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LANDSCHAFT: Wald & Welterbe


daheim - epaper ⋅ Ausgabe 4/2018 vom 15.06.2018

Der Limes und eine Dampfeisenbahnstrecke führen durch den Schwäbischen Wald


Artikelbild für den Artikel "LANDSCHAFT: Wald & Welterbe" aus der Ausgabe 4/2018 von daheim. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: daheim, Ausgabe 4/2018

Nah an der schwäbischen Betriebsamkeit und doch weit weg: Das größte Waldgebiet Württembergs ist eine echte Oase


An einem schönen Sonntagmorgen fährt eine Dampflok durch den Wald. Sie schnauft und ächzt, bläst dicke weiße Wolken in den blauen Himmel. Gleich wird sie in einem weiten Bogen über das Strümpfelbachviadukt zischen und ein gutes Dutzend Fotografen glücklich machen, das dort auf der Lauer liegt.

Das Strümpfelbachviadukt ist der landschaftliche Höhepunkt der Schwäbischen Waldbahn. Ein 25 Meter hohes, geschwungenes ...

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... Brückenbauwerk, das von Bauernhöfen, Obstbäumen und bewaldeten Hügeln umrahmt wird und jene Zeit auferstehen lässt, als Dampfzüge noch überall im Land zum Alltagsbild gehörten.

Die Schwäbische Waldbahn: Nostalgie macht Dampf
Vor acht Jahren wurde die Schwäbische Waldbahn eröffnet – die Wiederinbe-49 triebnahme einer alten Strecke, die fast vergessen war. Ihren Namen hat sie von jener Landschaft, durch die sie in malerischen Windungen fährt: dem Schwäbischen Wald. Die 60 auf 40 Kilometer große Region in Baden-Würt tem berg unweit der Landeshauptstadt Stuttgart wird von den Städten Schwäbisch Hall, Öhringen, Backnang und Schwäbisch Gmünd flankiert.

1. Geschichte zum Anfassen: Marcus Schaaf lässt als Zenturio die Römerzeit wieder aufleben.


2. Wild und rau präsentiert sich der Schwäbische Wald in seinen Schluchten – hier die Hägelesklinge bei Kaisersbach.


3. Radwege führen auch an Zeugnissen früherer Besiedlung vorbei und sogar durch das rekonstruierte Osttor eines Römerlagers in Welzheim hindurch



Ein römischer Zenturio auf Patrouille im Schwäbischen Wald


Der Schwäbische Wald liegt inmitten eines großen Naturparks, der den Namen „Schwäbisch-Fränkischer Wald“ trägt. Das ist verwirrend, zeigt jedoch, dass hier eine Grenze verlief: zwischen den Franken im Norden und den schwäbischen Alemannen im Süden. An den Dialekten kann man diese heute noch ablesen, an den Sticheleien zwischen Schwaben und fränkischen Hohenlohern ebenfalls.

Volker Knödler ist ein Kind des Schwäbischen Walds. Viele Jahre lang hat der 50-Jährige für die Reaktivierung der Bahnstrecke gekämpft. Der Städte- und Verkehrsplaner gehörte zu den Gründungsmitgliedern des Fördervereins. Als Kind war er mit den Großeltern oft an ihren Gleisen entlangspaziert. „Das ist ein Stück Heimat für mich“, sagt er.

Immer wieder steigt Volker Knödler selbst in den Zug ein. Liebt es, wie sich dann die Landschaft verändert. Zuerst verschwindet die dicht besiedelte Gegend um Schorn dorf langsam hinter den Waggons. Von Streuobstwiesen gesäumte Dörfer kommen zum Vorschein, vereinzelte Gehöfte am Wegesrand. Schließlich taucht der Zug in den dichten Wald ein, das letzte steile Stück zwischen Rudersberg und Welzheim, das von drei Viadukten begleitet wird. „Die Strecke hat alles, was diese Landschaft ausmacht“, schwärmt Volker Knödler.

Die Menschen sind stolz auf ihre alten Mischwälder
Weit über die Hälfte der Hügel und Talauen des Schwäbischen Walds sind mit Bäumen bedeckt: dunkle Tannen und dicke Eichen, schlanke Buchen und Fichten. Die Menschen sind stolz auf ihre alten Mischwälder, naturnahe Forste, in denen sich kaum triste Monokulturen finden. Dafür tiefe Schluchten und wasserreiche Täler, felsige Hänge und bemooste Steine. Im Sommer kühlt der Wald die Luft, spendet Schatten, lädt zum Wandern ein. In der Tobelschlucht bei Spiegelberg hat ein Bach den Sandsteinfelsen aufgesprengt und einen v-förmigen Einschnitt geschaffen, durch den nun das Wasser rinnt.

Es riecht nach modrigem Holz, in dem Insekten nisten. Ein Specht hämmert lautstark seine Höhle in einen Stamm. An Regentagen recken hier gelb-schwarze Feuersalamander ihre Köpfe in die Höhe. In der Mitte des Wegs hat jemand einen Mini-Obelisken aus Gesteinsbrocken aufgebaut, weiter oben war es die Natur selbst, die in den Felsen ein riesiges Loch gegraben hat: „Hohler Stein“ heißt er, ein Naturdenkmal, über dessen Mooskante ein kleiner Wasserfall plätschert.

Macht der Heimat Dampf: Volker Knödler hat sich für den Erhalt der Schwäbischen Waldbahn eingesetzt


Einst klapperten viele Mühlen am rauschenden Bach
Es gibt viel Wasser im Schwäbischen Wald. Weite Flussauen und malerische Bäche, an denen Mühlen stehen. Nirgendwo in Württemberg klapperten einst so viele wie im Schwäbischen Wald. Einige sind heute noch in Betrieb, andere ein Stück Nostalgie mit stillgelegten Mahlwerken.

Die Klingenmühle liegt nicht weit von der Bahnstrecke entfernt. Der schwäbische Dichter Justinus Kerner verliebte sich einst in sie und schrieb in schwärmerischen Worten: „Dort unten in der Mühle, saß ich in süßer Ruh, und sah dem Räderspiele, und sah den Wassern zu.“ Das Mühlrad ist längst verschwunden, das Gebäude mit Café und Biergarten nun ein Ort, an dem die Menschen gern verweilen und die Natur genießen.

Es summt und brummt im Schwäbischen Wald. Am Wochenende kann dieses Brummen statt von Hummeln und Bienen auch von den Maschinen der Motorradfahrer kommen, die die kurvigen Waldstrecken lieben. Einer ihrer wichtigsten Treffpunkte ist der Ebnisee bei Kaisersbach, der einst im Dienste der Flößerei stand. Nun treiben Tretboote auf dem Wasser, das von dem Flüsschen Wieslauf gespeist wird.

1. Energiegewinnung gestern: Die Michelauer Ölmühle im mittleren Wieslauftal ist heute ein technisches Museum.


Mühlen säumen die vielen Wasserläufe im Schwäbischen Wald


2. Energiegewinnung heute: Für die Wartung moderner Windräder (hier bei Welzheim) sind viel technisches Verständnis und Schwindelfreiheit notwenig


Ein römischer Zenturio lässt auf Lateinisch exerzieren
Es waren die Römer, die in der Region die ersten Gebietsgrenzen zogen. Vor fast 2000 Jahren errichteten sie hier befestigte Heerlager. Der Grenz wall, der sie vor den Germanen schützen sollte, lief mitten durch den Schwäbischen Wald. Seit 2005 ist dieser Obergermanisch-Raetische Limes Weltkulturerbe und der Schwäbische Wald im Fokus der Geschichte.

In den 1950er-Jahren hatte man auf einer Ackerfläche am Stadtrand von Welzheim die Reste eines alten Römerlagers entdeckt, das fast unter einem Neubaugebiet verschwunden wäre. Es wurde unter Denkmalschutz gestellt und Anfang der 1980er-Jahre durch ein rekonstruiertes römisches Portal ergänzt. Das Westtor des alten Ostkastells sollte sich schon bald zu einem Magneten für Besucher entwickeln.

Hier geht Zenturio Marcus Octavius Severus regelmäßig auf Patrouille. Im bürgerlichen Leben heißt er Marcus Schaaf, ist 32 Jahre alt und Lehrer für Latein und Religion. Die römische Geschichte hat ihn schon immer fasziniert, und als der Limes Weltkultur erbe wurde, absolvierte Schaaf die Ausbildung zum „Limes-Cicerone“, ein Gästeführer im Gewand der Legionäre.

„Ad dextram, nach rechts, ad sinistram, nach links.“ Der Zenturio macht sich einen Spaß daraus, seine Gäste antreten und nach lateinischen Befehlen exerzieren zu lassen. „Wenn man etwas Römisches erleben will, muss man nicht nach Rom gehen“, sagt er. Tatsächlich sieht er in seiner Verkleidung aus, als wäre er einer anderen Epoche entsprungen wäre.

1. Unterirdischer Schatz: In diesem Bergwerk in Spiegelberg-Jux wurden Wetz- und Schleifsteine abgebaut.


2. Überirdischer Schatz: Eine wild romantische Wanderung durch die enge Hörschbachschlucht bei Murrhardt führt vom unteren zum oberen Wasserfall


Lässt die Vergangenheit wieder aufleben: Marcus Schaaf patrouilliert als römischer Zenturio


Zenturio Marcus Octavius trägt Sandalen, eine römische Tunika und ein Kettenhemd wie einst die Legionäre und kritzelt mit einem Griffel auf einer Wachstafel herum, deren Schrift in der Sonne schmilzt. „Römisches iPad“, sagt er mit einem breiten Grinsen und erzählt aus dem Alltag der Wachmannschaften im Schwäbischen Wald, die dort Nacht für Nacht Dienst schoben.

Wirtshäuser laden ein, den Tag ausklingen zu lassen
Es ist ein magischer Moment, wenn sich die Sonne über dem Ostkastell senkt, das Licht auf dem blitzenden Helm reflektiert und der Wald allmählich in einem geheimnisvollen Dunkel verschwindet. Dann wird es Zeit, in eines der gemütlichen Wirtshäuser einzukehren und den Tag gemütlich ausklingen zu lassen.

Seit 1894 wird die „Schöne Aussicht“ in Althütte als Gasthaus geführt. Althütte heißt so, weil es einst so viele Glashütten im Schwäbischen Wald gab. In Spiegelberg weiter im Norden verstand man sich besonders auf die Kunst der Spiegelherstellung.

In der „Schönen Aussicht“ hingegen wissen sie genau, wie man etwas Urschwäbisches auf den Teller zaubert. „Lutzenberger Mostsauerbraten mit Spätzle“ oder „Wildschweinragout mit Trollingerpflaumen und Brezenserviettenknödeln“. Ein Gedicht! Hätten die Römer das gewusst, wären sie mit Sicherheit noch etwas länger geblieben.

TIPPS IN DER REGION

SCHWÄBISCHE WALDBAHN

Fährt von Mai bis Oktober sonntags zwischen Schorndorf und Welzheim. Bei den Dampfzügen empfiehlt sich eine Reservierung. Entlang der Strecke gibt es einen Bahnerlebnispfad.
Tel. 0 71 82/80 08 15 www.schwaebische-waldbahn.de

NATURPARKZENTRUM

Das kleine Informationszentrum des Naturparks Schwäbisch-Fränkischer Wald befindet sich in Murrhardt. Man erfährt dort auch Wissenswertes über die Tradition der Mühlen.
Täglich geöffnet, am Wochenende nur 9.30 bis 13 Uhr; Tel. 0 71 92/ 21 37 77; www.naturpark-sfw.de

RÖMER

Die Gästeführer am römischen Limes bieten zahlreiche Touren an. Am Tag des offenen Denkmals (9. September) findet am Ostkastell in Welzheim ein römischer Aktionstag statt.
www.limes-cicerones.de www.ostkastell-welzheim.de

SEEN

Baden und Bootfahren kann man am meist gut besuchten Ebnisee. Ruhiger ist es am Finsterroter See, am Stausee Aichstrut bei Welzheim oder am Waldsee bei Murrhardt.

MÜHLEN

Ein Mühlenwanderweg verbindet viele der Mühlen im Schwäbischen Wald. Die Seemühle in Unterweissach und die Rümelinsmühle in Murrhardt sind noch in Betrieb.
www.ruemelinsmuehle-murrhardt.de www.seemuehle-unterweissach.de

WANDERWEGE

Der Schwäbische Wald ist ein hervorragendes Wandergebiet mit einigen Höhenmetern und gut beschilderten Wegen. Reizvoll sind die Schluchten und Tobel, von denen viele am „Schwäbischen Wald Weg“ liegen.
Wanderkarte bei der Fremdenverkehrsgemeinschaft (siehe unten)

GLAS UND SPIEGEL

Der Schwäbische Wald war einst ein Zentrum der Glas- und Spiegelherstellung. Im Glasmuseum in Spiegelberg kann man sich in historischen Exponaten spiegeln.AS
Tel. 0 71 94/9 50 10 www.glasmuseum-spiegelberg.de

KONTAKT:Fremdenverkehrsgemeinschaft Schwäbischer Wald, Alter Postplatz 10, 71332 Waiblingen Tel. 0 71 51/5 01 13 76 www.schwaebischerwald.com

Die Schwäbische Waldbahn schnauft nie unbeobachtet durch Wald und Wiesen