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Lago di Caldonazzo: Ein See für alle Fälle: Biergarten-Tour auf dem Caldonazzo-See im Trentino


Kanu Sport - epaper ⋅ Ausgabe 10/2019 vom 01.10.2019

„Los, gib Gas! Das gibt ein tolles Foto mit dieser Bergkulisse und den Wolken im Hintergrund“, spornt mich mein Vater zur Eile an. Leicht genervt ziehe ich das Paddelblatt meines leichten Carbon-Paddels kräftig durch das klare Wasser des Caldonazzo-Sees in den Tiroler Alpen.


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Bildquelle: Kanu Sport, Ausgabe 10/2019

@@Bei spiegelglattem See ist die Paddelrunde landschaftlich doppelt schön!


Erst die Arbeit, dann das Vergnügen

Am gestrigen Abend haben wir unser Wohnwagen-Lager auf dem Campingplatz Fleiola in dem kleinen Ort Calceranica al Lago am südlichen Ufer des Lago di Caldonazzo aufgeschlagen. Bisher sind wir an diesem 5,6 km² großen Alpensee ...

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Am gestrigen Abend haben wir unser Wohnwagen-Lager auf dem Campingplatz Fleiola in dem kleinen Ort Calceranica al Lago am südlichen Ufer des Lago di Caldonazzo aufgeschlagen. Bisher sind wir an diesem 5,6 km² großen Alpensee im Valsugana-Tal östlich von Trient auf dem Weg nach Süden immer eilig vorbei gefahren. Erst durch die mehrfache Einladung eines Followers unseres Youtube-Kanals sind wir auf den kleinen Bruder des Gardasees aufmerksam geworden. Der gemütliche, kleine Alpensee liegt knapp 500 Meter über dem Meeresspiegel eingebettet zwischen hohen, zerklüfteten Berggipfeln. Mit einer durchschnittlichen Wassertiefe von 26,5 Metern hat das Gewässer für Wassersportler verschiedener Disziplinen etwas zu bieten. Vom Schwimmen über Segeln, Surfen, Tauchen und Rudern bis hin zum Wasserski-Fahren ist alles möglich.
Nachdem es den ganzen Vormittag geregnet hat und die Bergspitzen in schwere, graue Wattewolken eingepackt waren, reißt der Himmel mittags auf. Wir zögern nicht lange und holen unsere beiden Schlauchkajaks aus dem Kofferraum unseres Autos. Gegen halb vier am Nachmittag liegen all unsere Wasserfahrzeuge aufgebaut um den Wohnwagen herum. Jetzt wollen wir noch ein bisschen Spaß haben und starten zu einer gemütlichen Paddelrunde mit den Kajaks. Wir bummeln am südlichen Seeufer entlang Richtung Osten. Kleine Kiesstrände wechseln sich ab mit hölzernen Bootsstegen, an denen Segel- und Motorboote in den unterschiedlichsten Größen und Ausstattungen liegen. Hier am südlichen Seeufer liegt ein Gastronomie-Betrieb neben dem anderen. Bars, Eisdielen, Cafés, Pizzerien und Restaurants reihen sich nahezu ohne Unterbrechung aneinander. Am nördlichen Seeufer hingegen befindet sich nur ein dunkler Waldstreifen und eine Schnellstraße.

Ruckzuck sind die Schlauchboote raus aus dem Wohnwagen und aufgebaut.



“Unsere Ansprüche an einen Zeltplatz: Kies feiner als faustgroß und einigermaßen eben.”


Um Leben und Tod?

@@Unsere italienischen Freunde sind beim Paddeln auch sofort mit von der Partie.


Heute bei durchwachsenem Wetter schlendern nur wenige Menschen an der Uferpromenade des Südufers entlang. Die gesamte Atmosphäre ist ruhig und beschaulich. „Ey, da ist eine! Nix wie hin!“, ruft mein Vater auf einmal ganz erfreut und deutet mit ausgestrecktem Arm vor uns aufs Ufer. Verdutzt schaue ich ihn an und frage irritiert: „Wovon redest du? Was ist wo?“ Doch mein Vater ist bereits ein gutes Stück vor mir und nähert sich mit kräftigen Paddelschlägen einem schmalen Kiesstrand mit dazugehöriger Liegewiese. Ich gebe Gas und schließe zu meinem Vater auf. „Kannst du mir mal erklären, warum wir wie von der Tarantel gestochen in Richtung Ufer düsen?“, frage ich meinen Vater ungehalten. „Na, weil da vorne auf der anderen Straßenseite eine Eisdiele ist. Ich hab voll Bock auf ein italienisches Eis!“, erklärt mir mein Vater. Ich kann nicht anders, ich muss lauthals lachen. „Was ist so komisch daran? Hast du keine Lust auf ein fettes Eis?“, fragt er verwundert. „Doch, doch! Aber bei der Hektik, die du hier verbreitest, könnte man meinen, es gehe um Leben und Tod“, antworte ich belustigt.
Erfreut über etwas Auslauf springen unsere beiden Aussie-Hündinnen Luzy und Fly bereits ans Ufer bevor unsere Bugspitzen knirschend auf dem Kies aufsetzen. Wir heben die Luftkajaks auf den Strand. Mein Vater schlendert mit den Hunden zu einer Holzbank, die unter einer Gruppe Birken unweit vom Ufer steht. Ich überquere unterdessen die Viale di Venezia, welche die Uferpromenade von dem Eiscafé trennt. Fünf Minuten später drücke ich meinem Vater einen großen Eisbecher in die Hand. Nachdem wir unser Eis verputzt haben, machen wir uns auf den Rückweg zum Campingplatz. Wir erwarten heute Abend ein befreundetes italienisches Ehepaar, das uns angeregt hat, am Caldonazzo- See Station zu machen. Sie haben zwei Kinder und wohnen in der Nähe von Trient. Von Mai bis September verbringen sie die meisten ihrer Wochenenden mit ihrem Wohnwagen auf dem Campingplatz Fleiola. Auf dem Gelände des örtlichen Segelvereins haben sie ein kleines Festrumpf-Segelboot liegen. Außerdem haben sie ein 20 Jahre altes Schlauchkajak der Firma Sevylor im Gepäck. So wie es aussieht, wird uns in den kommenden Tagen keine Minute langweilig werden.


“Am südlichen Seeufer reihen sich Bars, Eisdielen, Cafés, Pizzerien und Restaurants nahezu ohne Unterbrechung aneinander.”




“Als ich am nächsten Morgen die Jalousie öffne, geht die Sonne grade hinter den Berggipfeln im Osten auf.”


Der Einkehrschwung

@@Mit dem Rad erkunden wir die wunderschöne Umgebung des Caldonazzo-Sees und entdecken einen süßen kleinen Nachbarsee.


Als ich am nächsten Morgen die Jalousie unseres Wohnwagen-Fensters öffne, geht die Sonne grade hinter den Berggipfeln im Osten auf. Wir stehen keine fünf Meter vom Seeufer entfernt. Der See ist spiegelglatt und es steigen milchig-weiße Nebelschwaden von der Wasseroberfläche empor.
Wir schwingen uns auf die Fahrräder und machen gemeinsam mit den Hunden erstmal eine kleine Morgentour am Seeufer entlang. Ein gut ausgebauter Fahrradweg führt bis zu dem Ort Maso Puller am nördlichen Seeufer direkt am Wasser entlang. Dort führt er dann in Richtung Norden vom Lago di Caldonazzo weg. Auf dieser Strecke liegen zahlreiche kleine Cafés, Biergärten und Restaurants, die zu dieser Tageszeit alle noch geschlossen haben. Wir nehmen uns vor, in den kommenden Tagen nochmal nachmittags hier entlang zu radeln und in einem der gemütlichen Biergärten eine italienische Pizza zu essen. Bei dem Gedanken an warmen Hefeteig mit duftender Tomatensoße, Oregano, Gemüse und geschmolzenem Käse darauf, läuft mir das Wasser im Mund zusammen. Es wird eindeutig Zeit für ein ausgiebiges Frühstück.
Bei frischem Brot, gekochten Eiern und Obstsalat sitzen wir mit der vierköpfigen italienischen Familie und dem Bruder des Familienvaters zusammen. Getreu dem Klischee sind die Italiener sehr redselig und es wird viel gelacht. Irgendwann haben wir jedoch genug vom Reden und wollen endlich aufs Wasser. Die beiden Brüder Sergio und Michele sind sofort mit von der Partie. Als der kleine vierjährige Gregor mitbekommt, dass die Kajaks zu Wasser gelassen werden, sitzt er schneller in dem 15 Jahre alten, gelben Sevylor-Kajaks seines Vaters, als wir schauen können. Die Berggipfel sind wolkenverhangen und im Osten sehen wir bereits die nächste Regenfront langsam auf uns zuwandern. Aber was soll´s. Die Temperaturen schwanken zwischen 18 und 20 Grad und wir sind nicht aus Zucker. Außerdem ruft uns das cremige Eis und der geschmackvolle Weißwein, die in einem der Cafés am südöstlichen Seeufer auf uns warten. Bis dorthin werden wir ja wohl auch bei regnerischem Wetter kommen.
Wir paddeln gemütlich am Ufer entlang. Zwischen den hohen Schilfstangen in der Nähe des Ufers schwimmen hektisch gurrende Blesshuhn-Eltern umher und versuchen, ihre frische Brut vor uns in Sicherheit zu bringen. Kurze Zeit später platscht mir der erste dicke Regentropfen auf die Nase. Wenigstens habe ich im Gegensatz zu den anderen eine Regenjacke angezogen. Besonders der vierjährige Gustav fängt an zu frösteln. Wir schalten einen Gang höher und nähern uns mit kräftigen Paddelschlägen dem Eiscafé.
Während der Regen nur so hernieder prasselt, machen wir es uns an einem der Tische gemütlich. Bei Eiscreme, Cappuccino, Weißwein und Chips unterhalten wir uns angeregt mit unseren italienischen Freunden. Nach einer guten Stunde und einer zweiten Runde Cap- puccino und Wein wird das Prasseln der Regentropfen auf dem Vordach leiser. „Das ist unsere Chance!“, fordert uns mein Vater auf und betrachtet prüfend den Himmel. Das lassen wir uns nicht zweimal sagen. Eilig bezahlen wir unsere Rechnung bei der jungen Kellnerin. Dann lassen wir unsere Boote wieder zu Wasser, steigen ein und pullen mit voller Kraft in Richtung Campingplatz. Zwanzig Minuten später holen wir die Kajaks nacheinander am Campingplatz aus dem Wasser. Kaum liegt auch das letzte Boot auf seinem Platz, setzt wieder Weltuntergangs-Stimmung ein. Aber diesmal können wir uns in den Schutz unseres gemütlichen Wohnwagens retten. Wir sind froh, nicht im Zelt unterwegs zu sein. Während draußen das Unwetter tobt, studieren wir die Fahrradkarte der Umgebung und schmieden bereits neue Pläne.


“So wie es aussieht, wird uns in den kommenden Tagen keine Minute langweilig werden.”


Wenn Radfahren zur Meditation in Bewegung wird

Am frühen Nachmittag reißt der Himmel auf und die Sonne kommt wieder zum Vorschein. Der blaue Streifen am Horizont verspricht einen aufgeheiterten Nachmittag und Abend. Nachdem mein Vater, unsere beiden Hündinnen und ich während des Unwetters fast drei Stunden im Wohnwagen gesessen haben, stürzen wir nun voller Tatendrang ins Freie. „Hey, lass uns doch zu dem kleinen Nachbarsee des Caldonazzo-Sees fahren“, schlage ich meinem Vater vor. Der Lago di Levico liegt zwei Kilometer östlich des Lago di Caldonazzo und seine Ufer sind fast unerschlossen. Seinen Namen verdankt der See dem gleichnamigen Kurort Levico Terme mit einem großen Thermalbad und dem Badestrand am südöstlichen Ende des Sees. Der See selbst zeichnet sich durch die hervorragende Wasserqualität aus. Am nördlichen Seeende begegnet man laut Wikipedia einer beeindruckenden Fauna und Flora.
Ein gut beschilderter Radweg führt aus Caldonazzo hinaus in Richtung Osten vom Seeufer weg. Durch grüne Obstplantagen radeln wir munter dahin. Die gesamte Landschaft ist auffällig sauber und ordentlich. Aus den üppigen Obstgärten der gepflegten Bauernhäuser steigt uns ein süßlicher Blumenduft in die Nase. Im Hintergrund bieten die schneebedeckten Berggipfel ein herrliches Panorama.
Wir überqueren eine Schnellstraße und erreichen schließlich die Ortschaft Levico, welcher der See seinen Namen zu verdanken hat. Wir radeln an den farbenfrohen Sonnenschirmen eines Biergartens vorbei. „Hier könnten wir nachher was Kaltes trinken“, schlägt mein Vater vor und deutet auf die gemütlich ausschauenden Holzbänke im Grünen. Am Ortseingang wechseln wir die Straßenseite und biegen in einen Wald- und Wiesenweg ein, der in Richtung See führt.


“Diese Gegend hier bietet ein abwechslungsreiches Gesamtpaket an Aktivitäten in wunderschönen Landschaft.”


Unberührte Natur

Wir folgen der Ausschilderung des Fahrradwegs und biegen am Rande des einzigen Campingplatzes, der direkt am Seeufer liegt, in einen schmalen Trampelpfad ein. Der schlammige, mit Pfützen übersäte Weg schlängelt sich durch einen lichten Laubwald, bevor er auf der anderen Seite auf dem Schotterparkplatz eines schicken Wellness-Hotels rauskommt. Von hier aus hat man einen wunderbaren Blick auf den idyllisch gelegenen See, die nahezu unangetastete Natur ringsherum und die steil aufragenden Berggipfel am Horizont. Ein breiter Schotterweg führt direkt am Seeufer durch den lichten Mischwald. Alle paar hundert Meter stehen Sitzbänke, die zum Verweilen und Stille genießen einladen. Nach kurzer Zeit führt der breite Schotterweg jedoch vom See weg. Wir biegen in den holprigen Trampelpfad ein, der laut Beschilderung weiter am Seeufer entlang um den See herumführt. Ab hier wird der Weg für geübte Mountainbiker interessant. Der mit Wurzeln und Steinen durchsetzte Weg führt in einem ständigen Auf- und Ab durch einen dichten Laubwald. Wir schieben unsere kleinen Klappräder mehr als dass wir fahren. „Das ist so ein richtiger Ort zum Seele baumeln lassen“, sage ich, als ich auf der Höhe eines kleinen Anstiegs stehen bleibe. Von hier aus kann man durch die Bäume hindurch auf den spiegelglatt daliegenden See blicken.
Wir haben bereits zwei Drittel der Seeumrundung hinter uns und sind ganz begeistert von der fast unberührten Natur und der Schönheit der Landschaft. Als wir anderthalb Stunden später wieder beim Wohnwagen ankommen, stelle ich zufrieden fest: „Diese Gegend hier bietet wirklich ein abwechslungsreiches Gesamtpaket an verschiedenen Aktivitäten in einer wunderschönen Landschaft. Das hätte ich gar nicht so erwartet.“ „Ja, stimmt“, antwortet mein Vater, „hier werde ich bestimmt nicht das letzte Mal gewesen sein.“

@@Zahlreiche kleine Segelyachten zeugen davon, dass dieser See nicht immer so windstill daliegt.