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Landpartie: ZUR KIRSCHBLÜTE INS BURGENLAND


Landlust - epaper ⋅ Ausgabe 2/2019 vom 13.02.2019

Früher Frühling, heißer Sommer und eine Steppenlandschaft am Neusiedler See. Das Burgenland gilt als das ungewöhnlichste Bundesland Österreichs.


Artikelbild für den Artikel "Landpartie: ZUR KIRSCHBLÜTE INS BURGENLAND" aus der Ausgabe 2/2019 von Landlust. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Landlust, Ausgabe 2/2019

Kirschen, Wein und Welterbe treffen am Leithagebirge aufeinander.


Kirschblütenradweg – ein Erlebnis für die Sinne


Graurind und Wasserbüffel im Seevorgelände


WELT NATUR ERBE

WELTERBE NEUSIEDLER SEE

Die Landschaft des Neusiedler Sees und die anliegenden Ortschaften fanden 2001 Aufnahme in die UNESCO-Welterbeliste – sowohl die burgenländische Seite des Sees, die zu Österreich gehört, als auch die auf ungarischer Seite. Das Welterbe Fertő/Neusiedler See ist eine der ...

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... wenigen Welterbestätten, die nationale Grenzen überbrückt. Gewürdigt wurde mit der Aufnahme in die Welterbeliste aber auch das jahrhundertelange Zusammenleben verschiedener Volksgruppen und Kulturen, die in diesem geopolitischen Grenzgebiet immer wieder unter Kriegen gelitten haben.

EUROPAS ZWEITGRÖßTER STEPPENSEE

Die vielfältigen Landschaftselemente auf engstem Raum belegen die Einzigartigkeit des Welterbes: Weingärten zwischen dem Höhenrücken aus Kalksandstein und dem breiten Schilfgürtel des Neusiedler Sees, naturnahe Mischwälder, Trockenrasen und Feuchtwiesen. Die Orte sind kompakte Siedlungen in dieser Landschaft.
Der Neusiedler See, Europas zweitgrößter Steppensee ist etwa 34 Kilometer lang und rund 6 Kilometer breit. Er ist einer der wenigen Steppenseen in Europa, und der westlichste See der Eurasischen Steppe. Der größte Anteil des Sees gehört zu Österreich und ist im Besitz der Adelsfamilie Esterházy; der kleinere südliche Teil gehört zu Ungarn. Gespeist wird der seichte See überwiegend durch Niederschläge, aus Kanälen und dem Zufluss der Wulka. Er hat keinen Abfluss, sondern entwässert durch Verdunstung. Der Wasserstand ist starken Schwankungen unterworfen. Die maximale Tiefe beträgt nur etwa zwei Meter. Das Wasser nimmt leicht Lufttemperatur an. An heißen Tagen werden bis an die 30 Grad erreicht. Im Durchschnitt liegt die Temperatur bei 23 Grad. 1955 wurde entdeckt, dass sich unter dem Neusiedler See noch ein See befindet, ein unterirdischer Mineralwassersee mit den größten Mineralwasservorkommen Europas.

Am Neusiedler See


Allmählich erwachen im März die Reben vom Winter. Darüber treiben Kirschblüten an alten Bäumen aus. Ein lauer Wind fächelt im März über die Hügel des Leithagebirges. Es wird schon Frühling im nördlichen Burgenland. Wer früh im Jahr an den Neusiedler See, rund 50 Kilometer südöstlich von Wien, kommt, staunt nicht schlecht: Während anderswo in Österreich Schneereste das Land bedecken, stellen sich die weißen Flecken im Burgenland als wogende zartweiße Blüten an Kirschbäumen heraus. Am nördlichen Ufer des Sees, im Naturpark Neusiedler See – Leithagebirge, reihen sich tausend Kirschbäume in weiten Ringen durch die Weinberge.
„So wie hier sah es ursprünglich überall aus“, erläutert Reinhold Schwarz. Er ist Weinbauer, Koch, Gästeführer, vor allem aber aus tiefstem Herzen heimatverbundener Burgenländer. Wer ihm begegnet, dem öffnet er die Augen für das Besondere der Gegend. Denn für jemanden, der zum ersten Mal an den See kommt, noch dazu im Frühjahr, muss sich der Blick erst schärfen für die Schönheit dieses westlichsten Steppensees zwischen Europa und China. Dunkle Erde, braune Rebstöcke, fahles Schilf und vielerlei trist- bis lichtgraue Schattierungen von See und Himmel sind zu sehen, bevor das Auge das zarte Weiß-Rosé der Kirschblüten aufnimmt.

Zwischen Trauben und Kirschen

Kirschbäume wurden traditionell zwischen den Weinstöcken gepflanzt. Dazu trieb man früher Schafe durch die Weinhänge. Somit war sozusagen Düngung und Beweidung erledigt und dem Verbiss durch andere Tiere, wie Reh oder Hase, auch gleich vorgebeugt. Denn wo es nach Schafwolle roch, knabberte das Wild nicht mehr an den Weinstöcken.

Rust wird auch Stadt der Störche genannt. Der Altstadtbereich mit Bürgerhäusern aus dem 16. bis 19. Jahrhundert ist denkmalgeschützt.


„Als man begann, den Weinberg mit Maschinen zu bearbeiten, wurden die Bäume dazwischen vielerorts abgeholzt, damit die Traktoren gut durchpassen“, erzählt Sebastian Leitgeb. Er ist ein junger Winzer aus Rust und nimmt es wieder auf sich, nach alten Methoden zu arbeiten. Inzwischen führt er den väterlichen Weinhof; sein Vater und Großvater erinnern sich für ihn, wie es früher war. „Wir setzen unsere Schafe ein und machen vieles per Hand, was andere per Maschine erledigen.“

Das Burgenland gilt als die Wiege des österreichischen Weines und bietet viel Erfahrung im Weinbau. Das Pannonische Klima, ein kontinentales Klima mit sehr heißen Sommern und kalten Wintern, sorgt für gute Anbaubedingungen (lesen Sie auch unseren Infotext auf Seite 116).

Storchenstadt Rust

Auch die Weißstörche mögen dieses Klima. Sie beziehen jedes Jahr in Rust ihr Quartier, um den Familiennachwuchs großzuziehen. Mitte März, Anfang April kommen sie von ihrer Reise nach Afrika zurück und nehmen auf den Kaminen der Häuser ihren Platz ein. Dort wo Störche nisten, so verheißt der Volksglaube, zieht das Glück ein. Rund 15 bis 20 Storchenpaare kommen alljährlich. 19 Paare sorgten im vergangenen Sommer für 42 Jungstörche. Sie sind auch mit ihrem lauten Geklapper ein Markenzeichen der Region. Wer am Marktplatz von Rust sitzt und in einem der vielen Cafés oder an den Gartentischen vor den Gasthäusern ein Glaserl Weißwein kostet, kann ihr Spiel bequem beobachten.

Noch unscheinbar: Der Wein treibt früh aus im Burgenland.


Geerntetes Schilf


Seebad Rust


Historischer Schauplatz

Rust hat eine lange, bewegte Geschichte erlebt. Hier war immer Grenzregion zwischen Ungarn und dem Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation. Rust war auch Schauplatz in den Türkenkriegen im 16. und 17. Jahrhundert.

Lange Stege führen durch den breiten Schilfgürtel ans Wasser.


UNGEWÖHNLICHES BURGENLAND

Anders als sich vermuten lässt, hat das Burgenland seinen Namen nicht von den vielen Burgen im Süden des österreichischen Bundeslandes. Als in den Vertragsverhandlungen nach dem Ersten Weltkrieg ein Teil Westungarns an Österreich übergeben wurde, bekam es 1921 als jüngstes aller neun Bundesländer seinen Namen. Er wurde in Anlehnung an die alten Verwaltungskomitate des ehemaligen Vielvölkerstaates Österreich-Ungarn gewählt. Sie hießen Wieselburg (heute das ungarische Mosonmagyaróvár), Ödenburg (Sopron), Eisenburg (Vas) und Preßburg (heute die slowakische Hauptstadt Bratislava).

PANNONISCHES KLIMA

Das Burgenland ist das ungewöhnlichste Bundesland Österreichs: Am Neusiedler See trifft die Puszta auf die Alpen, trifft die ungarische Steppenlandschaft auf die Ausläufer des Gebirges Österreichs. An diesem Schnittpunkt zweier Welten gibt es ein besonderes Klima. Pannonisches Klima wird es genannt. Das Wetter wird am Westufer des Sees von atlantischen, am Ostufer von kontinentalen Strömungen geprägt. Im Sommer kann es sehr warm und trocken, im Winter durch die vorherrschenden kontinentalen Einflüsse sehr kalt sein. Die Hügel des Leitha-Bergzugs schützen die Rebrieden im Nordwesten vor zu viel Kälte, die Luftfeuchtigkeit vom See trägt zu einer langen Vegetationsperiode bei.

VON DER EBENE IN DIE WÄLDER

Das Burgenland zieht sich nach Süden rund 150 Kilometer hin und teilt sich in drei Teile. Das nördliche Burgenland zeichnet sich durch seine steppenartige Ebene um den Neusiedler See aus, sie wird Pannonische Tiefebene genannt. Das mittlere Burgenland, das sich vom Norden durch das Ödenburger Bergland abgrenzt, zeigt sich sehr hügelig und bewaldet. Das Südburgenland zieht sich über weite Felder, Auwälder und Obstgärten bis an die slowenische Grenze. Mal gehörte es zum Kaiserreich Österreich, mal war Rust königlichungarische Freistadt mit besonderen Privilegien.

Nach dem Zweiten Weltkrieg schlief der Ort lange Zeit den Schlaf einer vergessenen Handelsregion am Eisernen Vorhang, bis in der Nähe das Paneuropäische Picknick am 19. August 1989 das erste Loch in den Zaun riss. Es sollte ein Picknick für die Freiheit sein, veranstaltet von Österreichs Otto von Habsburg und der Paneuropa-Union. Man wollte für drei Stunden die Grenzanlagen Ungarns öffnen, um damit eine Friedensdemonstration abzuhalten. Hunderte nutzten die kurze Grenzöffnung als Chance zur Flucht. Es war der Anfang vom Ende des Kalten Krieges.

Burgenländische Streckhöfe

Schwere, oft erstaunlich kleine Hoftore führen vom Ruster Marktplatz in ungewöhnlich lang gezogene Wohnanlagen, in denen sich mehrere kleinere Gebäude reihen. Streckhöfe heißen diese traditionellen burgenländischen Höfe, die sich auch heute noch von einem Straßenzug bis zum nächsten in langen Parzellen hinziehen. Im Mittelalter ließ sich so die Stadt besser verteidigen. Heute haben in den Langhöfen Winzereien und Pensionen ihren Platz. Unter dem Begriff „Pannonisch Wohnen“ ist daraus inzwischen eine eigene Urlaubsattraktion entstanden. In den althergebrachten Häusern, meist aus Sandstein gebaut, gibt es schlichte, aber komfortable Ferienwohnungen. Da wird aus einem Kellerstöckl, einem ehemaligen Weinlager, eine hübsche Übernachtung. Oder da lädt, unterm Nussbaum im windgeschützten Innenhof, ein Gasthof wie das „Hofgassl“ mit typischer pannonischer Küche zum Essen ein. Die Speisekarte zeigt sich überraschend und vielfältig, sehr vom alten Osteuropa geprägt. Biber-Schinken wird als Vorspeise angeboten. Leber auf Jiddische Art mit Grappatrauben oder eingemachte Ganslsuppe mit Gänseklein, Gemüse und Bröselknödl sind typische Empfehlungen.

Die Dächer der historischen Kellergasse von Purbach wurden zur Kühlung mit Gras bepflanzt. Die Lüftungsschächte (rechts) erinnern an Kamine.


Blick vom Kirschblütenradweg auf Rust


Susanne und Michael Pilz vom Hofgassl


Weine verkosten

Über die Kulinarik in der Region informiert man sich am bequemsten in Purbach. Zum einen gibt es dort eine Reihe guter und edler Restaurants. Zum anderen steht hier das Haus am Kellerplatz. Es ist gerade erst fertiggestellt und so etwas wie der Stolz der Region. Reinhold Schwarz hat das Haus am Kellerplatz mitgegründet. Er erklärt mit Begeisterung und kenntnisreich den besonderen Geschmack der unterschiedlichen Weine der Gegend. Jeder der 70 Weinbauern aus der Region darf sich im Kellerhaus mit zwei unterschiedlichen Weinen vorstellen. Der Gast lässt sich selbst einen kleinen Schluck aus einem temperierten Abfülltresen ins Glas und kann sich so reichlich durchprobieren. Er kann auch einfach nur eine kleine Rast einlegen und an den Gartentischen Platz nehmen – mit Blick auf die historische Kellergasse von Purbach aus dem 19. Jahrhundert.

Schlemmen in historischer Kellergasse

Auf der langen Straße erheben sich zu beiden Seiten Fronten aus Sandstein-Quadern. Es sind die Eingänge zu Vorratslagern, „Keller“ genannt. Doch wegen des Grundbzw. Seewassers konnte nicht richtig in die Tiefe gegraben werden, so sind die Bauten in der Kellergasse wie Erdhöhlen angelegt. Ihre Dächer wurden zur Kühlung mit Gras bepflanzt. Lüftungsschächte, die aussehen wie Kamine sorgen dafür, dass die Vorratskeller immer wohltemperiert bleiben. Nur noch wenige dieser großen Kellergebäude dienen heute wirklich noch als Lager. In den meisten sind Wirtschaften. Ihr Angebot reicht von ganz einfacher Küche bis zur besten Haubenlokalität.
Purbach – und die nächste Umgebung – hat wirklich viel Genuss zu bieten. Einzig eines muss man bei einem Besuch in dem burgenländischen Schlaraffenland beachten: die Öffnungszeiten. Wer früh im Jahr kommt, kann häufig vor verschlossener Restauranttür stehen, obwohl sie als „geöffnet“ angekündigt ist.

Panoramaweg ins Hinterland

Von der Kellergasse zieht sich ein wunderbarer Panorama-Radweg hinaus ins Hinterland, durch die Kirschblüten und über die Hügel. 15 verschiedene Kirschsorten wachsen in den Weinbergen, die Leithaberger Edelkirsche gilt als die Beliebteste. Nicht nur Kompott und Süßes wie Kirschröster zum Kaiserschmarrn entsteht daraus, sondern eine Kirschmarinade gehört auch an Schweinefilet oder in den Hühnerleber-Eintopf. Auf einer Fahrt von der Purbacher Kellergasse hinaus Richtung Donnerskirchen bieten kleine Anhöhen den richtigen Überblick: Das Grausilber des Neusiedler Sees stößt irgendwo hinterm Horizont an den diesigen Himmel. Graureiher schwingen dahin. Weil der See sich über 34 Kilometer so sehr in die Länge zieht, verhindert die Erdkrümmung, dass man auf Wasserniveau sein anderes Ende sehen kann. In langen Reihen erstrecken sich Rebrieden hinab zum Ufer. Dann folgt ein mächtiger, bis zu fünf Kilometer breiter Schilfgürtel. Er zählt zu einem der größten zusammenhängenden Schilfgebieten Europas. Der Schilfgürtel ist ein Biotop für Wasservögel, aber auch für Fische, Amphibien, Insekten und Säugetiere – von der Maus bis zum Rothirsch. Man hat lange Wege und Stege angelegt, damit Wanderer sicheren Fußes ans Wasser kommen. Ein Naturlehrpfad kl
In früherer Zeit diente Schilf zum Decken der Dächer in der Region. Heute wird es nur noch in ausgewählten Bereichen des Seebeckens geerntet. Das Röhricht wird in die Niederlande exportiert, um dort Dächer zu decken, oder es entsteht Wärmedämmmaterial daraus.

Das Gasthaus ist in einem der historischen Langhöfe Rusts eingerichtet.


Die Winzerfamilie Leitgeb geht neue, aber traditionelle Wege.


Weite, Wind und Wolken am Lackenradweg: Das Pannonische Klima schafft ein besonderes Licht über Sodalacken und Steppensee.


Zugvögel im Seewinkel

Ist der Westen und Norden des Neusiedler Sees mit seinen hübschen alten Dörfern ein Schlaraffenland für Genießer, so zeigt sich das Ostufer in seiner Weitläufigkeit vor allem interessant für Radfahrer und Vogelfreunde. Um die 300 Vogelarten lassen sich im Nationalpark Neusiedler See – Seewinkel beobachten. Die Region liegt an den wichtigsten europäischen Vogelzugrouten: Abertausende Zugvögel von mehr als einhundert Arten machen Halt auf ihrem Weg zwischen Winterquartier und Brutplatz, einige kommen aus Skandinavien hierher zum Überwintern. Im Seichtwasser gibt es genug Futter, ausreichend Ruhe und wenige Feinde. So hat sich der Nationalpark zum größten Brutgebiet Europas für Silberreiher entwickelt. Zu sehen sind hier unter anderem die seltenen Großtrappen in den Wiesen oder auch Säbelschnäbler, Rotschenkel und Sumpfohreulen. Das frühe Frühjahr bis Mitte Mai ist am besten geeignet, um am Neusiedler See auf Vogeltour auszuschwärmen. Denn in dieser Zeit kommen und gehen viele Zugvögel und es ist noch nicht so heiß, dass die Luft vor der Linse der Ferngläser flimmert. Der Blick ist frei, denn im früheren Grenzgebiet des Eisernen Vorhangs fehlt Wald. Ein Grenzposten aus jener Zeit ist heute Beobachtungsturm für all die Fernrohr- und Foto-Jäger.

See oder Salzwüste

Berühmt ist die Region nicht nur für ihre Vogelvielfalt und den Gänsestrich im Herbst, sondern auch dafür, dass Urzeitkrebse in den sogenannten Salzlacken überlebten. Salzlacken, die chemisch korrekt Sodalacken heißen müssten, kommen im europäischen Binnenland nur im Seewinkel und in Zentralungarn vor. Die Lange Lacke ist die größte von mehr als vierzig salzhaltigen Lacken. Alle werden ausschließlich von Regenwasser gespeist, sind maximal einen Meter tief und trocknen fast jedes Jahr aus. Wenn das geschieht, bildet sich durch die Mineralien in der Erde eine Salzkruste auf dem Boden. Entstanden sind die Lacken, nachdem große Eislinsen aus der Würm-Eiszeit abschmolzen und seichte Mulden hinterließen.
Bei Apetlon, einem Ort im Südosten des Sees, liegt mit nur 114 Metern Meereshöhe der geografisch tiefste Punkt Österreichs. Von hier kann man erlebnisreiche Wanderungen beginnen oder auf Radwegen die Lacken umrunden.

Säbelschnäbler mit Jungem


Silberreiher in den Trockenwiesen


Zwergiris und Adonisröschen im Naturschutzgebiet Thenau


Kaffeehauskultur in der Steppe

Der Neusiedler See ist im wahrsten Sinne des Wortes am eindrucksvollsten auf dem Fahrrad zu erfahren. Eine der schönsten Rundfahrten führt auf der Route B 10 um den ganzen See; 127 Kilometer lang ist die Tour. Ganz im Südosten geht es über die Grenze nach Ungarn. Kurz davor lädt das Barockschloss Halbturn auf einen Verlängerten, also einen Kaffee, mit Esterházy-Schnitte. Mitten in dieser Steppenlandschaft trifft man auf charmanteste österreichische Kaffeehauskultur! Das Schloss diente zur Zeit Maria Theresias dem österreichischen Kaiserhaus als Jagd- und Sommerresidenz. Der prachtvolle Schlosspark, die alte Schlosskapelle und das umliegende Weingut wurden nach dem Fall des Eisernen Vorhangs wieder zu einer wunderbaren Sehenswürdigkeit – und sind im Frühjahr noch völlig verschlafen und menschenleer. Das Schloss erinnert auch an eine Zeit, als Europa noch nicht die Narbe der Teilung trug, als die Welt noch in armes Volk und reichen Adel eingeteilt war
. Einblicke in die Welt der kleinen Leute verschafft das Dorfmuseum Mönchhof. Es erzählt von der Zeit zwischen 1890 und 1960 vom Leben im Heideboden am Neusiedler See. Dieses Museum mit Dorfkirche, Gasthof und Handwerksbetrieben ist das Werk einer einzelnen Familie. Gründer Josef Haubenwallner war als Gemeindearbeiter tätig. Wenn er Altes entsorgen sollte, nahm er es mit und so entstand schließlich sein Museum.

Haydn-Haus in Eisenstadt

Wer über das Leben der Reichen und Mächtigen hören will, muss sich auf die Spuren des ungarischen Adelsgeschlechts der Esterházys begeben. In Ungarn, kurz hinter der Grenze im Süden des Neusiedler Sees, steht das prächtige Sommerschloss in Fertőd. In Österreich gehört der Familie wieder ein Teil ihrer früheren Besitzungen. Ihr Hauptsitz lag dereinst in Eisenstadt, der heutigen burgenländischen Landeshauptstadt. Das ehemalige Stadtschloss der Esterházys beherbergt heute ein interessantes Kunstmuseum. In einer kleinen Gasse unterhalb des Schlosses erinnert das Haydn-Haus an den berühmten Komponisten: Es waren die Fürsten Esterházy, die Joseph Haydn (1732 –1809) als Kapellmeister an ihren Hof holten und ihm ermöglichten zu komponieren. Ohne diesen großen Musiker wäre die Wiener Klassik wohl kaum entstanden. Haydn selbst schrieb einmal über die Region am Neusiedler See: „Ich war von der Welt abgesondert und so musste ich original werden.“ Dieser Satz lässt sich auf die Region um den Neusiedler See anwenden. Sie ist sehr anders und noch sehr ursprünglich.

Bei Apetlon: Früh kontrollieren Weinbauern die Reben.


Das Stadtschloss der Fürsten Esterházy


Hier lebte der fürstliche Kapellmeister Joseph Haydn von 1766 bis 1778.


Schloss Halbturn ist ein Juwel aus dem Barock.


UNGARISCHES STEPPENRIND

Zum gewohnten Bild am Neusiedler See gehören die Ungarischen Steppenrinder, die als Landschaftspfleger eingesetzt werden. Das graue Rind mit den typischen lang gezogenen Hörnern war fast ausgestorben. Kurz nach der Nationalparkgründung 1993 wurde die Zucht auf österreichischer Seite wieder aufgenommen. Die Kälber werden rötlich blond geboren und nehmen erst mit etwa einem halben Jahr die typisch hellgraue Farbe an. Ungarische Steppenrinder gelten als besonders zäh.
Als das Rind früher auf Märkte getrieben wurde, war es selbst nach Hunderten an Kilometer langen Fußmärschen in der Lage, sein Gewicht und damit seinen Wert zu halten. Es wird allgemein angenommen, dass die Urform des Ungarischen Steppenrinds im 9. Jahrhundert durch die Magyaren bei der Besiedlung des heutigen Ungarns eingeführt wurde. Die Lehrmeinung besagt, dass die Zucht des Grauen Steppenrinds um 1500 aufgenommen wurde. Das Rind wurde bereits im Spätmittelalter als Fleischlieferant in Europa verkauft.
Auch andere Vertreter alter Haustierrassen haben im Nationalpark ein Zuhause wie die Weißen Barockesel und Mangalitza-Schweine.

Text: Sonja Still, Fotos: Gerhard Nixdorf (25), Archiv Nationalpark Neusiedler See – Seewinkel (4)

Salzlacke im Seewinkel


INFORMATIONEN

• Burgenland Tourismus, Johann Permayer-Str. 13, A-7000 Eisenstadt, Tel.: 00 43 (0) 2682/6 33 84-0,

• Pannonisch Wohnen

• Tourismusverband Freistadt Rust, Conradplatz 1, A-7071 Rust, Tel.: 00 43 (0) 2685/5 02,

• Haus am Kellerplatz, Am Kellerplatz 1, A-7083 Purbach, Tel.: 00 43 (0) 2683/59 20,

KUNST UND KULTUR

• Schloss Halbturn, Im Schloss, A-7131 Halbturn, Tel.: 00 43 (0) 2172/85 94 42,

• Dorfmuseum Mönchhof, Bahngasse 62, A-7123 Mönchhof, Tel.: 00 43 (0) 2173/ 8 06 42, (geöffnet ab 1.4.2019)

• Haydn-Haus Eisenstadt, Joseph Haydn-Gasse 19 & 21, A-7000 Eisenstadt, Tel.: 00 43 (0) 2682/7 19-60 00, (geöffnet ab 29.3.2019)

• Schloss Esterházy, Esterházyplatz 1, A-7000 Eisenstadt, Tel.: 00 43 (0) 2682/6 30 04- 76 00,

• Schloss Esterházy in Fertőd, Joseph Haydn u. 2. HU-9431 Fertőd, Tel.: 00 36 (0) 99/ 5 37-6 40,

ESSEN UND EINKEHREN

• Restaurant „Im Hofgassl“, Susanne & Michael Pilz, Rathausplatz 10, A-7071 Rust, Tel.: 00 43 (0) 2685/6 07 63, (geöffnet ab 15.4.2019)

• Heurigen Franziskuskeller, Historische Kellergasse 15K, A-7083 Purbach, Tel.: 00 43 (0) 699/11 13 11 04 (geöffnet ab 1.4.2019)

• Heurigen-Restaurant Sandhofer, in der Kellergasse, Kellerplatz 47K, A-7083 Purbach, Tel.: 00 43 (0) 699/12 36 62 37,

• Gut Purbach, Hauptgasse 64, A-7083 Purbach, Tel.: 00 43 (0) 2683/5 60 86,

• Winzer Sebastian Leitgeb, Weinberggasse 7, A-7071 Rust, (Weinverkostungen auf Anmeldung)