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Lautten Compagney: Bogenspannung


Rondo - epaper ⋅ Ausgabe 5/2019 vom 18.10.2019

Sie haben es wieder getan: 10 Jahre nach dem erfolgreichen Crossover-Projekt „Timeless“ fährt das Alte-Musik-Ensemble auf der „Circle Line“.


Es war eigentlich wie immer“, erinnert sich Wolfgang Katschner, Gründer, Geschäftsführer und kluger Kopf hinter dem Berliner Alte-Musik-Ensemble Lautten Compagney, an die Ursprünge des jüngsten Albums seiner wirklich bunten, immer wieder überraschenden Truppe. „Ich sitze da und überlege, was kommt als Nächstes? Was haben wir noch nicht gemacht? Welchen roten Themenfaden können wir wiederaufnehmen und weiterspinnen? Soll es ein großes oder kleines Projekt werden? ...

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Bildquelle: Rondo, Ausgabe 5/2019

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... Bleiben wir diesmal streng historisch, oder geht es in Richtung Crossover?“

Zum Abheben: Im Schulterschluss bekommen Gotik und Minimal Music bei der Lautten Compagney eine schwebende, suggestive Qualität


Konfrontationskurs

Die Lautten Compagney bringt 500 Jahre voneinander entfernte Musikstile in diesem CD-Projekt miteinander in Beziehung. Dies geschieht über die Nutzung eines übergreifenden Instrumentariums, das neben historischen Instrumenten, wie Laute, Posaune und Zink, auch Saxofon und diverse Schlaginstrumente einschließt. Sorgfältig wurden die entsprechenden Kompositionen aus beiden Stilrichtungen ausgewählt, arrangiert und in eine schlüssige Reihenfolge gebracht. So wird schon gleich zu Beginn die spannungsgeladene Musik des „Train To São Paulo“ aus Philip Glass’ berühmter Filmmusik zu „Powaqqatsi“ mit dem signalhaften „Gloria ad modum tubae“ von Dufay konfrontiert.

„Timeless“ – das spannte erstaunlich stimmig und faszinierend Musik von Tarquinio Merula und Philip Glass zusammen. Man verlor sich scheinbar schwerelos in den leicht berauschenden Musikstücken: Werke der Renaissance und des 20. Jahrhunderts überraschend zum Schulterschluss gebracht. Durch eine sorgfältige Orchestrierung wurde die Verwandtschaft noch betont, einige der Werke gingen bruchlos ineinander über.

„Das war toll damals“, erzählt Wolfgang Katschner, „vor allem zu erleben, was für Menschen mit sonst sehr unterschiedlichem Musikgeschmack man so erreichen kann. Es war eine Reise, ein Abenteuer für uns alle. Aber eines, das sehr befriedigend ausging.“

So wollte man jetzt, genau zehn Jahre später, noch einmal an diese Erfahrungen anknüpfen, sie ausweiten. „Also ging wieder der mühsame Teil der Notensuche los, und die Überlegung, wie verblende und kombiniere ich was. Wir wollten diesmal noch variabler werden.“

Entstanden ist so „Circle Line“, das seine Inspiration wirklich einer Fahrt auf dem Berliner S-Bahn-Ring verdankt, dann aber wegen der international besseren Lesbarkeit auf die Londoner Tube und ihr bekanntes Logo übertragen wurde. Ein Gutteil der verwendeten Musik kommt aus dem anglo-amerikanischen Sprachraum. Diesmal trifft Glass mit Steve Reich, Meredith Monk, dem frühen John Cage auf Musik des zwischen Cambrai und Rom tätigen Guillaume Dufay, und wieder verbinden sich französische Kathedralen und die Skyline von Manhattan zu einem klanglichen Ring. Musikalische Neuanfänge über 500 Jahre hinweg, die wirklich magisch miteinander harmonieren. Vor allem wenn die damalige Vokalmusik der Gotik, eine Verschmelzung der Sphären im Kontrapunkt anstrebend, instrumental bearbeitet wird, das Saxofon etwa einen ganz unerwarteten Klang darüberlegt. So wird deutlich: Beide zeitlichen Anteile arbeiten mit ihren Formeln, deren kaum merkliche Varianz erzeugt das klangliche Schweben. Diese Musik nimmt uns mit auf einen Trip.

www.lauttencompagney.de

Neu erschienen: „Circle Line“ , Werke von Glass, Cage, Dufay u. a.,dhm/Sony

Abonnenten-CD: Track 18

Die nächsten Auftritte:
18.10. Bad Sooden-Allendorf,St. Crucis- Kirche (Die Reisen des Marco Polo)
26.10. Fulda,Schlosstheater (Der Apotheker)
27.10. Aschaffenburg,Stadttheater (Der Apotheker)
1.11. Berlin,St. Elisabeth-Kirche (Bach)
2.11. Berlin,St. Elisabeth-Kirche (Circle Line)
5.11. Fulda,Fürstensaal (Gefährliche Briefschaften)
8.11. Hamburg,Laeiszhalle (Bach)
12.11. Berlin,Theater im Delphi (:lounge)
19.11. Kempten,Stadttheater (Rinaldo)
22.11. Villingen-Schwenningen,Theater am Ring (Giustino)
26.11. Schaffhausen (CH),Stadttheater (Alcina)
27.11. Olten (CH),Stadttheater (Rinaldo)
30.11. Visp (CH),Theatre La Poste (Giustino)
2.12. Olten (CH),Stadttheater (Sommernachtstraum)
3.12. Uster (CH),Stadthofsaal (Giustino)
3.12. Olten (CH),Stadttheater (Don Quichote)
4.12. Olten (CH),Stadttheater (Gender Stories)
5.12. Villingen-Schwenningen,Franziskaner Konzerthaus (Gender Stories)
6.12. Baden Baden,Festspielhaus (Von Engeln und Hirten)
14.12. Hamburg,Hauptkirche St. Jacobi (Marienvesper)
17.12. Berlin,St. Elisabethkirche (Weihnachtsoratorium)
22.12. Dortmund,Reinoldihaus (Von Engeln und Hirten)
22.12. Wien (A),Musikverein (Messiah)
31.12. Berlin,Gethsemanekirche (Circle Line)


Foto: Ludwig Olah/Sony