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LACHSZUCHT: GELD ANLEGEN MIT FISCH


marktEINBLICKE - epaper ⋅ Ausgabe 1/2021 vom 14.12.2020

DIE VERSPRECHEN DER LACHSZUCHTINDUSTRIE SIND VOLLMUNDIG. MITHILFE VON NACHHALTIG BETRIEBENEN AQUAFARMEN IN FJORDEN, BUCHTEN, AUF OFFENER SEE UND IMMER HÄUFIGER AUCH AN LAND SOLL DIE WACHSENDE WELTBEVÖLKERUNG PROTEINREICH ERNÄHRT WERDEN. DIE REALITÄT SIEHT BISHER JEDOCH WENIG ROSIG AUS. SCHLIESSLICH HAT DIE LACHSZUCHT NICHTS MIT DEN IDYLLISCHEN BILDERN VON MAJESTÄTISCHEN FISCHEN, DIE ZUM LAICHEN IN SÜSSWASSERFLÜSSE SCHWIMMEN UND DABEI SOGAR HINDERNISSE WIE WASSERFÄLLE ÜBERWINDEN, ZU TUN. BEI DER LACHSZUCHT HANDELT ES SICH UM MASSENTIERHALTUNG. DIESE BRINGT VIELE PROBLEME MIT SICH. DAS HEISST JEDOCH ...

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... NICHT, DASS DIESE IN ZUKUNFT DANK TECHNISCHER FORTSCHRITTE UND EINES BESSEREN VERSTÄNDNISSES FÜR DIE TIERE NICHT GELÖST WERDEN KÖNNTEN.


WER DAS IDYLLISCHE BILD EINER KUH AUF EINER GRÜNEN WIESE VOR EINER MALERISCHEN ALPEN-BERGKULISSE VOR SEINEN AUGEN HAT, KANN SICH NUR SCHWERLICH VORSTELLEN, WIE DIESE KUH SCHÄDLICH FÜR DAS KLIMA SEIN SOLL. DIESE EINE KUH IST ES VIELLEICHT AUCH NICHT SO SEHR, DA SIE WAHRSCHEINLICH IN EINEM BIO-LANDWIRTSCHAFTSBETRIEB MIT REICHLICH AUSLAUF WEILT. WENN MAN SICH JEDOCH DIE WELTWEITE FLEISCHERZEUGUNG UND DIE PRODUKTION ANDERER TIERISCHER PRODUKTE ANSCHAUT, WIRD SCHNELL DEUTLICH, DASS DIESE ZU EINEM GROSSEN TEIL ZUR UMWELTVERSCHMUTZUNG UND DEM AUSSTOSS VON TREIBHAUSGASEN BEITRAGEN. LAUT STATISTIKEN DER ERNÄHRUNGS- UND LANDWIRTSCHAFTSORGANISATION DER VEREINTEN NATIONEN (FAO) IST DIE TIERWIRTSCHAFT FÜR ETWA 14,5 PROZENT ALLER VON MENSCHEN VERURSACHTEN TREIBHAUSGASE VERANTWORTLICH. EINEN BESONDERS HOHEN ANTEIL AN DEN AUSGESTOSSENEN TREIBHAUSGASEN HAT DIE RINDERZUCHT.

Demnach kommt Geflügel auf einen Wert von 6,2 kg CO2- Äquivalent pro kg des essbaren Produkts. Bei Fisch aus Aquafarmen liegt dieser Wert bei 7,9 kg, bei der Schweinezucht bei 12,2 kg und bei Rindern sogar bei 39,0 kg. Beim Verdauungsvorgang (Fermentation) bei Wiederkäuern (wie z. B. Rindern und Schafen) sowie bei der Lagerung von Wirtschaftsdüngern (Festmist, Gülle) entsteht das klimawirksame Spurengas Methan. Rund 65 Prozent aller Treibhausgasemissionen in der Landwirtschaft sind auf die Rinderzucht zurückzuführen. Auf Produkte bezogen sind Milch von Kühen und Rindfleisch hauptsächlich für die in der Landwirtschaft verursachten Treibhausgase verantwortlich. Hinzu kommt der Umstand, dass innerhalb der landwirtschaftlichen Produktionsund Lieferketten relativ viel auf fossile Energieträger zurückgegriffen wird. Ihr Einsatz macht laut FAO rund 20 Prozent der Emissionen aus. Auch wenn Hühner, Schweine und andere Nutztiere deutlich weniger Treibhausgase ausstoßen, sind sie an dem wachsenden Problem der landwirtschaftlichen Emissionen nicht ganz unschuldig.

DIE HERAUSFORDERUNGEN WERDEN NICHT WENIGER

Es gibt verschiedene Gründe, warum die Emissionen ansteigen, dieser Trend in den kommenden Jahren und Jahrzehnten eine Fortsetzung finden sollte sowie sich sogar weiter verstärken dürfte. Laut FAO hat sich der weltweite pro Kopf Fleischkonsum seit 1960 mehr als verdoppelt. Es wird geschätzt, dass Fleisch, Milch und Eier weltweit für rund 34 Prozent der Versorgung der Menschen mit Proteinen verantwortlich sind. Hinzu kommen lebenswichti-ge Nährstoffe und Spurenelemente wie Vitamin B12, B2, A, Eisen, Zink oder Calcium. Aus diesem Grund trägt der steigende Verzehr von Fleisch, Milch und Eiern in den Schwellenländern zu einer ausgewogeneren Ernährung bei. Neben dem steigenden Wohlstand in den Schwellenländern sind laut FAO die Urbanisierung und das weltweite Bevölkerungswachstum für einen Anstieg der Nachfrage nach tierischen Produkten mitverantwortlich.

ORIENTIERUNGSHILFEN BEIM FISCHKAUF

DmarktEINBLICKE 53 ge Nährstoffe und Spurenelemente wie Vitamin B12, B2, A, Eisen, Zink oder Calcium. Aus diesem Grund trägt der steigende Verzehr von Fleisch, Milch und Eiern in den Schwellenländern zu einer ausgewogeneren Ernährung bei. Neben dem steigenden Wohlstand in den Schwellenländern sind laut FAO die Urbanisierung und das weltweite Bevölkerungswachstum für einen Anstieg der Nachfrage nach tierischen Produkten mitverantwortlich. Mitte 2019 erreichte die Weltbevölkerungszahl 7,7 Milliarden. Die UNO geht davon aus, dass im Jahr 2030 etwa 8,5 Milliarden Menschen auf diesem Planeten leben werden. Bis 2050 soll die Weltbevölkerung Schätzungen zufolge auf 9,7 bis 10,9 Milliarden anwachsen. Bis 2100 könnte es sogar einen Sprung bis auf 12,7 Milliarden Erdenbewohner geben. All diese Menschen müssen ernährt werden. Dass dies zu großen Herausforderungen führt und die verstärkte Nutzung von Farmland zu neuen Problemen führt, wurde längst erkannt. So haben mehr als 90 Länder das Thema Viehzucht in ihre national festgelegten Beiträge (nationally determined contributions, NDCs) im Zuge des Pariser Klimaabkommens aufgenommen. Neben Produktivitätssteigerungen für weniger Treibhausgasausstoß oder dem effizienteren Futtermitteleinsatz und -Anbau, gibt es weitere Möglichkeiten, die durch die Landwirtschaft verursachten Umweltbelastungen und Treibhausgase zu verringern. Eine Möglichkeit besteht darin, weniger Rindfleisch zu konsumieren und dafür auf Alternativen umzusteigen. Eine dieser Möglichkeiten ist frischer Fisch aus Zuchtfarmen. .

Die Umweltorganisation Greenpeace und die Umweltstiftung WWF geben Konsumenten Orientierungshilfen beim Kauf verschiedener Fischsorten. In Bezug auf den Lachs ist man bei Greenpeace besonders streng. Dieser ist mit einer roten Farbmarkierung versehen. Der Rat lautet also: „Finger weg, nicht nachhaltig!“ Es gibt jedoch einige Ausnahmen. Wenn es schon Lachs sein soll, dann doch bitte den wildgefangenen Fisch aus dem Nordpazifik kaufen. Insbesondere aus dem Golf von Alaska und vor der Kurilen-Insel Iturup.

Der WWF nutzt ein System mit den Ampelfarben rot, gelb und grün. Beim Atlantischen Zuchtlachs sollten Konsumenten laut WWF auf die Siegel ASC und Naturland achten. Ein grünes Licht erhält der Lachs aus europäischen Bioaquakulturen. Gelb gibt es für den mit Fallen gefangenen Ostseelachs und Zuchtlachs aus Nordeuropa (Irland, Schottland, Norwegen). Rot erhalten dagegen Zuchtlachs aus Chile und der mit Langleinen sowie Stell- und Kiemennetzen gefangene Ostseelachs. Auch der vor Norwegen mit Ringnetzen gefangene Lachs sollte laut WWF ein No-Go sein. Beim Pazifischen Lachs sollten Konsumenten laut WWF beim Wildfang auf das MSC-Siegel achten. Eine grüne Ampel gibt es auch für den Lachs aus dem Nordostpazifik. In Alaska sei der Fang mit Ringwaden, Stellnetzen und Schleppangeln OK, während in Kanada der Fang von Buckel- und Ketalachsen mit Ringwaden und Schleppangeln ein grünes Licht erhält. Ein gelbes Licht gibt es für sämtliche wildgefangenen kanadischen Lachse außer den Buckel- und Ketalachsen. Auch der Lachs aus der Beringsee ist mit einem gelben Licht versehen. Was jedoch nicht geht, ist die Verwendung von Stell- und Kiemennetzen. Diese Fangmethode in der Beringsee ist mit einem roten Licht gekennzeichnet.


DIE WELTWEIT STEIGENDE BEVÖLKERUNG MUSS ERNÄHRT WERDEN


Mitte 2019 erreichte die Weltbevölkerungszahl 7,7 Milliarden. Die UNO geht davon aus, dass im Jahr 2030 etwa 8,5 Milliarden Menschen auf diesem Planeten leben werden. Bis 2050 soll die Weltbevölkerung Schätzungen zufolge auf 9,7 bis 10,9 Milliarden anwachsen. Bis 2100 könnte es sogar einen Sprung bis auf 12,7 Milliarden Erdenbewohner geben. All diese Menschen müssen ernährt werden. Dass dies zu großen Herausforderungen führt und die verstärkte Nutzung von Farmland zu neuen Problemen führt, wurde längst erkannt. So haben mehr als 90 Länder das Thema Viehzucht in ihre national festgelegten Beiträge (nationally determined contributions, NDCs) im Zuge des Pariser Klimaabkommens aufgenommen. Neben Produktivitätssteigerungen für weniger Treibhausgasausstoß oder dem effizienteren Futtermitteleinsatz und -Anbau, gibt es weitere Möglichkeiten, die durch die Landwirtschaft verursachten Umweltbelastungen und Treibhausgase zu verringern. Eine Möglichkeit besteht darin, weniger Rindfleisch zu konsumieren und dafür auf Alternativen umzusteigen. Eine dieser Möglichkeiten ist frischer Fisch aus Zuchtfarmen.

FRISCHER FISCH

Es wäre ideal, wenn der Wildfang als eine Lösung des Umwelt- und Ernährungsproblems der Menschheit dienen könnte. Allerdings haben wir seit geraumer Zeit mit der Überfischung der Weltmeere und anderen Problemen zu kämpfen. Gleichzeitig sind unsere Flüsse aufgrund der Industrie und der Containerschifffahrt für viele Fischarten zu schmutzig. Die Zucht hilft dabei, das Problem der Überfischung anzugehen. Gleichzeitig ist es nicht so, dass man in Sachen Nährwerte beim Wechsel von Rind zu Fisch große Abstriche machen würde. In vielerlei Hinsicht ist Fisch sogar deutlich gesünder. Fisch gilt gemeinhin als sehr gesund. Es ist keine Überraschung, dass Menschen in Ländern wie Japan, in denen traditionell relativ viel Fisch verzehrt wird, besonders alt werden. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V. (DGE) empfiehlt ein bis zwei Portionen Fisch pro Woche, davon 70 g fettreichen Seefisch wie Lachs, Makrele oder Hering. In dem Fett liegt häufig das Geheimnis.

Es geht es vor allem um die langkettigen n-3 Fettsäuren Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA). Diesen wird nachgesagt, das Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall und Störungen im Fettstoffwechsel zu mindern. Auch beim Thema Proteine kann Fisch punkten. Wegen seiner leichten Verdaulichkeit ist er Fleisch in dieser Hinsicht überlegen. Zudem enthält Fisch viele Vitamine und Spurenelemente. Dazu gehören Jod und Selen sowie die wasserlöslichen Vitamine B6 und B12. Um all diese Vorteile des Fischverzehrs am besten zur Geltung kommen zu lassen, müsste vornehmlich Fisch aus Wildfang auf den Tisch kommen. Allerdings soll gerade der Zuchtfisch aus Aquakulturen einige Probleme des Wildfangs lösen. Nur leider bringt der Fisch aus Aquakulturen trotz einiger Vorteile auch seine eigenen Probleme mit sich. Selbst Raubfische wie der Lachs werden in Aquakulturen überwiegend pflanzlich ernährt. Dies führt dazu, dass viele seiner besonders guten Eigenschaften verloren gehen, insbesondere im Hinblick auf die wertvollen ungesättigten Fettsäuren.

AUS DEM LEBEN EINES LACHSES

Auch wenn bei der Zucht einige der positiven Eigenschaften von Fischfleisch verloren gehen, kann sie trotzdem zur Lösung einiger Probleme wie der Überfischung der Meere oder der Ernährung einer wachsenden Weltbevölkerung beitragen. Nicht sämtliche Fische sind jedoch geeignet, um sie in Zuchtfarmen großzuziehen. In den vergangenen Jahren hat vor allem die Lachszucht an Bedeutung gewonnen. Der Lachs ist ein Meeresbewohner. Wenn es jedoch an die Fortpflanzung geht, wird er zu einem Süßwasserfisch. Außerdem legen Lachse enorme Strecken zurück. Zum Laichen wandern sie in Süßgewässer, genau diejenigen, in denen sie selbstgeschlüpft sind. Die Süßgewässer bleiben für 1 bis 2 Jahre auch die Kinderstube der Junglachse. Ausgewachsen geht es dann erstmals ins Meer, bis irgendwann die Geschlechtsreife einsetzt und der Ursprungsfluss erneut aufgesucht wird. Diesen Prozess versucht man bei Zuchtanlagen nachzuahmen.

Der gesamte Lebenszyklus eines Lachses in einer Aquafarm beträgt etwa drei Jahre. Jungfische werden in Süßwasseranlagen großgezogen. Diese Phase dauert in etwa 10 bis 16 Monate und beinhaltet neben der Befruchtung der Eier auch die Aufzucht der Jungfische. Diese erreichen in dieser Zeit ein Körpergewicht von etwa 100 bis 250 g. Heutzutage werden jedoch immer häufiger Jungfische in Süßwasseranlagen bis zum Erreichen eines Körpergewichts von 1.000 g gehalten. Dies verkürzt ihre Zeit im Meerwasser auf etwa 10 bis 15 Monate. Später ziehen die Junglachse in der Regel in sogenannte Netzgehege im Meer um. Dort erreichen sie innerhalb von 12 bis 24 Monaten ein Körpergewicht von etwa 4 bis 5 kg. Die Schlachtung erfolgt in getrennten Produktionsstätten. Meistens durch eine Betäubung mithilfe von Stromstößen und Kiemenschnitten. Nach der sogenannten Aberntung eines Netzgeheges bleibt dieses in der Regel zwei bis sechs Monate leer, bis die nächste Generation von Jungfischen einzieht.

TECHNISCHER FORTSCHRITT

Die Lachs-Netzgehege stehen vor allem in Norwegen, Schottland und Chile. In Norwegen sind es ganz besonders die Fjorde, weit ins Festland hineinreichende Meeresarme, die Zuchtlachse und Netzgehege beherbergen. Im Angebot sind auch riesige geschlossene schwimmende Fischkäfige. Mit solchen experimentiert zum Beispiel die Firma Aquafarm Equipment AS. Die neusten Spitzenmodelle werden aus glasfaserverstärktem Kunststoff hergestellt. An besonders stark belasteten Stellen wird zudem Stahl verbaut. Diese Käfige besitzen einen Durchmesser von 40 m, einen Umfang von 126 m, eine Tiefe von 22 m sowie ein Volumen von 21.000 m3. Sie sollen im Gegensatz zu den klassischen Netzgehegen viele Vorteile bieten.

DAS SCHWEIZER LACHS-COMEBACK

Da der Lachs bestimmte Bedingungen zum Überleben braucht, wird er lediglich in einigen wenigen Regionen der Welt gezüchtet. Dies bedeutet, dass er lange Wege zurücklegen muss, um am Ende auf den Tellern der Konsumenten zu landen. Dieses Problem soll verringert werden, indem in Zukunft vermehrt geschlossene Kreislaufanlagen an Land zum Einsatz kommen sollen. Bereits in der Vergangenheit wurde mit solchen Systemen experimentiert. Allerdings haben erst einige der jüngsten technischen Errungenschaften die größten Probleme früher Kreislaufanlagen lösen können. Auf diese Weise gelang dem Lachs bereits vor einigen Jahren die Rückkehr in die Schweiz. Genauer gesagt nach Lostello, im italienischsprachigen Teil des Kantons Graubünden. Der Betreiber, die Swiss Alpine Fish AG, wirbt damit, dass es sich um die sauberste und nachhaltigste Fischfarm der Welt handelt. Weil der Fisch hauptsächlich für den Schweizer Markt gedacht ist, ist Frische selbstverständlich. Der Frischwasserbedarf soll bei gerade einmal 2 Prozent liegen. Außerdem gebe es dank der geschlossenen Kreislaufanlage kein Fischentkommen und es müssten keine Meeresflora und -fauna schädigende Chemikalien oder Antibiotika eingesetzt werden.

NACHHALTIGE FISCHZUCHT AUS DEM SAARLAND

Die Aquafarming-Industrie beschäftigt sich nicht nur mit Lachsen. Außerdem werden nicht nur in der Schweiz Meeresfische an Land gezüchtet. Auch im Saarland hat man sich dem Thema nachhaltige Fischzucht verschrieben. Dabei versucht die in der Landeshauptstadt Saarbrücken ansässige SEAWATER Cubes GmbH bereits beim Tank- und Gehegebau auf Nachhaltigkeit zu setzen. Diese werden aus gebrauchten Hochseecontainern gefertigt. Das nennt man dann Upcycling, also die Wiederaufwertung (scheinbar) nutzloser und ausrangierter Ressourcen sowie ihre Zuführung zu einem neuen Lebenszyklus. Besonders interessant: Keine verbaute Komponente ragt über die Containergrenzen hinaus. Der Transport wird auf diese Weise ungemein leichter. Ziel ist es, Seefisch von Produzenten in der Region anzubieten. Ein langer Transport von den Küsten zu den Kunden entfällt. Zudem erholen sich auf diese Weise die Wildbestände. Dieser Beitrag zum Thema Nachhaltigkeit ist der Bundesregierung nicht entgangen. Gefördert wird SEAWATER Cubes seit Oktober 2017 im Rahmen einer Exist-Forschungstransfer-Förderung des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BmWi). Aktuell ist die Anlage auf Wolfsbarsch und Dorade optimiert. In Zukunft soll sie auch für die Zucht von Gelbschwanzmakrelen, Schwarzen Tigergarnelen, dem Roten Schnapper und Malabar Zackenbarsch geeignet sein. Geworben wird damit, dass der im SEAWATER Cube produzierte Fisch höchste Frische und „Sashimi-Qualität“ hat, also roh verzehrt werden kann.

KURZ NACHGEFRAGT BEI…

CAROLIN ACKERMANN

Der SEAWATER Cube ist die erste kompakte und standardisierte Aquakulturanlage, mit der man im Inland qualitativ hochwertigen Meeresfisch züchten kann.
www.seawatercubes.de

Inwieweit unterscheidet sich ihr Konzept bei der Zucht von Fischen von klassischen Aquakulturen und welche Vorteile haben geschlossene Kreislaufsysteme?
Unser Konzept unterscheidet sich von klassischen Aquakulturen im Meer (z.B. Netzkäfigen) dadurch, dass wir an Land gehen und uns unabhängig von natürlichen Einflüssen (Wetter, Schwermetallen, Mikroplastik) machen. Geschlossene Kreisläufe bieten viele Vorteile: neben der permanenten Kontrolle der Produktion können technische Systeme mit Software ausgestattet werden, die dem Betreiber die Arbeit vereinfachen. Zudem schonen wir natürliche Ressourcen, indem wir 99 Prozent des Wassers in unserer Anlage recyceln. Die geringe Menge an Abwasser, die anfällt, kann entweder ins kommunale Abwasser geleitet werden und begibt sich damit in einen weiteren Recyclingprozess. Alternativ können die Reststoffe aus der Fischzucht durch die Kopplung mit Aquaponik Pflanzensystemen direkt vor Ort als Dünger genutzt werden. In beiden Fällen wird vermieden, natürliche Gewässer zu beeinträchtigen, wie es im Meer vorkommt, wo Ausscheidungen der Tiere und Futterreste auf dem Boden sedimentieren.

Gibt es qualitative Unterschiede, wenn Seefisch in geschlossenen Kreislaufsystemen an Land gezüchtet wird?
Zum einen können sich die Transportwege durch landbasierte Anlagen reduzieren, was den ökologischen Fußabdruck des Fisches verbessert. Durch kurze Wege ist es möglich, schnell und individuell auf Bestellung abzufischen. Damit erhöht sich die Frische und die Haltbarkeit des Fisches ist länger, als bei Standardware. Zum anderen schwimmen die Tiere dank unserer ausgereiften Filtertechnik und der intelligenten Steuerung der Anlage in klarem Wasser, empfinden keinen Stress und wachsen ohne den Einsatz von Antibiotika auf. Auch der sogenannte „Off-Flavor“, ein modriger Beigeschmack, den Fische aus trüben Süßwasserzuchten aufweisen können, ist kein Thema. Unsere Wolfsbarsche haben einen reinen Geschmack. Der Endverbraucher erhält durch dezentrale Kreislaufanlagen wie dem SEAWATER Cube Transparenz über Herkunft und Produktionsbedingungen seines Fisches sowie höchste Qualität und Frische.

Welche Voraussetzungen müssen Investoren für ein SEAWATER Cube erfüllen?
Investoren, die in unser Konzept einsteigen möchten, sollten ein Interesse für nachhaltige Themen sowie Innovationsfreudigkeit mitbringen. Ansonsten sind die Voraussetzungen nicht sehr hoch. Fachlich ist ein Sachkundenachweis nötig, in vielen Bundesländern zählt der Angelschein, wir setzen aktuell aber auch selbst eine 2-wöchige Schulung zur Kreislauftechnik auf, in der das nötige Fachwissen zum Einstieg vermittelt wird. Handwerkliches Geschick ist immer praktisch, wenn man sich mit technischen Themen beschäftigt. Und zu guter Letzt suchen wir Partner, die ein Gespür für Trends und Entwicklungen in der Ernährungsbranche haben sowie den Mut, neue Wege zu gehen und damit die Welt zu einem besseren Ort zu machen.

Für den ständigen Wasseraustausch sorgen Pumpen, die das frische Wasser aus einer Tiefe von 5 bis 40 m in die Tanks befördern. Zudem macht er das Entkommen der Fische nahezu unmöglich. Außerdem würde der Befall der Lachse mit der Lachslaus, einem der größten Probleme der Lachszucht, kaum vorhanden sein. Besonders hervorgehoben wird jedoch der Umstand, dass in geschlossenen Tanks die Abfälle und Ausscheidungen der Fische gesammelt werden können. Dies sorgt für geringere Umweltbelastungen, so dass die Anlagen ohne größere Bedenken in Fjorden oder in Küstennähe platziert werden können.

EIN WEITER WEG

Trotz der Fortschritte beim Bau von Tanks und Gehegen hat die Lachszucht immer noch mit sehr vielen Herausforderungen zu kämpfen. Es beginnt damit, dass sehr viele Tiere auf engstem Raum leben. Ein großer Kritikpunkt an Aquakulturen allgemein ist die hohe sogenannte Besatzdichte. In Norwegen ist die Zahl der Lachse in einem Gehege auf maximal 200.000 Tiere begrenzt. Doch auch in diesem Fall ist das Gedränge groß. Aufgrund dieser Dichte können sich Krankheiten schneller ausbreiten. Im Kampf gegen Viren, Krankheiten und Parasiten kommen allerhand Medikamente und Chemikalien zum Einsatz. In Verbindung mit den Futterresten und den Ausscheidungen der Fische kann man sich vorstellen, welche Schlamm- und Schmutzablagerungen sich unter den Netzgehegen befinden. Der Sauerstoffgehalt des Wassers sinkt, so dass auch andere Arten in Mitleidenschaft gezogen werden.


NORWEGEN EXPORTIERT ALS ZWEITGRÖSSTER EXPORTEUR WELTWEIT FISCH IN MEHR ALS 130 LÄNDER, BEI LACHS IST NORWEGEN DIE KLARE NUMMER EINS


Außerdem werden die Wildlachse gefährdet. Da sich die Netzgehege in Fjorden oder im Meer befinden, kommen die Wildlachse mit den Zuchtlachsen in Berührung. Sie sind den gleichen Viren, Krankheiten und Parasiten ausgesetzt, werden jedoch nicht behandelt. Hinzu kommt der Umstand, dass eine Paarung der Wild- und Zuchtlachse unerwünschte genetische Effekte haben kann. Auch der Umstand, dass Zuchtlachse inzwischen auch in Gegenden, in denen sie nicht heimisch sind, gezüchtet werden, insbesondere im Fall der Atlantischen Lachse in Chile, kann es dazu kommen, dass sie heimischen Arten Konkurrenz machen. Ein weiteres Problem stellt das Futter selbst dar. Lachse sind Raubfische. Sie können also nicht vollständig auf tierische Eiweiße verzichten. Dem Futter werden Fischmehl und -Öle beigemischt. Um diese zu produzieren muss jedoch Wildfang her, was wieder zur Überfischung der Meere beiträgt.

Im Jahr 1990 bestand die Ernährung eines norwegischen Zuchtlachses zu 65 Prozent aus Fischmehl, zu 24 Prozent aus Fischöl und zu 11 Prozent aus pflanzlichen Stoffen. Dies änderte sich radikal. 2019 verfütterte Mowi, der weltweit größte Betreiber von Lachszuchtanalagen, zu 13 Prozent Fischmehl, 11 Prozent Fischöl und 76 Prozent pflanzliche Stoffe. Allerdings heißt dies nicht, dass nun sämtliche Probleme aus der Welt seien, auch wenn das Fischöl und -Mehl aus dem Beifang stammt und ohnehin nicht für den menschlichen Verzehr gedacht war. Selbst wenn man den Lachs nur pflanzlich ernähren könnte, wäre dies alles andere als ideal. Ein Teil des Futters basiert auf Sojabohnen. Genauso wie im Fall des Futters in der Viehzucht, werden diese häufig auf Feldern angebaut, für die Regenwälder abgeholzt werden mussten.

NORWEGEN UND DIE LACHSZUCHT

Als Lachse werden Fische aus der Familie der Salmonidae (Lachsfische) bezeichnet. Zu ihnen gehören allen voran der Atlantische und der Pazifische Lachs, aber auch viele Forellenarten. Wenn es um den Verzehr geht, dominiert der Atlantische Lachs aus Aquafarmen. Knapp 70 Prozent des weltweit gefangenen Lachses stammt aus Zuchtanlagen. In Zukunft dürfte noch viel mehr dieses Lachses benötigt werden. Wenn man auf die Proteinversorgung der Menschen schaut, sind Lachs und Fisch allgemein eher unterrepräsentiert. Etwa 7 Prozent der weltweiten Eiweißversorgung werden mit Fisch gedeckt, während Fisch lediglich rund 17 Prozent der Eiweißzufuhr durch Fisch und Fleisch ausmacht. Bis 2028 soll der pro Kopf Fischkonsum weltweiten Schätzungen zu Folge auf 21,3 kg anwachsen. 2019 lag dieser Wert bei 20,6 kg und 1960 lediglich bei 9,9 kg.

Ein wachsender Teil des zusätzlich benötigten Fisches dürfte aus Aquakulturen kommen. Insbesondere für Lachsfische scheint viel Luft nach oben gegeben zu sein. Derzeit machen diese gerade einmal rund 4,4 Prozent der weltweiten Fisch- und Meeresfrüchteversorgung aus. Ein Land, das davon in besonderer Weise profitieren möchte, ist Norwegen. Zumal die Südwestküste Norwegens zu den wenigen Küstenlinien gehört, die für den Betrieb von Lachsfarmen geeignet sind. Dazu gehören auch die Gewässer zwischen Island und Großbritannien sowie im Süden Chiles oder in Süd- und Westkanada. Die idealen Wassertemperaturen liegen für den Lachs zwischen 8 und 14 °C. Zu den Branchentrends gehört es immer mehr, auf Tiefwasseranlagen zu setzen und sich von den Küsten wegzubewegen. Die Lachszucht an Land hat bisher im weltweiten Maßstab keine nennenswerten Produktionsmengen hervorgebracht.

AMBITIONIERTE ZIELE

Eine wichtige Voraussetzung dafür, dass ein Land zu einem Big Player am Lachs-Aquafarming-Markt aufsteigen kann, ist der politische Wille der jeweiligen Regierung. Diese muss dafür sorgen, dass eine Industrie, die nicht gerade für ihren guten Ruf bekannt ist, von der Öffentlichkeit akzeptiert wird. Darüber hinaus spielen der Umweltund Klimaschutz eine sehr große Rolle. Die regulatorischen Anforderungen für den Betrieb von Zuchtfarmen sind enorm. Handelsfragen spielen ebenfalls eine große Rolle. Viele der lange Zeit in der Lachszucht eingesetzten Medikamente und Chemikalien sind in der EU verboten. Norwegen, als Hauptlieferant von Zuchtlachs, und die EU müssen die entsprechenden Handelsfragen klären. Seinen Lachs wird Norwegen hauptsächlich in der EU los. Russland ist neben Nordamerika ein weiterer wichtiger Abnehmer. Auch wenn diese die wichtigsten Märkte für atlantischen Lachs sind, waren in den vergangenen Jahren vor allem in Asien und Brasilien hohe Nachfrageanstiege zu beobachten. Dies ist Ausdruck davon, dass in den Schwellenländern mit zunehmendem Wohlstand mehr Fleisch und Fisch auf den Tisch kommt. Norwegen will natürlich all diese Märkte noch stärker beliefern und von dem erwarteten Wachstum profitieren.

Bereits heute beliefert Norwegen mehr als 130 Länder dieser Welt mit Fischen und Meeresfrüchten. Bis zum Jahr 2050 will das Land zur Seafood-Nation Nummer eins aufsteigen und zu diesem Zweck die Produktionsmenge auf rund 5 Millionen Tonnen an nachhaltigem Fisch aus Zuchtanlagen fast vervierfachen. Allerdings müssen auf dem Weg dahin einige hohe Hürden aus dem Weg geräumt werden. Laut einer Analyse der Beratungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (pwc) wurde das Wachstum zuletzt durch Faktoren wie den begrenzten Zugang zu neuen Flächen oder biologischen Problemen ausgebremst. Laut pwc müssten vor allem die Probleme rund um die Lachslaus und der steigende Futtereinsatz angegangen werden. Die norwegische Regierung tut viel dafür, dass die Privatunternehmen im Bereich Aquafarming diese Probleme lösen können.

MOWI, SALMAR & CO

Zu den größten heimischen Branchenvertretern gehören die Konzerne Mowi (früher: Marine Harvest), SalMar und Lerøy Seafood. Diese drei Unternehmen waren 2019 für knapp 45 Prozent der Lachsproduktion Norwegens von etwa 1,2 Millionen Tonnen verantwortlich. Während SalMar und Lerøy Seafood hauptsächlich in Norwegen vertreten sind, gehört Mowi auch in Großbritannien, Nordamerika und Chile zu den größten Lachsproduzenten. Das Unternehmen steht für rund ein Fünftel der norwegischen Lachsproduktion. In Großbritannien liegt der Anteil sogar bei zwei Fünftel, während etwas mehr als ein Drittel des nordamerikanischen Zuchtlachses von Mowi stammt.

Das norwegische Unternehmen aus Bergen ist mit einem Erntevolumen im Jahr 2019 in Höhe von 450.000 Tonnen der weltgrößte Produzent von Zuchtlachs. Mowi ist in Norwegen, Schottland, Frankreich, Kanada, Chile und Japan sowie auf den Färöer-Inseln tätig und beschäftigt weltweit knapp 15.000 Mitarbeiter. Die steigende Nachfrage nach Zuchtlachs sorgte dafür, dass Mowi den Umsatz seit 2011 um durchschnittlich 11 Prozent jährlich steigern konnte. 2019 lagen die Umsatzerlöse bei 4,1 Mrd. Euro. Der Gewinn wurde im selben Zeitraum fast verfünffacht. Allerdings wurde auch die Zuchtlachsindustrie von den wirtschaftlichen Folgen des Coronavirus getroffen. Die verschiedenen Lockdown-Maßnahmen führten dazu, dass die Lachspreise im zweiten Quartal 2020 in sämtlichen für Mowi relevanten Märkten gefallen waren.


„NORWEGEN HAT NOCH NIE SO VIEL LACHS PRODUZIERT WIE IM JAHR 2019 UND TROTZDEM WERDEN IMMER WENIGER ANTIBIOTIKA EINGESETZT.“


Renate Larsen, Geschäftsführerin des Norwegian Seafood Council

BONAFIDE GLOBAL FISH FUND EUR

Anleger, die von den Aussichten der Aquafarming-Industrie überzeugt sind, könnten einen Blick auf den Bonafide Global Fish Fund EUR Fonds werfen. Dieser beschäftigt sich mit Unternehmen, die Zuchtfarmen betreiben, die entsprechende Ausrüstung wie Tanks oder Fischfutter bereitstellen oder sich mit der Fischwirtschaft beschäftigen. Es ist wenig überraschend, dass der Fokus dabei auf Unternehmen aus Norwegen liegt.

Dagegen verzeichnete Mowi in der Konsumentensparte die zeitweise besten Ergebnisse überhaupt. Tiefgekühlter Fisch lässt sich nun einmal besonders gut auf Vorrat kaufen. Diesen benötigen die Menschen für den Fall, dass sie COVID-19-bedingt wieder häufiger zu Hause bleiben müssen. Die 2020er-Gesamtjahresprognose hatte Mowi unlängst corona-bedingt von 450.000 auf 442.000 Tonnen reduziert. In dieser schwierigen Marktphase hat Mowi ein im Jahr 2018 aufgelegtes Kostensenkungsprogramm geholfen. Dieses wurde nun erweitert. Bis 2024 soll die Mitarbeiterzahl um rund 10 Prozent gesenkt werden. Das Personal stellt für Mowi neben dem Tierfutter den größten Kostenfaktor dar. Trotzdem will man die Wachstumsstrategie der vergangenen Jahre nicht vernachlässigen und von den Aussichten für die Fischzuchtindustrie profitieren.

Beim Branchenkonkurrenten Sal-Mar machten sich die Folgen von COVID-19 ebenfalls bemerkbar. Dieser konnte sie jedoch dank verschiedener Kostensenkungsmaßnahmen relativ gut abfedern. Nicht umsonst bezeichnet sich das in der Stadt Frøya in Norwegen beheimatete Unternehmen nicht nur als einen der größten Zuchtlachskonzerne, sondern auch als einen der effizientestenBranchenvertreter. Das Unternehmen unterhält Lachsfarmen unter anderem in Nord- und Zentralnorwegen sowie in Island. Darüber hinaus ist SalMar mit 50 Prozent an Scottish Sea Farms Ltd. beteiligt. Für das laufende Geschäftsjahr geht man auf Unternehmensseite weiterhin von einem Erntevolumen in Norwegen von 103.000 Tonnen aus. Hinzu kommen sollen noch etwa 12.000 Tonnen aus Island. Darüber hinaus bleibt das Management in Bezug auf die Aussichten für die Fischzuchtindustrie optimistisch. Aus diesem Grund wurde trotz Corona nichts an den laufenden Investitionsprogrammen geändert.

FAZIT

Die Lachszucht dürfte in Zukunft in einem noch größeren Maße zur Ernährung der wachsenden Weltbevölkerung beitragen als bisher. Es handelt sich dabei jedoch um Massentierhaltung. Die Probleme sind vergleichbar mit denjenigen in der Schweineoder Geflügelhaltung. Allerdings hat der technische Fortschritt in den vergangenen Jahren zu einigen Verbesserungen beigetragen. Insbesondere in Norwegen glaubt man inzwischen viele Probleme, wie den übermäßigen Antibiotika-Einsatz, in den Griff bekommen zu haben, so dass Aquafarming manchmal zu Unrecht mit einem schlechten Ruf zu kämpfen hat. Auch auf Anlegerseite ist Aquafarming ein Thema. Insbesondere im Bereich Lachszucht. Hier dominieren vor allem norwegische Firmen. Viele von ihnen sind börsennotiert und damit für Investments leicht zugänglich. Allerdings hatten Mowi & Co mit der Corona-Krise zu kämpfen. Es dürfte eine Weile dauern, bis die derzeitige Delle überwunden ist. Allerdings hat die norwegische Regierung ambitionierte Ziele für die heimische Fischerei formuliert. Zudem sprechen die Langfristtrends im Bereich Ernährung dafür, dass sich die Aquafarming-Branche erholen sollte.


Foto: istockphoto / DaveAlan

Fotos: Norwegian Seafood Council, istockphoto / EddWestmacott

Fotos: Marius Fiskum © Norges sjømatråd, Seawater Cubes GmbH

Fotos: Norwegian Seafood Council,

Fotos: Marius Fiskum © Norwegian Seafood Council, Seawater Cubes GmbH