Lesezeit ca. 8 Min.

Kurztrip für Genießer


Logo von fliegermagazin
fliegermagazin - epaper ⋅ Ausgabe 110/2021 vom 17.10.2021

Leserreise Ungarn & Adria

Artikelbild für den Artikel "Kurztrip für Genießer" aus der Ausgabe 110/2021 von fliegermagazin. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: fliegermagazin, Ausgabe 110/2021

Adria-Route Insel und Stadt Kor?ula sind ein besonders schöner Ort an der kroatischen VFR-Strecke entlang der Küste

Es gibt eine eiserne Regel bei den Leserreisen des fliegermagazins: Über das Flugwetter wird bei den täglichen Briefings gesprochen – und sonst nicht! Nichts ist stimmungstötender als am Strand oder beim Dinner stundenlang etwaige meteorologische Unwägbarkeiten zu diskutieren – vor allem für womöglich noch flugunsichere Passagiere und besonders, wenn am nächsten Tag beim Abflug doch alles ganz gut nach VFR fliegbar ist.

So leicht wie auf der Adria-Tour war es allerdings selten, diese Regel einzuhalten: Ob beim Reisestart im bayerischen Mühldorf/Inn, in Ungarn oder Kroatien – eine ausgeprägte Hochdrucklage über halb Europa sorgte dafür, dass das Wetter sich am besten so beschreiben lässt: Es war »an«.

Ideale Bedingungen also für eine bunt gemischte Reisetruppe. Die Teilnehmerf lotte bestand aus Beech Bonanza, Bristell NG5, Cessna 172 und 182, Cirrus SR22T, Piper Arrow und ...

Weiterlesen
epaper-Einzelheft 3,99€
NEWS Jetzt gratis testen
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von fliegermagazin. Alle Rechte vorbehalten.
Lesen Sie jetzt diesen Artikel und viele weitere spannende Reportagen, Interviews, Hintergrundberichte, Kommentare und mehr aus über 1000 Magazinen und Zeitungen. Mit der Zeitschriften-Flatrate NEWS von United Kiosk können Sie nicht nur in den aktuellen Ausgaben, sondern auch in Sonderheften und im umfassenden Archiv der Titel stöbern und nach Ihren Themen und Interessensgebieten suchen. Neben der großen Auswahl und dem einfachen Zugriff auf das aktuelle Wissen der Welt profitieren Sie unter anderem von diesen fünf Vorteilen:

  • Schwerpunkt auf deutschsprachige Magazine
  • Papier sparen & Umwelt schonen
  • Nur bei uns: Leselisten (wie Playlists)
  • Zertifizierte Sicherheit
  • Freundlicher Service
Erfahren Sie hier mehr über United Kiosk NEWS.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 110/2021 von Bitte nicht nachmachen!. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Bitte nicht nachmachen!
Titelbild der Ausgabe 110/2021 von Neuer Weltrekord für Tunnelflieger. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Neuer Weltrekord für Tunnelflieger
Titelbild der Ausgabe 110/2021 von PRODUKTE. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
PRODUKTE
Titelbild der Ausgabe 110/2021 von Pilgerreise ins Burgund. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Pilgerreise ins Burgund
Mehr Lesetipps
Blättern im Magazin
Ein ganz besonderer Saft
Vorheriger Artikel
Ein ganz besonderer Saft
Ganz im Westen
Nächster Artikel
Ganz im Westen
Mehr Lesetipps

... Seneca sowie Ruschmeyer R90. Das f liegermagazin-Team war erstmals in einer Zweimot dabei: Ein treuer Leser vercharterte uns seine Piper PA-30 Twin Comanche.

Zum Reisestart in Mühldorf sind jedoch nicht alle Teams anwesend. In Winningen verhindert frühmorgendlicher Nebel den rechtzeitigen Start der Piper Arrow. Und weil Mühldorf keine Zollabfertigung bietet, erspart sich die Crew der Schweizer Cessna 182 das dort aufwändige Einreiseprozedere aus dem Nicht-EU-Staat und fliegt direkt zum ersten Stopp ins ungarische Héviz. Der Flug durch die Alpen dorthin ist für die Eidgenossen naturgemäß weniger aufregend als für Norddeutsche.

Kurze Legs in der Luft, dafür viel Zeit zum Entspannen

Der österreichische Lotse ist sehr entspannt. Auf dem kurzen Leg von Mühldorf zur Grenze haben wir auf FIS-Service verzichtet, mittlerweile hat uns der Salzburger Controller auf dem Schirm, aber er macht keine Anstalten, den Flugzeugen unserer Gruppe auf dem Weg nach Ungarn separate Transpondercodes zuzuweisen. »Wir squawken 7000, ist das so okay?«, fragen wir ihn verwundert. »Ja, das ist mir egal. Ihr habt ja Mode S, ich sehe Eure Kennungen.« Es ist nach vielen Jahren der teuren Mode-S-Pflicht das erste Mal, dass wir bei einem Sichtf lug diese Transpondertechnologie als Vorteil sehen.

Corona verursacht Umwege

Das länderübergreifende Reisen unter Corona-Einf luss ist für die Gruppe so problemfrei wie zu Pandemiezeiten überhaupt möglich: Alle Teilnehmer sind geimpft und haben ihr Zertifikat in digitaler Form auf dem Handy. Und trotzdem: Ungarn fordert per NOTAM die Einreise über einen Airport of Entry. Der internationale Flughafen Héviz-Balaton (LHSM) liegt nur 22 Meilen nordwestlich unseres eigentlichen Ziels, dem Schlosshotel Hertelendy (LHKU).

Dinner im idyllischen Schlosspark – so lässt es sich leben!

Der ehemalige Militärplatz am Plattensee bietet 2500 Meter Runway, aber bis auf einen sind alle Abrollwege gesperrt. Nur der allerletzte, am Ende der »24«, ist geöffnet und führt zum gähnend leeren Vorfeld. Wer an der Schwelle aufsetzt, statt eine lange Landung zu machen, rollt ewig und blockiert die Bahn für die nachfolgenden Flugzeuge der Gruppe – zum Glück denken alle mit.

Die Einreiseformalitäten sind eine Sache von Sekunden: Personalausweis und Covid-Zertifikat vorzeigen, und weiter geht’s! Weil nahezu Windstille herrscht, lässt uns die Lotsin in Gegenrichtung starten. An das Verfahren muss man gewöhnt sein: »Runway is free« ist die einzige Information, die es als »Startfreigabe« gibt. Von unserer Griechenlandreise wissen wir, dass diese wiederholt werden soll. Es gibt keine Startfreigabe. Und auch keine Staffelung in der Kontrollzone. Die Begegnung des letzten auf die »24« anfliegenden Teilnehmerteams mit einer nach Süden abf liegenden Maschine sorgt deshalb kurzfristig für hohe Pulsfrequenz.

Das Landschloss Hertelendy ist ein Traum, um ein paar Tage auszuspannen – besonders für Piloten: Die Grasbahn hinter dem Schloss ist knapp 800 Meter lang, Lande- und Abstellgebühr gibt es nicht. Hier könnte man sich tagelang erholen. Tennis, Golf, Reiten, Tontaubenschießen, Jagd, Wellness – so vielfältig sind die Freizeitmöglichkeiten in dem 2006 komplett renovierten Landschloss! Schade, dass die Adria-Reise zu den kürzeren f liegermagazin-Trips zählt. Zeit zum Plantschen im Pool bleibt trotzdem. Abends dinieren wir im Schein von Fackeln im idyllischen Schlossgarten, untermalt von traditioneller ungarischer Live-Musik – man könnte es fast ein fürstliches Mahl nennen.

Am nächsten Tag sind wir schon wieder in Héviz. Erst 2024 soll Kroatien, unser nächstes Ziel, der Schengenzone beitreten. Bis dahin ist auch im Ausreiseland eine grenzpolizeiliche Abfertigung nötig. Fast alle nutzen den Zwischenstopp für einen Sightseeing-Flug entlang der Ufer des benachbarten Plattensees.

Das Wetter ist unverändert »severe clear«, wie die Amerikaner so schön sagen. Die teilweise über 6000 Fuß hohen Gipfel des Dinarischen Gebirges bereiten uns deshalb keine Schwierigkeiten auf dem Leg durch Bosnien- Herzegowina nach Dubrovnik. Die empfohlenen VFR-Routen ignorieren wir dabei weitgehend, den Lotsen ist das egal.

In diesen Hotels waren wir

Die Fliegerei stand beim Kurztrip an die Adria mit drei Legs von jeweils gut 200 Nautischen Meilen nicht so sehr im Vordergund wie bei anderen Leserreisen – umso wichtiger waren Unterkünfte, in denen man sich wirklich wohlfühlen konnte. Das ungarische Schloss Hertelendy (www.hertelendy-castle.com) war einige Zeit nur für Gruppen buchbar. Mittlerweile steht es in den Sommermonaten Einzelgästen offen. In der übrigen Zeit kann es Veranstaltungen geben, die das Hotel blockieren, doch in jedem Monat ist Hertelendy an mindestens einem Wochenende für Individualreisende buchbar. Am besten fragt man telefonisch beim überaus freundlichen und oft Deutsch sprechenden Personal nach. Wenn das Haus mit einer Gruppenreservierung nicht ausgebucht ist, sind Restzimmer auch einzeln erhältlich. In Dubrovnik bietet das Hotel Excelsior (www. adriaticluxuryhotels.com/hotel-excelsior-dubrovnik) wohl einen der schönsten Blicke auf die Altstadt. Die ist zudem zu Fuß erreichbar.

Dazu gibt es Fünf-Sterne-Service und eine hoteleigene Strandterrasse. Das Hotel Bellevue (www.losinj-hotels.com) in Mali Lošinj gehört zu einer Gruppe von Hotels und Villas in einer romantischen Bucht.

Wer Boutique-Stil bevorzugt, steigt im Schwesternhotel Alhambra gleich nebenan ab.

Boeing verhindert Direktanflug

Aus dem Direktanflug wird diesmal nichts: Eine Boeing ist im Final, wir müssen mit der Twinco zu den VFR-Pflichtmeldepunkten aufs Meer hinausfliegen – so verpassen wir den Blick auf die historische Altstadt von Dubrovnik im Endanflug. Seit sie als Drehort für die 2011 bis 2019 ausgestrahlte US-Serie »Game of Thrones« diente, boomt der Tourismus in der kroatischen Hafenstadt noch mehr. Auf dem Vorfeld stehen je eine Boeing 767 von Delta und United; beide kommen nonstop aus New York.

Wir parken zwischen etlichen Privatjets. Zur kürzlich fertiggestellten Modernisierung des Flughafens gehört auch ein schickes und riesiges Terminal für die Allgemeine Luftfahrt. Das lässt sich der Airport allerdings bezahlen: Zwischen 160 und 180 Euro kosten Landen und Abstellen für unsere kleinen Maschinen. Dazu kommen noch 50 Euro Taxikosten vom Flughafen, der eine gut halbstündige Fahrt weit außerhalb der Stadt auf einem Plateau liegt.

Doch spätestens als wir bei einem Spaziergang auf der Stadtmauer im Sonnenuntergang über die Dächer des Weltkulturerbes blicken, ist allen klar: Diese Destination ist jeden Cent wert!

Dubrovnik mag unter touristischen Aspekten unübertroffen sein – fliegerisch ist zweifelslos das Leg am nächsten Tag Höhepunkt der Reise. Die rund 200 Nautischen Meilen entlang der kroatische Küste nach Mali Lošinj sind Sightseeing pur. Wer hier hoch fliegt, ist nun wirklich selbst schuld. Entlang veröffentlichter VFR-Routen (siehe Kasten rechts) kommt man kaum aus dem Staunen über die Schönheit der schroffen und nur spärlich bewohnten Inseln der Kornaten heraus. Immer wieder entdecken wir Segelboote, die in den romantischen Buchten vor Anker liegen; dann wieder überfliegen wir historische Hafenstädte.

UNSER SPONSOR

ForeFlight ist die integrierte Flugnavigations-App mit allen notwendigen Funktionen für Vorbereitung, Flugplanaufgabe und Flugdurchführung bei VFR-und IFR-Flügen in Europa. Erfahren Sie mehr unter www. foreflight.com/europe und probieren Sie die App 30 Tage lang kostenlos aus! An unseren Leserreisen teilnehmende Piloten erhalten ein Abo ForeFlight Performance Plus Europe für sechs Monate.

»Groß«? Keineswegs! Veli Lošinj ist ein überschaubares Dorf

Mächtig was los auf Lošinj

Die Landung in LDLO ist durchaus anspruchsvoll. Die »20« steigt zur Mitte an, dazu steht in der Anfluggrundlinie noch ein Berg. Man muss im Final ran ans Gelände, dann passt’s. Dicht an dicht stehen hier Ein- und Zweimots von überall her. Wir entdecken italienische, kroatische, deutsche und Schweizer Kennungen. Per Motorboot geht es zum Abendessen ins per Luftlinie nur vier Kilometer entfernte Veli Lošinj. Trotzdem sind wir eine Stunde unterwegs: Die Zugbrücke, die wir auf unserem Weg vom Flugplatz überquert haben, wird abends nicht mehr geöffnet. So müssen – oder besser dürfen – wir den weiten Weg um beinahe die ganze Insel machen.

Das Fischerdörfchen ist mitnichten groß – das bedeutet »veli« nämlich –, sondern im Gegenteil sehr verträumt und idyllisch. Dennoch hat das Örtchen gleich zwei Häfen. Während im größeren schon ein stattlicher Katamaran liegt und reger Trubel herrscht, legen wir weiter östlich im kleineren an und lassen uns in der dortigen Bora Bar einheimischen Fisch schmecken.

Zurück vom Dinner genießen wir auf der Hotelterrasse noch ein Gläschen »Old Pilot's Gin«. Zwei ehemalige kroatische MiG-Piloten destillieren den edlen Tropfen mit lokalen Zutaten in ihrer eigenen kleinen Brennerei. Viel stilvoller kann ein Abend – und eine Leserreise –nicht zuende gehen.

Vom mediterranen Flair (und dem problemlosen Wetter) zeigt sich die Crew der Cessna 172 ganz besonders beeindruckt: Kurzentschlossen verlängert sie ihren Trip um einen Abstecher ins nahe Venedig. Ja, Mittelmeer kann süchtig machen!

Fliegen nach und in Kroatien

Der Mittelmeerstaat ist nicht nur ein beliebtes Urlaubsland, sondern auch eine attraktive Destination für Piloten. Weil Kroatien zwar EU-Mitglied ist, nicht aber dem Schengenraum angehört, benötigt man für den Flug dorthin eine grenzpolizeiliche Abfertigung bei Start und Landung. Unser Tipp für alle, deren Platz dies nicht bietet: Das slowenische Portorož (LJPZ) liegt fast für jedes Routing aus Deutschland auf der Strecke. Richtung Süden geht es am besten auf den empfohlenen VFR-Routen Adria 1 bis 4. Deren VFR-Wegpunkte eignen sich nicht gut zur Flugplanaufgabe, es sind auch zu viele. Einige nahe IFR-Wegpunkte sind genau genug, gefolgt von der Ansage im Funk »following Adria route«. Weil der Luftraum D fast überall in 1000 Fuß beginnt, sind für jeden Flug Funkkontakt und Flugplan nötig.

Aber keine Angst: Die kroatischen Lotsen sind sehr entspannt, ein formelles »enter airspace …« hört man selten. Es gilt das »Wünschdir-was«-Prinzip, die Controller machen fast alles möglich. Alle Infos der Flugsicherungsbehörde gibt es online: www.crocontrol.hr/en/.