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LA VIDA LUCHA


Träume Wagen - epaper ⋅ Ausgabe 4/2019 vom 12.04.2019

Eine beinharte Rallye, ein leidenschaftlicher Porsche-Spezialist und ein seit Jahrzehnten unbesiegter Ringkämpfer – die idealen Voraussetzungen für einen 67er 912, erneut Geschichte zu schreiben


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Bildquelle: Träume Wagen, Ausgabe 4/2019

Porsche und die legendäre Hardcore-Rallye Carrera Panamericana verbindet eine lange Geschichte. Als Hans Herrmann im November 1954 den 550 Spyder ins Ziel brachte, lagen 3.077 harte Kilometer durch Mexiko hinter ihm. Sein Klassensieg in der Kategorie bis 1,5 Liter Hubraum war der Durchbruch für Porsche auf dem amerikanischen Kontinent. Nur 36 Sekunden hinter ihm schoss Jaroslav Juhan mit dem Schwesterauto ins ...

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Porsche und die legendäre Hardcore-Rallye Carrera Panamericana verbindet eine lange Geschichte. Als Hans Herrmann im November 1954 den 550 Spyder ins Ziel brachte, lagen 3.077 harte Kilometer durch Mexiko hinter ihm. Sein Klassensieg in der Kategorie bis 1,5 Liter Hubraum war der Durchbruch für Porsche auf dem amerikanischen Kontinent. Nur 36 Sekunden hinter ihm schoss Jaroslav Juhan mit dem Schwesterauto ins Ziel. Der Deutsche und der Guatemalteke hatten sich ein tagelanges Duell geliefert, im Gesamtklassement belegten sie die Plätze drei und vier. Ferry Porsches Wunsch, den Namen der Marke durch Rennsporterfolge berühmt zu machen, war aufgegangen. Dabei war die Teilnahme an der Carrera Panamericana riskant. Obwohl das Straßenrennen nur fünfmal ausgetragen wurde (1950 bis 1954), ist es eine Motorsportlegende. Ab 1952 war Porsche bei dem monströsen Ritt dabei, dem Jahr, in dem Mercedes-Benz mit dem 300 SL von Karl Kling und Hans Klenk gewann. Der Spyder-Klassensieg 1954 legte den Grundstein für viele weitere Erfolge. Die Carrera Panamericana wurde wegen etlicher tödlicher Unfälle nach 1954 verboten und erst 1988 als Rennen für Klassiker wiederbelebt, wobei an alte Traditionen und Reglements angeknüpft wurde. 2006 kam die Unlimited Class dazu, damit wurde es erstmals auch für Autos jüngerer Jahrgänge möglich, an dem Rennen teilzunehmen.
In der Porsche-Modellpalette lebt der Rallye-Pionier weiter: Alle mit dem siegreichen Viernockenwellen-motor ausgestatteten Sportwagen tragen den Beinamen Carrera, ebenso der Gran Turismo Panamera. Seit die legendäre Rallye wieder am Start ist, tauchen immer mehr authentische Fahrzeuge auf, um daran teilnehmen. Ein Halbgott in Sachen klassische Porsche und absoluter Fan der Marke ist John Benton, der in seiner kalifornischen Werkstatt in Anaheim seit Jahrzehnten betagte 356, Elfer und Zwölfer wieder fit macht. Nicht nur für die erfolgreiche Teilnahme an der Rallye, aber auch. Kunden aus aller Welt karren ihm ihre mehr oder weniger gut erhaltenen Survivor vor die Tür, in der Hoffnung, nach Benton´s Kur den gefürchteten Ritt durch Mexiko mitmachen zu können. Benton tut, was er am liebsten macht, baut die Fahrzeuge sorgfältig nach FIA-Richtlinien auf, optimiert die Motoren moderat und verwendet die besten Teile, die er finden kann. Mal abgesehen von den zahlreichen Klassikern, die von Benton runderneuert durch die Kontinente rollen: Die Feuerprobe der Carrera Panamericana haben auch schon etliche bestanden, auch Benton selbst fährt die Rallye regelmäßig mit.
Der in vieler Hinsicht ungewöhnlichste „Bentonbuilt“ ist der silberne 912, den Benton nach FIA-Spezifikationen für zwei Gentlemen aus Guatemala hergerichtet hat. Juan Luis Ponce und Javier Fernandez Rodriguez hatten von den unglaublichen Benton-Porsche und ihren Siegen bei der Panamericana Wind bekommen, flogen nach Mexiko, um Benton vor seinem Start in einem 356 zu treffen und hatten endgültig Blut geleckt. Das war 2017, 2018 fuhren die Rookies, die noch nie ein Rennen gefahren hatten, mit „Rayo Chapin“ einen Klassensieg bei der Rallye ein. Benton hatte ihn in nur einem halben Jahr vom ganz normalen 912 zum Winner gepimpt und das Mantra hatte gewirkt: Benannt wurde der 912 nach einem Volkshelden Guatemalas, Rayo Chapin. Ein Ringkämpfer, der in seiner 50-jährigen Karriere kein einziges Mal besiegt wurde. Und kein einziges Mal ohne seine Maske auftrat.

HARDCORE RALLYE

CARRERA PANAMERICANA


EINEN HÄRTEREN TEST GIBT ES NICHT!


Zur Vorsicht hatten sich die beiden Guatemalteken noch einen zweiten 912 von Benton präparieren lassen, mit dem sie zu Hause trainierten. Ein baugleiches Auto, aber ohne FIA-Sicherheitsausrüstung, das Benton in Rekordzeit fertigstellte. Als Basis diente ein roter 912 aus der Werkstatt, der eigentlich ein Safari Porsche werden sollt, nun aber die höheren Weihen der Carrera Panamericana Vorbereitung erhielt.

„Einen härteren Test gibt es nicht“, weiß John Benton nach ungezählten Ritten durch Mexiko, „die Straßen verlangen dem Auto alles ab und du musst ja immer innerhalb der FIA-Regeln bleiben.“ In Klasse A dürfen die Motoren nicht mehr als 1.600 Kubik haben, was im Falle Rayo Chapin bedeutet: Standard-Vierzylinder Typ 616, bearbeiteter Zylinderkopf und Nockenwelle, 40-mm-Weber-Vergaser, Accusump Öldruckspeicher und Verdichtung 10:1, um dem 91-Oktan-Benzin Mexikos standzuhalten. Verstärkte Federn und verstellbare Koni-Dämpfer, Rennbremse und Pirelli Trofeo R auf Fuchs-Felgen sind weitere Upgrades, um den Herausforderungen der Rallye gewachsen zu sein. Innen flogen sämtliche Teile raus, die beim Geländeritt abbrechen könnten, ein Überrollkäfig schützt die Piloten in ihren Sparco Sitzen. „Was hier in sieben Tagen verlangt wird, erlebst du sonst in einem ganzen Autoleben“, macht John Benton klar, warum das ganze kein Spaß, sondern bittere Notwendigkeit ist, wenn man heil ankommen will – samt Auto. Als krönenden Abschluss erhielt der Rallye-912 ein Finish in den Farben Guatelmalas: blau und weiß – wie die Maske Rayo Chapins.

Dass man erst bei der feierlichen Übergabe feststellte, dass einer der Fahrer zu groß war, um mit Helm unter den Käfig zu passen, sorgte für einige Hektik im Hause Benton. In Windeseile wurde neu konstruiert, geschnitten und geschmiedet, sodass der Rayo-Chapin-912 buchstäblich in letzter Sekunde zur Abnahme in Oaxaca getrailert wurde. Den Rest kennen Sie: Sieg auf der ganzen Linie. Dass dabei noch eine Nachtschicht eingelegt werden musste, um eine blockierte Benzinleitung wieder flott zu machen – so what. Übrigens: 48 Stunden, nachdem er die Ziellinie in Mexiko passiert hatte, stand der 912er schon wieder im Santa Anita Park in Kalifornien als Star der Zuffenhausen-Ausstellung anlässlich des Porsche Jubiläums. Ein 30-Stunden-Non-Stop-Ritt der beiden siegreichen Rallyepiloten machte es möglich. Einen Rayo Chapin kann eben nichts aufhalten …


Fotos: Andy Tipping