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LACHEN IST GESUND


familie & co - epaper ⋅ Ausgabe 12/2021 vom 02.12.2021

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Bildquelle: familie & co, Ausgabe 12/2021

W as ist der Unterschied zwischen einem Raben? Ganz einfach: Beide Beine sind gleich lang, besonders das rechte. Was, das finden Sie nicht lustig? Ihr Kind schon. Probieren Sie es ruhig aus: Gerade ältere Kita-Kinder und Grundschüler werfen sich bei diesem absurden Humor richtig weg vor Lachen. Klar, dass der Witz dabei wieder und immer wieder erzählt wird – und tatsächlich jedes Mal für Lacher sorgt.

„Kinder können so etwas unendlich wiederholen. So oft, dass es Erwachsenen schon auf die Nerven gehen kann“, sagt Sprachwissenschaftlerin Prof. Helga Kotthoff von der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. Da kommt zum Beispiel der dreijährige Tim früh am Morgen in den Kindergarten und begrüßt die Erzieherin und die Kinder mit einem fröhlichen „Guten Abend“ – um sich dann mit den anderen vor Lachen zu kringeln, weil auf einmal alle „Guten Abend“ sagen. Wieder und wieder.

In diesem Moment begreifen die ...

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... Kinder das Grundprinzip des Humors und der Komik: die bewusste Abweichung von der Normalität. Denn bei den Kleinsten spielt Humor beim Lachen noch gar keine Rolle. Alles beginnt mit einem Lächeln, das einfach nur zuckersüß ist, zum Knuddeln und Liebhaben.

Vom Engelslächeln zum fröhlichen Lachen

„In den ersten Wochen ist das Hochziehen der Mundwinkel ein reiner Reflex.

Sogar im Schlaf ist das sogenannte Engelslächeln bei den Babys zu sehen“, erklärt der Verhaltensbiologe Dr.

Joachim Bensel. Erst ab der sechsten Woche reagieren die Kleinsten mit ihrem Lächeln auf einen Auslöser, der einem menschlichen Augenpaar zu-mindest ansatzweise ähneln muss. Ein erstes Lachen lassen die Kleinen frühestens ab dem vierten Monat hören – vor allem, wenn sie sich ganz sicher fühlen.

Babys merken schnell, dass Lachen richtig Spaß macht.

Gerade wenn es darum geht, immer neue „Gefahren“ zu entdecken, die gar keine sind: zum Beispiel wenn sich Mama hinter dem Bett oder ihrer Hand versteckt und dann doch gleich wieder da ist. „Mit so einem liebevollen Schreck hat man sehr gute Chancen auf ein fröhliches Lachen“, sagt Bensel.

Bei der ersten Pointe unbedingt mitlachen

Genau so ein fröhliches Lachen, wie es gerade die zweijährige Sophia hören lässt. Das Mädchen sitzt mit seinen Eltern am Esstisch und der nächste Löffel soll für Mama sein. Die spielt das Spiel natürlich mit und sperrt ihren Mund weit auf. Aber kurz bevor Mama den leckeren Grießbrei vom Löffel schlecken kann, zieht Sophia ihn schnell weg – und amüsiert sich dabei königlich.

„Eltern sollten sich in diesem Moment unbedingt merkbar freuen“, rät Helga Kotthoff. Denn mit diesem kleinen Täuschungsmanöver hat Sophia ihre erste Pointe gelandet: Sie hat gelernt, dass Komik aus einer Situation entsteht, die nicht der Normalität entspricht – und dass sie diese Situation selbst hervorrufen kann.

Freude am Sprachspiel und am Tabubruch

Im Kindergartenalter entwickeln die Kleinen geradezu poetische Qualitäten, vor allem, wenn es richtig schön und verboten klingt. Auch wenn sich keiner so recht vorstellen kann, was ein „Popopimmel“ sein soll, es klingt einfach klasse, die anderen Kinder finden es toll und lachen mit.

„In diesem Alter haben die Kinder Freude am Sprachspiel und am Tabubruch“, hat Helga Kotthoff bei ihren Studien festgestellt. Das Hänseln und die Schadenfreude sollte man deshalb auch nicht überbewerten.

Lachen garantiert

Wollen Sie mal wieder herzlich mit Ihrem Kind lachen? Mit diesen Tipps haben Sie eine wirklich gute Chance

0–2 Jahre: Babys und Kleinkinder amüsieren sich vor allem über Gestik und Mimik. Die Allerkleinsten bringen Sie zum fröhlichen Glucksen, wenn Sie einfach ihre Wange anprusten. Ab dem fünften Monat bringt ein „liebevolles Erschrecken“ die Kleinen zum Lachen: zum Beispiel, indem Sie Ihr Kind ein Stück nach oben heben und wieder in den Arm nehmen. Im zweiten Lebensjahr finden Kinder Unerwartetes ganz toll, etwa wenn die Eltern selbst aus der Babyflasche trinken oder plötzlich auf allen vieren gehen. Auch der Springclown aus der Kiste wirkt Wunder.

3–5 Jahre: Im Kindergarten lernt der Nachwuchs das Spiel mit der Sprache. Kleine Wortspiele, witzige Reime oder völlig neu erfundene Wörter sind bei den Jungen und Mädchen jetzt der Renner. Auf Begeisterung stoßen auch kleine, für Verblüffung und Staunen sorgende Zaubertricks. Und natürlich der Dauerbrenner Kasperletheater. Besonders in der Gruppe macht es Kindern total viel Spaß zu sehen, wie der „schwache“ Kaspar den bösen Räuber verprügelt. Gerade zu Hause leicht umzusetzen sind auch Rollenspiele mit Schminken und Verkleiden. Und wenn die Eltern aktiv mitmachen, ist der Spaß besonders groß.

Ab 6 Jahre: Grundschüler sammeln einen Witz nach dem anderen. Sie lieben die geistige Herausforderung. Am Anfang aber noch ohne allzu viel Ironie. Viel läuft auch über – leider nicht planbare – Situationskomik.

Über ein kleines Missgeschick oder eine Unachtsamkeit lässt sich gemeinsam herzhaft lachen. Nicht erst im Grundschulalter funktionieren natürlich Kitzeln, Herumtollen sowie Necken und Frotzeln – solches der liebevollen Art natürlich. Und das alles geht gerne auch einfach mal zwischendurch.

Aber auch in der Erziehung ist jetzt mehr Platz für Humor: Die Großeltern kommen zu Besuch und die Mutter des vierjährigen Julian bereitet das Mittagessen vor. Plötzlich ist ein Schälchen Vanillepudding leer. Julian weiß selbst, dass das keine so gute Idee war. Bleibt nur eine Ausrede: „Der Opa mag doch gar keinen Pudding.“ Seine Mutter kann sich ein Lachen nicht verkneifen.

Genau wie Julians Mutter reagieren die meisten Eltern in so einer Situation instinktiv richtig – sie schimpfen nicht gleich. Mit einem Lachen lässt sich der Konflikt entschärfen. „Lachen vermittelt immer eine gewisse Leichtigkeit“, sagt Helga Kotthoff. Es schafft eine ganz andere Atmosphäre und macht die Kritik viel leichter genießbar.

In der Grundschule wird kräftig gefrotzelt

Humor mit Biss entwickeln die Kinder dagegen in der Grundschule. Da wird geneckt, was das Zeug hält. Vor allem die eigenen Freunde sind davor nicht mehr sicher. „Das gegenseitige Necken setzt voraus, dass man sich gut kennt“, weiß die Expertin. Wirklich böse gemeint sind die Frotzeleien deswegen so gut wie nie.

Spaß hat aber auch im Unterricht seinen Platz. Lehrer, die ihre Stunde immer wieder auf eine spielerische Ebene bringen, erreichen ihre Schüler viel leichter. Lachen stärkt auch die Bindung zwischen Freunden und macht selbstverständlich in der Gruppe mehr Spaß.

Dass Lachen noch dazu gesund ist, weiß schon jedes Kind. Aber warum ist das eigentlich so? „Lachen ist wie innerliches Joggen“, fasst Joachim Bensel zusammen.

Bis zu 80 Muskeln werden gleichzeitig aktiv, das Herz schlägt kurzfristig bis zu 120-mal in der Minute, der Sauerstoffgehalt im Blut steigt auf das Dreifache – genau wie beim Joggen.

Auch die Hormone lachen kräftig mit: Schlagartig freigesetzte Endorphine lösen Glücksgefühle aus, der Pegel von Stresshormonen wie Adrenalin und Cortisol dagegen sinkt deutlich ab.

„Und das ist außerordentlich gut für das Immunsystem“, erläutert Bensel. Denn jetzt produziert es vermehrt Antikörper – und kann damit sogar die Krebsabwehr verbessern.

Daher wird bei erkrankten Kindern in immer mehr Krankenhäusern auf die sogenannte Clowntherapie zur Behandlung gesetzt, denn fröhliche Kinder werden erwiesenermaßen deutlich schneller gesund. „Lachen stärkt die Abwehrkräfte, bekämpft Stress und produziert Glücksgefühle – schade, dass gerade Erwachsene relativ wenig lachen“, sagt Bensel.

Lachen macht glücklich – und bringt einfach Spaß

Kinder haben da deutlich weniger Probleme. Studien belegen, dass sie viel häufiger lachen und damit auch ihre Intelligenz weiterentwickeln. Dass gemeinsames Lachen mit dem Kind durch nichts zu ersetzen ist, bestätigt auch Helga Kotthoff: „Die Resonanz auf sein Lachen ist für das Kind genauso wichtig wie sein eigenes Gelächter – egal in welcher Form.“ Und ausgelassen mitzulachen macht auch richtig viel Spaß. Da ist es gar nicht so wichtig, wenn eigentlich keiner weiß, was genau jetzt gerade so lustig war. Apropos: Was ist der Unterschied zwischen einer Tomate und einem Elefanten? Beide sind rot, außer dem Elefanten!