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Lagom: Das Glück liegt in der Mitte …


Herzstück - epaper ⋅ Ausgabe 1/2019 vom 06.12.2018


„Die goldene Mitte“ – davon haben wir alle schon mal gehört. Und wir haben auch eine Vorstellung davon, was es bedeutet, sich „für die goldene Mitte“ zu entscheiden: es nicht zu übertreiben, nicht zu viel und nicht zu wenig vom Leben zu wollen. Eine Portion zu wählen, die gerade richtig groß ist. Wenn die „goldene Mitte“ also ein alter Hut ist – was ist dann „Lagom“? Lagom ist ganz und gar kein alter Hut. Lagom ist eine neue Lebensphilosophie aus Schweden. Sie verknüpft die Genügsamkeit der goldenen Mitte mit der Gemütlichkeit Skandinaviens. Heraus kommt ein Rundum-Wohlfühl-Mix, der Körper und Seele streichelt. Der die Nerven beruhigt in diesen Zeiten, in denen oft alles zu laut und zu viel ist. Lagom lehrt uns, das rechte Maß zu finden. Für alles. Für Genuss, für Anstrengung. Für die Leidenschaft und das Faulsein. Üben wir uns in Lagom – dann wird unser Leben einfach und klar wie ein strahlender Wintertag in Schweden!

Artikelbild für den Artikel "Lagom: Das Glück liegt in der Mitte …" aus der Ausgabe 1/2019 von Herzstück. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Herzstück, Ausgabe 1/2019

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Lagom

… nimm dir vor, zehn wirklich ernst gemeinte Komplimente zu verteilen, die von Herzen kommen.

Lagom

Warum nicht hoch hinauf in den Himmel wachsen? Wie heiter und frei wir sein können! Wie fröhlich und dankbar! So fühlt sich ein Kind im ersten Schnee …

… schreibe ein Dankeschön auf, zum Beispiel für den Polizisten, den Feuerwehrmann oder die Krankenschwester deiner Umgebung.

Bessonnen:… das Rechte Maß finden

Wäre es nicht wunderbar, die Ausgeglichenheit und innere Ruhe zu bewahren, wenn das Leben wieder mal ziemlich grob mit uns umgeht? Wenn Lärm und Stress an uns zerren. Danach sehnen wir uns: Lächeln zu können über das gute, alte Chaos, das uns nach einem langen Arbeitstag zuhause erwartet. Immer wieder ganz bei sich zu sein, egal, was auf uns einstürmt.

Die ureigene Balance finden

Vielleicht schaffen wir es nicht, zum Buddha zu werden. Aber ein bisschen mehr Zufriedenheit und weniger Anspruch könn te uns glücklicher machen. Wir spüren es selbst: Unsere Seele wünscht sich die innere Ruhe. Wir sehnen uns danach, einfach nur sein zu können. Aber die täglichen Aufgaben und Pflichten treiben uns an, sinnlose Konflikte und überflüssige Kämpfe setzen uns unter Stress. Wir rennen dem Glück nach und genau daran vorbei. Und manchmal fühlen wir, dass uns dieses Leben gar nicht mehr selbst gehört, sondern dass wir durch den Alltag gescheucht werden – von Terminen und Auseinandersetzungen, von Schuldgefühlen und der Sorge, nicht zu genügen. Vom großen Glück des entspannten inneren Gleichgewichts, das aus den Fenstern des verschneiten Schwedenhäuschens leuchtet, sind wir weit entfernt. Dabei ist es gar nicht so fern. Ein Stückchen Heimat, in der wir uns jetzt einkuscheln möchten. Kein Sonnenparadies. Die Winter sind lang, die Sommer kurz. Es regnet oft und viel. Und doch lieben viele Schweden dieses Leben. Ein Zeitgeist, eine besondere Lebensart ist daraus entstanden, die die Menschen zusamenhält: „Lagom“. Ein Prinzip, das bis in die Zeit der alten Wikinger hineinreicht, in der man beisammen saß und Essen und Trinken aus wenigen Töpfen und Bechern teilte. Jeder nahm sich, was er brauchte. Nicht zu viel und nicht zu wenig – das ist Lagom, der schwedische Weg zum Glück. Lagom ist die Bescheidenheit, die Genügsamkeit, aber auch die innere Fülle, die aus dieser Haltung erwächst. Es ist die Mahlzeit, die satt macht und die man nicht bereut. Es ist ein Schrank, aus dem nichts rausquillt, ist ein Pullover, den wir mögen, weil das Material kostbar und langlebig und die Farbe unaufdringlich ist. Lagom ist ein Gespräch zwischen Freunden, die ehrlich miteinander reden und sich auch zuhören. Es ist ein Tag, der das Gefühl der Ordnung und Klarheit hinterlässt.

Ein gemütliches Zuhause schenkt Geborgenheit


SIEBEN WOHLFÜHL-TIPPS

So holen wir uns Layom ins Leben

Schwedischer leben, Schritt für Schritt: Die Autorin Niki Brantmark hat viele Ideen, wie wir glücklicher werden können …

Lagom in der Freizeit

Gönnen wir uns Bewegung an der frischen Luft. Denn das „Friluftsliv”, das Freiluftleben, verbindet uns mit der Natur und befreit Körper und Seele.

Lagom am Arbeitsplatz

Immer mal wieder ein kleines Päuschen – so arbeitet es sich besser. Wir fühlen uns erfrischt und sind erfüllt von Tatkraft.

Lagom für den Körper

In nordischen Ländern gehört die Sauna zum Alltag. Bei uns ist es eher die Ausnahme. Dabei tut der Wechsel von heiß zu kalt so gut! Die Muskeln entspannen, die Haut wird weich und gut durchblutet. Auch das Immunsystem profitiert.

Lagom mit anderen

Zuhören ist das wichtigste in jeder Beziehung. Die Schweden sollen wahre Meister darin sein. Versuchen auch wir, ab und zu einfach unserem Gesprächspartner das Gefühl zu geben: Ich bin ganz für dich da.

Lagom in der Einrichtung

Weniger ist mehr: Das gilt auch für unser Zuhause. Wo es aufgeräumt ist, sauber und hell, beruhigt sich der Geist. Wir lassen Licht ins Leben, verlieren keine Zeit beim Suchen und haben es behaglich.

Lagom in der Mode

Berstende Kleiderschränke, zu viel Zeug und nichts passt zueinander: Das ist das Gegenteil von Lagom. Wir prüfen Kleidungsstücke darauf, wie gut sie sich kombinieren lassen, ziehen Materialien vor, die langlebig sind und praktisch und verschlanken so unsere Garderobe.

Lagom und Geld

Das Lagom-Prinzip leben, das heißt auch: lernen, achtsam mit Geld umzugehen. Wenn wir uns auf die Dinge besinnen, die wir wirklich benötigen, wird immer genug Geld da sein, um sich gut versorgt und sicher zu fühlen.

Eine süße Pause tut gut


GLÜCKS-REZEPT

fiha die goldene kaffeepause

Köstliche Zimtschnecken für zwischendurch

Mehrmals am Tag machen die Schweden ein Päuschen und ziehen sich zur „Fika” zurück. Zum Kaffee gibt es Zimtschnecken – gerade genug. Natürlich kann man Zimtschnecken auch selbst backen. Zum Beispiel so …

Zutaten:

500 g Mehl
250 ml Milch
80 g Butter
80 g Zucker ein Würfel Hefe zwei Esslöffel zerlassene Butter Zucker und Zimt zum Bestreuen

1 . Hefe mit etwas lauwarmer Milch und Zucker ansetzen. Mit restlicher Milch, Zucker, Mehl und Butter kneten.
2 . Den Teig eine halbe Stunde gehen lassen, dann noch einmal kneten und zu einem Viereck ausrollen. Die zerlassene Butter auf den Teig pinseln. Zucker und Zimt darauf streuen.
3 . Eine Rolle aus dem Teig formen, den Teig in fingerbreite Scheiben schneiden und locker auf dem Backblech verteilen.
4 . Nach zehn Minuten Ruhezeit 15 bis 20 Minuten im vorgeheizten Ofen bei 175 Grad backen. Ergibt ca. 30 Stück.

gwlassen:… durch innere Ruhe

Das Geheimnis des Gleichgewichts

Die goldene Mitte. Vielleicht ist es ja das, was uns schon lange fehlt, wenn wir keine Ruhe finden? Begeben wir uns auf die Suche nach unserer ureigenen Balance in diesem entspannten Lebensgefühl aus dem verschneiten Stückchen Nordeuropa. Denn Lagom könnte durchaus, so die Autorin Lola A. Åkerström, „genau jenes Geheimnis sein, mit dem du dein Leben noch nachhaltiger gestalten kannst. Eine kleine Hilfe, um nicht nur ein gut ausbalanciertes Leben zu führen, sondern auch ein inneres Gleichgewicht zu finden.“
Schwer fällt es ohnehin nicht, uns für Lagom zu erwärmen. Schon seit unserer Kindheit spukt das freundliche Bullerbü- Schweden in unseren Köpfen herum, das entrückte Land des strohblonden Michel aus Lönneberga. Wir sehen schwedische Seen vor uns, Wiesen, Blaubeeren, Blumen, zu Kränzen ge- flochten. Nur ein Märchen? Oder kann uns dieses Glücksrezept aus alten Zeiten tatsächlich helfen, unseren Alltag umzugestalten, um zufriedener und freier zu leben?

Zum Weiterlesen:
„In der Mitte liegt das Glück” von Lola A. Åkerström (Knesebeck Verlag, 14,95 €), „Lagom” von Niki Brantmark (Christian Verlag, 19,99 €)

Komme, was mag:
Wir sind tief verwurzelt wie ein Baum in der Erde. Spüren die Kraft, die uns durchdringt. Und ruhen sicher und stark in unserer Balance

Lagom

… hinterlasse in einem Buch aus der Stadtbücherei eine nette Botschaft für den nächsten Leser.

Heifer: … tun, was für uns richtig ist

Vor allem müssen wir uns selbst richtig zuhören. Und öfters einmal ganz ehrlich fragen: Was gehört zu unseren wahren Bedürfnissen und was ist bloßes Verlangen. Was brauchen wir wirklich, weil sich unsere Seele danach sehnt? Und was sind die Dinge, nach denen es uns vielleicht kurzfristig verlangt, obwohl wir sie eigentlich gar nicht benötigen? „Oftmals“, sagt Åkerström, „verdeckt das Verlangen nach etwas ein echtes Bedürfnis. Versuchen wir also hinter den Schleier des Verlangens zu blicken und die wesentlichen Bedürfnisse zu befriedigen, um so einen ersten Schritt zu einem gesünderen, kraftvolleren und ausgewogeneren Leben zu tun.“

Wo wäre weniger mehr?

Nehmen wir uns also hin und wieder vorsichtig beiseite und fragen uns: Brauche ich wirklich noch ein Paar neue Schuhe? Oder genügt es, dass ich mich nach einem ausgiebigen Bad mit einem duftenden Öl verwöhne, um mich rundum schön zu fühlen? Muss es tatsächlich eine ganze Tafel Schokolade sein oder reichen vielleicht ein paar Stückchen, die langsam und mit Genuss auf der Zunge zergehen? Will ich in der Tiefe meiner Seele wirklich stundenlang ins Handy starren? Oder wäre ich vielleicht glücklicher, wenn ich einen kleinen Dämmerungsspaziergang durch den Park machen würde? Wie halte ich Maß und bleibe bei mir, ohne auch das zu übertreiben? Folgen wir solchen Fragen, nehmen wir unser Leben in die eigene Hand. Und tun wir, was uns wichtig ist. Für unser Glück. Und für das Glück der anderen. Leben, wie es uns gefällt. Das ist Lagom, kein Verzicht, keine Entbehrung. Sondern sinnlicher Genuss mit Achtsamkeit und Hingabe. Es bedeutet Besonnenheit. Und ein freundliches Zusammenspiel mit den anderen Menschen, die wir lieben. Finden wir heraus, was wir uns unter einem guten Leben vorstellen. Und überlegen wir, an welchen Stellen unseres Alltags wir eine kräftige Prise Lagom brauchen können. Wo wäre weniger mehr? Was kann ich sein lassen? Was dagegen täte mir so richtig gut? Belohnt werden wir mit einem Gefühl der Klarheit, so hell und frisch wie ein Spaziergang im Schnee.

Die Weite ist schön, die Dehnung herrlich! Wir sind offen und stark. Nichts kann uns erschüttern


Lagen

… schreibe von Hand einen Brief an jemanden, von dem du schon seit Jahren nichts mehr gehört hast.


FOTOS: GETTY IMAGES (5), JILL CHEN/STOCKSY, PR (2); ILLUSTRATION: ISTOCKPHOTO