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KUNSTSTOFF-KARPFEN: SCHWEBENDES VERFAHREN


Blinker - epaper ⋅ Ausgabe 90/2018 vom 10.08.2018

Unser englischer AutorDuncan Charman fischt nicht nur klassisch mit Boilies oder Mais auf Karpfen. Er setzt vor allem im Sommer auf kleine Kunstköder aus Schaumstoff und zeigt Ihnen, welche Vorteile diese innovative Methode bietet.


“ MEISTENS BEGINNE ICH MIT R OT.“


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Die langen Zig Rig-Vorfächer transportiert man am besten auf einer Schaumstoffrolle. Das monofile Vorfach verdrallt dadurch zwar leicht, es lässt sich aber problemlos vor dem Einsatz strecken.


FOTOS: D. CHARMAN

Von Fliegenfischern abgeguckt? Man kann seinen Hakenköder auch wie ein echtes Insekt aussehen lassen.


Der Rhythmus ist entscheidend! ...

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... Duncan wirft alle fünf Minuten eine neu befüllte Rakete aus.


Zum Angeln mit Zig-Ködern braucht man starke Haken, damit die Fische nicht ausschlitzen.


Normalerweise fängt man Karpfen am Grund. Auch ich habe lange geglaubt, dass alle Methoden abseits davon ineffektiv sind. Heute weiß ich, dass ich einfach nicht weit genug abseits meines Metiers gedacht habe. Viele Karpfen fressen im Freiwasser! Und wie fängt man die Fische, die sich in der Wassersäule ernähren? Klar, eine Möglichkeit wäre die Posenmontage. Es gibt allerdings noch eine effektivere Variante, bei der sich der Karpfen sogar selbst hakt: das Zig Rig.

Im letzten Sommer habe ich mir drei Monate Zeit genommen, um ausschließlich das Angeln mit Zig-Ködern zu meistern. Dabei habe ich viele Fehler gemacht, aber durch Geduld und Ausdauer kann ich heute sagen, dass ich gerne die kurzen Vorfächer zu Hause lasse und stattdessen mit Schaumstoffködern und einem Eimer eines wolkenbildenden Futtermixes am Wasser aufschlage.

SOMMER-METHODE

Das Zig Rig ist nicht kompliziert aufgebaut. Auf die Hauptschnur fädele ich einen Safety Clip, in den ich ein etwa 80 bis 120 Gramm schweres Blei einhänge. Mein Vorfach besteht aus einer 0,25er „Zig Flo“-Schnur, die auftreibend ist, und speziell zum Zig-Angeln entwickelt wurde. Wahlweise können Sie auch ein normales Mono-Vorfach benutzen, auf welches Sie einen Auftriebskörper fädeln. An das Vorfach binde ich einen 8er Haken, allerdings ohne Haar! Danach stecke ich ein Zig Aligner-Band auf die Schnur, welches auf den Haken geschoben wird. Der ZigAligner schafft den idealen Winkel zwischen Vorfach und Haken, sodass sich der Karpfen selbst hakt. Nun braucht man nur noch ein Stück Schaumstoff in den Line Aligner zu schieben und das Vorfach an den Wirbel vor dem Safety Clip anknoten. Im Allgemeinen fangen Zigs, wenn man sie in zwei Drittel der Wassertiefe über Grund anbietet. Bei 3,60 Metern Wassertiefe sollte mein Köder in 2,40 Metern über dem Grund schweben. Ich habe kaum mal einen Karpfen in halber Wassertiefe gefangen. Doch oft musste ich mein Vorfach verlängern, sodass der Schaumstoffköder wenige Zentimeter unter Oberfläche oder aber sogar auf der Oberfläche schwamm. Der Grund, warum so hoch in der Wassersäule fische, liegt darin, dass ich die Methode an warmen Tagen mit wenig Wind einsetze, wenn die Karpfen ohnehin in Oberflachennähe herumschwimmen. Ich habe die Zigs auch bei Nacht eingesetzt, aber kaum Bisse bekommen. Zwar kenne ich Angler, die mit Zig-Ködern das ganze Jahr über angeln, aber für mich ist es eine Methode, die man am besten in den Sommermonaten ausübt.

Lange Vorfächer lassen sich gut mit Karpfenruten von mindestens 3,60 Metern Länge werfen.


Duncans Montage ist simpel. Das Gewicht muss sich aus dem Safety Clip lösen, um die Fische sicher landen zu können.


Mein erster Fehler bestand darin, mit leichtem Gerät zu fischen, weil ich dachte, dass ich so mehr Bisse bekommen würde.

Wahrscheinlich war dem auch so. Allerdings angelte ich mit zu kleinen Haken und der feine Draht sorgte dafür, dass zu viele Fische im Drill ausschlitzen. Aber da ich trotz der Aussteiger deutlich mehr fing als andere Angler am See, wusste ich, dass ich auf dem richtigen Weg war. Entsprechend wechselte ich von 12er auf 10er und dann sogar auf 8er Haken. Und siehe da – ich verlor weit weniger Fische als zu Anfang.

Allerdings gab es immer noch Aussteiger. Obwohl ich eigentlich meine Ruten nicht wechseln wollte, sah ich mich dazu gezwungen. Also tauschte ich meine knapp drei Meter lange Karpfenruten mit 2,25 lb-Testkurve gegen längere Ruten mit 3,60 Meter Länge und Testkurven von 3 lb aus. Und ich war erstaunt, wie viel besser sich eine längere Rute zum Zig-Fischen eignet. Ein weiterer Grund für Aussteiger war, dass das Blei sich bei einem Biss nicht löste. Aber ein 100 Gramm schweres Blei, das 1,80 Meter über dem Haken an der Schnur baumelte, während ein dicker Karpfen am kleinen Haken in der Uferzone um sich schlägt, kann nur ins Chaos führen. Dieses Problem lässt sich aber recht leicht lösen.

Achtung, Anglizismen!

Ein gewisses Maß an „Denglisch“ ist bei Karpfenartikeln nicht vermeidbar. Hier haben wir die wichtigsten Begriffe kurz erklärt:

Leadcore: Geflechtschnur mit Bleikern

Line Aligner: Zwei Zentimeter langer Schnurausrichter auf dem Hakenöhr, der bewirkt, dass der Haken besser greift.

Zig Aligner: Schnurausrichter für das Zig Rig, an welchem der Köder befestigt wird.

Safety Clip: Sicherheitsbügel, der beim Festsetzen des Bleis einen Abriss der Montage verhindert (nur das Blei reisst ab) beziehungsweise dem Fisch das Überleben sichert.

Safety Rig: Bezeichnung einer Montage mit Safety Clip

Silicon Sleeve: Silikonschlauch, der das Vorfach versteift und Verwicklungen entgegenarbeitet. Dient auch als Knotenschutz.

Spod-Rute: Kräftige Rute, die für den Einsatz mit der Futterrakete entwickelt wurde.

Der Autor verwendet auftreibende Partikel wie getrocknete Insekten im Futter.


Die Zig-Köder bestehen aus Schaumstoff. Duncan nimmt immer Kunststoffrollen in unterschiedlichen Farben mit ans Wasser, um sich dort schnell Köder fertigen zu können.


Grundsätzlich ist klar, dass man kein allzu leichtes Blei verwenden kann, da sich der Haken aufgrund der großen Vorfachlänge nicht ordentlich ins Fischmaul bohren würde. Je höher das Bleigewicht aber ist, desto einfacher kann der Karpfen den Haken aushebeln. Also muss sich das Gewicht in großen Wassertiefen, sprich bei langen Vorfächern von über 1,20 Metern Länge, ganz einfach nach dem Anhieb lösen. Die Blei-und Endmontage wurde daher mit der Zeit auch immer wieder modifiziert. Das Basis-Rig habe ich ja schon beschrieben. In großen Tiefen fädele ich vor den Safety Clip allerdings noch ein Stück Leadcore auf die Hauptschnur. Ich feuchte das Safety Rig und den Silicon Sleeve vor dem Zusammenstecken immer an. Nun kann sich das Blei im Drill lösen und abfallen.

Aus diesem Grund verwende ich natürliche Steinbleie. Die Stellenwahl ist beim Zig-Angeln von oberster Bedeutung, denn Plätze, an denen sich kein Karpfen aufhält, führen nur zu einem Schneidertag.

AUF SICHT FISCHEN

Ich bevorzuge möglichst windstille Tage, so kann ich beim Umwandern des Gewässers oft schon einige Karpfen in Oberflächennähe ausmachen. Habe ich aktive umherziehende Karpfen entdeckt, begebe ich mich in Wurfweite. Dann montiere ich eine Futterrakete und befülle diese mit Grundfutter, welches mit auftreibenden Pellets und getrockneten Insekten angereichert ist. Diese schweben langsam vom Grund in Richtung Wasseroberfläche. Ich habe auch einen Futterrhythmus entwickelt: alle fünf Minuten werfe ich die Rakete erneut aus. Die Futtermischung zieht die Karpfen auch aus weiterer Entfernung an und beim Fressen setzt der Futterneid ein. Nach dem ersten Wurf mit der Futterrakete klemme ich die Hauptschnur in den Schnurclip an der Rolle. Dann markiere ich mir die Entfernung zum Futterplatz auf der Hauptschnur. Dazu verwende ich einen Stopperknoten aus einem Gummizug. Das Markieren der Schnur mit einem Filzstift kann ich nicht empfehlen. Nach einigen Angeltagen ist die Hauptschnur voller Markierungen und man weiß nicht mehr, welche die Richtige ist. Ich übertrage die Wurfentfernung auf meine anderen Ruten. Meist beginne ich mit einem roten Schaumstoffköder und mit einem schwarzen, beide schweben 20 Zentimeter unter der Oberfläche.

Kann ich beim Umwandern des Gewässers keine Fische an der Wasseroberfläche ausmachen, befestige ich an der Spod-Rute erst einmal eine Durchlaufpose und ein Grundblei und beginne, das Gewässer systematisch auszuloten. Ich suche gezielt Strukturen wie Rinnen, Kanten oder Plateaus. Finde ich diese, gehe ich genauso vor wie beim Sichtangeln. Bis zu einem Biss ist es meist nur eine Frage der Zeit. Meistens war ich am Morgen am Wasser und angelte etwa vier Stunden. Oder ich angelte vier Stunden am Abend. Nie musste ich ohne Karpfen das Gewässer verlassen, nachdem ich mein Gerät perfektioniert hatte. An meinem besten Angeltag bekam ich sieben Bisse auf Zig-Köder, von denen ich sechs Fische landen konnte.

Ein toller Spiegler ließ sich mit dem Zig Rig fangen.


Es ist schon eindrucksvoll, welche Karpfen sich die kleinen Schaumstoffköder nahe der Oberfläche schnappen.


Der Auftriebskörper ermöglicht es, die gesamte Wassersäule abzuangeln.