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Laura Ludwig


Max - epaper ⋅ Ausgabe 2/2021 vom 10.07.2021

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Bildquelle: Max, Ausgabe 2/2021

„Ich war eigentlich schon immer so. Ich hatte ja auch alles in allem immer eine gute Zeit. Das Universum hat es gut mit mir gemeint.“

Laura Ludwig strahlte, natürlich. Auf der Leinwand flimmerten Bilder ihrer größten Erfolge: der WM-Sieg in Wien und Momente aus dem Olympiafinale in Rio, das mit der ersehnten Goldmedaille endete. Bei einer Veranstaltung am Hamburger Rothenbaum wurde mit den motivierenden Erinnerungen der olympische Zyklus eröffnet, der mit der Titelverteidigung in Tokio enden sollte.

An diesem Abend war sie wieder Laura Ludwig, die Beach-Queen. Die einst beste Spielerin der Welt, die alle großen Titel gewonnen hatte und als „Most Inspirational Player“ ausgezeichnet wurde. Ein Spielzug trägt ihren Namen: der „Ludwig Laser“. Beachvolleyballer auf der ganzen Welt kopierten den Schlag, wenn sie zur Überraschung ihrer Gegner den Ball sofort nach dem Aufschlag zurück ins gegenüberliegende ...

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... Feld platzierten und punkteten.

Die 35-Jährige hatte gute Laune, so kennt man sie. Aber seit dem Sieg 2016 hat sich in ihrem Leben vieles verändert. So oft, wie sie lachte, weinte sie plötzlich.

Da waren Wochen des Zweifels nach der Geburt ihres ersten Kindes Teo im Juni 2018. „Ich hatte mir das so viel einfacher vorgestellt. Auch emotional“, sagt sie im Nachhinein. Vier Wochen hatte sie nach der Geburt nicht das Haus verlassen. Sie konnte sich nicht vorstellen, wieder wie früher für ihren Beruf zu leben. Ihr Mann, Morph, ist als Bundestrainer auch ihr Coach. Fast alles hatte sich bei den Ludwigs um Beachvolleyball gedreht. Für die Geburt wurde ein konkreter Zeitraum festgelegt, wann es klappen muss, damit Ludwig zu den Spielen in Japan 2020 wieder in Form sein könnte.

Aber auch ein Wunschkind kann Pläne durcheinanderbringen. Das eingespielte Erfolgsduo brauchte neue Tagesabläufe, auch Lauras Körper hatte sich verändert. Dazu kam etwas, das sie nicht gekannt hatte: Laura Ludwig heulte wegen jeder Kleinigkeit. Wie sollte sie wieder auf ihr Niveau von vor der Schwangerschaft kommen?

Eine Stärke von Laura ist, dass sie schon früh ein unterstützendes Netzwerk aufgebaut hatte. Ihre Psychologin Anett Szigeti und Freundinnen rieten ihr schon vor der Geburt, sich um Teos Betreuung zu kümmern. „Am Anfang war es nicht leicht, Teo mit der Tagesmutter alleinzulassen, aber ich habe gemerkt, dass vor allem ich mir Stress gemacht hatte. Teo war nämlich happy“, sagt Laura.

Wenige Monate nach Teos Geburt der nächste Rückschlag: Ihre Gold-Partnerin Kira Walkenhorst erklärte aus gesundheitlichen Gründen ihren Rücktritt. Laura stand eineinhalb Jahre vor den Olympischen Spielen ohne Team da. Der Traum der Titelverteidigung schien geplatzt.

Würde Laura sich jetzt nur noch auf ihre Mutterrolle konzentrieren? Es dauerte nur wenige Tage, bis Laura die Nachricht verdaut hatte. Anstatt zurückzublicken, entschied sie sich, eine neue Tür aufzustoßen. Sie beschloss, mit Maggie Kozuch weiterzuspielen. „Ich sehe das Leben immer als Phasen an und probiere gerne neue Dinge. Ich hatte wundervolle fünf Jahre mit Kira, besser ging es nicht, vielleicht musste es deshalb so kommen“, erklärt sie.

Nach vorn blicken und nur das Positive aus in der Vergangenheit mitzunehmen, entspricht ihrem Naturell. Man könnte auch sagen: Sie spielt wie beim „Ludwig Laser“ den Angriff direkt ins gegnerische Feld zurück. „Ich war eigentlich schon immer so. Ich hatte ja auch alles in allem immer eine gute Zeit. Das Universum hat es gut mit mir gemeint“, sagt sie.

An den Schlaganfall, den sie mit 18 Jahren hatte, muss sie erst erinnert werden. Schon damals im Krankenhaus war ihre einzige Sorge, dass sie die Muskeln, die sie sich so hart antrainiert hatte, in den drei Monaten Zwangspause verlieren würde. Doch bei allem Optimismus, der ihr in die Wiege gelegt wurde, arbeitet sie auch gezielt daran, ihren Blick nicht aufs Negative zu richten. Ihre Psychologin Szigeti trainierte mit ihr verschiedene Techniken, Ludwig legt sich nach einem schwachen Turnier auch mal die Goldmedaille von 2016 wieder um den Hals, um Stärke zu verspüren (siehe auch Szigetis fünf Tipps auf dieser Seite).

Auf dem Platz entscheide zu 80 Prozent der Kopf, sagt Laura Ludwig. Deshalb arbeitet sie seit 2013 mit der Sportpsychologin Anett Szigeti, studiert Techniken wie die „Fernbedienung“ ein, bei der Laura auf dem Sand einfach das Programm wechselt, wenn es nicht läuft. Szigeti ist am Olympiastützpunkt und in einer Hamburger Klinik als Psychologin tätig. Ihre Tipps zu den Themen „Optimismus üben“ und „Resilienz stärken“ sind nicht nur für Olympiasieger geeignet:

Fünf Tipps für mehr Optimismus von Laura Ludwigs Psychologin

• Stärken stärken – sich bewusst machen, was man gut kann. Eine Technik, die ich auch bei Laura verwendet habe, ist der Ressourcenteppich. Wir erarbeiten die Dinge, die der Mensch gut kann, mit bunten Karten und Schlagworten, daraus ergibt sich ein Teppich. Auf den legt man sich, damit nicht nur der Kopf arbeitet, sondern man auch fühlt, sieht und spürt.

• Bewusst mit negativen Gedanken umgehen. Negative Gedanken sollten wir nicht unterdrücken, sondern annehmen, sie analysieren und daraus lernen. Beispielsweise: „Danke für den Hinweis. Der Gedanke war mir mal sehr nützlich, aber jetzt brauche ich ihn nicht mehr.“ Wenn man den Prozess beendet hat, dann kann man ihn abhaken, den negativen Gedanken loslassen.

• Aus Erfolgen Kraft schöpfen. Sich bewusst vor Augen führen, was in der Vergangenheit geklappt hat – mit allen Sinnen. Laura beispielsweise kann sich nicht oft genug die Goldmedaille aus Rio um den Hals hängen oder sich das Finale ansehen.

• Positiv-Tagebuch führen – ist gerade en vogue, aber es kann wirklich sehr gut funktionieren. Allerdings kann nicht jeder damit etwas anfangen. Das gilt im Übrigen für alle Vorschläge. Deshalb: auswählen, ausprobieren und überprüfen, was für den Einzelnen das beste Ergebnis bringt.

• Positiven Umgang suchen. Am besten umgibt man sich mit Menschen, die auch positiv denken oder zumindest neutral. Wenn man auf Dauer mit Miesepetern zusammen ist, kostet es viel Kraft. Das Leben verlaufe in Wellen, sagt Laura, doch Corona war mehr als eine Welle. Laura und Maggie spielten in Rio, als die Nachricht vom Lockdown kam. Mit dem nächsten Flieger reisten sie zurück, ohne zu wissen, wie es sportlich weitergehen würde.

Perfektionistin Ludwig wurde dazu gezwungen, zur Ruhe zu kommen – und es tat ihr richtig gut. „Es war wie Urlaub zu Hause“, sagt sie, „um diese Jahreszeit war ich in den vergangenen Jahren nie in Hamburg. Ich habe es richtig genießen können.“ Gerade hatte sie ihren Frieden mit der Situation gefunden, als sie die nächste Hiobsbotschaft erreichte: Die Olympischen Spiele wurden um ein Jahr verschoben.

Was tun? Laura war zu diesem Zeitpunkt schon 34 Jahre alt. Selbst mit einem Bruder aufgewachsen, mit dem sie sich auch heute noch hervorragend versteht, wollte sie nie, dass Teo als Einzelkind aufwächst. Sollte sie vor dem Ziel aufgeben oder noch einmal eine Extrarunde mit ungewissem Ausgang drehen?

„Ich habe natürlich mit Morph gesprochen, und wir haben festgestellt, dass wir noch gemeinsam so viel lernen können.“ Das Duo Ludwig/Kozuch hätte mehr Zeit, sich zu finden. Also kämpfte sie mit Maggie darum, ihren olympischen Traum zu verwirklichen. In neuer Rolle: als Mutter, als Außenseiterin im Rennen um Gold. Auch das sei eine Herausforderung, die sie liebt, sagt Ludwig. „Ich kann jetzt schon sagen, die Erfahrungen waren toll: Es hat sich auf jeden Fall gelohnt.“

Was ist es also, das Geheimnis von Lauras Optimismus, von ihrer Fähigkeit, mit Rückschlägen umzugehen? Für Laura zählt nicht nur das Ergebnis, sondern auch der Weg dorthin. Sie kann sich durch Kleinigkeiten motivieren und verliert nie den Glauben an die Möglichkeiten. Sie kontert durch ihre Kreativität, wie auf dem Feld. Außerdem hat sich ihre Perspektive verändert, was hilft, im Kopf flexibel zu bleiben.

Wenn früher die Goldmedaille das höchste der Gefühle war, bringt heute eine Umarmung von Teo ein ebenso tiefes Glück.