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Laschets Wunderwaffe


Welt am Sonntag Gesamtausgabe - epaper ⋅ Ausgabe 35/2021 vom 29.08.2021

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Bildquelle: Welt am Sonntag Gesamtausgabe, Ausgabe 35/2021

Die Nachrichten, die aus dem äthiopischen Bürgerkrieg nach draußen dringen, sind zutiefst erschreckend. Mehrere Frauen aus der Kriegsregion Tigray im Norden des Landes sagen laut der Menschenrechtsorganisation Amnesty International, sie seien über Wochen hinweg festgehalten und immer wieder massenvergewaltigt worden. Teilweise in Anwesenheit von Familienmitgliedern. Einige der Täter hätten sie mit Nägeln und Steinen misshandelt.

Die Vorwürfe richten sich überwiegend gegen äthiopische und eritreische Soldaten, die gemeinsam gegen die aufständische Tigray People’s Liberation Front (TPLF) und ihre Streitkräfte um die Vorherrschaft in Äthiopiens nördlichstem Bundesland kämpfen. Erst hatte Äthiopiens Regierung die Vorwürfe als ...

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... „Propaganda“ heruntergespielt. Doch nun gibt das Frauenministerium zu, dass es „ohne Zweifel“ Vergewaltigungen gegeben habe. Auf der anderen Seite sollen auch Milizen, die den selbst ernannten Befreiern der TPLF nahestehen, Gräueltaten begangen haben. Ihnen wurde wiederholt vorgeworfen, Hunderte Angehörige der Amhara- Volksgruppe gezielt ermordet zu haben. Die Anhänger der Miliz und diese Volksgruppe konkurrieren seit Jahrhunder-

Zentrales Ziel der Miliz TPLF ist die Entmachtung des Regierungschefs Abiy Ahmed. Äthiopien, das vielerorts als vermeintlicher Anker der Stabilität am Horn von Afrika gehandelt wurde, droht endgültig auseinanderzubrechen. Beobachter vergleichen die Situation bereits mit dem Zerfall Jugoslawiens in den 90er-Jahren. Äthiopiens Verfassung erlaubt ausdrücklich die Abspaltung einzelner Bundesstaaten. Während Abiy den Einfluss der Zentralregierung stärken will, werden Stimmen lauter, die regionale Selbstbestimmung fordern. Erneut droht das Modell eines ethnischen Föderalismus zu scheitern, wie zuletzt im Südsudan.

Zumal das System in Äthiopien von Beginn an auf reiner Machtkalkulation basierte. Nur sechs Prozent der äthiopischen Bevölkerung werden den Tigrayern zugeordnet. Dennoch war die nun wieder einflussreiche Miliz TPLF bereits während der 1980er-Jahre im Kampf gegen den kommunistischen Diktator Mengistu Haile Mariam (Beiname: „Schwarzer Stalin“) vorneweg marschiert und hatte nach dessen Sturz im Jahr 1991 als ethnische Minderheit die politische Vorherrschaft übernommen.

AUSGEWOGENE BETEILIGUNG AN DER MACHT GAB ES NIE

Um aber die Unterstützung weit größerer Volksgruppen wie der Oromo (rund 34 Prozent der Bevölkerung) zu gewinnen, errichteten sie ein System des Föderalismus mit neun Bundesländern. In der Theorie sollten zumindest die größ-Armin Laschet ist noch nicht geschlagen. Doch der Kanzlerkandidat der Union verspielte innerhalb weniger Wochen einen 15-Prozentpunkte-Vorsprung gegenüber Olaf Scholz. Und auch zu Annalena Baerbock führt er in Umfragen nur noch im Bereich der statistischen Unschärfe. Die CDU ist unruhig, teilweise in Panik. Laschet muss den verheerenden Trend jetzt brechen. Heute. Heute Abend: Bei dem ersten sogenannten TV-Triell, wenn Laschet live auf seine Widersacher trifft, muss er punkten.

Laschet trainiert seit Tagen. Und er lässt sich von einem Mann trainieren, der in CDU-Kreisen einen Ruf wie Donnerhall hat: Klaus Schüler. Nie gehört? Das ist ganz in Schülers Sinne. Der 64-Jährige, der seit zwei Jahren für den Chemiekonzern Lanxess arbeitet, war vorher viele Jahre ein wichtiges Rädchen in der Machtmaschine Angela Merkels. Als CDU-Bundesgeschäftsführer organisierte Schüler vier siegreiche Bundestagswahlkämpfe. Offiziell war das der Job der wechselnden Generalsekretäre, die auch vor die Journalisten traten. Tatsächlich vertraute Merkel aber Schüler, der Pressekonferenzen stets mit Argusaugen vom Geländer in der fünften Etage des Adenauerhauses verfolgte.

Der Mann, der über die „Logistik des Russlandfeldzugs“ promovierte, gilt parteiintern als Organisationsgenie. Ja, als Wunderwaffe. Aber die Aufstellung des Wahlkampfs ist diesmal seine Aufgabe nicht. Sondern nur der Kandidat. Schüler hilft Armin Laschet, sich auf das Triell vor den Kameras vorzubereiten.

Er selbst bestätigt diese Information nicht, lässt SMS des Kolumnisten unbeantwortet. Tanit Koch, die Leiterin der CDU-Wahlkampfkommunikation, will weder bestätigen noch dementieren. Aber andere nicken wissend. Wenn Laschet heute Abend tatsächlich die Argumente von Scholz und Baerbock kontert, hat er genau das vorher mit Schüler geübt.

Kann das klappen? Es hat sogar schon einmal geklappt. Im Landtagswahlkampf 2017 – als Laschet ebenfalls hoffnungslos hinten lag – flog er Schüler schon einmal ein, um sich auf das Duell mit der populären Amtsinhaberin Hannelore Kraft vorzubereiten. Der konservative Transatlantiker spielte die Rolle der sozialdemokratischen Emotionspolitikerin in den Vorbereitungen gleich selbst. Und sehr gut, wie Augenzeugen sich erinnern. Ob Schüler diesmal die forsche Herausforderin Baerbock mimen wird oder doch eher den staatsmännischen Scholz, war leider nicht herauszukriegen.