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Laschet geht auf Scholz los


WAZ Westdeutsche Allgemeine Zeitung - epaper ⋅ Ausgabe 213/2021 vom 13.09.2021

Berlin. 21.50 Uhr, der Abspann läuft, die Spannung weicht von den Duellanten. Das zweite von drei Kanzler-Triellen ist Geschichte. Das erste Wort hat CDU-Kanzlerkandidat Armin Laschet, das letzte Olaf Scholz (SPD). Nach der Sendung von ARD und ZDF erklären die jeweiligen Unterstützungsteams noch im Studio in Berlin-Adlershof ihren jeweiligen Kandidaten zum Sieger.

Das gehört zum Format und ist kühl kalkuliert Laut Umfragen wollen sich maximal ein Drittel der Bürger eine der Sendungen ansehen. Anders gesagt: Zwei Drittel der Deutschen machen sich nur vom Hörensagen ein Bild. Die Deutungshoheit ist wichtig. In einer Blitzumfrage von Infratest sahen die Zuschauer den Sozialdemokraten (39 Prozent) vorn, vor Baerbock (25 Prozent) und Laschet (24 Prozent). Auch die Umfrage nach Ende des Triells sieht Scholz in ...

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Die Kandidaten (v.l.) Olaf Scholz (SPD), Annalena Baerbock (Grüne) und Armin Laschet trafen sich zum zweiten Mal zum Triell.
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... Führung. Auf die Frage „Wen fanden Sie am überzeugendsten?“ sprechen sich 41 Prozent für Scholz, 27 Prozent für Laschet, 25 für Baerbock aus.

Beim zweiten Triell ist die Konfiguration in einem Punkt neu. Diesmal arbeitet sich Laschet von vornherein an seinem Hauptkontrahenten ab. Er lässt sich nicht von der Grünen Annalena Baerbock ablenken, sondern knüpft sich Scholz vor, der – späte Ironie dieses Wahlkampfs – Favorit ist und am meisten zu verlieren hat. Scholz kommt in der ersten halben Stunde nicht aus dem Rechtfertigungsmodus raus.

„Es ist ein Wunder, eine solche Schönrederei an den Tag zu legen“, poltert Laschet. Diesmal geht es um eine Durchsuchung der Zollbehörde des Finanzministeriums. Es werde so wenig aufgeklärt bei der Geldwäsche, deswegen sei es unangemessen. „dass Sie abfällig über die Justiz geredet haben“. Das wiederum will Finanzminister Scholz nicht stehen lassen. „Man sieht, wie die Dinge verdreht werden.“ Es sei der falsche Eindruck erweckt worden, als sei sein Ministerium selbst Gegenstand von Ermittlungen. Die Rechnung von Illner und Köhr geht auf: die Kontrahenten aus der Komfortzone herauszuholen.

In der Corona-Politik kann Baerbock punkten. „Aus meiner Sicht kann es hier kein Rumeiern geben“ - die Grüne will eine Impfpflicht für bestimmte Berufsgruppen. „Von den Kindern verlangen wir, dass sie sich testen, von den Erwachsenen nicht“ – sie kann es nicht verstehen.

Scholz, dunkelblauer Anzug, einreihig, weißes Hemd, dunkelrote Krawatte, bleibt auch unter Druck ruhig. Er bringt den Abend ohne große Fehler, aber auch ohne besondere Momente hinter sich. Er wirkt souverän, obwohl er einen schweren Stand hat. Er kann kaum für sich werben und erst zum Schluss der Sendung seine Anliegen (Bürgerversicherung) platzieren.

Baerbock, dunkelblaues, fließendes Kleid mit V-Ausschnitt, violette Pumps variiert altbekannte Positionen: keine Politik des „Wegduckens“ und ein neuer „Aufbruch“. Bei der Corona-Politik schlägt sie sich gut. Sie fordert klare Ansagen; die Bundesregierung sei bislang nur auf Sicht gefahren. Sie kann Union und SPD ungeniert für alle tatsächlichen oder vermeintlichen Versäumnisse der letzten Jahre kritisieren. Sie hört zu, ist hellwach und schlagfertig. Als die Rente als Thema aufgerufen wird, grätscht sie dazwischen: „Herr Laschet sagt den ganzen Abend immer ‚Analyse‘ und was in 20 Jahren passieren soll“.

Laschet, blauer Anzug, einreihig geknöpft, weißes Hemd, dunkelrote Krawatte, wahrt besser als beim ersten Triell seine Balance: Bei aller Angriffslust wirkt es kontrolliert. Zum Klimaschutz - sein schwächster Moment - fällt ihm nicht wirklich etwas ein. Er verweist auf die Wirtschaft, „wir müssen die auch mal machen lassen.“ Baerbock verspricht Investitionen von 50 Milliarden Euro jährlich in die Infrastruktur. Scholz redet vom „größten industriellen Umbau“. Alle drei drücken sich vor der Antwort, die Köhr und Illner aus ihnen herausholen wollen: dass Klimaschutz von den Bürgern bezahlt werden muss.

Die Klimadebatte verläuft hektischer als gedacht. Sekundenlang sprechen beide Männer gleichzeitig. Jahrelang keine Lösungen präsentieren, aber sich jetzt sich gegenseitig die „Schuld in die Schuhe schieben“, spottet Baerbock.

Für die Union geht es um alles

In der Finanz-, Rentenpolitik und und Wohnungspolitik wird deutlich, dass Rote und Grüne nahe beieinander sind. Laschet moniert, der Grundfehler bei beiden sei anzunehmen, dass man mehr Geld einnehme, wenn man Steuern erhöhe und die Wirtschaft abwürge. Er hält seinen Stil - Attacke - die ganze Sendung durch. Ende oder Wende, so dramatisch steht es um die Union. An Laschet ließ sich das gut beobachten. Er kämpft, attackiert und kontert, empört und entrüstet sich, er vibriert vor Angriffslust. Aber es kommt zu kurz, was er als Bundeskanzler anderes machen würde.