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LA DOLCE VITA


Maranello World - epaper ⋅ Ausgabe 1/2020 vom 28.02.2020

Mit dem Roma schlägt Ferrari ein neues Kapitel in seiner langen Geschichte auf. Fans müssen sich an den Gedanken gewöhnen, dass der V8-Turbomotor der neue Maßstab ist.


FERRARI ROMA

Kommunikation ist die Kunst, etwas mitzuteilen. In der heutigen Zeit muss das nicht immer geradlinig erfolgen. Auch heimliche Vorab-Informationen und arrangierte PR-Pannen tragen dazu bei, die Aufmerksamkeit für ein Produkt zu entfachen: Maserati veröffentlicht selbst Erlkönigfotos seines neuen Supersportwagens, Porsche enthüllte seinen Elektro-Boliden salamischeibchenweise, und andere Hersteller streuen Wochen vor einer ...

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Bildquelle: Maranello World, Ausgabe 1/2020

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... Premiere gezielt Informationen für ein neues Modell, die dann lautstark als Leck beklagt werden.

Und Ferrari? Auch in Maranello weiß man, wie man erfolgreich kommuniziert. Ganz klassisch: Man sagt nichts. Das schürt die Neugier bei den Medien. Als handverlesene Journalisten am 14. November nach Rom reisten, ahnten sie daher nicht, was sie erwarten würde. Bis zuletzt hatte man bei Ferrari dichtgehalten. Und so schossen die Spekulationen ins Kraut: Würde es eine Preview des künftigen SUV werden? Oder bekäme man einen Nachfolger für den noch recht jungen Portofino zu sehen? Oder würde es gar um einen neuen limitierten Hightech-Supersportwagen gehen?

Alles weit gefehlt, was die Überraschung schließlich perfekt machte. Denn mit dem Debüt des Ferrari Roma hatte niemand gerechnet - selbst die im Allgemeinen recht gut informierten italienischen Medien nicht.

GELUNGENE ÜBERRASCHUNG

Noch bevor sich das Publikum detaillierter mit dem Fahrzeug beschäftigte, machte eine berechtigte Frage die Runde: Welche Strategie verfolgt Ferrari mit dem Roma? Ist er vielleicht doch der Nachfolger des Portofino? Die Antwort ist ein klares Nein, denn zumindest bis auf Weiteres bleibt das Coupé-Cabrio ganz regulär erhältlich und bildet mit einem Grundpreis von 189.000 Euro weiterhin den Einstieg in die Welt von Ferrari. Der Roma soll dagegen rund 15 Prozent teurer sein und wird damit die 200.000er-Marke durchbrechen.

Die Mehrleistung von 20 PS, die das Coupé aufweist, rechtfertigt diesen Preisschub sicher nicht. Dafür hat der Portofino das komplexere und teurere Dachsystem. Trotzdem sind Spekulationen nicht von der Hand zu weisen, dass die Tage des glücklosen California-Nachfolgers gezählt sind: Die Nachfrage nach offenen Fahrzeugen ist seit den Nuller Jahren über alle Segmente hinweg drastisch zurückgegangen. Das spürt auch Ferrari. Er- schwerend hinzu kommt beim Portofino das leider vorhandene und - wir wiederholen es immer wieder - unbegründete Klischee eines Soft-Ferrari.


PURISTISCHE LINIE OHNE SCHNICKSCHNACK, KEIN GRAMM FETT ZUVIEL.


Der Ferrari Roma folgt wie der Portofino dem „2+“-Konzept. Die hinteren Sitzmulden sind aber extrem knapp geschnitten. Eigentlich ist er ein Zweisitzer.


Bis heute gelten die großen Coupés von Ferrari als Top-of-the-Range-Modelle - Fahrzeuge, die immer mit den stärksten V12-Motoren ausgestattet sind, die überdurchschnittlich viel kosten und stets in kleinen Stückzahlen gefertigt werden. Doch schon der aktuelle GTC4Lusso bildete eine Ausnahme von dieser Regel: Unter der Bezeichnung GTC4Lusso T gibt es das Coupé auch mit Achtzylinder-Frontmotor, was viele Medien in ihrer Berichterstattung über den neuen Roma offenbar vergaßen. Und mit seiner Leistungsausbeute von 610 PS (Achtzylinder) bzw. 690 PS (Zwölfzylinder) liegt der GTC4Lusso in absoluter Schlagdistanz zum 620 PS starken Neuzugang.

ALLES NUR EIN TEST?

Gut vorstellbar also, dass Ferrari mit dem Roma testet, wie gut ein hinreißend schön gestaltetes Coupé bei den Kunden ankommt, auch wenn „nur“ ein Achtzylinder unter der vorderen Haube pocht. Schließlich hat man auch in Maranello längst registriert, dass zwölf Zylinder weder politisch noch sportlich den Weg zur Glückseligkeit bedeuten. Und der direkte Wettbewerb wie McLaren GT und Aston Martin DB11 ist inzwischen ebenfalls bei acht Brennkammern angekommen.

Vor dem Hintergrund, dass Turbolader und Hybridsysteme das Leistungsmanko reduzierter Zylinderzahlen wettmachen können, überrascht der Roma mit der Absenz zusätzlicher KERS-Elektrifizierung - Hybrid? Nein danke!

Tatsächlich stammt der 3,9-Liter-V8-Turbomotor aus dem Portofino, wurde aber dank neuer Feinabstimmung 20 PS stärker. Unverändert, nämlich bei 760 Newtonmetern zwischen 3000 und 5750 Touren, blieb das maximale Drehmoment. Und trotzdem lohnt sich ein genauerer Blick auf den eindrucksvollen Schub des Roma: Durch das Variable Boost Management, einer von Ferrari entwickelten Software, wird bei Gangwechseln das Drehmoment gesteigert, was Verluste längerer Übersetzungen ausgleicht und damit gleichermaßen der Performance wie der Effizienz dient.

Ebenso wichtig ist in diesem Zusammenhang, dass im Roma jenes neue Achtgang-Doppelkupplungsgetriebe seinen Dienst verrichtet, das ursprünglich für den potenten SF90 entwickelt wurde. Der Portofino muss mit sieben Fahrstufen vorliebnehmen, und außer dem ist seine Schaltbox größer und sechs Kilogramm schwerer. Im Vergleich zur SF90-Getriebeversion erhielt der Roma für mehr Fahrkomfort eine längere Übersetzung und einen Rückwärtsgang spendiert - Rückwärtsfahren geht beim SF90 rein elektrisch, und elektrisch kann der Roma nun einmal nicht.

TECHNISCHE DATEN FERRARI ROMA

MOTOR
Layout: 90° V8
Hubraum: 3855 ccm
Leistung: 620 PS (456 kW) bei 5750-7500/min
Max. Drehmoment: 760 Nm bei 3000-5750/min
Gemischaufbereitung: elektronisch geregelte Kraftstoffeinspritzung, zwei Abgasturbolader

KRAFTÜBERTRAGUNG
Antrieb: Hinterrad
Getriebe: 8-Gang-Doppelkupplungsgetriebe

FAHRLEISTUNGEN
Höchstgeschwindigkeit: über 320 km/h
0-100 km/h: 3,4
0-200 km/h: 9,3 s

ABMESSUNGEN
Länge: 4656 mm
Breite: 1974 mm
Höhe: 1301 mm
Radstand: 2670 mm
Trockengewicht: 1472 kg
Leistungsgewicht: 2,37 kg/PS

Objektiv betrachtet ist die Luft bei den Fahrleistungen im Ferrari-typischen Segment extrem dünn. Sowohl der GTC4Lusso T als auch der Portofino sind mit Beschleunigungswerten von 3,5 Sekunden für den Sprint von 0 bis 100 km/h und einer Höchstgeschwindigkeit von über 320 km/h angegeben. Der Roma nimmt ihnen mit 3,4 Sekunden praktisch nichts ab. Einzig der Boost bis 200 km/h geht mit 9,3 Sekunden deutlich schneller als im Portofino (10,8 Sekunden)

Absolut fahrerorientiert: Der Begriff Cockpit charakterisiert den Fahrerplatz gut. Der Beifahrer freut sich über ein eigenes Info-Display über dem Handschuhfach.


NEUER WERTEKANON

Doch beim neuen Ferrari-Coupé geht es ohnehin um andere, eher weltanschauliche und kulturelle Werte: Rom ist die Stadt des italienischen „dolce vita“, und genau hier will der Roma eine gute Figur machen. Mag der eine oder der andere Parallelen mit Aston Martin oder Jaguar F-Type sehen - das Credo all jener, die den Roma schon live sehen durften, lautet einhellig: Wow, sieht der toll aus!

Auch wenn Ferrari in diesen Tagen oft auf die Fortführung der langen Gran-Turismo-Tradition verweist, so fehlen am Roma jegliche Retro-Elemente. Statt den eigenen Stil vergangener Epochen zu zitieren, schritten die Designer des Ferrari Centro Stile mutig voran und entwarfen einen Ferrari, wie es tatsächlich noch keinen gab. Schmale LED-Leuchten vorn und hinten, kein modischer Schnick-Schnack und kein Gramm Fett zu viel zeichnen eine puristische Linie, die Ferrari-Fans noch lange in Verzückung versetzen wird.

Innovativer geht es im Interieur zu, allein schon wegen der üppig dimensionierten Displays in der Armaturentafel und der Mittelkonsole. Als Neuheit hielt bei dieser Gelegenheit das fünfstufige Manettino Einzug, über das inzwischen Licht, Blinker und Scheibenwischer gesteuert werden können, und in die rechte Lenkradspeiche ist ein Touchpad eingelassen. Damit wird ein Großteil der digitalen Features des Reisesportwagens verwaltet - die schöne neue Welt der elektronischen Individualisierung mit Social-Media-Anwendungen und nützlichen Apps ist längst auch über Ferrari hereingebrochen.

Ungewöhnlich wirkt die massive, sehr steil stehende Mittelkonsole. Sie trennt den Fahrer räumlich vom Beifahrer. Das Portofino-Interieur ist im Vergleich dazu deutlich luftiger und letztlich alltags- und reisetauglicher. Das Roma-Cockpit erinnert manche Kollegen eher an den Monza SP2. Mag sein, doch wir sagen: So eine steile Mittelkonsole haben wir schon früher einmal gesehen: beim 400 GT, der vielleicht als der stilsicherste aller klassischen Ferrari Gran Turismo in die Geschichte einging.

Allzu viel „Retro“ wollen wir dem Überraschungs-Roma aber gar nicht andichten. Erst als die italienischen Kollegen im Anschluss an die Präsentation anfangen, darüber zu diskutieren, dass Rom als Veranstaltungsort den Namen des Fahrzeugs verraten habe, wird uns bewusst: Der Roma steht zumindest bei der Namensgebung ganz in der Tradition von Modena, Fiorano, Maranello und Portofino.


FOTOS: FERRARI