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Landpartie: SANFTE TÖNE, TIEFE WÄLDER


Landlust - epaper ⋅ Ausgabe 1/2021 vom 07.12.2020

Malerische Täler, überspannt von eindrucksvollen Brücken, und tiefe Wälder, die sich über die hügelige Landschaft erstrecken: Das sächsische Vogtland strahlt im Winter eine ganz besondere Ruhe aus.


Artikelbild für den Artikel "Landpartie: SANFTE TÖNE, TIEFE WÄLDER" aus der Ausgabe 1/2021 von Landlust. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Landlust, Ausgabe 1/2021

Der frisch gefallene Schnee knirscht unter den Wanderschuhen. Die Luft ist klar. Hin und wieder ziehen freundlich grüßende Langläufer vorbei - mit roter Nase und nach vorn gerichtetem Blick. Wenn sich auf den hohen, dunkelgrünen Tannenspitzen der erste Schnee niederlegt, verwandelt sich das sächsische Vogtland in eine märchenhafte Winterlandschaft. Die Menschen aus der Region zieht es dann vor allem in die ...

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... Höhenlagen des Oberen Vogtlands - auf Brettern, Kufen oder Schneeschuhen.

Rund um Schöneck gibt es zahlreiche Skipisten, Rodelhänge, gut gespurte Loipen und Wanderwege.


Grenzübergreifend

Das gesamte Vogtland erstreckt sich über ein grenzübergreifendes Gebiet zwischen Sachsen, Thüringen, Bayern und dem Nachbarland Tschechien. Das sächsische Vogtland nimmt dabei die größte Fläche ein. Viele Schlösser, Burgen, Ruinen und historische Wehranlagen zeugen noch von der Geschichte der Vögte, die hier im Mittelalter regierten. Als das Land der Vögte „terra advocatorum“ wurde die waldreiche Region schon damals bezeichnet (siehe Infotext Seite 134).

Region der Gegensätze

In den felsigen Höhen des Oberen Vogtlandes eröffnen sich immer wieder malerische Ausblicke über tief eingeschnittene Täler. Manche sind von eindrucksvollen Brücken überspannt, manche von dichten Nadelwäldern durchzogen. Die Winter in den Höhenlagen gelten als weitestgehend schneesicher. Doch das Bild des bergigen Vogtlandes wandelt sich, je nördlicher man kommt. Nadelwälder werden zu Mischwäldern und die nun flachwellige Landschaft ist von weiten Grünflächen, Talsperren und Flusstälern durchzogen.

Auf Spuren über Kammhöhen

Schöneck wird als höchstgelegener Ort der Region auch als „Balkon des Vogtlandes“ bezeichnet. Jetzt im Winter ist er Anziehungspunkt für alle, die schon sehnsüchtig auf den Schnee gewartet haben. Familien rodeln die Hänge hinab und bauen Schneemänner. Von der Bergstation mit Sessellift wagen sich die Wintersportler auf ein oder zwei Brettern durch ein Waldstück ins Tal hinunter. Die im Ortsteil Tannenhaus beginnende „Kammloipe“ hat für Langläufer einen besonderen Reiz. Auf dem Gebirgskamm zwischen Schöneck und Johanngeorgenstadt verläuft die 36 Kilometer lange gespurte Bahn inmitten des Naturparks Erzgebirge- Vogtland. Die Kammloipe führt dabei durch Nadelwälder und über Berghöhen, die immer wieder weite Ausblicke über die Region eröffnen.

Von Weltraumfahrern …

Einen Steinwurf von Schöneck entfernt liegt der kleine Ortsteil Morgenröthe-Rautenkranz, der zur Gemeinde Muldenhammer gehört. Gleich auf zwei Weisen erlangte er Bekanntheit: Als kältester Ort Deutschlands mit Wintertemperaturen bis zu minus 30 Grad Celsius und als Geburtsort von Sigmund Jähn, der 1978 als erster Deutscher ins Weltall flog. 1992 wurde ihm zu Ehren hier die Deutsche Raumfahrtausstellung gegründet. Neben einem originalen Trainingsmodul der Raumstation MIR gibt es zahlreiche interessante Exponate, die über das Leben in der Schwerelosigkeit berichten. Vom Planetenpark im Außengelände gelangt man schnell auf einen der zahlreichen Winterwanderwege, auf denen sogar Huskys Gäste durch den Wald ziehen.

Vom Felsen „Alter Söll” in Schöneck hat man einen Rundumblick bis ins Umland.


Sessellift der Skiwelt Schöneck


Schöneck ist der höchstgelegene Ort der Region. In der Ortsmitte geht es beschaulich zu.


Die Freilichtmuseen Landwüst und Eubabrunn informieren über historische Landwirtschaft oder alte Nutztierrassen.


Die Deutsche Raumfahrtausstellung in Morgenröthe-Rautenkranz


Die Schanze in Klingenthal kann ganzjährig besichtigt werden.


… und Skispringern

Im nah gelegenen Klingenthal erhebt sich inmitten von dichten Nadelbäumen am Schwarzberg die moderne Architektur der Vogtlandarena mit Sprungschanze. Wenn gerade kein Wettkampf ist, kann man mit einem Lift hinauf zur Aussichtsplattform fahren und sich durch die Schanzenanlagen führen lassen. Auch eine Besichtigung der verglasten „Kapsel“, die während des Wettkampfes als Wärmeraum für die Athleten dient, ist möglich. Von hier aus reicht der Blick nicht nur in die Weite.

Man bekommt auch ein Gefühl für den Mut, den die Skispringer vor dem Absprung beweisen. Das an Tschechien grenzende Klingenthal liegt im sogenannten „Musikwinkel“. Seit mehr als 350 Jahren werden hier und in den benachbarten Orten Musikinstrumente in Handarbeit hergestellt.

Im Musikwinkel

In Orchestern auf der ganzen Welt ertönen die Klänge aus dem Oberen Vogtland. Zentrum des Musikinstrumentenbaus ist der etwa 7 700 Einwohner große Ort Markneukirchen. Im Musikwinkel gibt es noch heute mehr als 100 Werkstätten - vom einzelnen Instrumentenbauer bis zum mittelständischen Unternehmen mit mehreren Hundert Mitarbeitern. Hier werden nahezu sämtliche Streich-, Zupf-, Holzblas-, Metallblas-, Schlag- und Harmonikainstrumente einschließlich Zubehör gefertigt. Auch eigene Saiten- und Bogenmacher gibt es in der Region. Aufgrund dieser Einzigartigkeit und Vielfalt wurde der vogtländische Musikinstrumentenbau 2014 in das bundesweite Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes der UNESCO aufgenommen. Die Wurzeln dieser Tradition gehen auf zwölf Geigenmacher aus dem benachbarten Graslitz in Tschechien zurück, die sich als Glaubensflüchtlinge in Markneukirchen niederließen. „Mit der Gründung der ersten Geigenmacherinnung 1677 in Markneukirchen legten sie damit auch den Grundstein für den Musikinstrumentenbau in der Region“, erzählt Stefan Hindtsche, Leiter des Musikinstrumentenmuseums in Markneukirchen.

Die Winterwanderwege und Loipen sind gut ausgeschildert, nicht nur entlang der Kammloipe.


Gute Bedingungen

Die Voraussetzungen für den Instrumentenbau in dieser Region waren optimal: Das waldreiche Vogtland bot ausreichend Holz und aus dem benachbarten Erzgebirge bezog man die Metalle. Schließlich wurde solch eine Bandbreite an Musikinstrumenten gefertigt, dass um 1900 dank erster Händlerkataloge die vogtländischen Instrumente von Musikern aus der ganzen Welt bestellt wurden. Doch die Infrastruktur in den Höhenlagen des Vogtlandes war herausfordernd: „Damals hieß es, wenn es die Instrumente erst einmal nach Oelsnitz geschafft haben, schaffen sie es auch in die ganze Welt hinaus“, sagt Stefan Hindtsche. Von dem nur rund 23 Kilometer entfernten Ort wurden die vogtländischen Instrumente mit dem Zug zum nächsten Hafen gebracht und von dort nach Übersee verschifft.

In Hinterhöfen und Wohnhäusern

Schlendert man heute durch die Straßen Markneukirchens liest man an zahlreichen Haustüren der historischen Reihenhäuser die Schilder der Instrumentenbauer. Gewöhnlich befinden sich die kleinen Werkstätten als Anbau im Hinterhof oder im Untergeschoss des Wohnhauses der Familie. Handfertigkeit, Bauzeichnungen und Geheimnisse zum Herstellungsverfahren werden an die nächste Generation weitergegeben. In den Werkstätten lagert und trocknet über viele Jahre wertvolles Holz, das später einmal den perfekten Klang ergeben soll. Oftmals hat sich eine Handwerksfamilie auf ein bestimmtes Instrument spezialisiert, so wie Stefan Kreul auf den Cellobau.

Stefan Kreuls Cellos gehen in die ganze Welt hinaus. Sie entstehen in der Werkstatt seines Ururgroßvaters.


Blick auf Markneukirchen - Zentrum des „Musikwinkels“


Die gelernte Geigenbauerin Hannah Weidauer studiert in Markneukirchen Instrumentenbau. Ihre praktischen Fertigkeiten aus der Ausbildung will sie an der Hochschule vertiefen. „Jedes Semester wird ein anderes Instrument gebaut“, erzählt sie. Ihr erstes „Stradivari“-Cello ist fast fertig. Erst dann zeigt sich, ob sie den richtigen Ton getroffen hat.


Einst Fabrikanten-Wohnsitz, nun Hochschule für Instrumentenbau: die Villa Merz


HAUPTSACHE KARTOFFEL

Süßer „Erdäpelkung“


Häufig liest man auf den Speisekarten der urigen Gaststätten im Vogtland frische „Bambes“ mit Rotkohl und Sauerbraten. Die in der Pfanne ausgebackenen Kartoffelpuffer sind typisch für die einfache, aber deftige vogtländische Küche, in der die Kartoffel meist die Hauptrolle spielt. Seit dem 17. Jahrhundert werden die Knollen auf den schweren und kargen Böden des Vogtlands angebaut - seitdem ist die Verbundenheit zu den Erdäpfeln ungebrochen. Im Laufe der Jahrhunderte entstanden in der regionalen Küche zahlreiche Kartoffelvariationen: Neben „Bambes“ oder einer kräftigen „Zuedelsupp“ (Kartoffelsuppe) werden besonders gern „Grüngenifften“ oder „Griegeniffte“ serviert. Diese „Grünen Klöße“ aus roh geriebenen Kartoffeln können sich in Verbindung mit Sauerstoff leicht grünlich färben - daher ihr Name. Sie werden gern zu Braten mit reichlich Soße gereicht. In den Backstuben der Region erhält man den typischen „Erdäpelkung“ - einen süßen und traditionellen Blechkuchen. Dazu wird der Hefeteig mit gekochten, geriebenen Kartoffeln und Rosinen vermischt. Er ähnelt einem leichten Stollen, der zum Kaffee gereicht die Kräfte nach einer Schneewanderung zurückbringen soll.

„Bambes“


Nach Familientradition

In der traditionsreichen Meisterwerkstatt von Geigenbaumeister Stefan Kreul duftet es nach Holz und Geschichte zugleich: Hier fertigte bereits sein Ururgroßvater Ernst Karl Kreul senior vor mehr als 120 Jahren Geigen und Cellos. Der aus Böhmen stammende Geigenmacher erbaute damals das Wohnhaus der Familie samt Werkstatt, nachdem er nach Markneukirchen gekommen war. „Diese Räume sind gefüllt mit Familiengeschichte. Die alte Werkbank, die Fotografien meiner Vorfahren an der Wand - all das inspiriert mich für meine Arbeit“, sagt Stefan Kreul. Mit Herzblut und äußerster Sorgfalt fertigt er gemeinsam mit seinem Vater Gunter die Meisterstreichinstrumente. Auch seine 16 Jahre alte Tochter Emilia zeigt schon großes Interesse am Instrumentenbau. Vielleicht wird sie die urige Werkstatt eines Tages weiterführen.

Stefan Kreuls Cellos entstehen entweder nach historischen Vorlagen bekannter, alter Geigenbaumeister, nach Zeichnungen, die von seinen Vorfahren ausgetüftelt wurden, oder nach eigenen Entwürfen.

Ein Ort voller Klang

Die vielen schmuckvollen Villen in Markneukirchen, die einst den Fabrikanten und Musikinstrumentenhändlern gehörten, zeugen noch von der Glanzzeit dieses Handwerks im 19. Jahrhundert. In dem wohl eindrucksvollsten Gebäude dieser Zeit, der Villa Merz in der Adorfer Straße, ist der Studiengang Musikinstrumentenbau der Westsächsischen Hochschule Zwickau zu Hause - der deutschlandweit einzige dieser Art. Manche Studenten kommen von weit her, andere stammen aus der Region und möchten an die

Tradition ihrer Familie anknüpfen. Doch in Markneukirchen werden nicht nur Instrumente gebaut, sondern auch gespielt: Der Ort hat ein eigenes Sinfonieund ein Blasorchester.

Heilsame Quellen

Bis in den südlichsten Zipfel des sächsischen Vogtlandes ist es vom Musikwinkel aus nicht weit. Hier, an der Grenze zum benachbarten Tschechien, kann man sich nach einer Wanderung in der kalten Winterluft ausgiebig erholen: In den beiden Sächsischen Staatsbädern Bad Elster und Bad Brambach entspringen zahlreiche Mineralquellen, denen eine heilsame Wirkung nachgesagt wird. Das einstige Weberdorf Bad Elster zählt zu den ältesten Moorheilbädern Deutschlands. Nur scheinbar verschlafen liegt es im Tal der Weißen Elster, umschlossen von bewaldeten Bergrücken. Das 1848 zum Königlich-Sächsischen Staatsbad erhobene Heilbad vereint heute neben der Gesundheitstradition eindrucksvolle Architektur, Kultur und Parklandschaften gleichermaßen. Vor allem das Königliche Kurhaus im Neorenaissance-Stil und das historische Albert Bad zeugen von der Blütezeit der Sächsischen Staatsbäder. Die Entdeckung der stärksten Radonquelle der Welt, der sogenannten Wettinquelle, verschaffte Bad Brambach bereits Anfang des 20. Jahrhunderts einen regen Kurbetrieb. Die Wirkung dieses Edelgases soll schmerzlindernd und abwehrsteigend sein. Heute geht es hier weitaus beschaulicher zu als in Bad Elster. Wanderern empfiehlt sich ein Abstecher zum naheliegenden Kapellenberg. Vom dortigen Aussichtsturm reicht der Blick bis ins Nachbarland.

Das Königliche Kurhaus in Bad Elster


Aussichtsturm auf dem Wirtsberg in Landwüst


In der Schaustickerei Plauen kann man die Arbeit an den alten Maschinen erleben und Kurse belegen.


Älteste Häuser Plauens: die Weberhäuser


Textile Geschichte

Wer das Vogtland besucht, stößt früher oder später auch auf die „Plauener Spitze“. Sie ist nach der größten Stadt der Region benannt, die Ende des 19. Jahrhunderts weltberühmt für ihre textilen Kreationen wurde. Plauen avancierte zum Zentrum der deutschen Spitzenund Stickereiindustrie, doch bereits zuvor war die Stadt textil geprägt: Im 15. und 16. Jahrhundert galt Plauen als Mittelpunkt des Tuchmacherhandwerks und der Baumwollweber. In den historischen Räumen des Alten Rathauses am Altmarkt befindet sich das Spitzenmuseum, das einen Bogen von den Anfängen des filigranen Handwerks bis zur modernen Spitze schlägt. Von hier ist es ein Katzensprung durch die schmalen Gassen bis zu den histori- schen Weberhäusern unterhalb der Johanniskirche. Die Häuserzeile entlang der Elsteraue scheint aus der Zeit gefallen zu sein. Die ältesten Häuser der Stadt beherbergen heute verschiedene Werkstätten, in denen Besucher auch selbst kreativ werden können. Der große Hang hinter der Häuserzeile am Mühlgraben wurde bereits im Mittelalter angelegt, um die Tücher der Tuchmacher zum Trocknen auszubreiten. Die umliegenden Straßen „Färberstraße“ und „Bleichstraße“ deuten namentlich noch auf die damaligen textilen Gewerke hin.

Das Viadukt ist zugleich Wahrzeichen der Region: die Göltzschtalbrücke im nördlichen Vogtland.


Im nördlichen Vogtland

Von Plauen sind es nur wenige Kilometer bis in das nordöstliche Hügelland des sächsischen Vogtlands. Zahlreiche Gewässer fügen sich in die Landschaft ein, wie etwa die Talsperre Pöhl. Die drittgrößte Talsperre Sachsens ist vor allem im Sommer ein beliebtes Naherholungsgebiet für viele Menschen aus der Region. An den Flüssen Weiße Elster und Göltzsch erstrecken sich ausgedehnte Wanderwege. Um diese weiten Flusstäler mit der Eisenbahn überqueren zu können, wurde Mitte des 19. Jahrhunderts mit der Errichtung zweier besonders eindrucksvoller Bogenbrücken begonnen: der Göltzschtal- und der Elstertalbrücke. Noch heute gilt die Göltzschtalbrücke in Netzschkau als größte Ziegelsteinbrücke der Welt - mit mehr als 26 Millionen Ziegelsteinen, die in 81 weiten Bögen auf vier Etagen vermauert wurden. Das historische Viadukt erblickt man schon aus der Ferne. Hier in Netzschkau empfiehlt sich auch ein Abstecher zur nahen Burg Mylau. Die mittelalterliche Wehranlage thront über dem Ort auf einem Felssporn. Sie ist die größte Burganlage des Vogtlandes und noch fast vollständig erhalten.

Das historische Rathaus am Plauener Altmarkt hat einen Renaissancegiebel von 1548.


Der mächtige Bergfried und die beiden Vierecktürme der Burg Mylau wurden bereits um 1180 errichtet.


INFORMATIONEN

• Tourismusverband Vogtland e. V., Göltzschtalstraße 16, 08209 Auerbach, Tel.: 0 37 44/18 88 60, www.vogtland-tourismus.de

KULTUR UND GESCHICHTE

• Musikinstrumentenmuseum, Bienengarten 2, 08258 Markneukirchen, Tel.: 03 74 22/20 18, www. museum-markneukirchen.de (Museumskasse im Gerber- Hans-Haus schräg gegenüber)

• Vogtländisches Freilichtmuseum Landwüst, Rohrbacher Str. 4, 08258 Markneukirchen, Eubabrunn, Waldstraße 2, 08258 Markneukirchen, Tel.: 03 74 22/21 36, https://freilichtmuseumvogtland. de/de/

• Museum Burg Mylau, Burg 1, 08499 Mylau, Tel.: 0 37 65/3 82 23 52, www.burgmylau.de

• Deutsche Raumfahrtausstellung Morgenröthe- Rautenkranz e. V., Dr.-Sigmund-Jähn-Str. 4, 08262 Muldenhammer, Tel.: 03 74 65/25 38, www.deutscheraumfahrtausstellung. de

• Sächsisches Bademuseum, KunstWandelhalle, Badstr. 6, 08645 Bad Elster, Tel.: 03 74 37/ 5 39 00, www.saechsischesbademuseum. de

• Weberhäuser Plauen, Bleichstr. 9 -15, 08527 Plauen, Tel.: 0 37 41/4 15 28 46, www.weberhaeuser.de

• Vogtlandmuseum mit Spitzenmuseum, Nobelstr. 7-13, 08523 Plauen, Tel.: 0 37 41/ 2 91 24 10, www.vogtlandmuseumplauen. de

• Museumsfabrik Schaustickerei, Plauener Spitze, Obstgartenweg 1, 08529 Plauen, Tel.: 0 37 41/ 44 31 87, www.schaustickerei.de

NATUR ERLEBEN

• Das „Schneetelefon“ gibt Auskunft zur aktuellen Wetterlage und Nutzbarkeit der Loipen und Skilifte sowie der Wanderwege in den jeweiligen Wintersportorten: Klingenthal Tel.: 03 74 67/2 24 94, Schöneck Tel.: 03 74 64/8 20 00, Erlbach Tel.: 03 74 22/61 25

• Kammloipe zwischen Schöneck und Johanngeorgenstadt, www.kammloipe.de

• Schanze Klingenthal, Falkensteiner Str. 133, 08248 Klingenthal, Tel.: 03 74 67/ 28 08 60, www.sparkassevogtland- arena.de

AUSGEWÄHLTE WANDERWEGE

• Kammweg Erzgebirge-Vogtland, Fernwanderweg durch Thüringen und Sachsen, www.kammweg.de

• Elsterperlenweg, 72 km langer Rundwanderweg im nordöstlichen Vogtland, www.elsterperlenweg.de

• Vogtland Panorama Weg, Rundwanderweg durch das Vogtland (beginnend an der Göltzschtalbrücke), www.vogtland-tourismus.de

• Kulturweg der Vögte, grenzübergreifender Kulturweg auf 14 Etappen, www.kulturwegder- voegte.eu/de/

• Kartoffel-Lehrpfad „Vogtländischer Knollensteig“ zwischen „Hundsgrün“ und Tirschendorf, www.vogtlaendischerknollenring. de

• 13.-14.2.2021 Schlittenhunderennen Hammerbrücke, www.sport-hammerbruecke.de

• Wanderungen und Schlittenfahrten mit Huskys, Erik Meinel, Tel.: 01 74/5 91 81 94, www.huskywald-vogtland.de

ESSEN UND EINKEHREN

• Tannenhaus, Klingenthaler Straße 19, 08261 Schöneck, Tel.: 03 74 64/34 11 19, www. tannenhaus.de/restaurant/

• Schlossrestaurant im Torhaus (auf Schloss Voigtsberg), Schloßstraße 32, 08606 Oelsnitz/ Vogtl., Tel.: 03 74 21/ 72 02 06, www.schlossrestauranttorhaus. de

• Matsch, Nobelstraße 1-5, 08523 Plauen, Tel.: 0 37 41/20 48 07, www.matsch-plauen.de

• Bäckerei Konditorei Schürer („Erdäpelkung“), Hauptfiliale Pyratalstraße 27, 08262 Morgenröthe- Rautenkranz, www.baeckerei-schuerer.de

Aufgrund der aktuellen Situation erkundigen Sie sich bitte ggf. vorab über die Öffnungszeiten.

IM LAND DER VÖGTE

Osterburg in Weida


Das Vogtland ist das Land der Vögte „terra advocatorum“. Kaiser Friedrich I. „Barbarossa“ setzte hier um 1180 Heinrich den Reichen als Verwalter ein. Dessen Söhne und deren Nachfolger herrschten vom 12. bis 16. Jahrhundert als Vögte von Weida, Plauen und Gera. Die mächtige Osterburg im thüringischen Weida diente ihnen anfangs als Stammsitz. Daher wird Weida auch als die „Wiege des Vogtlandes“ bezeichnet. Lange Zeit regierten die Vögte unabhängig, bis Kaiser Karl IV. und die Wettiner ihnen die Herrschaft streitig machten. Mit Heinrich VI. von Plauen verloren 1563 die Vögte das heutige sächsische Vogtland. Er konnte das zuvor verpfändete Land nicht mehr vom Kurfürsten von Sachsen auslösen.

WANDERN AUF DEM KULTURWEG

Die Vögte und ihre Nachfahren, die späteren Fürsten Reuß, hinterließen zahlreiche Burgen, Schlösser, Kirchen, Wehranlagen und Stadtmauern. Auf dem grenzübergreifenden „Kulturweg der Vögte“ entlang der Flüsse Weiße Elster, Saale, Göltzsch und Eger lassen sich eindrucksvolle bauliche Zeugnisse entdecken. Auf 14 Etappen zwischen Sachsen, Thüringen, Bayern und Böhmen kann man die historische Kulturlandschaft erkunden. Zahlreiche ausgewiesene Wanderwege und Radtouren führen unter anderem zur Osterburg im thüringischen Weida, den ehemaligen Klöstern im bayrischen Hof, durch die historische Altstadt im sächsischen Plauen oder ins tschechische Egerland, mit der einstigen Kaiserpfalz in Eger (Cheb) aus der Zeit Barbarossas.

VERSCHIEDENE MUNDARTEN

Wer im Vogtland einkehrt, kommt unweigerlich mit der Mundart in Berührung. Das Vogtländische geht auf die Einflüsse von verschiedenen Siedlerströmen aus dem 12. und 13. Jahrhundert zurück. Oberpfälzische, oberostfränkische und thüringische Siedler rodeten das dicht bewaldete Land, um sich niederzulassen. Dabei wurde der Plauener Raum beispielsweise eher von fränkischen Siedlern sprachlich beeinflusst. In den Südzipfel des heutigen Vogtlandkreises wurde die oberpfälzisch- bayerische Mundart mit dem charakteristisch rollenden „Zungen-R“ getragen. Im sächsischen Vogtland trifft man somit auf zahlreiche Mundartvarianten, die sich teilweise sogar von Ort zu Ort unterscheiden.


Fotos: Dominik Wolf, Tourismusverband Vogtland e. V. (1)