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Lasst die Party beginnen!


G Geschichte Porträt - epaper ⋅ Ausgabe 4/2021 vom 19.11.2021

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Bildquelle: G Geschichte Porträt, Ausgabe 4/2021

Sachsen 1678 Dresdner Komödienhaus Im 1667 fertiggestellten Theater finden unter dem riesigen Decken gemälde des Sonnengottes Helios Schauspiel- und Opernaufführungen für bis zu 2000 Zuschauer statt

Da darf man als Knabe schon mal aus dem Häuschen sein: Direkt unter seinem Fenster sieht der junge August am 21. Februar 1678 einen dem Merkur gewidmeten Prachtumzug vorbeiziehen, der den Reichtum und die Größe Sachsens mit den farbenprächtigsten Kostümen grandios inszeniert. Lakaien in Bergmannskleidung mit brennenden Grubenlichtern, Knappen und Hauer mit prall gefüllten Silbertaler-Beuteln, der antike Gott Merkur – dargestellt von Oberstallmeister Götze – gar persönlich in Gold und Silber gewandet auf einem Prunkwagen sitzend. Dazu geschmückte Pferde, ein Meer aus wehenden Fahnen sowie Sänger, Pauker und Trompeter.

Der junge August ist begeistert von all dem Pomp

Der Allerschönste in diesem Zug ist aber der Kurfürst selbst: Johann Georg II. im Bergmannshabit und im Schmuck seiner neuen Juwelengarnitur, die er extra für die »Durchlauchtigste Zusammenkunft« hat herstellen lassen. Sächsisches Silber ...

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... und sächsische Edelsteine wie Jaspis, Amethyst, Bergkristall, Granat, Rauch- und Milchquarz weisen ihn als obersten Bergmann seines Reiches und als Schutzherrn der Wirtschaft aus. Und ebenso natürlich als Familienoberhaupt und Inhaber der obersten Staatsgewalt – seine drei Brüder aus den Sekundogenituren der albertinischen Wettiner, die in Weißenfels, Merseburg und Zeitz residieren, sind allesamt jünger. Von keinem Geringeren als Ludwig XIV. von Frankreich, dem Erfinder solch einheitlich konzipierter Juwelengarnituren, hat sich der Kurfürst bei seinem neuen Schmuck inspirieren lassen. Wenn das mal kein Machtanspruch ist!

Der Enkel des Kurfürsten, August, kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus, denn eine Feier jagt die andere. Mit allen Sinnen spürt der Junge die barocke Freude am Fest und am großen Auftritt. Sein eigener Sinn für Repräsentation wird geweckt – er beginnt zu ahnen, was es heißt, ein Wettiner und sächsischer Kurfürst zu sein. Die Residenz Dresden bietet bereits eine adäquate Festkulisse: Das neu gebaute Komödienhaus dient als Stätte für Schauspiel- und Opernaufführungen; vor der monumentalen Schaufassade des neu errichteten Reithauses werden die beliebten Stech- und Ringrennen veranstaltet. Im Schloss selbst mit dem mächtig erhöhten Hausmannsturm stehen genügend Festsäle für Gelage und Bälle zur Verfügung; im Schlosshof werden Bären, Schweine und Dachse gestochen.

»Er wird nichts als einmal den Degen zu seinem Fortkommen bedürfen«

Der junge August in einem selbst verfassten Roman quasi über sich selbst

All dies fasziniert August ungemein. Er ist am 12. Mai 1670 als zweitgeborener Sohn des Kurprinzen Johann Georg III. und seiner Gemahlin, der dänischen Königstochter Anna Sophie, zur Welt gekommen. Zwei Jahre zuvor war bereits sein Bruder Johann Georg geboren worden, der damit in der Erbfolge an erster Stelle steht. Die Brüder sind ungleich wie Tag und Nacht. Den Älteren plagen Magen- und Blasenleiden, er erscheint kränklich und ernst. Offensichtlich gerät er nach der hochgebildeten Mutter, die fünf Fremdsprachen beherrscht, geistige Interessen pflegt und streng lutherisch geprägt ist. August beschreibt seinen älteren Bruder als »von Natur und Gliedmaßen schwach, von Gemüt zornig und melancholisch, sehr geneigt zu wissenschaftlichen Studien, in denen er sehr reüssierte«.

Wie anders dagegen er selbst. Er ähnelt seinem prunkliebenden Großvater, der noch bis 1680 das Kurfürstentum regieren wird, und auch seinem Vater, der sich auf den diversen europäischen Schlachtfeldern den Ruf eines »sächsischen Mars« erwirbt. Der kraftstrotzende August, der mit elf Jahren Reitunterricht erhält und mit zwölf seine erste Jagd mitmacht, kommt sich seinem Bruder überlegen vor und lässt es diesen auch spüren. Sie hätten »ständigen Krieg miteinander« geführt, wird er später gestehen – lauter Zank schallt durch die Dresdner Fürstenzimmer.

Zoff mit dem Bruder und mangelhafte Sprachkenntnisse

Zunächst werden die beiden Jungen noch gemeinsam erzogen. Die Mutter ist um eine gründliche Bildung bemüht. Johann Ernst von Knoch, der juristisch gebildete Kammerjunker Johann Georgs II., wird zum Hofmeister berufen. Der Musiker und Vizekapellmeister Christoph Bernhardi erteilt den Fremdsprachenunterricht, und der Oberlandbaumeister Wolf Caspar von Klengel, der die meisten Neubauten in Dresden und Umgebung geschaffen hat, unterrichtet in Mathematik, Zivilund Festungsbau.

Bei den Wettinern muss jeder Prinz auch ein Handwerk erlernen – August vertieft sich in die Elfenbeinschnitzerei. Doch zum Leidwesen der Mutter halten sich die schulischen Erfolge gerade des Jüngsten in engen Grenzen. Seine Französischkenntnisse und seine Orthografie – in Französisch wie in Deutsch – bleiben ein Grauen. Der ständige Geschwisterstreit verhindert zudem die nötige Konzentration, sodass die Brüder schließlich getrennt werden und August mit 15 Jahren den westfälischen Adligen Christian August von Haxthausen als eigenen Hofmeister erhält. Praktische, für das Militär wichtige Fertigkeiten treten nun in den Vordergrund seines Erziehungsprogramms: Reiten, Fechten, Jagen. Aus seinem theoretischen Unterricht nimmt er das von Klengel vermittelte Interesse an Festungsbau und barocker Architektur mit, Bernhardi prägt seine Begeisterung für die Oper.

Doch mit vertieften Studien hält sich der Heißsporn nicht lange auf. Mit 16 Jahren stürzt August sich in sein erstes Liebesabenteuer. Auserwählte ist die Hofdame Marie Elisabeth von Brockdorff, mit der er heiße Küsse austauscht. Die fromme Mutter ist entsetzt, verweist die junge Dame des Hofes und nimmt ihren Filius zur Ablenkung auf eine Reise nach Dänemark zu ihren Verwandten mit. Doch ändern kann sie ihren Sohn damit nicht. Er bleibt, wie er ist: der Kunst, der Liebe und dem Lebensgenuss ergeben. Als er nach Dresden zurückkehrt, hat der nachsichtige Vater die kleine Brockdorff schon wieder an den Hof geholt. Und flugs steht auch ein neues Abenteuer vor der Tür: die Grand Tour. Für August ist das Leben wie ein immerwährendes rauschendes Fest.

LESETIPP

Reiner Groß: »Die Wettiner«. Kohlhammer 2007, € 18,–