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Kyosho: Rolls-Royce Phantom VI: Innen: Lila!


Caramini - epaper ⋅ Ausgabe 10/2019 vom 02.10.2019

Außen dezent und innen exaltiert. Die Karosserie farbe des Kyosho Rolls-Royce Phantom VI bietet auch dem steifsten, alt eingesessenen Hochadel keinen Grund, degoutiert zu sein. Aber einsteigen würde ein Vertreter desselben nicht, wenn er die Interieursfarbe sähe: Lila! Mutig, mutig. Ein Traum von einem Modellauto!


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Das ist echter automobiler Adel, und das Modell reflektiert die Qualität des Originals. Ein tadelloses und kritikloses Miniaturauto, die schiere Freude für den Enthusiasten.


Fotos: Alexander F. Storz

G uter Geschmack ist keine Frage des Geldes. Ihn persönlich zu verwirklichen, hingegen schon. Wer ...

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G uter Geschmack ist keine Frage des Geldes. Ihn persönlich zu verwirklichen, hingegen schon. Wer seinen Neuwagen nach Kriterien des Wiederverkaufswertes konfiguriert oder dazu gezwungen wird, weil der Wagen ein Leasingfahrzeug ist, votiert für Silber mit schwarzer Innenausstattung. So ist er am besten wieder an den Mann zu bringen – auch wenn er langweilig und beliebig ist und überhaupt nicht dem eigenen oder guten Geschmack entspricht. Wem derartige Überlegungen absolut fremd sind, kann seinem (guten) Geschmack freien Lauf lassen. Das allerdings ist eine Frage des Geldes – egal ob es sich um einen VW Polo oder um einen Rolls Royce handelt. Denn je individueller, desto schlechter als Gebrauchter verkäuflich.

Nun ist ein Rolls Royce als Privatwagen schon immer eine längerfristige Anschaffung gewesen als ein Polo, oftmals eine Anschaffung fürs Leben. Diese Aussage gilt für alten Geldadel, nicht für superreiche Parvenüs. Ein Rolls Royce wurde und wird, vor allem auf der britischen Insel, innerhalb der Familie vererbt. Da kann sich der Käufer frei entfalten, ihn als Ausdruck seiner Persönlichkeit einrichten und ausstatten, in ihm ein automobiles Symbol seines Daseins schaffen, richtiggehend schöpferisch tätig sein. Viel Kreativität, auch viel Mut, bewies der Erstbesitzer jenes Rolls Royce Phantom VI, den Kyosho nun verwirklichte. Ein echter Privatwagen. Kein administratives Fahrzeug, das einerseits repräsentativ und andererseits diskret sein sollte, kein Fahrzeug, das der Steuerzahler finanzierte. Zwischen 1968 und 1991 war diese ungemein schwere Chauffeurlimousine das Topmodell im Rolls Royce Programm, wobei sie in den 80er Jahren kaum mehr eine Rolle spielte, weil technisch überholt (separate Karosserie auf Kastenrahmenchassis, Trommelbremsen an allen Rädern, Dreistufenautomatik mit Drehmomentwandler, das Fahrverhalten eines leichten Lastwagens). Überhaupt war der Wagen ohnehin nur bis 1976 frei verkäuflich, danach nur auf Sonderbestellung von ganz besonders very important people.

Konstruktiv ein Nutzfahrzeug chassis: vorne Einzelradaufhängung, hinten Starrachse an Blattfedern, solider Kastenrahmen, auf den der Aufbau geschraubt wurde. Aber auch ein Nutzfahrzeugchassis kann edlen Geblüts sein.


Beim Rolls Royce Phantom VI ging es nicht um Technik, sondern um Aura, um Symbolik. Er war das automobile Insignium des Reichtums und der Macht schlechthin. Kein Automobil repräsentierte mehr. Keines kostete mehr. Einen Katalogpreis gab es nicht, nur einen „price on request“, also einen Preis auf Anfrage. Denn es gab keinen „serienmäßigen“ Phantom VI. Jedes der 374 Exemplare war individuell, und die meisten trugen eine Karosserie von Mulliner Park Ward, dem Rolls Royce Karosseriewerk für besondere Aufbauten.

Farblich sehr individuell ist die Kyosho Neuheit. Die bisherigen Modelle waren eher diskret (Schwarz, Weiß, Dunkelrot mit Schwarz), einzig Hellblaumetallic mit Silber war individuell und pfiffig. Aber jetzt! Von außen: distinguiert, vornehm, gesetzt. Der Wagen ist in Silbermetallic gehalten, das Karosserieunterteil in Schwarz. Das ist zwar ein etwas krasser Farbzusammenprall von sehr hell zu sehr dunkel, aber die einzelnen Farben selbst sind zurückhaltend und somit passen sie zueinander. Innen: Lila. Komplett lila, die Fauteuils, die Türinnenverkleidungen, der Dachhimmel, der Teppichboden – alles lila bis auf das stets schwarze Armaturenbrett, das von edelstem Holz geziert wird. Holz auch sonst, aber es fällt nicht auf. Es ist zwar holzfarben, also braun, aber in der selben Helligkeit wie das Lila. Zu innen Lila gehört Mut. Selbst dazu gehört Mut, sich dieses Modellauto in die Sammlung zu stellen. Denn es repräsentiert ein Genre und eine Zeit, in der Reichtum nicht wie heute unverschämt zur Schau gestellt wurde, sondern diskret war. Doch der Reichtum, der Überfluss, den dieses Modellauto repräsentiert, ist nicht diskret. Er ist offensiv.

Wer respektlos ist, sagt „Emily“. Die Lady ist der „Spirit of Ecstasy“, der „Geist der Vollkommenheit“. Und vollkommen miniaturisiert von Kyosho.


Das Modell selbst, dieses großartige und wunderbare Modell, haben wir inCaramini 11/2017 bereits ausführlich vorgestellt, und die Neuheit ist eine Farbvariante, für die das selbe wie für den seinerzeitigen Schwarzen gilt. Die Kyosho Miniatur ist beeindruckend und hochwohlgeboren, die Umsetzung ist nichts als edel. Die Oberflächenstruktur im Inneren imitiert diejenige des Originals mit Conolly Leder glücklicher Hochlandrinder, die Türen und Hauben, alle zu öffnen, schließen mit einem satten Klacken, das auch akustische Wertigkeit suggeriert. Der Eigentümer muss Musikliebhaber sein, denn die Hutablage ziert eine wahre Batterie an Lautsprechern, und zu all open gesellen sich auch bewegliche Klappsitze für mitreisende Bodyguards oder Sekretäre. Eine Schau ist natürlich die doppelflügelig zu öffnende Motorhaube, und darunter findet sich ein herrlich nachgebildeter 6,75Liter V8, der Motor aus dem Rolls Royce Silver Shadow, vorbildlich bedruckt, selbst die Nebenaggre gate. Auch von unten absolutes Wohlgefallen: Kyosho bildet minu tiös den Kastenrahmen nach, auf den die Karosserie gesetzt wurde, die vordere Einzelradaufhängung und die hintere Starrachse an Blattfedern. Fein gemacht auch die mit einem weißen Flankenring versehenen Avon Diagonalreifen, die Vollchromradkappen mit einem silbern lackierten Ring, also in der oberen Karosseriefarbe, gehalten. Und der Chrom ist absolut makellos. Ein wahrhaft herrschaftliches Miniaturauto, über jegliche Kritik erhaben, und in einer Lackierung versehen, die schlichtweg nur „stunning“ ist.

Der Preis: Selten sehen wir eine so große preisliche Bandbreite wie bei diesem Modell. Minichamps importiert Kyosho und ruft circa 230 Euro Ladenpreis auf. In Großbritannien, dem Mutterland von Rolls Royce und wahrscheinlich dem Land mit den meisten Rolls Royce Verehrern, hören einige optimistische Händler das Gras wachsen und verlangen schamfrei 400 Euro. In Japan wird das Modell zu einem günstigeren Grundpreis als in Kontinentaleuropa angeboten. Aber das trügt. Denn mit Porto und Zoll ist es weit teurer als beim Fachhändler vor Ort. Und mit dem kann man beim Abholen auch noch einen netten Plausch halten.

• KYO8905BS Rolls Royce Phantom VI. Fertigmodell Zinkdruckguss, Maßstab 1:18. Preis ca. 230 €.

Lila. Man muss Lila in diesem Wagen ertragen können. Die Wiedergabe ist perfekt. Über Geschmack soll man bekanntlich nicht streiten. Aber das ist nur eine hohle Phrase, gerne gebraucht von jenen, die einen schlechten oder sogar gar keinen Geschmack haben. Es gibt durchaus guten und schlechten Geschmack. Und gar keinen Geschmack.


Die Maschine so lecker wie die Außenhaut, fein umgesetzt und aufwändig bedruckt. Kein Schildchen und kein Aufkleber wurde vergessen.