Bereits Kunde? Jetzt einloggen.
Lesezeit ca. 3 Min.

Lavendel mit Depotdünger-Vollversorgung? Ja, aber …


GB Gärtnerbörse - epaper ⋅ Ausgabe 6/2018 vom 02.06.2018

Das Versuchszentrum in Straelen arbeitet gemeinsam mit der Produktionsberatung und mit Betrieben an einer Versuchsreihe zur Verwendung von Depotdünger in der Lavendelkultur mit Dosierungen bis zur Vollversorgung. Im Versuch wurden neben den umhüllten Langzeitdüngern auch organische Varianten eingesetzt und das verwendete Gießwasser berücksichtigt.


Artikelbild für den Artikel "Lavendel mit Depotdünger-Vollversorgung? Ja, aber …" aus der Ausgabe 6/2018 von GB Gärtnerbörse. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: GB Gärtnerbörse, Ausgabe 6/2018

Beet mit „Betriebswasser“ (27. 6. 17)


Beet mit Stadtwasser (27. 6. 17)


Blühender Lavendel hat sich zu einer der Hauptkulturen im Segment der Frühjahrs- und Sommerstauden entwickelt. Einerseits ist es eine klassische Staude für die Rabattenbepflanzung, ...

Weiterlesen
epaper-Einzelheft 13,99€
NEWS 14 Tage gratis testen
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von GB Gärtnerbörse. Alle Rechte vorbehalten.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 6/2018 von Klipp & Klar: Der richtige Umgang. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Klipp & Klar: Der richtige Umgang
Titelbild der Ausgabe 6/2018 von Neuseeland: Branche schrumpft. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Neuseeland: Branche schrumpft
Titelbild der Ausgabe 6/2018 von Aleia Roses setzt auf Nützlinge. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Aleia Roses setzt auf Nützlinge
Titelbild der Ausgabe 6/2018 von Zwischenruf: Lust auf Ausbildung. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Zwischenruf: Lust auf Ausbildung
Titelbild der Ausgabe 6/2018 von Unternehmen: Tom Canders, Straelen: Zukunftsorientierte Entwicklung. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Unternehmen: Tom Canders, Straelen: Zukunftsorientierte Entwicklung
Titelbild der Ausgabe 6/2018 von Unternehmen: Regional und umweltfreundlich. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Unternehmen: Regional und umweltfreundlich
Vorheriger Artikel
Ähnlich starke Hemmwirkung, auffallende Sortenunterschiede
aus dieser Ausgabe
Nächster Artikel Basewell: Gel statt Substrat
aus dieser Ausgabe

... andererseits wächst die Bedeutung des Lavendels als blühende Dekopflanze auf dem Gartentisch oder im Indoorbereich.

Mit der wachsenden Beliebtheit beim Konsumenten ergeben sich Fragen zur Düngung unter dem Stichwort der nachhaltigen Produktion.

Im vorausgegangenen Versuch des Vorjahres zeigten sich im Versuchsbetrieb trotz ähnlicher Tendenzen geringere Wuchsleistungen bei gleicher Ernährung als in den begleitenden Praxisbetrieben. Als Ursache wurde ein Zusammenhang mit dem verwendeten Gießwasser vermutet. Dieser sollte 2017 überprüft werden.

Versuchsdaten

In Kalenderwoche 19 wurden Jungpflanzen der Sorte ‘Essence Purple’ in 13-cm-Teku-Töpfe in Klasmann-Container-Substrat mit einem pH-Wert von 5,8 getopft. Die verschiedenen Düngerdosierungen und Düngertypen wurden in die jeweiligen Substrate eingemischt (siehe Tabelle 1).

Basacote: (von li.) Variante 7 – 8 – 9 – 1 – 2 – 3 (s. Tabelle 1)


Cuxin: (von li.) Variante 10 – 11 – 12 – 4 – 5 – 6 (s. Tabelle 1)


Fotos: Peter Tiede-Arlt

Die Pflanzen wurden mit N-Mengen von 640, 960 und 1280 mg je Liter Substrat (= je Topf) versorgt. Als umhüllter Langzeitdünger wurde Basacote Plus 3M eingesetzt. Die organische Variante wurde wie im Vorjahr mit Cuxin DCM Eco-Xtra 1 mit gleichen Nährstoffmengen verabreicht.

Alle Varianten wurden in dreifacher Wiederholung auf Beet eins ausgestellt, auf dem ein nährstoffhaltiges simuliertes „Betriebswasser“ mit 100 mg Nitrat pro Liter zum Gießen verwendet wurde. Ebenfalls in dreifacher Wiederholung kamen die Pflanzen auf Beet zwei, auf dem Stadtwasser mit einem Nitratgehalt unter 2 mg pro Liter verwendet wurde. Mit diesem Vergleich sollte untersucht werden, welchen Einfluss das Gießwasser auf die verabreichte Düngung hat.

Kulturverlauf und Ergebnisse

Wenige Tage nach dem Topfen wurden an den Pflanzen mit der organischen Düngung zahlreiche Fliegen beobachtet, die die noch kleinen Pflanzen erheblich mit Kot verschmutzten. Zudem entstand an diesen Stellen eine unangenehme Geruchsbelästigung. Auffällig war die scharfe Abgrenzung dieser Beobachtungen zu den Pflanzen mit mineralischer Düngung. Etwa zwei Wochen nach Beginn dieser Beobachtungen normalisierten sich sowohl die Fliegenbelastung als auch die begleitenden Gerüche.

Abbildung 1: Lavendel-Depotdüngung 2017 – Einfluss der Düngung auf die Entwicklung der Frischmasse (BW = „Betriebswasser“, SW = Stadtwasser)


Zudem verursachte der organische Dünger eine hohe Salzbelastung für die Pflanzen (unter anderem durch hohe K-Gehalte im Dünger), sodass nach Wurzelverbrennungen Ausfälle zu verzeichnen waren.

Ebenso auffällig in ihrer Entwicklung zeigten sich die Pflanzen im Hinblick auf das verwendete Gießwasser: Alle Varianten der mit dem „Betriebswasser“ gegossenen Pflanzen zeigten stärkeres Wachstum als die mit dem Stadtwasser gegossenen Vergleichsvarianten. Bestätigt wurde dieser optische Eindruck durch die Entwicklung der Frischmasse, die je Variante wöchentlich erfasst wurde (Abbildung 1).

Die mineralisch gedüngten Pflanzen wuchsen alle zu vermarktungsfähiger Qualität heran. Im direkten Vergleich war der Gesamteindruck der Pflanzen in den mit 960 mg N versorgten Varianten „geschlossener“ als in den 640- und 1280-mg-N-Varianten. Die mit dem simulierten „Betriebswasser“ gegossenen Pflanzen zeigten stabilere Qualität und mehr Frischmasse.

Obgleich die in diesen Varianten verabreichte N-Menge leicht über der der Stadtwasser-Variante lag, zeigte sich eine bevorzugte Aufnahme von in Wasser gelösten Nährstoffen, die die Pflanzen direkt umsetzen können.

Bestätigt wird dies durch die organische Düngung, bei der weniger Ausfälle auf dem Beet mit dem „Betriebswasser“ auftraten. Durch die direkt verfügbaren Nährstoffe im Wasser konnten die Salzbelastungen an den Wurzeln zum Teil kompensiert werden. Damit bestätigte sich die stärkere Wuchsleistung der Pflanzen in den Praxisbetrieben im Vergleich zum Versuchsbetrieb.

Fazit des Versuchs

Der N-Bedarf einer Lavendel-Pflanze im 13-cm-Topf mit circa einem Liter Substrat liegt bei 600 bis 800 mg N, das haben die Versuche der vergangenen Jahre gezeigt. Eine Vollversorgung mit umhüllten Langzeitdüngern ist zwar möglich, aber nicht praxisüblich. Empfehlenswert und ohne Risiko für das Kulturergebnis ist jedoch die Versorgung über Langzeitdünger mit etwa 50 Prozent der Nährstoffmenge. Auf eine Punktdüngung sollte der Produzent aufgrund der Salzbelastung an den Wurzeln verzichten.

Der im Versuch eingesetzte organische Dünger mit Vollversorgungsgrad birgt nach den Versuchsergebnissen ein hohes Risiko für den Kulturerfolg. Daher sollte die Anwendung vor einem großflächigen Einsatz mit niedrigen Dosierungen unter den betriebsspezifischen Bedingungen getestet werden. Möglich ist die Verwendung niedrigerer Dosierungen bei entsprechender flüssiger Nachdüngung.

Die in den Praxisbetrieben verwendete Gießwasserqualität nimmt erheblichen Einfluss auf die Pflanzenentwicklung und die Verkaufsqualität. Dies wurde durch den Versuch und durch die kurze Kulturzeit von nur sieben Wochen sehr deutlich.

Versuche zur Lavendel-Düngung: Konstruktion zur Erfassung des Dränwassers


Abbildung 2: Lavendel-Depotdüngung 2017 – Einfluss der Düngung auf den Stickstoff-Gehalt im Substrat (N-Werte der Substratanalysen vier Wochen nach Topfen und zum Kulturende mit und ohne Basacote – „ohne“ = ausgelesen, „mit“ = Körner wurden vermahlen und mit analysisert)


Abbildung 3: Lavendel-Depotdüngung 2017 – Einfluss der Düngung auf den Kalium-Gehalt im Substrat (K2 O-Werte der Substratanalysen vier Wochen nach Topfen und zum Kulturende mit und ohne Basacote – „ohne“ = ausgelesen, „mit“ = Körner wurden vermahlen und mit analysisert)


Regelmäßige Kontrolluntersuchungen des betriebseigenen Wassers sind zu empfehlen. Sie erhöhen die Kultursicherheit und sparen Dünger.

Peter Tiede-Arlt, Markus Baumgärtner, Versuchszentrum Gartenbau Straelen, Landwirtschaftskammer NRW