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Lastenesel der Uckermark


LOK Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 8/2021 vom 16.07.2021

50ÖL IM BW ANGERMÜNDE

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Bildquelle: LOK Magazin, Ausgabe 8/2021

Regelmäßig konnte man die Angermünder 50Öl im Bahnhof Pasewalk (Strecke Berlin ? Stralsund) antreffen. Im Juli 1976 legt 50 0034 dort einen kurzen Halt mit ihrem Zug ein

Lässig lehnt sich im Sommer 1981 der Lokheizer aus dem Führerstandsfenster der auf Hochglanz polierten 50 0029, die mit ihrem Durchgangsgüterzug in Richtung Berlin im Bahnhof Angermünde auf die Weiterfahrt wartet. Den kurzen Betriebshalt hat das Lokpersonal genutzt, um den Wasservorrat zu ergänzen sowie die Achsund Stangenlager zu kontrollieren. Jetzt öffnet der Heizer vorsichtig die Handräder für die Ölzufuhr und den Bläser. „Wuff“ – das vorgewärmte schwere Heizöl entzündet sich in der noch heißen Feuerbüchse. Eine mächtige, schwarze Rauchwolke entweicht aus der Esse. Laut bullern die beiden Flachbrenner. Der Zeiger des Kesseldruckmanometers nähert sich langsam der Grenzmarke von 16 Bar. Schon heben sich klappernd die beiden Flügel de Formhauptsignals Ein kurzer Achtungspfiff und die 50 0029 setzt sich langsam mit der scheinbar endlosen Wagenschlange in Bewegung. Das Ächzen ...

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... der Güterwagen geht im lauten Stampfen der Auspuffschläge unter. Die Öl-50er muss jetzt zeigen, was ihn ihr steckt, denn die Ausfahrt in Richtung Berlin liegt in einer Steigung. Minutenlang ist das markante „Bellen“ der Maschine zu hören. Kaum einer der Reisenden auf den Bahnsteigen beobachtet das Schauspiel, das sich mehrmals täglich wiederholt. Doch die Ära der Baureihe 50 Öl im Bw Angermünde nähert sich ihrem Ende …

Eisenbahnknoten in der Uckermark

Angermünde, eine Kleinstadt in der Uckermark, liegt rund 80 Kilometer nordöstlich von Berlin an der Hauptstrecke nach Stralsund. Die Berlin-Stettiner Eisenbahn-Gesellschaft (BStE) nahm hier mit der Eröffnung des Abschnitts Eberswalde – Angermünde am 1. November 1842 die erste Lokremise (ein Gleis) in Betrieb. Erst im Jahr 1877 wurde der Rechteckschuppen um zwei Gleise erweitert. Nach der Übernahme der BStE durch die Preußische Staatsbahn am 1. Januar 1879 unterstand die Maschinenstation zunächst der Königlichen Eisenbahn-Direktion (KED) Berlin und ab 1. April 1895 der KED Stettin. Diese wandelte die Dienststelle zum 1. April 1903 in eine Betriebswerkstätte um und ließ ab 1907 auf der Nordseite des Bahnhofs Angermünde einen neuen Ringlokschuppen mit Drehscheibe und den notwendigen Lokbehandlungsanlagen errichten.

■ Die Baureihe 42 war bei den Lokpersonalen als „Kohlenfresser“ verrufen. Ersatz sollte herbei ...

Mit dem Anstieg des Personen- und Güterverkehrs auf der Hauptbahn Berlin – Angermünde – Stettin/– Stralsund sowie den Strecken nach Bad Freienwalde/Frankfurt (Oder) und Schwedt (Oder) mussten auch die Anlagen in Angermünde immer wieder erweitert werden. 1922 erreichte der Lokschuppen mit 21 Ständen seine endgültige Ausdehnung.

Preußische Loks dominieren

Mit etwa 30 Maschinen der Baureihen 38 10–40 (preußische P 8), 55 (G 8.1), 57 (G 10), 74 (T 12) und 92 (T 13) sowie rund 250 Beamten und Arbeitern gehörte das Bw Angermünde in den 1920er-und 1930er-Jahren zu den mittelgroßen Dienststellen in der Reichsbahndirektion Schwerin. Nach dem Zweiten Weltkrieg unterstand Angermünde der Reichsbahndirektion Greifswald, die dem Bahnbetriebswerk für den schweren Güterzugdienst 1947 die Baureihe 56 (G 8.2) zuwies. Die 1’Dh2-Maschinen bespannten ab Frühjahr 1947 in erster Linie Durchgangsgüterzüge auf der Relation Berlin – Angermünde – Pasewalk. Allerdings war die G 8.2 für diese Aufgabe nur bedingt geeignet, dies galt sowohl in Sachen Zugkraft und Leistung, als auch im Hinblick auf den Kohleund Wasservorrat.

Die Rbd Greifswald reagierte umgehend auf die Klagen der Eisenbahner und wies der Dienststelle bereits im Frühjahr 1948 die ersten Exemplare der Baureihe 42 zu. Bis zum 1. Januar 1949 stieg der Bestand der schweren Kriegsloks auf zehn Maschinen an. Mit Eil- und Durchgangsgüterzügen kam die Baureihe 42 nun nach Berlin-Pankow, Berlin- Rummelsburg, Eberswalde, Frankfurt (Oder), Neubrandenburg, Oderberg, Pasewalk, Prenzlau, Priort, Szczecin-Gumience/Szczecin und Wuhlheide. Ab 1964 übernahmen die Kriegsloks weitere Aufgaben im schweren Güterzugdienst, da nun die Produktion im VEB Petrolchemisches Kombinat (PCK) Schwedt anlief.

Die ersten „Öler“ treffen ein

Allerdings war die Baureihe 42 bei den Lokpersonalen als „Kohlenfresser“ verrufen. Außerdem stiegen bei den Kriegsloks in den 1960er-Jahren die Instandhaltungskosten deutlich an. Aus diesen Gründen suchte die Verwaltung der Maschinenwirtschaft einen Ersatz. Ab Oktober 1960 erhielt das Bw Angermünde einige Exemplare der Baureihe 52.80. Doch die Reko-Maschinen konnten die Kriegsloks im oberen Leistungsbereich nicht ersetzen. Dies war erst mit den ölgefeuerten Maschinen der Baureihe 50Öl möglich. Die Ära der Ölloks im Bw Angermünde begann am 7. April 1966 mit der 50 5006. Ihr folgten bis zum 26. Mai 1966 noch 50 5007 und 50 5011. Die Lokleiter setzten die Maschinen umgehend im dreitägigen Dienstplan 31 ein, wo sie die Baureihe 52.80 ersetzten. In den folgenden Monaten stockte die Deutsche Reichsbahn den Bestand der Baureihe 50Öl weiter auf. Am 30.

■ Die Ära der Ölloks im Betriebswerk Angermünde begann am 7. April 1966 mit der 50 5006

September 1966 führte die Abteilung Triebfahrzeug-Betrieb des Bw Angermünde bereits 13 Maschinen in ihren Unterlagen. Bis zum 31. Januar 1967 stieg der Bestand auf 26 Exemplare an. Das war mehr als die Hälfte des damaligen Gesamtbestandes (42 Loks). Das Bw Angermünde war nun die Hochburg der Baureihe 50Öl bei der DR.

Mit dem Aufbau der für den Einsatz der Ölloks notwendigen Infrastruktur sowie der Ausbildung des Lok- und Werkstattpersonals hatte die DR im ersten Halbjahr 1966 begonnen. Die vorgeschriebenen Einweisungsfahrten absolvierten die Lokführer und Heizer auf den ölgefeuerten Dampfloks der Baureihe 03.10 des Bw Stralsund.

Die wichtigste Investition im Bw Angermünde war die Tankanlage. Diese bestand im Wesentlichen aus den elf beheizbaren Behältern mit einem Fassungsvermögen von jeweils 50 Kubikmetern sowie der sogenannten Umfüllanlage, an der die Maschinen das schwere Heizöl bunkerten.

Bis zum Fahrplanwechsel am 28. Mai 1967 löste die Baureihe 50Öl die 42er im schweren Güterzugdienst ab. Die Tb-Gruppe benötigte nun täglich 18 Maschinen, die auf fünf Dienstpläne verteilt waren. Einsatzschwerpunkte der Ölloks waren die Strecken nach Berlin, Bad Freienwalde, Szczecin- Gumience/Szczecin und der Werkbahnhof PCK in Stendell. Auf der Strecke Berlin – Stralsund kamen die Maschinen nur selten über Pasewalk hinaus, da der Güterzugdienst auf dem Abschnitt Pasewalk – Stralsund fest in den Händen der Bahnbetriebswerke Pasewalk und Stralsund war.

Die Angermünder Ölloks bespannten meist Transit-, Ganz-, Durchgangs- und Leergüterzüge. Bei durchgehend bespannten Zügen auf der Relation Pasewalk –/Stendell – Berlin wurde im Bahnhof Angermünde der Wasservorrat ergänzt. Typisch für die Öl-50er waren die Kesselwagenzüge vom bzw. zum PCK Schwedt. Aber auch Nahgüterzüge und einzelne Personenzüge gehörten zu den Aufgaben der Baureihe 50Öl.

Trotz des weitgefächerten Einsatzgebietes waren die Laufleistungen der Ölloks des Bw Angermünde eher bescheiden. Die Maschinen legten zunächst durchschnittlich 6.800 bis 7.500 Kilometer im Monat zurück. Ab dem Sommer 1968 stiegen die monatlichen Laufleistungen auf 7.500 bis 8.000 Kilometer an. Spitzenwerte von 9.000 und mehr waren eine Ausnahme. Dies war unter anderem bei 50 5009 (9.193 km im Juli 1968), bei 50 5037 (9.038 km im Juli 1968) und 50 5039 (9.574 km im Juni 1968) der Fall.

26 Loks im Jahr 1970

Zu diesem Zeitpunkt bildete die Baureihe 50.50 das Rückgrat in der Zugförderung des Bw Angermünde. Von den vorhandenen 26 Maschinen wurden im Sommerfahrplan 1970 täglich 15 Exemplare für die Dienstpläne 21.1, 22.1, 22.2 und 22.3 benötigt. Im Güterzugdienst kamen die Maschinen in erster Linie nach Bad Freienwalde, Berlin-Rummelsburg, Berlin-Wuhlheide, Eberswalde, Oderberg, Pasewalk, Stendell, Szczecin-Gumience, Tantow und Wustermark. Die vier im Plan 21.1 zusammengefassten Maschinen bespannten nun alle Personenzüge auf der Strecke Angermünde– Tantow und erbrachten Leistungen (Personen- und Güterzüge) auf den Verbindungen nach Bad Freienwalde und Schwedt (Oder).

Mit dem Fahrplanwechsel am 27. September 1970 kam es zu einigen Veränderungen in den Umläufen der Baureihe 50Öl, da das Bw Angermünde nun eine Lok der Baureihe 44Öl einsetzte. Diese übernahm einen Teil der schweren Kesselwagenzüge auf der Relation Stendell – Wustermark. Ab 23. Mai 1971 bestanden Dienstpläne für insgesamt vier Exemplare der Baureihe 44Öl, was zu Lasten der Baureihe 50Öl ging.

Ein Jahr später wendete sich jedoch das Blatt wieder zu Gunsten der Öl-50er. Das Bw Angermünde gab die Baureihe 44Öl an das benachbarte Bw Eberswalde ab, sodass im Güterverkehr wieder die Baureihe 50Öl das Bild bestimmte. Am 30. September 1972 trugen 25 Öl-50er die Anschrift „Bw Angermünde“ an ihren Führerhäusern, von denen ab 26. Mai 1974 täglich 13 Maschinen für vier Dienstpläne benötigt wurden. Diese kamen nach wie vor mit Güterzügen nach Berlin-Pankow, Berlin-Wuhlheide, Eberswalde, Frankfurt (Oder), Schwedt, Seddin, Stendell, Tantow und Wustermark. Im grenzüberschreitenden Verkehr kamen die Maschinen mit Transitgüterzügen bis nach Szczecin-Gumience. Einzige Reisezugleistung war das Zugpaar P 15102/15103 auf der Strecke Angermünde – Schwedt.

Ein Umlauf für acht Loks

In der Folgezeit änderte sich nur wenig an den Dienstplänen der Baureihe 50Öl des Bw Angermünde. Erst mit dem Fahrplanwechsel am 25. September 1977 stellte der Technologe der Tb-Gruppe die Umläufe um. Fortan waren die Maschinen auf die Pläne 2.21, 2.24 und 2.22/2.23 verteilt. Letzterer war ein Gemeinschaftsplan, in dem insgesamt acht Maschinen eingesetzt wurden. Einschließlich der für den Sonderdienst eingeteilten Dampflok benötigten die Lokleiter nun täglich 14 Exemplare der Baureihe 50Öl. Die einzige planmäßige Reisezugleistung der Ölloks – das Zugpaar P 19941/ 19942 am Morgen zwischen Angermünde und Bad Freienwalde – oblag den Maschinen und Personalen des Plans 2.21.

■ Stets gab es in den Umläufen auch die eine oder andere Leistung vor einem Personenzug

Folgenschwerer Unfall im Schnee

Als erste Lok ihrer Gattung schied 50 0017 im Frühjahr 1979 aus dem Betriebspark aus, da sie bei einem Unfall schwer beschädigt worden war. Am 17. Februar 1979 hatte sich der P 19945 auf der Strecke Angermünde – Bad Freienwalde hinter Künkendorf in einer Schneewehe festgefahren. Die als Hilfslok losgeschickte 50 0017 blieb etwa 20 Meter vor dem Zug ebenfalls in den Schneemassen stecken. Als weitere Hilfslok sollte nun die 50 0016 ihre Schwestermaschine unterstützen. Allerdings fuhr der Lokführer mit zu viel Schwung durch die Schneewehe, rammte dabei 50 0017 und schob diese mit großer Wucht auf den stehenden Personenzug auf. Der Schaden war beträchtlich: Sieben Menschen wurden dabei verletzt, einer schwer. 50 0017 war irreparabel beschädigt und wurde am 14. Mai 1979 ausgemustert.

Die Lücke schlossen 50 0043 und 50 0048 aus Pasewalk, sodass der Tb-Gruppe nun 26 Öl-50er zur Verfügung standen, von denen im Winterfahrplan 1979/80 täglich 13 Exemplare für den Plan- dienst verwendet wurden. Im Plan 2.21 waren drei Maschinen zusammengefasst, die Güterzüge nach Schwedt (Oder), Stendell und Tantow brachten. Mit Transitgüterzügen kamen die Loks außerdem über die deutsch-polnische Grenze bis nach Szczecin-Gumience.

Darüber hinaus oblag einer Maschine täglich zwischen 8:30 und 14 Uhr der Rangierdienst im Bahnhof Schwedt (Oder). Zudem sah der Umlauf die Bespannung des Zugpaares P 19941/19942 nach Bad Freienwalde vor.

Im Gemeinschaftsplan 2.22/2.23 waren acht Maschinen zusammengefasst. Diese hatten im Güterzugdienst ein weit gestecktes Einsatzgebiet und kamen bis nach Bad Freienwalde, Berlin-Grünau, Berlin-Lichtenberg, Berlin-Pankow, Berlin-Schöneweide, Berlin-Wuhlheide, Eberswalde, Frankfurt (Oder), Pasewalk, Pinnow, Rüdersdorf, Schwedt (Oder), Stendell und Wustermark.

■ Im Spätsommer 1980 läutete die VdM das Ende der Baureihe 50Öl im Betriebswerk Angermünde ein

Die einzige Reisezugleistung war der P 15105 Schwedt (Oder) – Angermünde. Zwei Dampfloks dienten zeitweilig (3 bis 14 Uhr und 20 bis 8 Uhr) als Einsatzreserve für die Oberdispatcherleitung (ODL).

Für den Plan 2.24 wurden täglich zwei Maschinen benötigt. Diese fuhren mit Güterzügen nach Bad Freienwalde, Britz, Frankfurt (Oder), Schwedt (Oder) und Tantow. In den Nachtstunden diente eine Maschine als Rangierlok in Schwedt (Oder). Eine Besonderheit des Plans 2.24 war die Vorspannleistung vor dem Ganzzug (Gag) 57292 Frankfurt (Oder) – Angermünde, der von zwei Öl- 50ern befördert wurde.

Doch im Frühjahr gab es erste Einschränkungen bei der 50Öl. Angesichts des seit dem Frühjahr 1979 steigenden Erdölpreises auf dem Weltmarkt musste die DR entsprechend einer Weisung des Minsterrates der DDR vom 13. September 1979 den Verbrauch von schwerem Heizöl einschränken. Das Bw Angermünde erhielt daher im Frühjahr 1980 einige kohlegefeuerte Maschinen der Baureihe 50.35, die die Ölloks auf den Strecken nach Bad Freienwalde, Schwedt (Oder) und Tantow ersetzten. Damit bestanden nach dem Fahrplanwechsel am 1. Juni 1980 für die Baureihe 50Öl nur noch der Gemeinschaftsplan 2.22/2.23 (acht Loks) und der Mischplan 2.21 (zwei Loks) mit der Baureihe 50.35. Der Bedarf bei den Öl-50ern verringerte sich dadurch auf täglich zehn Exemplare.

Im Spätsommer 1980 läutete die VdM schließlich das Ende der Baureihe 50Öl im Bw Angermünde ein. Am 2. September 1980 erhielt die Dienststelle die ersten Dieselloks der Baureihe 120, die schrittweise in den Gemeinschaftsplan 2.22/2.23 eingebunden wurden.

Nur wenige Wochen später, mit dem Fahrplanwechsel am 28. September 1980, beschränkte die Tb-Gruppe den Einsatz der ölgefeuerten Maschinen auf die Dienstpläne 2.21 (zwei Lok) und 2.22 (drei Loks). Der Umlauf 2.21 sah in erster Linie Güterzüge nach Szczecin-Gumience, Schwedt (Oder), Stendell und Tantow vor. Außerdem oblag den Maschinen das Zugpaar P 19941/19942 nach Bad Freienwalde. Die im Plan 2.22 eingesetzten Ölloks brachten Güterzüge nach Bad Freienwalde, Frankfurt (Oder), Stendell und Wriezen.

Da ab dem Herbst 1980 Steinkohle für die Baureihe 50.35 fehlte, stieg der Bedarf bei der Baureihe 50Öl bis zum Jahreswechsel 1980/81 wieder an. Gleichwohl verringerte sich der Bestand der Ölloks im Bw Angermünde deutlich. Am 1. März 1981 zählten noch 17 Exemplare zum Betriebspark, von denen für den Plandienst aber nur sieben Maschinen benötigt wurden. Meist waren 50 0020, 0023, 0028, 0033, 0034, 0035 und 0038 im Einsatz.

Daran änderte sich auch nach dem Fahrplanwechsel am 31. Mai 1981 nichts. Es bestanden weiterhin drei Dienstpläne für insgesamt sieben Maschinen, zu deren Aufgaben noch immer das Zugpaar P 19941/19942 – die letzten planmäßig mit einer regelspurigen Dampflok bespannten Personenzüge in der Rbd Greifswald – gehörten. Angesichts des deutlich geschrumpften Bedarfs hatte die Tb-Gruppe einige Maschinen als Reserve konserviert abstellen lassen. Dies war unter anderem bei 50 0013, 0029, 0036 und 0048 der Fall.

Das schnelle Ende

Erst mit der am 1. September 1981 von der Hauptverwaltung der Maschinenwirtschaft (HvM) erlassenen Anweisung, bis zum 31. Dezember 1981 alle ölgefeuerten Dampfloks abzustellen, waren die Tage der Baureihe 50Öl im Bw Angermünde gezählt. Allerdings besaß die Dienststelle im Spätsommer 1981 noch keinen adäquaten Ersatz für die Ölloks, so dass auch für den Winterfahrplan 1981/82 abermals drei Umläufe vorgesehen waren. Für den Plan 2.21 teilte die Tb-Gruppe 50 0033 und 50 0038 ein. Im Plan 2.22 wurden 50 0011 und 50 0035 gemeinsam mit 120 167 eingesetzt. Die 50 0006 und 50 0019 waren hingegen für den Plan 2.23 vorgesehen. Da weitere Dieselloks der Baureihe 120 als Ersatz für die Ölloks nicht zur Verfügung standen, blieb als einzige Alternative der Einsatz kohlegefeuerter Dampfloks. Die Wahl fiel auf die Baureihe 52.80, deren erste Vertreterin (52 8187) am 14. Oktober 1981 in der Uckermark eintraf und umgehend 50 0006 ersetzte. Es folgte die 52 8030 (16.10.1981), die die Aufgaben der 50 0038 übernahm. 52 8001 (19.10.1981) löste 50 0019 ab.

Damit waren 50 0011 und 50 0035 die beiden letzten planmäßig eingesetzten Öl-50er des Bw Angermünde, die am 30. Oktober 1981 ausgedient hatten. Die noch zum Betriebspark zählenden Maschinen wurden konserviert abgestellt und in den Unterlagen als kalte Betriebsreserve geführt.

Mitte November 1981 wurden noch einmal zwei Maschinen angeheizt, da es bei der 52.80, deren Bestand am 1. November 1981 acht Exemplare umfasste, kurzzeitig zu Engpässen kam. Dazu gehörte 50 0039, die im November 1981 insgesamt 3.945 Kilometer zurücklegte und im Dezember 1981 nach 2.535 Kilometern für immer auf das Abstellgleis rollte.

Vier wurden Dampfspender

Die nicht mehr benötigten 50.00 wurden in Borkenfriede abgestellt. Von dort gelangten 50 0009, 50 0011 und 50 0026 im Spätsommer 1982 als Dampfspender zum VEB Fischkombinat Saßnitz. 50 0006 kam im Frühjahr 1983 als Heizlok zum Bw Görlitz. Alle anderen Maschinen wurden ab 1982 schrittweise ausgemustert und bis 1985 verschrottet. Die Tankanlage für die Ölloks im Bw Angermünde wurde erst 1987 abgerissen. Heute erinnern nur noch Bilder und Lokschilder an die Baureihe 50Öl in der Uckermark.

Dirk Endisch