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Landpartie: VON DER PEENE ZUR OSTSEE


Landlust - epaper ⋅ Ausgabe 4/2019 vom 19.06.2019

Das Peenetal in Mecklenburg-Vorpommern ist eine der größten naturbelassenen Flusslandschaften Westeuropas. Sie gilt als Geheimtipp für Naturliebhaber und Vogelkundler. In der Ruhe des vorpommerschen Hinterlands kann man den Alltag hinter sich lassen.


Artikelbild für den Artikel "Landpartie: VON DER PEENE ZUR OSTSEE" aus der Ausgabe 4/2019 von Landlust. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Landlust, Ausgabe 4/2019

Stadtmühle in Teterow am Quellfluss Kleine Peene


Allee im Lassaner Winkel


Am schönsten erlebt man die Natur vom Boot aus.


Bunte Bootsschuppen auf der Peene bei Neukalen


Blick über den Kummerower See in Verchen


Zwischen Verchen und Aalbude pendelt eine Fähre.


Die Ufer der Peene sind weitgehend naturbelassen.


Ostseeknabenkraut


Die Luft ist erfüllt von Vogelstimmen. ...

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... Überlautes Tschilpen, Zwitschern und Rufen begleitet den Spaziergänger in der „Großen Rosin“ im Naturschutzgebiet Peenetal. „Die Besucher erwarten die Stille der Natur – und sind dann überwältigt von dem Vogel-Konzert, das sie hier empfängt“, bestätigt Dr. Frank Hennicke, Leiter des Naturparks Peenetal.

Der Lauf der Peene

Abseits der Touristenströme der Ostseeküste und der Mecklenburgischen Seenplatte bezaubert die Flusslandschaft Peenetal mit ihrer Ursprünglichkeit und ihrem Artenreichtum die Besucher. Die Niederung der Peene ist mit etwa 20 000 Hektar eines der größten Niedermoorgebiete Mittel- und Westeuropas. Mit geringem Gefälle von nur 24 Zentimetern fließt die Peene vom Kummerower See bis zur Ostsee. Die Fließrichtung wird daher weitgehend vom Wind bestimmt – der Fluss ist sowohl flussabwärts als auch flussaufwärts befahrbar. Die Peene ist nicht durch Wehre reguliert, das Ufer kaum verbaut. Nur wenige Brücken queren den Fluss und den Strom auf ganzer Länge (siehe Infotext, S.102). Im Quellgebiet bei Neukalen vereinen sich drei Flüsse zur Peene. Von dort fließt sie 83 Kilometer durch Vorpommern, bis sie östlich von Anklam in den Peenestrom mündet. Er trennt die Insel Usedom vom Festland und ist einer der Mündungsarme der Oder. Bei Peenemünde fließt der Strom in die Ostsee. Geografisch wird die Peene in die Abschnitte „Obere Peene“, „Mittlere Peene“, „Untere Peene“ und den „Peenestrom“ unterteilt.

Urtümliches Tal

Umgeben von alten Torfstichen und Wiesen, die Ufer gesäumt von Erlenbrüchen: Das abgeschiedene und urtümliche Peenetal lässt den Besucher mitunter vergessen, dass er sich in Deutschland befindet. In der Stille der unberührten Natur sind viele seltene Tiere und Pflanzen heimisch geworden. „Im Peenetal gibt es große Populationen von Fischottern, Bibern, Eisvögeln, Seeadlern, Silberreihern sowie verschiedene Orchideen-Arten“, zählt Frank Hennicke einige Besonderheiten auf. Das Vorkommen von seltenen Käfern oder dem Ostseeknabenkraut, das deutschlandweit auf das Peenetal beschränkt ist, bestätigt Biologen den guten Zustand des Ökosystems.

Am besten vom Boot aus

Am schönsten erlebt man die besondere Natur vom Boot aus (s. nebenstehenden Text). Die Wahrscheinlichkeit, auf einer Bootstour zahlreiche seltene Tiere anzutreffen, ist hoch. Angler können auf der Peene Besonderes an Land ziehen. Der Fluss gehört zu den fischartenreichsten in Deutschland. Auch Flussneunaugen, Rapfen oder Steinbeißer sind hier zu Hause. Wer lieber zu Fuß oder mit dem Fahrrad unterwegs ist, findet im Peenetal schöne Rundwanderwege und Fahrradwege. Allerdings befindet sich das Wegenetz noch im Aufbau.

An der Oberen Peene

Ob man sich für die Obere, Mittlere oder Untere Peene entscheidet: Jeder Flussabschnitt hat seinen Reiz. Im oberen Peenetal treffen die alte Kulturlandschaft „Mecklenburgische Schweiz“ und die flache Wiesen- und Moorlandschaft des Peenetals aufeinander. Am Quellfluss „Kleine Peene“ in der histori- schen Teterower Altstadt liegt das liebevoll geführte Restaurant „Zur Stadtmühle“.
Im Städtchen Neukalen säumen bunte Bootshäuser das Peeneufer, an denen man mit dem Kanu entlangpaddeln kann. Die kleinen Holzschuppen besitzen eine Terrasse, die über dem Wasser schwebt, zudem eine Bootsgarage für ein kleines Boot. Bootshauskolonien und -vereine sind eine Besonderheit Mecklenburg-Vorpommerns und Brandenburgs, die man an einigen Seen und Flüssen findet. Sie sind Teil der Datschen- und Gartenkultur der ehemaligen DDR.

Im Restaurant „Stadtmühle“


Unweit der Stadtmühle befindet sich die historische Teterower Altstadt.


Das Naturschutzgebiet „Große Rosin“ gilt als Geheimtipp für Vogelkundler.


UNTERWEGS AUF DER PEENE

• Am schönsten sind der Fluss und seine Natur vom Wasser aus zu erleben. Einige Anbieter haben sich darauf spezialisiert, Besuchern das Peenetal vom Boot aus zu zeigen. Oftmals gibt es Kooperationen mit Fachleuten vom Naturpark Flusslandschaft Peenetal.
• Es gibt zwar einige Rundwanderwege, z. B. durch den Anklamer Stadtbruch, doch viele Pläne zum Ausbau des Wegenetzes warten noch auf ihre Umsetzung. Für Fahrradtouren bietet sich die Obere Peene mit ihrer Anbindung an die Mecklenburgische Schweiz an.
• Touren auf der Peene sind für Aktivurlauber mit dem Kanu oder Kajak möglich. Aber auch fast geräuschlose Solarboote, Hausboote oder Flöße mit Motor kann man ohne Führerschein für ein- oder mehrtägige Touren mieten – auf Wunsch auch mit fachkundiger Führung. Auf Hausboot und Floß kann man sogar übernachten.
• Ab Verchen vermietet der Veranstalter „Abenteuer Peenetal“ Boote und Fahrräder an Individual-Paddler oder bietet geführte und organisierte Touren auf der Oberen Peene an. Ab Anklam ist der Veranstalter „Abenteuer Flusslandschaft“ eine gute Adresse.
• Badestellen, die vom Ufer aus zugänglich sind, gibt es an vielen Wasserwanderrastplätzen, z. B. in Trittelwitz und abseits davon. Auch Baden vom Boot aus ist möglich.
• Wer sich für eine mehrtägige Erkundung der Peene entscheidet, findet in regelmäßigen Abständen Wasserwanderrastplätze zum Zelten. In ihrer Nähe befindet sich meistens auch ein Gasthof oder eine Herberge zur Einkehr und zur Verpflegung an jedem Abschnitt des Flusses.
• Besucher, die nur einen Kurzurlaub planen, sollten sich für einen Teilabschnitt der Peene entscheiden.

Wasserwanderer können auf der Peene mehrtägige Touren planen.


Entlang des Flusses gibt es einige Rastplätze, wie in Sophienhof (Bild). In der Nähe befinden sich oft auch Herbergen oder Gasthöfe.


Auf Entdeckungstour ab Verchen

Für alle, die das Peenetal mit dem Boot erkunden möchten, ist der kleine Ort Verchen am Ufer des Kummerower Sees ein guter Ausgangspunkt – sowohl für individuelle als auch für geführte Touren. Wer dort mit dem Kanu oder Kajak startet, kann an einem Tag gemütlich bis Demmin paddeln, wo die Flüsse Tollense und Trebel in die Peene münden. Auf dem Weg liegen Altarme, Wiesen, Bruchwälder und einstige Torfstiche. In diesem Abschnitt ist die Peene recht schmal, sodass man beide Flussufer gut einsehen kann.
Ab Verchen oder Aalbude kann man zudem die Schlossanlage in Dargun mit dem Boot anfahren. Ein Stichkanal der Peene führt zur Anlegestelle am Darguner Klostersee. Nach einem kurzen Spaziergang erreicht man das Schloss, das aus einem Zisterzienserkloster aus dem 12. Jahrhundert hervorgegangen ist. Heute befinden sich dort ein kleines Museum, eine Konzertstätte, eine Tourismus-Information und ein kleiner Laden mit hausgemachten Spezialitäten. Am Wochenende gibt es dort auch Kaffee und Kuchen.

Geheimtipp „Große Rosin“

Spaziergänger und Radfahrer können in Verchen mit einer kleinen Personenfähre zum Wasserwanderrastplatz Aalbude übersetzen. Am Nordufer befinden sich die Moorwiesen „Große Rosin“. Auf einem befestigten Weg kann man bis Kützerhof wandern oder radeln. Das Gebiet gilt als „ornithologischer Geheimtipp“, ist aber längst nicht nur für Vogel-Liebhaber beeindruckend.

Ruine des ersten pommerschen Klosters in Stolpe an der Peene


Reste des Untergeschosses


Zwischen Schweden und Preußen

Die Peene hat eine bewegte Geschichte. Von 1720 bis 1815 war sie der Grenzfluss zwischen Schwedisch-Pommern am Nordufer und Preußen am Südufer des Flusses. Die spärlich gesetzten Brücken bezeugen: Zwischen beiden Ländern gab es kaum Beziehungen. Auch im Jahr 1815, als die Schweden Vorpommern verließen und Pommern preußisch wurde, intensivierten sich die Beziehungen der Kommunen am Nord- und Südufer nur sehr langsam. Zuvor hatten die beiden mächtigen Länder lange um die Vorherrschaft in Pommern gekämpft.
So führt etwa durch den kleinen 300-Einwohner-Ort Stolpe, westlich von Anklam, eine bedeutende historische Heerstraße bis zum Peeneufer. Hier zog das kaiserlichbrandenburgische Heer im Dreißigjährigen Krieg gegen die Schweden – ohne Erfolg. An dieser Heerstraße befindet sich außerdem die Ruine des Klosters Stolpe. Von diesem ersten christlichen Kloster in Pommern ging die Christianisierung der Region aus.

Kleine Orte mit Geschichte

Bis heute ist Stolpe ein Schmuckstück. Das Naturpark-Haus mit interessanter Ausstellung über das Peenetal, die Personenfähre und der gemütliche, historische „Stolper Fährkrug“ mit seiner guten pommerschen Speisekarte empfehlen einen Besuch. Die Mitarbeiter des Naturparks informieren die Besucher zudem gerne über die zur Stunde interessantesten Plätze für Naturbeobachtungen und Ausflüge. Auch weiter westlich, im heutigen Gützkower Ortsteil „Gützkow Fähre“, kam es in der Vergangenheit zu Kampfhandlungen zwischen Schweden und Preußen. Dort kreuzte seinerzeit ein bedeutender Handelsweg. Heute liegt Gützkow Fähre mitten im Naturschutzgebiet.
Links und rechts des Fährdamms laden die Peenewiesen zu einem Spaziergang ein. Der kleine Ort Gützkow wird von der imposanten Nicolaikirche beherrscht, die 1241 erstmals urkundlich erwähnt wurde. Auch sie war für die Verbreitung des Christentums in der Region entscheidend.

Hansestadt Anklam

Spuren der schwedischen Herrschaft findet man zudem in der heutigen Kleinstadt Anklam. Bis 1815 war die Stadt in einen schwedischen und einen preußischen Bezirk geteilt. Die Wesselsche Mühle, heute Schwedenmühle genannt, am nördlichen Peeneufer existiert bis heute. Während der schwedischen Herrschaft befand sich darin eine Gerichtsstube. Dort wurde schwedisches Recht gesprochen, allerdings durch preußische Richter, die am Südufer der Peene lebten. Das historische Gebäude steht unter Denkmalschutz und ist in Teilen sanierungsbedürftig.

Naturpark-Ranger führen durch das Peenetal, hier durch die Peenewiesen bei Gützkow.


Im Stolper Fährkrug erwartet die Gäste gute pommersche Küche.


Fußgängerbrücke über die Peene in Anklam


BRÜCKEN ÜBER DEN FLUSS

Die Möglichkeiten, die Peene mit dem Auto zu überqueren, sind überschaubar. Straßenbrücken über die Peene und den Peenestrom gibt es insgesamt nur sechs. In Demmin, Loitz, Jarmen und in Anklam führen Brücken über die Peene. In Zecherin und Wolgast führen Klappbrücken über den Peenestrom zur Insel Usedom. Außer der Jarmener Stabbogenbrücke handelt es sich bei allen Brücken um Klappbrücken. So werden etwa dieWolgaster Peenebrücke und dieZecheriner Brücke mehrmals am Tag zu festen Uhrzeiten hochgeklappt, um Schiffe durchzulassen. Aufgrund ihrer markanten Farbe wird die kombinierte Straßen- und Eisenbahnbrücke in Wolgast auch „Blaues Wunder“ genannt, genau wie die Loschwitzer Elbbrücke in Dresden.
Als technisches Denkmal gilt die alteEisenbahnbrücke in Anklam . Die älteste Rollklappbrücke in Deutschland hat Seltenheitswert. Ihre Besonderheit liegt in ihrem Öffnungsmechanismus über ein großes Radsegment.
Ein weiteres technisches Denkmal ist der einsam im Strom zwischen Stettiner Haff und Peenestrom stehende Hubteil der zerstörtenKarniner Hubbrücke. In Neukalen und im Stadtgebiet Anklams gibt es zudemFußgängerbrücken über die Peene. Fußgänger und Radfahrer können außerdem zwischen Verchen und Aalbude und in Stolpe mit derFähre über die Peene übersetzen. WeitereFährverbindungen gibt es über den Peenestrom zwischen Kamp und Karnin (Usedom) sowie zwischen Peenemünde und Freest.

Die prächtigen Kirchen und der großzügige Marktplatz zeugen von der früheren Bedeutung der Hansestadt Anklam.


Flugapparat im Lilienthal-Museum


Während des Dreißigjährigen Krieges und in der Zeit danach verarmte Anklam und war durch die Zerstörungen der Kriege gebeutelt. Im Mittelalter allerdings gehörte die Stadt zu den reichsten in Pommern. Im 13. Jahrhundert trat Anklam aufgrund der günstigen Lage an Peene und Haff der Hanse bei. Die Anklamer Bürger kamen durch den Handel mit Salzheringen, Tuchen und Leder zu Wohlstand. Davon zeugen bis heute der gewaltige Kirchenbau St. Marien und die Ruine der St.-Nikolai-Kirche sowie das steinerne Stadttor in der Anklamer Innenstadt, das heute ein Museum für Heimat- und Regionalgeschichte beherbergt. Anklam war eine der ersten Städte Pommerns, die eine Fernwasserleitung bis zum Marktplatz besaßen.

Der Traum vom Fliegen

Der berühmteste Sohn der Stadt ist der Flugpionier Otto Lilienthal. Ihm ist ein Museum etwas außerhalb der Innenstadt gewidmet. Dort sind etliche von Lilienthals alten Flugapparaten ausgestellt und Informationen rund um den Menschheitstraum vom Fliegen zusammengetragen. Südöstlich von Anklam führt ab Kamp (oder Rosenhagen) ein schöner Rundwanderweg durch das Naturschutzgebiet Anklamer Stadtbruch mit seinen Feuchtwiesen, einem Moorwald und offenem Wasser. Beeindruckend ist der sogenannte „ertrunkene Wald“: Dabei handelt es sich um Waldflächen, die bei einer Sturmflut überflutet wurden. Heute ragen dort abgestorbene Baumstümpfe aus dem Wasser, die eine ganz besondere Atmosphäre erzeugen. Im Stadtbruch leben Moorfrösche, Bekassinen, Seeadler, Kiebitze und viele andere seltene Tiere.

Im Lassaner Winkel

Östlich von Anklam vereinigen sich Peene und Stettiner Haff zum Peenestrom, der die Insel Usedom vom Festland trennt. Gegenüber der Insel, auf dem Festland, liegt der weitgehend unbekannte Lassaner Winkel. In dieser einsamen Ecke Vorpommerns zeigt sich eine Landschaft wie aus dem Bilderbuch. Unter dem hohen Himmel winden sich Feldwege durch die sanft hügelige Kulturlandschaft – vorbei an weiten, mit Kornblumen und Klatschmohn gesprenkelten Weizenfeldern. Alte Baumalleen beschatten die Wege. Bei Pulow gibt es eine seltene Mirabellenallee, bei Wehrland eine Allee aus Sommer- und Winterlinden. Stattliche Herrenhäuser finden sich hier etliche, darunter das Schloss Buggenhagen, das ein Museum für internationale zeitgenössische Kunst beherbergt.
In Wehrland-Bauer an der Feldsteinkirche St. Nikolai bietet sich ein schöner Ausblick über den Peenestrom. In der Landschaft gibt es Wälder mit eiszeitlichen Seen wie den Pulower oder Papendorfer See. Auch zahlreiche Sölle prägen das Bild. Die kreisrunden oder ovalen Kleingewässer eiszeitlichen Ursprungs haben meistens keinen oberflächlichen Zu- und Abfluss. Die Sölle werden Himmelsaugen genannt, weil sich das Blau des Himmels in ihnen spiegelt. In den Sommermonaten fallen sie häufig trocken.

Feldsteinkirche St. Nikolai in Wehrland-Bauer im Lassaner Winkel


Blick zum Peenestrom


Im Lassaner Winkel hat sich in den vergangenen Jahren ein sanfter Tourismus herausgebildet. Etliche Künstler und Kunsthandwerker, die die Stille und Abgeschiedenheit des Lassaner Winkels suchen, haben sich hier niedergelassen.

„Ort im Wald“

Im Zentrum des Lassaner Winkels befindet sich eine der kleinsten Städte Vorpommerns, Lassan. Auf slawisch bedeutet der Name etwa „Ort im Wald“.

Die Hafenstadt liegt direkt am Peenestrom. Früher haben die Einwohner größtenteils vom Fischfang gelebt und hatten weitreichende Fischereiprivilegien. Der Peenestrom und das Achterwasser wurden früher auch „Lassansches Wasser“ genannt. Lassan profitierte vom Aufblühen der Hansestadt Anklam.Viele Handelsreisende waren bei ungünstigen Winden gezwungen, in Lassan anzulegen.

An der Unteren Peene bei Menzlin befand sich im 8. und 9. Jahrhundert ein Seehandelsplatz der Wikinger. Bis heute sind davon alte Gräber erhalten.


Der Hafen von Lassan liegt an Peenestrom und Achterwasser.


Der Peenestrom mündet in die Ostsee.


HAFF UND ACHTERWASSER

Östlich von Anklam mündet diePeene in den Peenestrom. DerPeenestrom fließt durch dasStettiner Haff und mündet bei Peenemünde in die Ostsee. Zum Peenestrom gehört dasAchterwasser , das sich bis ins Hinterland von Usedom ausdehnt und die besonderen Konturen der Insel formt. Es ragt so weit nach Usedom hinein, dass die Insel an einigen Stellen nur durch schmale Landzungen von der offenen Ostsee getrennt ist.

Achterwasser und Stettiner Haff sind Lagunen – das Stettiner Haff ist die zweitgrößte Lagune der Ostsee. Es ist weitgehend vom Meer abgetrennt und verhältnismäßig flach. Das Haff verbindet den Nordosten Deutschlands mit dem Nordwesten Polens. Hier mündet neben der Peene auch die Oder nach 860 Kilometern Länge – das Haff wird daher auch als Oderhaff bezeichnet. Seit dem Wegfall der Grenzen kann man das Haff mit dem Fahrrad umrunden.

GERINGER SALZGEHALT

Durch die Vermischung von salzigem Ostseewasser mit dem Süßwasser aus Oder und Peene entsteht im Peenestrom und im Haff sogenanntes Brackwasser. Brackwasser hat einen geringen Salzgehalt zwischen 0,1 und 1 Prozent, der je nach Windverhältnissen und Stömung der Ostsee schwankt. Dieser Lebensraum ist nur für wenige Fischarten bewohnbar, darunter z. B. Flunder, Hecht, Zander, Stint und Stichling. Der Peenestrom ist je nach Witterung kein Paddel- und Kanugewässer für Anfänger. Die Begleitung durch einen erfahrenen Guide wird empfohlen.

Auffällig sind die bunten Fassaden und aufwendig gearbeiteten Haustüren in Lassan. Sie stammen aus dem 19./20. Jahrhundert. Mehrere Möbelmanufakturen, Tischler, Drechsler und Schnitzer bescherten der Stadt wirtschaftliche Erholung nach der Zeit der schwedischen Herrschaft.

Zu Fuß im Hinterland

Der stille Winkel lässt sich gut zu Fuß oder mit dem Fahrrad erkunden. So verläuft etwa der Pilgerweg „Via Baltica“ durch die Landschaft. Er war eine der historischen Hauptrouten der mittelalterlichen Jakobspilger auf ihrer Pilgerreise nach Spanien (Santiago de Compostela). Die Via Baltica führte von Usedom über Rostock und Lübeck bis nach Osnabrück, wo sie auf die westfälischen Pilgerwege trifft. Nach der Reformation verlor der Pilgerweg an Bedeutung.
Die unberührte Natur, ein Rhythmus der Ruhe und Gemächlichkeit. Sie zeichnen das vorpommersche Hinterland entlang der Peene aus. Es gibt vielen Besuchern das, was sie im Alltag oft vermissen: Stille, Geruhsamkeit und Einkehr. ■

Text: Kathrin Hingst, Fotos: André Reuter (33), Jens Kulbe (1)

Bunte Vielfalt: Typisch sind die alten, aufwendig gearbeiteten Türen in Lassan.


Vom Quellgebiet bei Neukalen fließt die Peene durch Ost-Mecklenburg und Vorpommern. Sie mündet bei Anklam in den Peenestrom.


Der stille Lassaner Winkel lässt sich gut zu Fuß oder mit dem Fahrrad erkunden. Auch ein Pilgerweg führt hindurch.


Schmucke Fassaden in Lassan


INFORMATIONEN

• Besucherzentrum Naturpark Flusslandschaft Peenetal , Peeneblick 1, 17391 Stolpe a. d. Peene, Tel.: 03 97 21/ 56 92 90, www.naturpark-flusslandschaft-peenetal.de

ESSEN UND EINKEHREN

• Stolper Fährkrug , Gutshaus Stolpe, Peenestraße 33, 17391 Stolpe an der Peene, Tel.: 03 97 21/5 22 25, www.gutshaus-stolpe.de

• Stadtmühle Teterow , Mühlenstraße 1, 17166 Teterow, Tel.: 0 39 96/15 23 00, www.stadtmuehle-teterow.de

• Gutshof Liepen , Hotel & Restaurant Am Peenetal, Dorfstraße 31, 17391 Neetzow-Liepen, Tel.: 03 97 21/5 67 58, www.gutshof-liepen.de

NATUR ERLEBEN

• Anklamer Stadtbruch , Rundwanderweg ab Kamp, 17389 Bugewitz

• Große Rosin ab Fährübergang Verchen/ Aalbude oder ab Kützerhof

• Peenewiesen bei Gützkow , Fährdamm, 17506 Gützkow

Bootsverleih und Tourenangebote:

• Oberes Peenetal: Abenteuer Peenetal , Seestraße 7, 17111 Verchen, Tel.: 03 99 94/74 99 37, www.abenteuer-peenetal.com

• Unteres Peenetal: Abenteuer Flusslandschaft , Werftstraße 6, 17389 Anklam, Tel.: 0 39 71/ 24 28 39, www.abenteuer-flusslandschaft.de

KUNST UND KULTUR

• Museum im Steintor , Schulstraße 1, 17389 Anklam, Tel.: 0 39 71/24 55 03, www.museum-im-steintor.de

• Kloster- und Schlossanlage Dargun , Schloss 10, 17159 Dargun, Tel.: 03 99 59/ 2 23 81 (Führungen), www.dargun.de

• Otto-Lilienthal-Museum , Ellbogenstraße 1, 17389 Anklam, Tel.: 0 39 71/24 55 00, www.lilienthal-museum.de,

• Kirche St. Nikolai zu Bauer in Wehrland , Zum Bauerberg 3, 17440 Zemitz, www.kirche-bauer.de

• Kirche St. Nicolai Gützkow , Kirchstraße 11, 17506 Gützkow, www.kirche-guetzkow.de