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KUNST KOMMT VON


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Wohn!Design - epaper ⋅ Ausgabe 6/2021 vom 27.10.2021

ZIEMLICH KUNSTVOLL

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Noack ist eine Institution, die Werkstattgalerie am Spreebord hat verschiedene politische Systeme überstanden. Im Fokus eine Plastik von Jone Kvie.

ABENTEUER BRONZE _ DIE BILDGIESSEREI NOACK MACHT IN VIERTER GENERATION KUNST

Es ist der Moment, in dem sich alles entscheidet. Der Moment, in dem die 1.400 Grad heiße Bronze aus dem glühenden Tiegel zäh in die Form fließt. Der Moment, in dem die wochen-, teils monatelange Vorarbeit belohnt wird – oder doch noch etwas schiefgeht. Denn obwohl in der Berliner Bildgießerei Noack in der vierten Generation Bronze gegossen wird und Hermann Noack IV und sein Team jahrzehntelange Erfahrung mitbringen: Jeder einzelne Guss bleibt ein kleines Abenteuer. Die Prozesse beim Gießen lassen sich nie bis ins Letzte kontrollieren. „Wenn das heiße Metall fließt, das ist schon ein sehr archaischer Augenblick“, sagt Noack. „Aber wenn ein Guss fertig dasteht und alles geklappt hat, das ist natürlich noch besser.“ Wir sitzen im ersten Obergeschoss des Firmengebäudes an der Spree im Stadtteil ...

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... Charlottenburg. Vor uns auf dem Tisch das weltweit wahrscheinlich bekannteste Erzeugnis aus dem Hause Noack: eine der Bärenstatuetten, die seit 1951 bei den Berliner Filmfestspielen an die Gewinnerinnen und Gewinner vergeben werden. Die Figur basiert auf einem Entwurf der Bildhauerin Renée Sintenis, damit ist der kleine Bär beispielhaft für das Unternehmen. Denn die allermeisten Objekte, die die rund 40 Mitarbeitenden in den hellen, hohen Werkshallen gießen, schweißen, schleifen, patinieren oder vergolden, wurden von Künstlerinnen und Künstlern erdacht. Schon der erste Noack, Hermann Noacks Urgroßvater Hermann Noack I, gründete 1897 sein Unternehmen auf die Zusammenarbeit mit den Bildhauern August Gaul und Fritz Klimsch. „Um die Jahrhundertwende gab es über 100 Kunstgießereien in Berlin“, sagt Noack IV. Der Urgroßvater machte seine Werkstatt schnell zu einer der bedeutendsten. Heute ist sie die einzige. Warum ausgerechnet die Bildgießerei Noack noch da ist? „Das ist in vielen Branchen in Deutschland so. Wer sich auf hohem Niveau spezialisiert hat, kommt ganz gut durch“, stellt der Chef nüchtern fest. Und hoch ist das Niveau zweifellos, möglicherweise ginge es gar nicht mehr höher. In Charlottenburg arbeitet man im Moment an einer neun Meter großen Skulptur von Georg Baselitz, einem der vielen Stammkunden. Sie soll in Paris aufgestellt werden. Einige Elemente lagern gestapelt draußen auf dem Hof, andere werden gerade in der Werkstatt zusammengesetzt. Ein Bein im Stiefel hängt am Holzbock. Auch Skulpturen des amerikanischen Jungstars Bunny Rogers und des skandinavischen Duos Elmgreen und Dragset sind in Arbeit.

Wer hier noch fertigen lässt? Jonathan Meese, Anselm Kiefer, Tony Cragg, Alicja Kwade, Rebecca Horn, Katharina Grosse. Und natürlich die Klassiker: Henry Moore nahm sogar in Kauf, seine riesigen Skulpturen durch die DDR transportieren zu lassen, damit sie bei Noack in West-Berlin gegossen werden konnten, etwa die Bronze „Large Two Forms“, die vor dem ehemaligen Kanzleramt in Bonn steht. Joseph Beuys, Käthe Kollwitz, Ernst Barlach, Georg Kolbe … das Name Dropping könnte ewig so weitergehen.

Wichtiger ist aber vielleicht die Frage, warum das Unternehmen seit nunmehr vier Generationen das Vertrauen der Künstlerinnen und Künstler genießt – schließlich ist das eine anspruchsvolle, mitunter nicht ganz einfache Klientel. „Man muss sie ernst nehmen, man muss sich mit ihnen auseinandersetzen. Auch“, und da muss der eher knorrige Noack doch kurz lächeln, „wenn es manchmal ein wenig absurd wird.“ Er jedenfalls ist mit ihnen aufgewachsen, hat als Kind in der alten Gießerei in Friedenau gespielt. 2009 ist das Unternehmen in den neuen Betonbau direkt an der Spree umgezogen. Eines der größten Probleme für Noack – neben möglichen Turbulenzen am Kunstmarkt – ist das Personal, von dem es meist zu wenig gibt. Engagierte Handwerkerinnen und Handwerker sind dringend gesucht. Zugegeben, es gibt komfortablere Arbeitsplätze. Es wird schon mal laut in der Werkstatt, wenn die Schleifmaschine kreischt. Staubig ist es auch, über den Modellen und Formteilen in den Regalen liegt ein feiner Gipsschleier. Wer die Oberflächen der Skulpturen patiniert, der muss mit Säuren hantieren. Doch dafür stellt man nicht irgendwelche austauschbaren Produkte her, sondern Kunstwerke, potenziell für die Ewigkeit bestimmt. Und, so erzählt es stolz ein junger Mann in der Werkstatt, der bei Noack den seltenen Beruf des Sandformers gelernt hat, wer hier arbeite, helfe mit, ein aussterbendes Handwerk am Leben zu erhalten. Das tägliche kleine Bronze-Abenteuer inbegriffen!

|JJ

ARCHAISCH _ 400 JAHRE SCHMUCKE DEKORATIONSGESCHICHTE

Wenn es um den Einsatz von Farbe und Muster in Haus und Hof geht, bewegen wir Deutschen uns nach wie vor in einer „Sicherheitszone“. Da wird mal die ein oder andere Wand mit Farbe versehen oder ein buntes Kissen auf der Couch drapiert. Aber so richtig Gas zu geben, das trauen sich die wenigsten unter uns. „In England gehen die Menschen selbstbewusster mit Farbe um, indem sie sie als Gesamtkonzept einsetzen. Sie streichen zum Beispiel die Wände, Fußleisten, Türen und Fensterrahmen im gleichen Farbton“, erklärt uns David Mottershead, Managing Director von Little Greene. Für seine aktuelle Tapetenkollektion „National Trust Papers II“ wagte sich das britische Traditionsunternehmen ein weiteres Mal in die Archive von Europas größter Denkmalschutzorganisation. „Die Dessins erzählen 400 Jahre Dekorationsgeschichte – von bezaubernden floralen Mustern bis hin zu verspielten Designs mit Schnecken-Motiven.“ Jede Tapete der Kollektion wurde neu gezeichnet und in neuen Farben gestaltet. Daraus entstanden sind sieben neue Dessins in 42 Farbgebungen. Dabei wurden die traditionellen und ursprünglichen Herstellungsmethoden und -materialien mit einbezogen. Mottershead: „Die Designelemente stammen von Blockdruckpapieren aus dem georgianischen und viktorianischen Zeitalter und auch von älteren dekorativen Objekten wie einem Lederwandbehang. Die zeitgemäße Interpretation macht diese Tapeten zu einer zeitlosen Kollektion für alle architektonischen Stile.“ Und wie steht es mit dem künstlerischen Ansatz? „Der Vergleich von Tapeten mit Kunstobjekten ist durchaus möglich. Beispielsweise stammt das florale Design unserer neuen Tapete »Millefleur« von einem unglaublich seltenen, wichtigen und liebevoll erhaltenen Wandteppich aus dem 15. Jahrhundert. Er befindet sich in Montacute House in Somerset und ist ein Fragment eines viel größeren Sets – ein Geschenk der belgischen Stadt Tournai an Jean de Daillon, einen französischen Adligen und Gouverneur der Dauphiné.“

|ag