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Kurfürsten und Kaiser zu Pferde am Neckar


Kunst und Auktionen - epaper ⋅ Ausgabe 16/2019 vom 04.10.2019

Dr. Fischer feiert mit einem breit aufgestellten Programm 40 Jahre Glasauktionen in Heilbronn


Artikelbild für den Artikel "Kurfürsten und Kaiser zu Pferde am Neckar" aus der Ausgabe 16/2019 von Kunst und Auktionen. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Kunst und Auktionen, Ausgabe 16/2019

TAXE 8000 € James Coignard (1925 – 2008), „La Main Noire“, farbloses Glas mit plastischen Aufschmelzungen in Rot und Schwarz, Berengo Fine Arts, Murano, 43 x 38 x 10,5 cm


TAXE 4500 € Deckelpokal mit spielenden Kindern, graustichiges Glas, Dekor in feinem Tiefschnitt, Schlesien, um 1730, H. 26 cm


TAXE 3000 € Netzglas-Pokal, spiralförmig eingeschmolzene Milchglasfäden, Venedig oder Façon de Venise, 17. Jh., H. 18 cm


Die Auktion „Europäisches Glas & Studioglas“ am 19. Oktober bei Dr. Fischer wird von einem ...

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... bemerkenswerten Geschäftsjubiläum begleitet – veranstaltete dieses Haus doch im September 1979 (im Salon Bellevue des Insel-Hotels in Heilbronn) erstmals eine Auktion, die sich ausschließlich dem Thema „Glas“ widmete. Drei Jahre später tauchte im Katalog dann der wertvolle Hinweis auf: „Für unser auf Echtheit, Alter und Zustand geprüftes (…) Sortiment übernehmen wir Garantie“.

Diesmal sind es gleich zwei opulente Kataloge, in denen das gewohnt breit aufgestellte Herbstangebot präsentiert wird. Knapp 1200 Objekte aus den Gebieten Form-, Schnitt-, Email-, Milch- und Zwischengoldglas, Historismus, Jugendstil, Art déco etc. kommen zum Aufruf – darunter viele Höhepunkte und einige Glanzlichter.

Im Formglasbereich sticht eine 19 Zentimeter hohe, mit Zinnmontierung versehene Warzenflasche aus braunem Glas hervor (wohl Kramsach, 2. Hälfte 17. Jh.), die – wie einige andere Lose auch – aus einer Tiroler Sammlung stammt (Taxe 10 000 Euro). In dieser Sektion wird auch ein 24,5 Zentimeter hoher Lauensteiner Pokal (um 1740) aufgerufen, der auf der geweiteten Kuppa den (von Bandelwerk, eingerollten Ranken, floralen Gehängen, Miniaturlandschaften und Vögeln gerahmten) Spruch zeigt: „So viel Tropfen hierzugegen. So viel glück und so viel segen, so viel Heihl und wohlergehn müsse auf uns allen stehn“ (Taxe 700 Euro).

Mindestens 2200 Euro müssen für einen fränkischen, 12,5 Zentimeter hohen Abrissbecher eines Fassbinders aus graustichigem Glas investiert werden. Die leicht geweitete Wandung zeigt in vielfarbiger Emailmalerei einen von Werkzeug umgebenen Küfer bei der Arbeit – die Rückseite einen stilisierten Blumenstrauß und die in Weiß gemalte Inschrift: „VIVAT daß Ehrbare hanndt Werck der faß Büttner Anno Domini 1724“. Auf dem Fass ist das geschnittene Monogramm „H:E:“ zu sehen.

Rund 100 Jahre später dürfte ein 12 Zentimeter hoher Wiener Ranftbecher mit geschlägeltem, goldkonturiertem Rand und einem silbergelben, 16-strahligen Schliffstern auf der Bodenunterseite entstanden sein. Auf der leicht eingezogenen Wandung hat Anton Kothgasser in feiner Transparent- Emailmalerei eine Ansicht von Karlsbad mit Personenstaffage ausgeführt, die von einem silbergelben Rahmen mit Rosetten und Blattzweigen in Gold umgeben ist. Bezeichnet ist diese Szene mit „Das Mühlbad und der Neubrunn“. Auf der Rückseite findet sich eine zarte Efeu-Girlande und ein stilisierter Fries in Gold und Silbergelb. Der Ansatz beträgt 3500 Euro – weniger aufwendig gestaltete Kothgasser-Objekte werden bereits bei 1500 Euro aufgerufen.

Im Bereich „Modernes Glas“ ist das 1989 im Berengo Fine Arts Studio in Murano entstandene Objekt „La Main Noire“ (Abb.) besonders hervorzuheben, das der französische Maler und Grafiker James Coignard (1925 – 2008) kreierte. Coignard gilt als Meister der Carborundum-Radierung, eines speziellen Verfahrens zur Erzeugung stark geprägter Farbflächen – eigentlich eine Kombination aus Radierung und Prägedruck. Das vorliegende Werk besteht aus farblosem Glas mit plastischen Aufschmelzungen in opakem Rot und Schwarz. Es ist frei geformt und in der Gravur mit „J. COIGNARD H. C.“ signiert. Der Schätzpreis für „Die schwarze Hand“ beträgt 8000 Euro.

Im Rahmen dieser Auktion wird auch eine über mehrere Generationen in Norddeutschland aufgebaute und – im wahrsten Sinne des Wortes – gepflegte Sammlung von 30 hochwertigen Gläsern aufgerufen. Darunter ein 18 Zentimeter hohes, grau-manganstichiges Kelchglas (Abb., Venedig oder Façon de Venise, 17. Jh.), das auf der Kuppa, dem dreifach eingeschnürten Hohlbalusterschaft und dem Fuß in gleichmäßigem Wechsel ein Filigranmuster aus drei variiert gedrehten Milchglasfäden zeigt – Taxe 3000 Euro.

Der Emailglasbereich wird von zwei markanten Objekten beherrscht: Zum einen wird ein 16,5 Zentimeter hoher, farbenprächtiger Ochsenkopfhumpen (1714 dat.) versteigert, der vorne eine Darstellung des Fichtelgebirges zeigt: Auf dem felsigen Gipfel ist ein Ochsenkopf zu sehen, darum zieht sich eine Kette mit Schloss. Zwischen den Bäumen stehen seitlich Hisch, Reh, Wildschwein und Hase – am Fuße des Berges sind die daraus entspringenden Flüsse „Eger, Naab, Saal und Mayn“ dargestellt. Über dem Berggipfel ist die Inschrift „Vivant: Anno 1714“ zu lesen. Auf der Gegenseite wird dem Berg mit langen Worten gehuldigt: „Sey stoltz du stoltzer berg. du hoher printz, der wolcken-nachbar höhen“ – etc., etc. Umfangreiche Literaturhinweise begleiten den Auftritt. Der marktferne Ansatz von 3500 Euro darf wohl als Aperitif vor dem Bietgefecht verstanden werden …


Der Emailglasbereich wird von zwei markanten Objekten beherrscht


Des Weiteren kommt ein 25,5 Zentimeter hoher fränkischer Kurfürstenhumpen aus olivfarbenem Glas zum Aufruf (Abb. S. 11), der in polychromer Emailmalerei auf der zylindrischen Wandung mit hochgestochenem Boden und Abriss den Kaiser und die sieben Kurfürsten zu Pferde zeigt – und zwar in zwei Zonen unter Bogenfeldern. Die Bezeichnungen innerhalb der Bogenfelder lauten: „Röm: keyserl: Mayeßtat MENTZ – Cölln – Trier – Sachßn – Brandenburg – Behmen – Pfaltz“. Im Feld des Kaisers steht die Jahreszahl „1670“. Der verdickte Fußring ist mit einer Strichbordüre versehen, unter dem Lippenrand zeigen sich Perlenreihen und Goldstreifen mit radiertem Schuppenmuster. Der Schätzpreis für dieses Toplos liegt bei 8000 Euro.

TAXE 8000 € Kurfürsten-Humpen, olivfarbenes Glas, bunte Emailmalerei, Franken, 1670, H. 25,5 cm


Zechlin ist unter anderem mit einem 31,5 Zentimeter hohen Deckelpokal aus farblosem, mit polierten Schliffornamenten verziertem und goldstaffiertem Glas vertreten. Die geweitete Kuppa zeigt ein sehr fein geschnittenes, bekröntes Profilbildnis von Friedrich dem Großen, umgeben von Trophäen und Standarten (Taxe 2500 Euro).

1931 hat der bekannte Glasforscher Robert Schmidt (1878 – 1952) in einem unveröffentlichten Berliner Schreibmaschinenmanuskript die hervorragend bestückte Sammlung „Friedrich Neuburg“ (Leitmeritz / Dresden) beschrieben – und dort zu Objekt 297 folgende Angaben gemacht: „Achtseitiger Deckelpokal mit spielenden Kindern. Die nach unten verjüngte Kuppa achtseitig mit eingebuchteten Eckseiten. Die Schmalseiten mit Sparrenschliff. Facettierter Balusterschaft; achtseitige Fussplatte mit Rundbogenfacetten unter dem Boden. Der Deckel entsprechend gebildet mit facettiertem Knauf. Auf der Kuppa beiderseits spielende Kinder in Landschaft /Kugelspiel, Reifenspringen, Kegelspiel/. Darunter zierliche Jagdszenen in Laub- und Bandelwerk. Auf dem Deckel Laub- und Bandelwerk. Höhe /mit Deckel/ 26 cm; obere Breite 9 cm. Schlesien um 1730. Tafel 77 Aus Sammlung Consul Rosenberg; Versteig. Berlin / Lepke / 1919. Katal. Nr. 658.“

Der fragliche Pokal gelangte später in die ehemalige Sammlung von Ernesto Wolf und steht heute im Landesmuseum Württemberg in Stuttgart.

Das von gleicher Hand geschnittene Gegenstück – allerdings mit seitenverkehrter (?) Darstellung der Szenen – wird jetzt bei Dr. Fischer aufgerufen (Abb. S. 10). Dieser Pokal geht mit 4500 Euro ins Rennen – der Katalog, in dem das Stück ausführlich beschrieben wird, verweist ausdrücklich auf das von Schmidt beschriebene Pendent.

DR. FISCHER Heilbronn, Auktion 19. Oktober, Besichtigung 14. – 18. Oktober
www.auctions-fischer.de


Abb.: Dr. Fischer, Heilbronn