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LA TOUR DE TORTUR


Auto Bild reisemobil - epaper ⋅ Ausgabe 10/2021 vom 09.09.2021

In 7 Tagen durch 15 Länder – mit dem Rad

Artikelbild für den Artikel "LA TOUR DE TORTUR" aus der Ausgabe 10/2021 von Auto Bild reisemobil. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.
Mehr als 2000 Höhenmeter waren auf dem Rad zu erklettern. Immer dabei: die Helfer im Carado

„Fahren bis ans Limit funktioniert nur mit perfekter Organisation.“

DAS ÖRTCHEN KUQISHTË als Dorf zu bezeichnen, wäre fast schon geschmeichelt. Nur eine Handvoll Häuser schmiegt sich wie hingeworfen an die Hänge oberhalb der Rugova-Schlucht im kosovarischen Prokletije-Gebirge. Als sie hier das letzte Mal offiziell durchgezählt haben, kamen sie auf exakt neun Einwohner. Ein Foto in Kuqishtës Wikipedia-Eintrag präsentiert das Dörfchen im Westen des Kosovo als nebelverhangene, verschneite Berglandschaft. Sechs Kilometer westlich verläuft die Grenze zu Montenegro.

Und das ist der springende Punkt: Wegen dieser Nähe zum Nachbarstaat ist Kuqishtë seit dem 25. Juni 2021 nicht mehr nur irgendein verschlafenes Bergdorf, sondern Schauplatz und Endpunkt eines irren Weltrekords.

An jenem Juni-Freitag überquert der hessische Ausdauer- und Extremsportler Dirk Leonhardt ...

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... mit seinem Rennrad die montenegrinisch-kosovarische Grenze und erreicht um 13.54 Uhr Kuqishtë. Der Kosovo ist das 15. Land, das Leonhardt seit seinem Start in Maastricht (Niederlande) knapp sieben Tage zuvor durchfahren hat – Weltrekord!

Dass er die 2050 Kilometer in 152 Stunden und 56 Minuten bewältigt hat, verdankt der 39-jährige Familienvater sorgfältiger Planung, intensiver Vorbereitung und professionellem Equipment, wozu auch ein Reisemobil Carado T 338 gehörte. Organisatorische Schaltzentrale und Schlafplatz, Ersatzteillager und Rückzugsort zur Regeneration: Das Begleitfahrzeug, gesteuert von seinen Supportern Alexander Hillmann (43) und Jo Becker (59), spielte eine wesentliche Rolle bei der Tour der Torturen. „So konnte ich jeden Tag bis ans Limit fahren und hatte überall eine Übernachtungsmöglichkeit“, erzählt Dirk Leonhardt. „Hätte ich mich nach Hotels oder Pensionen richten müssen, wären die Tages-Etappen immer zu kurz oder zu lang gewesen. Die nötige Flexibilität hatte ich nur mit einem mobilen Zuhause.“

Besonders zu schätzen lernte Leonhardt seinen rollenden Reisebegleiter auf dem Weg von Bosnien-Herzegovina nach Montenegro. Dort stand das ganze Projekt mit einem Mal kurz vor dem Scheitern. Leonhardt: „Die Route sollte eigentlich durchgehend über asphaltierte Straßen führen. So hatten wir das jedenfalls mit einem speziellen Navi-Programm geplant. Jetzt stellte sich aber heraus, dass der Weg immer enger und schlechter wurde. Alexander und Jo kamen mit dem Reisemobil schließlich nicht mehr weiter, mussten umkehren und einen Umweg nehmen. Mir erschien diese Strecke aber zu weit, deshalb beschloss ich: Augen zu und durch. Was für ein Fehler! Der Weg wurde immer holpriger, führ-te schließlich als Feldweg über viele Kilometer durch menschenleeres Gelände, und die Sonne knallte vom Himmel. Mein Wasser war verbraucht, mein Team weit weg und ich ziemlich dehydriert.

Noch nie hatte ich mich einer fremden Landschaft so ausgeliefert gefühlt. Hätte ich dort eine Panne gehabt, wäre alles aus gewesen. Als ich mich irgendwann, gefühlt halb verdurstet, durchgekämpft hatte und den Carado hinter einer Biegung stehen sah, war das, als wenn man in der Wüste an eine Oase kommt.“

Bei diesem Extrem-Ereignis profitierte Dirk Leonhardt von seiner Top-Kondition. Die 15-Länder-Tour war nicht der erste ungewöhnliche Weltrekord, den er in Ausdauerdisziplinen aufgestellt hat. 2020 absolvierte er einen 30-fachen Ultra-Triathlon (200 Kilometer Schwimmen, 5400 Kilometer Radfahren, 1320 Kilometer Laufen in 45 Tagen). Dieses Frühjahr schaffte er zusammen mit seiner Sport-Partnerin Judith Gebkea Strich in Gelnhausen den längsten Nonstop-Treppenlauf, den je ein Duo gestemmt hat: 28 Stunden und zwei Minuten immer treppauf, treppab.

Dabei ist Leonhardt noch nicht einmal Profi-Sportler. Hauptberuflich arbeitet er als Controller bei der Bundesbank. Seine Rekordversuche absolviert er im Urlaub. Und das Training? „Im Ausdauersport ist ein wesentlicher Erfolgsfaktor die Psyche“, sagt er. „Klar: Auch der Körper muss auf die Belastung vorbereitet werden. Das nötige Pensum ist aber neben dem Beruf machbar.“ Für den jüngsten Welt­ rekord stieg er oft abends und nachts aufs Rad, wenn seine Söhne (5 und 7 Jahre) im Bett waren. Um die zu erwartende Erschöpfung auf der Rekordfahrt zu simulieren, fuhr er einmal 24 Stunden am Stück.

Am 19. Juni ging es dann im niederländischen Maastricht los. Die weitere Strecke führte durch Belgien, Luxemburg, Frankreich, Deutschland, die Schweiz, Liechtenstein, Österreich, Italien, Slowenien, Kroatien, Bosnien, Montenegro, Albanien und den Kosovo (s. Karte Seite 113). Rund 25 000 Höhenmeter waren dabei zu bewältigen. Mindestens 15 Stunden täglich saß Leonhardt im Sattel. „Einmal, an Tag vier, waren es 20 Stunden und 23 Minuten“, berichtet er.

”Es kommt vor allem auf die Psyche an.

ZUR PERSON

Dirk Leonhardt wurde am 23. Dezember 1981 in Eisenach (Thüringen) geboren. Zum Ausdauersport kam er 2003: Als Auszubildender bei der Sparkasse nahm er an einem Mountainbike-Rennen seines Arbeitgebers über 70 Kilometer teil. Drei Jahre später lief er in Frankfurt/Main seinen ersten Marathon. Heute hält der Amateursportler mehrere Ausdauer-Weltrekorde und hat darüber ein Buch geschrieben („Vieles scheint unmöglich, bis du es schaffst“, Sportwelt Verlag). Hauptberuflich arbeitet er als Controller bei der Bundesbank. Leonhardt engagiert sich ehrenamtlich für die SOS-Kinderdörfer, besonders das im albanischen Tirana, der Heimat seiner Frau Ilsa (www.meine-spendenaktion.de/ aktion/biketour-7d-weltrekordversuch). Mit ihr und zwei Söhnen (5 und 7) lebt Dirk Leonhardt im hessischen Bruchköbel.

Dass das alles so genau festgehalten wurde, darum kümmerte sich Dirks Begleiter Jo Becker. Er fotografierte und filmte bei der Rekordfahrt, dokumentierte und füllte Unterlagen aus, die später beim Guinness-Buch der Rekorde eingereicht werden müssen. Alexander Hillmann fuhr den Carado und war als mobiler Küchenchef für die Verpflegung zuständig. Vor allem auf eine verlässliche Versorgung mit Wasser kam es an. „Mein Getränkeproviant war nach rund drei Stunden verbraucht, an heißen Tagen auch früher“, so Dirk Leonhardt. „Alex und Jo fuhren also immer eine entsprechende Strecke vor und warteten dann auf mich, damit ich am Reisemobil essen, trinken und Wasser nachfüllen konnte.“

Außerdem erwies sich die Geräumigkeit des Carado als Segen. Der Stauraum im Teilintegrierten reichte nicht nur für Verpflegung und das komplette Equipment, sondern auch noch für ein Ersatzrad. Zum Glück: Darauf musste der Rekordfahrer in den Dolomiten umsteigen, nachdem an seinem Rad – zunächst unbemerkt – der Rahmen gebrochen war.

Am Ende stand trotz aller Widrigkeiten und Pannen ein neuer Weltrekord. Für Dirk Leonhardt war das Projekt aber auch deshalb ein Erfolg, weil er damit seine Spendenaktion zugunsten des SOS-Kinderdorfes in der albanischen Hauptstadt Tirana bekannt machen kann. Der Extremsportler: „Als Familienvater liegt mir das Wohl von Kindern sehr am Herzen. Mit meinem Rekord möchte ich nicht nur zeigen, dass man mit Willenskraft sehr viel erreichen kann, sondern auch darauf aufmerksam machen, dass in einigen Ländern Europas große Armut herrscht.“

René Weihrauch