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LANDSCHAFT IN RAW


Outdoor Fotografie - epaper ⋅ Ausgabe 1/2018 vom 19.07.2018

Weitläufige Motive, schönes Licht, perfekte Schärfe und ein starker Bildaufbau: Bei der Landschaftsfotografie kommt es auf viele Kleinigkeiten an, die das Bild perfektionieren. Auch das richtige Aufnahmeformat ist mitentscheidet. Wir stellen Ihnen die besten RAW-Tipps vor, und zeigen, wie Sie Ihren Bildern den letzten Schliff verleihen.


Kompletter Workflow mit Lightroom

Artikelbild für den Artikel "LANDSCHAFT IN RAW" aus der Ausgabe 1/2018 von Outdoor Fotografie. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Outdoor Fotografie, Ausgabe 1/2018

Was bringt RAW und wie starte ich mit Lightroom durch?S. 44


Wie optimiere ich die Belichtung meiner RAW-Dateien?S. 46


Wie verstärke ich den Farb-kontrast in meinen Bildern?S. 48


Mehr Dynamik und perfekte Schärfe – so geht’s!S. 50

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Schritt für Schritt zur perfekten RAW-Entwicklung.S. 52


Neben einer gelungenen Bildkomposition kommt es auch auf die richtige Bildentwicklung an. RAW bietet hier zahlreiche Vorteile.


Ein geniales Landschaftsbild lebt in erster Linie von einem möglichst gelungenen Bildaufbau, einem ausgefallenen Licht – und natürlich vom Ort der Aufnahme. Doch wie erzielt man besonders leuchtende Farben trotz Frühnebel im Tal? Wie gelingt die ideale Belichtung bei dramatischem Gegenlicht? Und wie erreicht man die perfekte Schärfe bei Aufnahmen in der Nacht?

Die Lösung findet sich im Aufnahmeformat RAW wieder. Denn das sogenannte digitale Negativformat eröffnet Ihnen als Fotograf/-in zahlreiche Möglichkeiten, um Ihr Bild nach der Aufnahme Zuhause am Computer zu perfektionieren. Mit Hilfe einer Spezialsoftware wie beispielsweise Adobe Lightroom CC, DxO Capture One oder Raw Therapee können Sie die Belichtung, die Dynamik, Farben und Schärfe Ihrer RAW-Bilder nachträglich justieren und Ihren persönlichen Vorstellungen anpassen. So werden Ihre Aufnahmen garantiert noch besser.

Auf den folgenden Seiten präsentieren wir Ihnen die wichtigsten RAW-Funktionen von Lightroom – vom Import Ihrer Dateien über die Belichtungsanpassung über die Optimierung der Farben bis hin zum wichtigen Nachschärfen und Export. Das Ergebnis sind beeindruckende Landschaftsaufnahmen wie vom Profi!

Erste Schritte mit RAW

RAW: FLUCH ODER SEGEN?

Die Vorteile, die eine RAW-Aufnahme im Vergleich zu einem JPEG-Bild mit sich bringt, sind mannigfaltig. In der digitalen Rohdatei stecken alle Lichtinformationen, die der Sensor Ihrer Kamera während der Belichtung aufgenommen hat. Diese werden roh und (je nach Einstellungsgröße) komplett unkomprimiert gespeichert – die perfekte Ausgangsbasis für spektakuläre, strahlende Landschaftsaufnahmen. Denn nur so können Sie alle Farbbereiche Ihrer Bilder ganz ohne Qualitätsverluste nachträglich bearbeiten. Damit lassen sich Belichtung, Weißabgleich, Kontrast, Schärfe, einzelne Farben sowie Schatten und Lichter mit den gängigen RAW-Konvertern wie zum Beispiel Adobe Lightroom präzise nachjustieren. Dies gibt Ihnen als Fotograf/in eine größere Freiheit und ermöglicht Ihnen auch, sich während der Aufnahme beispielweise auf die Komposition zu konzentrieren. Denn dank des großen Farb-und Kontrastumfangs der Rohdateien können Sie auch nicht perfekt belichtete Fotos nachträglich am Computer retten. Dennoch dürfen hier einige Nachteile des Rohformats nicht ungenannt bleiben: Da sie unkomprimiert und demzufolge sehr groß auf der Speicherkarte gesichert werden, brauchen sogar Profi-DSLRs viel länger, um diese abzuspeichern. Daher eignen sie sich nicht für die geschwindigkeitsbezogene Action-und Sportfotografie mit schnellen Serienaufnahmen. Zudem wirken RAWBilder direkt aus der Kamera eher flau und ungeschärft, was eine Nachbearbeitung obligatorisch macht und mehr Zeit kostet. Darüber hinaus können RAWs auch meist nicht von allen Betriebssystemen angezeigt werden – das Umspeichern in ein anderes Format wie JPEG oder TIFF für den Export ist also unabdingbar, wenn Sie Ihre Aufnahmen verbreiten und zeigen möchten.

Nichtsdestotrotz überwiegen die Vorteile. Rohdaten geben Fotografen deutlich mehr Freiräume und sorgen dafür, dass ihre Bilder so aussehen, wie sie es sich wünschen. Unser Rat: Fotografieren Sie so oft es geht in RAW. Sie werden erstaunt sein, was Sie aus Ihren Aufnahmen noch alles herausholen können und wie leicht der RAW-Workflow ausfällt.

Ein zuvor schiefer Horizont lässt sich mit Lightroom im Handumdrehen korrigieren.


RAW-AUFNAHMEN RICHTIG IMPORTIEREN & BILDER EXPORTIEREN

In der Regel unterstützt Lightroom alle gängigen Hersteller-Rohformate, so dass Sie diese über das Bibliothek-Modul des Programms öffnen und mit der Anpassung beginnen können. Nichtsdestotrotz sollten Sie auf ein paar Kleinigkeiten beim Import achten. Sobald Sie den Ordner ausgewählt haben, aus dem Sie Ihre Fotos importieren wollen, und diese angezeigt werden, wählen Sie die gewünschten Bilder aus. Wenn Sie Dateien von einer Speicherkarte importieren, klicken Sie auf Kopieren über dem Vorschaufenster (s. Bild unten links). Die Bilder werden hier von der Karte auf die Festplatte kopiert und dann zum Lightroom-Katalog hinzugefügt. Wenn Sie Dateien aus einem Ordner am PC oder von einer externen Festplatte importieren, sollten Sie Hinzufügen anklicken. So erscheinen Ihre Bilder im Katalog, ohne dass sie bewegt oder kopiert wurden – das spart Speicherplatz. Tipp: Bevor Sie auf Importieren gehen, klicken Sie den Katalog Während des Importvorgangs anwenden > Metadaten > Neu. Hier können Sie Informationen wie Copyright, Ersteller, Fotomodelle, GPSKo ordinaten oder Beschreibung für die ausgewählten Aufnahmen manuell eingeben. Durch das Hinzufügen von Urheberangaben und Kontaktinformationen sinkt die Wahrscheinlichkeit der missbräuchlichen Verwendung Ihrer Arbeiten. Mit Hilfe der Vergabe von Schlagwörtern finden Sie Ihre Bilder später schnell wieder. Die Vorgabe lässt sich für die spätere Anwendung auf weitere Fotos speichern. Beim Exportieren sollten Sie zunächst überlegen, wofür Sie die bearbeiteten Bilder benötigen. Möchten Sie sie drucken, verschicken oder online zeigen? Lightroom bietet Ihnen auch hier einige Vorgaben wie Für E-Mail oder JPEGs in voller Größe. Achten Sie auf das Ausgabenziel (E-Mail, Festplatte oder CD/DVD). Falls erwünscht, fügen Sie Ihren Fotos automatisch ein Wasserzeichen hinzu. Übrigens, die gesamte RAW-Entwicklung erfolgt in Lightroom nicht-destruktiv. Alle Veränderungen werden im Lightroom-Katalog gespeichert, jedoch nicht unwiderruflich auf die Bilddaten angewandt. So können Sie zu einem späteren Zeitpunkt auf Ihre RAW-Dateien zugreifen, diese, wenn gewünscht, anders bearbeiten und erneut exportieren, falls Sie sie in einem anderen Format, einer anderen Größe oder einer höheren Auflösung benötigen.

Sowohl das Import-als auch das Export-Fenster von Lightroom bietet Ihnen hilfreiche Vorgaben, die Sie nach Ihrem Bedarf optimieren, speichern und auf weitere Fotos immer wieder verwenden können.


ZUSCHNEIDEN UND HORIZONT AUSRICHTEN

Während Sie durch den Sucher schauen, können Sie zoomen und schwenken, um Ihr Bild zu komponieren. Oft übersieht man aber einzelne, störende Elemente am Bildrand. Und Probleme wie einen schiefen Horizont merkt man ohnehin kaum, bis man das Bild am Rechner betrachtet. Mit der Freistellungsüberlagerung in Lightroom lassen sich Störfaktoren entfernen, Horizonte begradigen und Quer-in Hochformate verwandeln. Da Kameras sehr hoch auflösen, bleibt ein beschnittenes Bild meist noch groß genug für einen Ausdruck. Mit Hilfe der Überlagerungsoptionen können Sie sich an klassischen Kompositionshilfen orientieren, wie zum Beispiel dem Goldenen Schnitt oder der Drittelregel. Das Zuschneiden von RAWs erfolgt übrigens non-destruktiv, so dass Sie jederzeit zum Originalausschnitt zurückkehren oder alternative Ausschnitte wählen können.

01 Format auswählen

Im Entwickeln-Modul finden Sie das die Freistellungsüberlagerung. Aus dem Aufklappmenü rechts wählen Sie Vorgaben zum Seitenverhältnis aus. Die gängigsten Formate bei Landschaftsfotos sind 16:9 oder 4:3. Sie können aber auch die verschiedenen Proportionen ausprobieren. Für minimalistische Landschaften zum Beispiel eignet sich auch das quadratische Format (1:1) sehr gut.

02 Horizont gerade rücken

Für die volle Kontrolle über Ihre Komposition gehen Sie auf Werkzeuge Freistellungsüberlagerung und machen sich mit den Möglichkeiten vertraut. Die Drittelregel ist als Basishilfe nützlich. Die Option Raster ist praktisch, wenn etwas begradigt werden soll. Klicken Sie auf das Gerade-ausrichten-Werkzeug. Ziehen Sie eine Linie im Bild, die dem Horizont folgt. Das Bild wird automatisch ausgerichtet.

Mit Lightroom lässt sich die Belichtung einer Aufnahme präzise anpassen. So lassen sich unterbelichtete Tiefen oder zu helle Lichter leicht wiederherstellen.


Foto: Fabio Antenore; Texte & Screenshots: Ana Barzakova

GRUNDLEGENDE BELICHTUNGSANPASSUNG

Lightroom erlaubt Ihnen, Bilder beim Import automatisch zu verbessern. Dazu gehen Sie im Importieren-Fenster auf Während des Importvorgangs anwenden. Wählen Sie in den Entwicklungseinstellungen Allgemeine Vorgaben Lightroom und Automatischer Tonwert. Diese analysiert das Histogramm und passt es an. Im Bibliothek-Modul bietet Ihnen die Software auch eine Ad-hoc-Entwicklung (rechts), mit der Sie typische Farb-und Tonwertprobleme lösen können. Hier können Sie sich für eine der Lightroom-Vorgaben, Weißabgleich-Automatiken und ein Bildformat entscheiden. Unser Tipp: Wenn Sie Ihre Bilder noch präziser optimieren wollen, wechseln Sie in das Entwickeln-Modul. In der Palette Grundeinstellungen finden Sie die Schlüsselfunktionen, mit denen Sie per Regler die Belichtung Ihrer Landschaftsaufnahmen feinstufig verbessern können und alles aus dem Bild herausholen.

01 Belichtung einstellen

Die Skala des Histogramms bei unserem Bild ist leicht nach links verschoben, das heißt, das Foto ist etwas unterbelichtet. Platzieren Sie den Mauszeiger über der Mitte des Histogramms und bewegen Sie diesen nach rechts. So erhöhen Sie die Belichtung und hellen das Bild auf. Um ihm noch mehr Leuchtkraft zu verleihen, schieben Sie den …

02 Kontraste verbessern

… Regler für Lichter nach rechts. Um Tonwerte zurückzuholen, reduzieren Sie leicht die Werte für Tiefen und Schwarz. Dadurch wirkt ein Foto nicht mehr flau, sondern knackig. Sind Sie mit einem Wert nicht zufrieden, setzen Sie diesen per Doppelklick auf die entsprechenden Parameterbezeichnung wieder auf 0 zurück.

Tonwerte schnell optimieren

Dieses Bergpanorama besteht aus mehreren RAW-Bildern, die in einem bestimmten Zeitintervall aufgenommen wurden. Dadurch konnte das wechselnde Licht während des Sonnenaufgangs eingefangen werden. Die etwas flau wirkende Montage (Bild unten) lässt sich in Lightroom relativ flink optimieren.

03 Farben verstärken

Über Sättigung und Dynamik verstärken Sie die Farben in einer Aufnahme. Die Sättigung sollten Sie jedoch mit Vorsicht anwenden, da ein zu hoher Wert ein Bild schnell kitschig macht. Indem Sie den Regler auf –100 schieben, entsättigen Sie dieses komplett und wandeln es in Schwarzweiß um. Tipp: Über Dynamik werden Farben dezenter verstärkt.

04 Foto beschneiden

Aktivieren Sie während der Bearbeitung die beiden Dreiecke an den oberen Rändern des Histogramms. Das rechte warnt Sie vor ausgebrannten Lichtern, die im Bild in Rot angezeigt werden, das linke vor zu dunklen Stellen, die keine Details mehr aufweisen (in Blau angezeigt). Die Histogrammskala soll gleichmäßig von links nach rechts verteilt sein.

05 Schnappschüsse erstellen

Jeder Schritt wird in der Protokoll-Palette. So können Sie mehrere Anpassungen rückgängig machen oder an einen ganz bestimmten Punkt Ihrer Arbeit zurückkehren. Ebenfalls können Sie Schnappschüsse Ihres Arbeitsfortschritts erstellen. Auf diese greifen Sie jederzeit zu, so dass Sie mehr Raum für verschiedene Bildlooks haben. Das erleichtert den Workflow.

Farben gezielt verstärken

Mit Hilfe der Regler in der HSL-Palette justieren Sie einzelne Farben und ihre Leuchtkraft wie das Rot dieser Häuser an der Küste Norwegens ganz präzise nach.

BELICHTUNG : 0.8SEK., F/13, ISO 100KAMERA: Canon EOS 5D Mark III


Fotos: Tim Herpers, Fabio Antenore; Texte & Screenshots: Ana Barzakova

EINZELNE FARBBEREICHE OPTIMIEREN

Indem Sie die Regler für Sättigung und Dynamik verschieben (wie auf S. 80-81 beschrieben), beeinflussen Sie die Farbnuancen im gesamten Bild. Dies kann bei einem Foto mit vielen unterschiedlich gesättigten Farben schnell unpraktisch werden. Doch mit seiner HSLP alette bietet Ihnen Lightroom eine Lösung, mit der Sie einzelne Farben verändern können. Zusätzlich lassen sich mit den Spezial-Werkzeugen wie dem Verlaufsfilter oder dem Korrekturpinsel, die unter der Histogramm-Anzeige zu finden sind, Bildpartien maskieren. So können Sie innerhalb der Auswahl die verschiedenen Parameter wie unter anderem Belichtung, Schärfe oder Weißabgleich gezielt nachjustieren. Bei Landschaftsaufnahmen kommt der Verlaufsfilter zum Beispiel besonders oft zum Einsatz, da Sie mit ihm einen ausgebrannten Himmel relativ leicht wiederherstellen können.

01 Farben separat justieren

In der HSL-Palette finden Sie die Optionen Farbton, Sättigung und Luminanz. In ihnen ändern Sie die Werte für der Farben. Hier wurde die Sättigung für Rot, Aquamarin und Blau sowie die Luminanz für Rot erhöht, um die Farben der Häuser und des Meeres zu verstärken. Klicken Sie den Knopf links nach unten, um die Korrekturen zu deaktivieren.

02 Bildstellen maskieren

Mit dem Korrekturpinsel lassen sich Elemente in Ihrer Aufnahme gezielt auswählen und optimieren. Im Entwicklungsprozess wurde das Gesamtfoto aufgehellt, sodass der Fels im Hintergrund interessante Details verloren hat. Um diese wiederherzustellen, wurde er maskiert und sein Kontrast gezielt erhöht.

Aufgenommen an einem nebligen Morgen wirkt die Aufnahme etwas zu kalt und eintönig (s.kleines Bild unten). Durch die Anpassung des Weißabgleichs gewinnt es an Farbintensität, Wärme und Spannung.


FARBSTIMMUNG ANPASSEN

Die Weißabgleich-Automatik funktioniert bei den meisten Kameras einwandfrei. Dennoch gibt es Situationen, zum Beispiel bei Gegenlicht, bei denen Ihre Kamera die Farbsituation falsch wahrnimmt. Aber keine Angst: Einer der größten Vorteile des RAW-Formats ist die Möglichkeit, den Weißabgleich und somit die Farbstimmung eines Bildes nach Wunsch nachträglich zu ändern. Lightroom bietet Ihnen einige Ad-hoc-Korrekturoptionen wie Automatisch, Bewölkt oder Tageslicht, die Sie in der Palette Grundeinstellungen finden und mit denen Sie einen Farbstich, der ein Bild beispielweise bläulich-kalt erscheinen lässt, blitzschnell anpassen können. Wenn Sie aber die Farbstimmung Ihrer Aufnahmen noch feinjustieren möchten, benutzen Sie am besten die dafür vorgesehenen Regler für Temperatur und Farbton (s. Schritt 1 unten) oder das Pipettenwerkzeug Weißabgleichauswahl (s. Schritt 2), die sich ebenfalls unter den Grundeinstellungen verstecken.

01 Regler anwenden

Wenn Sie die WB-Automatiken nicht benutzen, wählen Sie Benutzerdefiniert. Greifen Sie hier zu den Reglern Temperatur und Tönung. Unser Ausgangsbild wirkt etwas zu blau und düster. Durch die Erhöhung der Werte für Temperatur (9.990 Kelvin) und Tönung (+34) (sowie Sättigung und Dynamik) verleihen wir dem Foto eine deutlich wärmere Farbstimmung.

02 Mit Pipette auswählen

Mit der Pipette Weißabgleichauswahl können Sie die Farbtemperatur Ihres Fotos gezielt definieren. Fahren Sie dafür mit der Pipette über das Bild. Lightroom berechnet anhand des ausgewählten Farbbereichs die passenden Farbwerte und stellt automatisch die Farbtemperatur und den Farbton ein. Im Fenster oben links wird die Veränderung angezigt.

03 Versionen vergleichen

Um das bearbeitete Bild mit dem Original zu vergleichen, klicken Sie einfach auf Zwischen Vorher-und Nachher-Ansicht wechseln. Es empfiehlt sich, bei jeder Korrektur diese Ansicht kurzfristig zu aktivieren. Mit einem Klick auf die Lupenansicht (Symbol links daneben) wird auf dem Vorschaufenster erneut nur das bearbeitete Foto groß dargestellt.

Details gekonnt betonen

Um die ganze Pracht dieser Fluss-und Waldszenerie mit all ihren Einzeldetails zu betonen, wurde das Bild etwas aufgehellt, die Farbstimmung wärmer gemacht und der Kontrast stark erhöht.


KONTRASTE ERHÖHEN FÜR FEINSTE DETAILS

Gerade Landschaftsfotos übersteigen oft den Kontrastumfang der Kamera. Das Ergebnis sind oft zu dunkle oder flau wirkende Bilder. Die meisten Belichtungsprobleme lassen sich dank des größeren Informationsgehalts in RAWs nachträglich lösen. So können Sie auch den Kontrast Fotos erhöhen. In der Palette Grundeinstellungen stehen Ihnen dafür die Regler Kontrast und Klarheit zur Verfügung (s. Schritt 1). Diese sind nützlich und einfach in der Anwendung, aber Lightroom bietet fortgeschrittenen Nutzern ein noch mächtigeres Werkzeug, um Tonwerte zu korrigieren: die Gradationskurve. Zu Beginn sehen Sie hier eine diagonale Linie. Sobald Sie diese verbiegen, nehmen Sie Änderungen am Foto vor. Der Bereich links unten verändert die Schatten, der mittlere Bereich die Mitteltöne und der Bereich oben rechts die Lichter. Klicken Sie auf Zurücksetzen, um die Änderungen zu löschen.

01 Der Kontrastregler

Mit Kontrast und Klarheit erhöhen Sie den Mittenkontrast im Bild. Das ist gut, um zum Beispiel die feinen Texturen von Laubblättern oder Stein-und Felsformationen wieder-herzustellen. Durch die Erhöhung dieser Parameter lässt sich sogar ein HDR-ähnlicher Look aus enur inem Foto erzielen. Übertreiben Sie es nicht.

02 Gradationskurve nutzen

Die s-förmige Kurve ist typisch für Kontraststeigerungen. Wählen Sie die Vorgabe Starker Kontrast. So biegt sich der linke untere Bereich der Kurve nach unten, um die Schatten abzudunkeln. Der obere rechte Bereich wird leicht nach oben gebogen, um die Lichter aufzuhellen. Falls nötig, passen Sie die Kurve noch manuell an.

Jedes RAW-Bild muss nachgeschärft werden. Nur so kommen alle Details zur Geltung.


Fotos: Fabio Antenore; Texte & Screenshots: Ana Barzakova

SCHARF BIS IN DIE STERNE

Ein Bild, das auf dem Kameradisplay noch scharf aussah, enttäuscht oft am großen Monitor durch Unschärfe. Lightroom bietet in seiner Details-Palette wichtige Werkzeuge, um feinste Details in nicht ideal scharfen Fotos zu verstärken. Diese Schärfungs-Werkzeuge erhöhen den Kantenkontrast rund um Lichtkanten im Bild und sorgen so für einen erhöhten Schärfeeindruck und eine deutlich knackigere Wirkung. Doch Obacht: Bei der digitalen Nachschärfung laufen Sie auch immer Gefahr, das Bildrauschen zu verstärken. Zudem können Schärfungsartefakte sowie ausgebrannte Lichter, beschnittene Schatten oder Lichthöfe an den geschärften Bereichen entstehen. Wie Sie dies umgehen, zeigen wir Ihnen in den Schritten unten. Um den Fokus genau zu beurteilen, sollten Sie Ihre Bilder immer bei 100 % schärfen. Klicken Sie im Navigator oben links auf 1:1. Ziehen Sie die weiße Vorschau-Box im Navigator in einen Bildbereich, um die Schärfe zu kontrollieren. Im Zoom-Fenster der Details-Palette wird ein 100%-Ausschnitt des Bildes gezeigt, so dass Sie die Schärfe exakt beurteilen können. Klicken Sie auf das kleine Fadenkreuz (s. Schritt 1 unten) und bewegen Sie den Mauszeiger über das Bild im Hauptfenster.

01 Artefakte erkennen

Probieren Sie, Ihr Bild zu überschärfen, um unschöne Artefakte sichtbar zu machen, die Sie beim Schärfen verhindern wollen. Ziehen Sie den Betrag-Regler auf 150, um den Kantenkontrast der Details im Bild zu verstärken. Dies verursacht Bildrauschen. Ziehen Sie den Radius auf 3, so entstehen weiße und schwarze Ränder um die Felsen und Steine.

02 Bildbereiche schützen

Die Regler Betrag und Radius haben das Bildrauschen verstärkt. Halten Sie die Alt-Taste gedrückt und ziehen Sie den Regler Details auf 100. Die Graustufen-Vorschau macht Details und Rauschen gut erkennbar. Um dieses zu minimieren, reduzieren Sie den Details-Wert. Unser Ziel: Wichtige Bilddetails sollen noch leicht sichtbar sein.

03 Rauschen reduzieren

Man unterscheidet zwei Arten von Rauschen: Luminanzrauschen (ähnelt Filmkorn) und Farbrauschen (kleine Flecken). In der Details-Palette können Sie diese reduzieren. Ziehen Sie den Farbe-Regler nach rechts, um Farbsäume zu reduzieren, und nach links, um Farbflecken zu minimieren. Der Details-Regler bestimmt, wie viele Details erhalten bleiben.

EIGENE BILDLOOKS KREIEREN

Es braucht keine aufwendige Bearbeitung in Adobe Lightroom, um komplette Bildlooks zu generieren. Das trifft auch bei unserem Foto der Burg Eltz in Rheinland-Pfalz zu. Kurz nach Sonnenaufgang fotografierten wir das historische Gebäude. Natürlich haben wir darauf geachtet, im RAW-Format zu arbeiten. Das gab uns für die anschließende Bildbearbeitung in Adobe Lightroom den nötigen Gestaltungsfreiraum, wie Sie hier sehen werden. Nach den Anpassungen der Grundeinstellungen sah das Foto schon deutlich lebendiger aus als zuvor. Allerdings schluckte der vorhandene Nebel viel Kontrast. Dieser Kontrast wurden im zweiten Schritt verstärkt. Insbesondere bei derart weitwinkligen Aufnahmen zahlt sich die Objektivkorrektur (s. Schritt 3) aus. In den nachfolgenden drei Schritten haben wir Farbe und Helligkeit selektiv korrigiert, bevor das Foto geschärft wurde. Zu guter Letzt lohnt es, die Bearbeitung als Vorgabe in Lightroom für folgende Fotos abzuspeichern. Wieder einmal zeigt sich, wie stark das RAW-Format ist.

01 Grundeinstellungen

Korrigieren Sie die Farbtemperatur auf 7.600 und die Tönung auf +8. Hellen Sie das Bild zunächst um +1,2 Blenden auf und schieben Sie den Kontrast-Regler auf +75. Um mehr Struktur in der Aufnahme zu gewinnen, stellen Sie Lichter auf –60 und Tiefen auf +30. Den Effekt verstärken Sie noch mit Weiß auf –45 und Schwarz auf +15.

Nach einer einfachen RAW-Entwicklung wirkt das flaue Ausgangsfoto sehr viel aussagekräftiger. Verstärken Sie hier vor allem den Kontrast, der beim Fotografieren durch den Nebel verloren gegangen ist.


02 Klarheit und Kontrast

Der gepflasterte Weg hin zur Burg lädt dazu ein, die Klarheit im Foto zu erhöhen. Schieben Sie den Regler auf +25 und das Bild wird deutlich knackiger. Reduzieren Sie die Sättigung um –5, damit das Foto nicht zu farbig wirkt. Formen Sie anschließend eine S-Kurve im Gradationskurve-Dialog (RGB-Kanal) zur Kontrastoptimierung.

03 Objektivkorrektur

Lightroom verfügt über eine nützliche Objektivkorrektur. Aktivieren Sie diese. In der Regel erkennt die Software anhand der Metadaten automatisch das entsprechende Objektivprofil. Klicken Sie außerdem auf Auto, um eine Perspektivenkorrektur zu aktivieren. Nun ist das Foto gut ausgerichtet.

04 Farben altern lassen

Um dem Burg-Foto eine entsprechend alte Anmutung zu verleihen, öffnen Sie den HSLD ialog, und verschieben Sie den Farbton der Gelb-, Grün-und Blautöne um +10. Entsättigen Sie nun diese Töne um jeweils –20. Passen Sie anschließend die Luminanz der Farben an (Gelb +20, Grün –10 und Blau –20).

05 Vignettierung hinzufügen

Der Effekte-Dialog ist sehr gut dafür geeignet, wenn Sie dem Foto einen nicht mittigen Fokus verpassen möchten. Dunkeln Sie den Bildrand mit einer Vignettierung (Betrag: –30, Mittelpunkt: 30, Rundheit: +35 und einer weichen Kante von 75) stilvoll ab. So lenken Sie den Blick des Betrachters zur Burg.

06 Verlaufsfilter formen

Aktivieren Sie das Verlaufsfilter-Werkzeug mit einer Temperatur von –15 und einer Belichtung von –1. Ziehen Sie im Anschluss einen weichen Verlauf von oberhalb der Burg bis zum Horizont auf. Ziehen Sie dann einen neuen Verlauf mit Belichtung +0,75 vom unteren Bildrand hoch, um den Weg aufzuhellen.

07 Aufnahme schärfen

Nun schärfen Sie das Foto noch. Öffnen Sie dafür den Details-Dialog und geben Sie nachfolgende Werte unter Schärfen ein: Betrag: 80, Radius: 0,6, Details: 25 und Maskieren: 70. Die Bearbeitung ist damit abgeschlossen. Mit dem PLUS-Symbol bei Vorgaben speichern Sie die Bearbeitung ab.

Kompletter RAWWorkflow

BELICHTUNG : 0.6SEK., F/11, ISO 100KAMERA: Canon 5D Mark III

Kompletter RAWWorkflow

BELICHTUNG: 0.6SEK., F/11, ISO 100 KAMERA: Canon 5D Mark III


Foto, Texte & Screenshots: Tim Herpers (www.tim-herpers.com)


Foto: Fabio Antenore (https://500px.com/fabioantenore)

Fotos: Fabio Antenore; Texte & Screenshots: Ana Barzakova

Foto, Texte & Screenshots: Tim Herpers (www.tim-herpers.com)