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Lautsprecher › STANDBOXEN: MIT DER LIZENZ ZUM UPGRADE


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Audio - epaper ⋅ Ausgabe 11/2020 vom 08.10.2020

Audiovector bietet die kleine Standbox R3 in drei Ausbaustufen an - und zwar mit Upgrade-Option. So lassen sich die Signature und die Avantgarde auf das nächsthöhere Modell aufrüsten, indem in Dänemark Treiber und Weiche getauscht werden.


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Bildquelle: Audio, Ausgabe 11/2020

warm und greifbar, mit wohligem bass


Was tun, wenn das Budget gerade eben für die kleinste Box reicht, aber bald der Wunsch nach mehr aufkommt? Eine Lösung kommt aus Dänemark: Audiovector bietet für die R3-Serie eine Upgrade- Option an. Das hört sich zunächst einfach an und ist es auch, es erfordert aber die Hilfe des freundlichen Fachhändlers, den der neue Vertrieb In- ...

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... Akustik gerne vermittelt.

Dieser bestens bekannte Vertrieb sitzt am Rande zur Schweiz, wo die Sonne besonders lang scheint. Im Portfolio stehen Kabel, Tonträger, Elektronik - und seit neuestem die Lautsprecher von Audiovector. Das sind Dänen mit Hauptsitz in Kopenhagen. Wir reden hier von einer überschaubaren Manufaktur, deutlich kleiner als der Riese Dynaudio. Ein paar Dutzend Hände schuften hier, unter der Leitung von Mads Klifoth und Ole Klifoth.

Mads ist der Sohn und CEO, Ole, der Firmengründer, sonnt sich mittlerweile im Halb-Ruhestand. Er entwickelt noch, hat aber das operative Geschäft an Mads übergeben. Werfen wir einen dicken Anker in die Vergangenheit: Es war 1979, als sich Audiovector mit dem Lautsprecher Trapez so richtig stark aufstellte. Der Name war ein Omen: Die komplette Front wurde nach hinten gelegt, wie eine Käseecke im Raum. Mit drei Chassis aus Wer-weiß-woher.

Heute baut Audiovector nach komplett anderen Prinzipien. Erstens: Ole hat über die Jahre so große Namen wie Scan Speak eingefangen. Die legen in der Regel eigene Chassis auf und fahren hier und da auch eine Sonderedition. Für Audiovector wird die große Ausnahme gewährt: Ole erfindet einen neuen Wandler, Scan Speak baut ihn - im Kundenauftrag und nur für Ole. Diese Membran gibt es nirgendwo anders.

Das Heiligtum hingegen bleibt im Haus, denn Audiovector zählt zu den drei, vier, fünf Herstellern von Air-Motion- Transformern weltweit. Oskar Heil hat dieses Konzept einst erfunden. In Deutschland faltet Elac die Membran, in Dänemark ist es Audiovector mit einzigartiger Stellung.

Der Aufwand ist gewaltig. Eigentlich ist ein Air-Motion- Transformer eine Ziehharmonika, kein Bändchen, wohlgemerkt. Die Energie wird recht fokussiert auf den Hörplatz gepustet. Das ist eine Welt über dem gemeinen Seidenhochtöner. Alles gelingt leichter, schneller, auf den Punkt. Ein König, wer über diese Allzweckwaffe ver- fügt. In diesem Sinne gehört Audiovector bereits zum Adelsstand.

Test: Standboxen

Audiovector R3 Signature 4750 €
Audiovector R3 Avantgarde 7900 €
Audiovector R3 Arreté 9900 €

Auftragsarbeit:



Audiovector hat gute Kontakte zu Scan Speak. Dort entstehen im Kundenauftrag die Basschassis.

Wer mit und zwischen den Zeilen zu lesen verstand, kann auch das Interesse von In-Akustik nachvollziehen: Audiovector ist ein Edelfabrikant mit singulären Werten. Bislang dümpelte der Hersteller zwischen kleinen Importeuren und kritischen Lieferketten, nun kann es wirklich großformatig werden.

Neue Spielregeln verlangen neue Testwege. Wir wollen uns den Dänen im Triple nähern. Die R-Serie gibt es gleich mehrfach. So die R3 - eine eher schlanke Standbox unter 20 Kilogramm. Wer sie sieht, müsste sie als Kenner unterschätzen. Drei Varianten bringt Audiovector über die Grenze: die Basis, die Verfeinerung, den Luxus. Oder in Subnamen: Signature, Avantgarde und Arreté.

Klingt wie ein Nebenkriegsschauplatz, aber hier wird tatsächlich ein audiophiles Konzept ausgefochten. Der Preis steigt von 4750 Euro bis deutlich über das Doppelte. Die Basis ist identisch, was auch die Option zum Upgrade möglich macht: Wer will, kann seine Box dem Händler übergeben, und der schickt sie nach Dänemark. Dort wird die Box komplett entkernt und neu aufgebaut (ab 3830 Euro). Spannend ist die Form, die eben nicht eckig ist, sondern das Ideal der Laute aufnimmt. Vorne plan, dahinter ein geschwungenes „U“. Kennen wir von Sonus Faber, kennen wir von Piega. Audiovector muss hart für dieses Ideal rackern, wie Schiffsplanken werden die Seiten eingespannt und gebogen. Das soll nicht nur schmuck aussehen: Mit den Rundungen werden stehende Wellen gebrochen. Es gibt keine Chance für böse Wellen, sich aufzuschaukeln.

Punkt zwei: Die Front wird gedoppelt. Die Chassis werden in einer zweiten Schicht vor dem eigentlichen Gehäuse eingespannt. Jetzt verfügen wir über den Röntgenblick und können in das Gehäuse hineinsehen. Da gibt es kleine Wunder, denn Audiovector trägt keinen Leim auf. Die inneren Verstrebungen werden eingeklemmt - über ein System der Abstandshalter aus Kunststoff. Alles ist weich. Die bösen Wellen können sich an keiner starren Konstruktion aufschaukeln. Sieht gut aus, und das ergibt wirklich Sinn. Hier hat jemand nachgedacht und ganz fein getunt.

Wir sind angetan, fühlen uns aber ein wenig verloren in den Möglichkeiten, denn die drei R3-Modelle verlangen uns eine Entscheidung ab. Dazu braucht es den Blick auf das Anschlussterminal, auf die Basswandler und den Hochtöner. Die Basisversion Signature ist für 4750 Euro im Paar zu haben. Ihr haftet, ob es die Dänen wollen oder nicht, ein wenig der Eindruck von Magerstufe an. Warum? Weil in ihrer Höhe eine kleine Gewebemembran schwingt. Bei der Avantgarde zum Preis von 7900 Euro ist hingegen schon die Luxusebene des hauseigenen Air-Motion-Transformers zu hören. Als weiterer Pluspunkt kommt hier ein Mitteltöner mit Phase-Plug hinzu, den Audiovector als singulärer Kunde bei Scan Speak bezieht. Wir sprachen darüber

Nun der Himmel. Ganz oben residiert die Arreté. Auch hier gibt es den AMT, dazu aber gleich zwei versiegelte Carbon- Geflecht-Membranen mit Phase- Plug in der Tiefe und Mitte. Das ist klar die Königsdisziplin, auch für die Augen. Wären wir naiv, würden wir auf einen Dreiwegler tippen, doch Audiovector folgt dem Ideal eines 2,5-Wege-Aufbaus. Die technischen Daten varieren, jede Box verfügt über eine eigene Weichenkonstruktion. Im Kern wird über 300 Hertz die untere Membran ausgeblendet. Das Chassis darüber strebt bis 3000 Hertz und übergibt dann an den Hochtöner. Auch dies kein Wunder, aber eine interessante Interpretation.

DOPPELT GEMOPPELT: Die Dänen setzen auf Bi-Wiring. Die Schraubverbindungen sind wuchtig, gekoppelt wird über eine massive Brücke.

MESS LABOR

In den grundlegenden Eigenschaften sind sich die drei Geschwister der R3- Familie sehr ähnlich: Gemeinsam ist ihnen ein ausgewogener Frequenzgang mit (schmalbandiger) Präsenzsenke, der bei der 10°-Messung oberhalb der Hochtöner-Achse auffällt. Die Signature offeriert den höchsten Maximalpegel (105 dBSPL) und die verstärkerfreundlichste
AUDIO-Kennzahl 67.

Bliebe schließlich noch die Frage nach der Bassreflexenergie. Die wird gen Boden geführt, aber kaum sichtbar: Da webt Audiovector ein feines Stahlgeflecht in den angewinkelten Fuß, das die Kraft in den Raum beamt.

Das einsp ielen als Munterma cher

Endlich hören. Wir legten die ersten Schreiben, den ersten Stream auf - und waren ernüchtert. Wir hatten uns Energie und viel Raum vorgestellt. Doch die kleine Signature klang wie eine Novizin, die gerade frisch ins Kloster gebracht wurde - säuselnd, nicht wirklich körperlich, ein Schatten. Da muss ein Missverständnis vorliegen. Wir kennen diesen Effekt. Da ist ein jungfräulicher Lautsprecher, der noch nie von heftigen Emotionen und Pegeln erkannt wurde. Also legten wir unsere Songs in die Endlosschleife und ließen die Signature über zwei Nächte einspielen. Gleiches haben wir auch den beiden Edelschwestern verschrieben. Wie ausgetauscht zeigten sich danach die Wandler.

So blöd es sein mag - lassen Sie uns auf die Zahlen schauen. Die Signature müsste nominell halb so gut klingen wie die doppelt so teure Arreté. Das stimmt natürlich nicht. So schlau die Dänen bei der Preisgestaltung sein wollten - hier gibt es weder Schnäppchen noch Überflieger. Werfen wir den großen T+AStreamer/ Player an, dazu den fetten Amp aus dem gleichen Haus, unser Schlachtschiff bei den Boxentests.

Beginnen wir sanft: Bach, die Goldberg- Variationen. Dutzendfach eingespielt. Nun gibt es ein neues Master mit Lang Lang an den Tasten. Mal im Studio aufgenommen, mal live am Grab von Johann Sebastian Bach in der Leipziger Thomaskirche. So häufig wurde Lang Lang geohrfeigt - er habe zwar die Brillanz, aber nicht das Herz. Wie könnte man das Gegenteil besser beweisen als mit seinen Goldberg-Variationen?

Erstaunlich, wie gut alle drei Audiovector- Boxen die Tiefe dieser Interpreta- tion erfassten. Hier spielte ein Genie, keine Fragen. Wunderbar die Bögen, die Phrasierungen, der Atem. Die kleine Signature besaß bereits alles, aber die Avantgarde wirkte leichter, luftiger - hier kam mehr Odem ins Spiel. Hätte ich das Geld und müsste es unter den Dänen verteilen, dann wäre dieser Lautsprecher mein Favorit.

TRENNKOST: In der kleinen Signature schwingt eine Seidenkalotte, in den Schwestermodellen hingegen ein Air-Motion-Transformer.

MESSLABOR

Der AMT-Hochtöner verschiebt die obere Grenzfrequenz jenseits unserer Messgrenze von 40 kHz. Auch unten tut sich was: Während die Signature bis 40 Hz musiziert, erreichen die Avantgarde und die Arreté satte 35 Hz (-6 dB). Als Maximalpegel ermittelten wir 103 dBSPL. Hinsichtlich Verstärker ist die Avantgarde mit AUDIO-Kennzahl 73 am anspruchsvollsten.

Mit den Roll ing Stones in 24/96 ging die Sonn e auf

Stromern und streamen wir umher. Hey - da sind ja die Stones. Meine Güte, nach Jahrzehnten und nach gefühlt tausendfacher Vermarktung: „Goats Head Soup“ wurde neu durch die digitalen Kanäle geführt. Großartig. Diese Präsenz, dieser Hauch von Genie. Wir streamten „Angie“ mit 24 Bit und 96 Kilohertz hinzu und eine Welt ging auf.

Brauchen wir die Luxusvariante? Eine schwierige Frage. Ehrlich: Mir gefällt die Avantgarde am besten. Der Air-Motion- Transformer ist da, mehr brauche ich nicht. Wie überhaupt die Arreté zwar atrraktiv, aber auch etwas heftig in der Preisgestaltung erscheint.

Fazit

Andreas Günther Audio-Mitarbeiter


Drei Geschwister. Das erinnert an griechische Helden, die ihre Äpfel je nach Liebesgefühl verteilen müssen. Wir würden die mittlere Schwester wählen, weil uns die teuerste nicht verführt und die kleinste uns zu jung erscheint. So auch hier. Die Avantgarde-Version der R3 hat alles, die große Arreté toppt es nicht wirklich. Die Preispolitik ist erstaunlich, hier haben die Dänen die Schraube schon mächtig angezogen. 9900 Euro für eine kompakte Standbox ohne Gold-Applikation - das kann man nicht jedem vermitteln. Die Abstimmung unter den Schwestern ist maximal verwandt: warm, greifbar, mit wohligem Bass.

ÜBERR ASCHUNG: Bei der Arreté gibt es zusätzlich eine Erdungsklemme. Hat was, bringt was: Der Klang wirkte entspannter und zugleich konkreter.

MESSL ABOR

Die teuerste Vertreterin der R3-Serie zeigt einen sehr ähnlichen Frequenzgang wie die Avantgarde, minimal geringere Welligkeiten könnte man ihr bei genauem Hinsehen attestieren. Bei Tiefgang, Dynamik und Wirkungsgrad tun sich ebenfalls keine nennenswerten Unterschiede auf, der Vollständigkeit halber: fg(-6 dB): 36 Hz; max. 104 dBSPL, AU DIO -Kennzahl 71.