Bereits Kunde? Jetzt einloggen.
Lesezeit ca. 4 Min.

Lautsprecherkabel: Die Schlange der Verführung


Stereoplay - epaper ⋅ Ausgabe 4/2020 vom 05.03.2020

Darf es ein wenig mehr sein? in-akustik formt ein Lautsprecherkabel aus reinem Silber. Bei dem Preis verschlägt es uns den Atem. Wie groß sind die hörbaren Werte?


Artikelbild für den Artikel "Lautsprecherkabel: Die Schlange der Verführung" aus der Ausgabe 4/2020 von Stereoplay. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Stereoplay, Ausgabe 4/2020

Wir müssen doch mental verwirrt sein. Um nicht zu sagen: bescheuert. Um überhaupt über diese Option nachzudenken. Ein Lautsprecherkabel für 9500 Euro. Das ist doch unsittlich. Das ist doch jenseits aller Spielregeln und Fantasien. Dennoch gibt es dieses Kabel. Geschaffen von inakustik und recht unaufgeregt verpackt. In einem grau-schwarzen Karton, der in nichts den Wert seines Inhalts preisgibt. Würde es „Hero“ heißen, oder „Maximator“, doch ...

Weiterlesen
epaper-Einzelheft 5,49€
NEWS 14 Tage gratis testen
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Stereoplay. Alle Rechte vorbehalten.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 4/2020 von News & Stories Schloss-Festspiele. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
News & Stories Schloss-Festspiele
Titelbild der Ausgabe 4/2020 von Vor- und Monoverstärker: Absolute Kontrolle. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Vor- und Monoverstärker: Absolute Kontrolle
Titelbild der Ausgabe 4/2020 von Spezial Plattenspieler: Think different. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Spezial Plattenspieler: Think different
Titelbild der Ausgabe 4/2020 von Spezial Plattenspieler: Der Spieler. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Spezial Plattenspieler: Der Spieler
Titelbild der Ausgabe 4/2020 von Spezial Plattenspieler: Verwandlungs-Künstler. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Spezial Plattenspieler: Verwandlungs-Künstler
Titelbild der Ausgabe 4/2020 von Spezial Phonovorstufe: „To DC infinity and beyond“. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Spezial Phonovorstufe: „To DC infinity and beyond“
Vorheriger Artikel
Spezial Ratgeber Audiophile Disziplinen: Laut und leise
aus dieser Ausgabe
Nächster Artikel Kompaktlautsprecher: Nubiläums Edition
aus dieser Ausgabe

... auf dem Karton steht nur ein kryptisches Kürzel: „LS- 1204 AIR Pure Silver“.


Reines Silber - das ist teuer, aber auch schneller als gemeines Kupfer. Die eigenen Werte entscheiden.


Die reine Luft

Gerade in diesem Namen verbirgt sich das Geheimnis. Wir könnten das wunderbar interpretieren. Die „12“ gibt die Ansammlung der Leiterbahnen vor. Das „LS“ steht natürlich für „Lautsprecherkabel“. „Air“ hingegen ist ein Geniestreich, den sich in-akustik per Patent gesichert hat. Die Leiterbahnen laufen nicht durch einen klassischen Schlauch. Kein noch so potenter Kunststoff dient als Trennelement, sondern reine Luft. in-akustik webt die zwölf Leiterbahnen in ein Geflecht, bei dem Luft als Trennelement agiert. Das sind feine Skelettgitter, die jeden Signalfluss von dem anderen entfernt halten. Einzig ein transparenter Schlauch umschließt das Gebilde. Was aber nicht den Preis erklärt. Hier kommt das mystische Wort „Silver“ ins Spiel. Die Signalkabel bestehen tatsächlich aus hochreinem Silber. Nix Kupfer, diese Version gibt es auch - für kleinere 2000 Euro. Dazu muss man wissen, dass eine Heerschar an Betrügern im Markt unterwegs ist. Auch sie versprechen „Silver“. Doch hier wird einfach ein Kupferstrang mit Silber ummantelt. Gilt nicht. Die in-akustik-Kabel jedoch bestehen aus feinstem, reinen, ungebrochenen Silber. Das kostet. Doch sind 9500 Euro angemessen? Schauen wir zuerst in die rein physikalischen Spielregeln. Silber ist zwar ein schlechterer Leiter im Vergleich zu Kupfer. Doch Silber ist schneller - die Informationen kommen schneller an ihr Ziel, die Membranen. Die folgende Logik ist ebenso stark: Silber ist deutlich teurer als Kupfer. So muss die Silberversion sich auch in anderen Regionen bewegen.

Ist dies wirklich den dramatischen Aufpreis wert? Genau an dieser Stelle würden wir uns wie ein wissender Buddha in Schweigen versenken. Denn die finanzielle Summe verlangt uns Ehrfurcht ab. Wir würden uns gern in unser Inneres zurückziehen und eine weise Antwort nuscheln.

Aber das ist leider nicht der Job von Testredakteuren. Die Leser wollen die Wahrheit wissen. Wir rappeln uns auf und sind brutalst- möglich ehrlich: Der Klanggewinn ist relativ - er steht in starkem Verhältnis zu der Kette die wir aufgebaut haben. Wir sollten uns schon oberhalb von 30.000 Euro bewegen. Sonst macht die Anschaffung eines LS-1204 AIR Pure Silver keinen Sinn. Das ist grob beziffert, aber ehrlich. Erst auf dieser Höhe beginnt das Edelkabel zu fliegen. Und dieser Flug wird wunderschön.

Der Kunde ist König: Ein Paar Bananen-Stecker oder lieber ein Kabelschuh? Alles wird auf Wunsch geliefert.


Mehr Peng, mehr Energie

Schon das Kupferkabel war feinsinnig, mit der Silberversion legt insbesondere die Impulsbereitschaft einige Scheite zu. Alles schien leichter zu fallen. Der Peng aus der Boxenebene erhielt mehr Energie. Dabei darf man nicht auf ein psychologisches Verwirrspiel hineinfallen. Indem man den Klang dem optischen Erlebnis zuordnet. Im Sinne von: Silber glänzt hell, Kupfer eher matt, das eine schimmert, das andere erdet. Silber jubiliert nicht heller als Kupfer. Das Grundgerüst ist verwandt. Aber mit Silber gewinnt das innere Timing mehr Präsenz.

Da gibt es einen wunderbaren Song als Testmusik. „Jenny Wren“ von Paul McCartney. Eine feine Ballade mit punktgenauen Impulsen. Links und rechts eine akustische Gitarre, die Singstimme in der Mitte. Nach dem zweiten Refrain taucht der Bass auf, dann ein Saxophon-Solo. Große Musik, mit dem höchsten audiophilen Aufwand eingefangen. Das LS- 1204 AIR Pure Silver liebte diese Welt - wie durch Magie hörten wir mehrdimensional, die angerissenen Saiten verfügten über eine klar deutlichere Präsenz.

Fakten und Emotionen

Da gibt es schon eine Sehnsucht. Die uns suggeriert: Mit diesem Kabel wird die audiophile Welt besser. Wir leben unseren Traum. Wir hören alles. Jeden Impuls, den uns die Beatles ans Herz legen wollten. Jede Klangwolke, mit der uns Pink Floyd betören wollte. Genau dieser Mix aus Fakten und Emotionen liegt in der Welt dieses Silberkabels. Aber es bleibt Selbstbetrug. Der schönste, den man sich denken kann. Unsere audiophile Welt verändert sich, aber unsere bestehende Kette legt nur um Feinheiten zu. Schwierig. Hier entscheidet letztendlich das Herz. Oder besser: Wir finden einen Händler unseres Vertrauens, der uns dieses Kabel einmal zum Test ausleiht. Gelingt dies nicht, so zeigt in-akustik Größe: Man kann bestimmte Kabel aus dem Katalog zum Test ordern. Leider sind die Silberkabel nicht dabei. Aber vielleicht schafft eine plötzliche Flut an Nachfragen neue Spielregeln. Also beharrlich bleiben und mal freundlich bei in-akustik anrufen. Vielleicht klappt es.

Bringen wir es in eine harte Relation. Unsere 30.000 Euro teure Kette legte um drei Prozent in ihrem Potenzial zu. Zücken wir den Taschenrechner. 30.000 Euro mal drei Prozent - macht 900 Euro. Damit läge das Silber-Kabel von in-akustik immer noch ein Zehntel unter dem realen Listenpreis. In diesem Sinne: das ist eine Gratwanderung. Trotzdem gibt es ein Gefühl für Fairness, und trotzdem gibt es da eine Hemmschwelle. Wir sagen klar: Dieses Kabel ist nur etwas für die Alles-Besitzer, für jene, die ihre Kette noch um wenige Zentimeter nach oben tunen wollen. Für alle Normalverbraucher bleibt das Fazit: Schön, dass es dieses Produkt gibt, aber wir brauchen es nicht unbedingt. Das Bauchgefühl entscheidet. Am besten man stürzt sich in einen Testlauf und erlebt die Macht des Silbers individuell.

Andreas Günther

Ehrlich und in Handarbeit

Jeder Zentimeter: in-akustik unterhält am Firmenstandort eine eigene Halle für die Kabel-Fertigung.


Genau hier liegt der Unterschied: Es gibt Dutzende Mitbewerber, die „Made in Germany“ auf die Verpackung drucken. Keine Lüge, aber eine Halbwahrheit. Denn so oft stammen die Leiterbahnen selbst aus China. In Deutschland wurden sie umflochten und mit neuen Steckern veredelt. Ein heikles Geschäft, dem in-akustik komplett entsagt. Denn alle Kabelwege stammen von einem deutschen Mitgesellschafter. Dazu unterhält in-akustik am Firmensitz eine echte Finish-Abteilung. Hier werden die besten Kabel im Katalog geflochten, aufwendig in die Abstandhalter integriert und schließlich wahlweise mit Kabelschuhen oder Steckern konfektioniert. Das ist ehrlich, das ist teuer, das ist bestes Handwerk.