angekommen. Schon seit 2015 gibt es zum Beispiel die „Climate Change Theatre Action“. Für die US-kanadische Initiative schreiben jedes Jahr 50 Autorinnen und Autoren kurze Theaterstücke zum Thema, die dann überall auf der Welt aufgeführt werden können. Die diesjährige Runde von September bis Dezember soll sich mit dem globalen „Green New Deal“ befassen. Klangkünstler arbeiten derweil daran, das Klimasystem anders erfahrbar zu machen. Die „Klima-Anlage“ von Werner Cee etwa übersetzt Daten zu Klimaveränderungen in Töne. Saiteninstrumente, Bleche und Wassertropfen übertragen Niederschlagswerte und Temperaturen in einen sphärischen Klang, der sich langsam und in Feinheiten verändert. Andere setzen eher auf Schockeffekte, wie die Gruppe Social Climate Art. In ihrer Performance „Ice on the Rope“ stehen drei Menschen in einer deutschen Fußgängerzone auf schmelzenden Eisblöcken, den Kopf in der Schlinge eines Galgens.

Konjunktur haben Kunstwerke zum Klima regelmäßig zu den internationalen Klimakonferenzen. Den jüngsten Gipfel in Madrid begleitete beispielsweise die „ClimArtCon“ (Climate Art Convention) im sozialen Netzwerk Instagram mit täglichen künstlerischen Beiträgen wie Live-Videos und Bildern. Auch die Biennale im Kreuzfahrtschiff-geplagten Venedig hat sich des Themas schon angenommen (neue energie 06/2019). Gemessen daran, wie intensiv sich die Gesellschaft mittlerweile mit dem Klimawandel auseinandersetzt, ist die Zahl der Klima-Kunstwerke bislang dennoch überschaubar. Dabei hat das Befassen mit Umweltzerstörung in der Kunst eine lange Tradition, ein bekannter Vertreter war Joseph Beuys.

Woran liegt also die Zurückhaltung? Manuel Rivera leitet am Potsdamer Institut für transformative Nachhaltigkeitsforschung (IASS) die Forschungsgruppe „Narrative und Bilder der Nachhaltigkeit“ und befasst sich dabei auch mit der Rolle von Kunst. Das Problem sieht Rivera in einer Eigenschaft der Klimakrise, mit der auch andere Akteure zu kämpfen haben: ihrer Ungreifbarkeit. Denn Kunst sei eigentlich darauf angewiesen, unmittelbare menschliche Erfahrungen auszudrücken. „Man sieht den Klimawandel nicht in einem einzelnen Extremereignis, er ist die statistische Zunahme der Häufigkeit dieser Phänomene. Das ist hochabstrakt und zudem komplex: So vieles beeinflusst sich gegenseitig. Diesen Moment einzufangen, in dem wir nicht mehr eine lokale Umwelt, sondern erdsystemische Parameter verändern, ist für Kunst wahnsinnig anspruchsvoll.“ Seit ein paar Jahren sei das Thema im Aufwind, weil nun auch Menschen in den Zentren der Kunstproduktion anfangen würden, Erfahrungen mit dem Klimawandel zu sammeln. „Dadurch wird es jetzt, glaube ich, immer mehr Klima-Kunst geben“, erwartet Rivera.

Dem wohl größten Puzzleteil für den Klimaschutz in Deutschland widmen sich Jan und Tim Edler mit ihrem Projekt „Fazit“. Die beiden Brüder, die in ihren Arbeiten unter dem Label „realities:united“ Kunst und Architektur verbinden, wollen dem Kohleausstieg eine Dimension jenseits des schnöden Abschaltens geben. Ihr Vorschlag: In den letzten Wochen und Monaten, bevor die Kraftwerke vom Netz gehen, sollen die Kühltürme große runde Dampfwolken in den Himmel stoßen. Es gehe um „eine Art Ritual“, sagt Jan Edler. „Der Gedanke ist: Man verabschiedet sich als Gesamtgesellschaft, es entsteht ein Zeichen über dem ganzen Land. Man kann es als Abschiedsgeste begreifen, aber ebenso gut als Willkommensgruß oder als Initialzündung für das Neue.“ Indem offenbleibt, wie genau die Zeichen zu lesen sind, sollen sich Menschen angesprochen fühlen, die das Ende der Kohle herbeisehnen oder seit Langem dafür kämpfen, ebenso wie jene, bei denen der Ausstieg gemischtere Gefühle auslöst. Edler erhofft sich davon auch etwas Versöhnliches für die teils langjährigen Konflikte vor Ort. „Die Energiewende wird eine gesellschaftliche Herkulesaufgabe, die wir gemeinsam meistern müssen. Wir glauben, dass es helfen würde etwas Katalytisches mit einer gewissen Schönheit zu schaffen, als Ausgangspunkt dafür, dass Leute erneut ins Gespräch kommen, die sich vielleicht aus den Augen verloren haben.“

Den Einfall mit den Wolken hatten die Brüder Edler schon vor zehn Jahren. Damals wollten sie eine Müllverbrennungsanlage in Kopenhagen so umbauen, dass Rauchringe aus dem Schornstein den CO 2 -Ausstoß abbilden und so für die Anwohner begreifbarer machen. Umgesetzt wurde das letztlich nicht, aber die Idee ist geblieben. Technisch basiert sie auf dem sogenannten Bernoulli-Effekt, der dafür sorgt, dass Rauch oder Qualm, der durch ein Loch beschleunigt wird, einen relativ stabilen aufsteigenden Ring formt. Man kennt das von Zigarettenrauchern, auch Vulkane stoßen manchmal solche Ringe aus. Im Kühlturm der Kraftwerke soll eine Art Netzmembran dafür sorgen, die per Seilwinde gespannt wird. Wenn sie nach oben schießt, schließen sich darauf befestigte Klappen und katapultieren den Dampf hinaus.

Dass dieses Konstrukt am Ende tatsächlich in alle deutschen Kohlekraftwerke eingebaut wird, sei unrealistisch, gibt Edler zu. Aber versuchen will er es trotzdem, allein schon die Diskussion darüber könne etwas bewirken. Er und sein Bruder seien es zudem gewohnt, einen langen Atem zu haben. Ihr Projekt „Flussbad Berlin“, das einen Teil der Spree im Stadtzentrum wieder beschwimmbar machen soll, hätten sie Ende der 1990er erstmals vorgestellt, mittlerweile bekomme es öffentliche Fördermittel. „Fazit“ präsentierten sie 2019 in der Berlinischen Galerie und knüpften erste Kontakte, dann kam die Corona- Pandemie. Sobald es möglich ist, wollen die beiden die Gespräche wieder aufnehmen, mit Politikern, Bürgerinnen und Initiativen in den Kohleregionen.

Ein mögliches Hindernis sei, dass die Kraftwerke durch die Installation ein wenig an Effizienz verlieren, sagt Edler. Wobei ihn das gerade reize, die Nutzung von Maschinen für etwas anderes als bloße Leistung, „innerhalb eines solchen Industrieprozesses Kunst nebenher produzieren zu lassen. Neben der harten ökonomischen Wertschöpfung Diskurse auszulösen und über Dinge nachzudenken wie gesellschaftlichen Zusammenhalt.“

Kunst könne mobilisieren, aktivieren, auch informieren, sagt IASS-Forscher Rivera. Dies alles sei jedoch auf anderem Wege ebenfalls möglich. Die besondere Fähigkeit von Kunst liege hingegen darin, einen „Überschuss an Mehrdeutigkeit“ zu erzeugen. „Sie schafft gerade Bilder, Geschichten und Symbole, die nicht eindeutig als Botschaft zu entpacken sind und es quasi erzwingen, dass man sich damit beschäftigt.“ So könne eine „dauerhaftere Unruhe“ entstehen, die einen umtreibt und dabei hilft, der eigenen Lebenswirklichkeit ins Auge zu sehen – und dazu gehöre nun mal die Klimakrise. Rivera hat selbst gerade an einer Inszenierung zum Thema mitgewirkt, „Tornado“ von Tobias Rausch. Neue Fakten über den Klimawandel habe er als Nachhaltigkeitsforscher dabei nicht gelernt. „Aber es gab auch für mich Momente in dem Stück, in denen ich mich zum Beispiel meinen Ängsten und Hoffnungen, die ich bei dem Thema habe, nochmal anders stellen konnte.“

Ein praktischer Effekt fürs eigene Handeln gehe damit nicht automatisch einher. Rivera

glaubt nicht, dass etwas, das als Kunstwerk gut funktioniert, auch besonders gut mobilisiert. Das könne möglicherweise ein Text oder ein Bild besser, das eindeutiger diesem Ziel dienen soll. Auch das sei legitim, Kunst als „schöne Verpackung für eine wichtige Botschaft“. Aber ihre besondere Qualität liege eben woanders, jenseits des „unmittelbaren Verwendungszwecks“.

Für den Einsatz von Kunst als aktivistisches Mittel gibt es im Englischen einen Begriff: Artivism. Auf politischen Demos sind häufig Kunstaktionen zu sehen. Bei einer Diskussionsrunde der Böll-Stiftung zur „theatralen Erzählbarkeit der Klimakrise“ im Oktober 2019 bezeichnete die Ende-Gelände-Sprecherin Nike Mahlhaus Tagebaubesetzungen als „eine Riesen-Liveperformance“. Es gebe Kostüme (die weißen Overalls der Klimaaktivisten), feste Rollen für Besetzerinnen wie Polizisten, die durchgespielt werden, zudem Schurken in Form von Regierung und Kohlekonzernen. Dazu die Mondlandschaften der Tagebaue als „Orte des Todes“.

Auf der anderen Seite treten Künstler und Kunstinstitutionen auch als politische Akteure auf. Neben Scientists und Parents gibt es auch Artists for Future, ihren Aufruf zur Unterstützung der Fridays-for-Future-Bewegung haben mehr als 2900 Kunstschaffende unterzeichnet. Mehrere Initiativen haben den Klimanotstand ausgerufen, etwa aus der klassischen Musik. Deutschlandweit vernetzen sich Orchestermitglieder, die sich für Klimaschutz engagieren, seit 2020 im Verein Orchester des Wandels.

Viele Kulturorte erlebten zuletzt einen Bruch: Die Corona-Pandemie hat sie hart getroffen, weil der Publikumsbetrieb lange Zeit weitgehend stillstand. „Das war ein heftiger Einschnitt“, sagt Julia von Schacky, Künstlerische Leitung am Heimathafen Neukölln, einem Berliner Theater. „Wir haben überlegt: Wie kann man diese Zwangspause nutzen?“ Statt digitale Formate zu produzieren und mit Serien oder Filmen zu konkurrieren, nahmen sie und ihre Kollegen die eine Krise zum Anlass, um eine andere in den Fokus zu rücken, die Klimakrise.

Für die Kampagne „Let’s Panic“ kooperiert der Heimathafen mit lokalen Klimaaktivisten von Extinction Rebellion. Start war im März, noch bis zum internationalen Klimagipfel in Glasgow im November sind Kunst- und Protestaktionen, Veranstaltungen und Workshops geplant. Das Theater ist zum „Panikraum“ erklärt worden, im Saal eine kleine Arche entstanden. Sie stehe als Symbol für die Notwendigkeit zu handeln, sagt von Schacky, verweise aber auch auf die „Arche- Noah-Mentalität“, ein Konzept aus der Psycho- analyse: Die Vorstellung, man selbst werde schon davonkommen.

Extinction Rebellion ist bekannt dafür, beim Protest Kostüme und Tänze einzusetzen, bedient sich also selbst Mitteln der Kunst. Die Zusammenarbeit sei deshalb naheliegend gewesen, bestätigt von Schacky. Dass die Grenze zwischen Kunst und Aktivismus dabei fließend ist, stört sie nicht – das sei ohnehin der Fall. „Man kann das meiner Meinung nach gar nicht glasklar trennen. Ich würde sagen, die gesellschaftliche Aufgabe von Theater ist, Räume zur Reflektion anzubieten, für Gefühle wie Wut oder Trauer. Ein Teil davon kann auch sein, Aktivität zu erzeugen. Und Straßen sind auch nichts anderes als Bühnen.“ Sie finde es wichtig, dass Theater „ihre Komfortzone verlassen“ und in die Öffentlichkeit treten. Wobei manche andere in der Szene da zurückhaltender seien.

Klar sei allerdings auch: „In einer Welt, in der die Klimakrise voll greift, wird es das Theater in der jetzigen Form sowieso nicht mehr geben. Wenn man sich mit dem Thema beschäftigt, dann ist Panik für mich die einzige logische Konsequenz. Man darf natürlich nicht darin verharren, aber man muss zumindest einmal in den Panikraum rein. Dann kann man ganz anders entscheiden, welche Dinge wirklich wichtig sind.“ Dass dieses Stadium noch nicht erreicht sei, merke man etwa an den Forderungen im Wahlkampf nach weiterhin günstigen Mallorca- Flügen. Es sei noch nicht verstanden worden, „dass es in Mallorca irgendwann so heiß ist, dass man da gar nicht mehr hinfahren kann“.

Die Zurückhaltung mancher Theater erklärt sie sich auch mit dem Gefühl, erst einmal bei der eigenen Klimabilanz anfangen zu müssen, bevor man andere zum Handeln auffordern kann. Das Thema sei in letzter Zeit sehr viel präsenter geworden, im Netzwerk „Theater und Nachhaltigkeit“ etwa tauschen sich die Mitglieder zu praktischen Fragen wie nachhaltigem Druck oder stromsparender Beleuchtung aus.* Man fange zwar nicht bei Null an, sagt von Schacky, „aber diese strukturelle Ebene hat es erst jetzt erreicht“.

Bei Let’s Panic soll der Blick gleichzeitig nach innen und außen gehen, der Heimathafen errechnet erstmals seine CO 2 -Bilanz. Der Slogan „Kulturwandel statt Klimawandel“, der an der Fassade des Theaters hängt, sei durchaus doppeldeutig gemeint, sagt von Schacky. „Natürlich muss der Kulturwandel im ganz großen Stil passieren. Aber eben auch in der Kulturszene, wir müssen anders produzieren, unsere eigene Funktion neu finden, ganz klar. Das ist genau der Prozess, den wir jetzt mitanstoßen wollen.“

Zu guter Klima-Kunst gehörten die Produktionsbedingungen, findet auch Manuel Rivera. Die im Kunstbetrieb gängige Überproduktion könne man sich in Zeiten des Klimawandels nicht mehr leisten, allein schon wegen des CO 2 -Ausstoßes. „Wir können nicht sagen: Wir machen mehr Stücke, Konzerte oder Ausstellungen zum Thema Klima, und sonst alles genauso wie immer.“

Dass die Theater im Vergleich zu anderen Akteuren etwas hinterherhinken, liege teilweise an ihrem begrenzten Handlungsspielraum, sagt Julia von Schacky. In der CO 2 -Bilanz des Heimathafens seien Wärme, Strom und die Anfahrt der Zuschauer die größten Posten. Aber weil die meisten Theater öffentliche Gebäude bespielen, könnten sie nicht einfach den Stromanbieter wechseln. Und auch der Einfluss auf die Entscheidung, wer mit dem Auto oder dem Fahrrad zu Vorführung kommt, sei begrenzt. Die Bilanzen seien umso wichtiger, um zu verstehen, wo die großen Hebel liegen. „Pappbecher zu nutzen bringt uns nicht so richtig voran, wenn die Wärmewende nicht passiert“, sagt von Schacky. „Letztlich ist vor allem auch politischer Druck nötig.“