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„Leader fallen nicht durch Worte auf – sondern durch Leistung!“


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Sport Bild - epaper ⋅ Ausgabe 46/2022 vom 16.11.2022

WM 2022

SPORT BILD: Herr Rüdiger, fliegen Sie nach der WM aus Ihrem Wohnhaus in Madrid?

ANTONIO RÜDIGER (29): Warum sollte ich?

Der ehemalige Real-Torwart Keylor Navas, jetzt bei Paris St-Germain, ist Ihr Vermieter. Im letzten Gruppenspiel können Sie ihn gegen Costa Rica vorzeitig aus dem Turnier schießen!

(lacht) Solange ich pünktlich die Miete zahle, wird das glaube ich nicht passieren. Keylor ist ein super Torwart, der für mich nach wie vor etwas unterschätzt wird. Aber natürlich wollen wir ihn und Costa Rica schlagen.

Sie werden bei der WM der Abwehrchef der deutschen Elf sein. Zwischen dem letzten Liga-Spiel und dem Turnierstart gegen Japan am 23. November liegen nur neun Tage. Wie problematisch ist die Minivorbereitung?

Ich finde es ehrlich gesagt gar nicht schlecht, dass es direkt ohne lange Vorbereitung weitergeht. Wir bleiben im Rhythmus der Saison, jeder muss sofort bereit sein. Wir hätten ...

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Verteidiger Antonio Rüdiger spielte bislang 54-mal für die DFB-Elf (zwei Treffer). Über die Stationen Stuttgart, AS Rom und Chelsea schaffte er im Sommer den Sprung zu Real Madrid
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... ja jetzt ohnehin keine Pause gehabt. Für mich ist das kein Problem – und ich glaube, bei unseren anderen Spielern auch nicht.

Dabei hat Deutschland mit Ihnen, Süle, Schlotterbeck, Ginter eine sehr starke Defensive. Ist das in der Breite die beste bei der WM?

Wir haben super Spieler, das stimmt – aber das müssen wir jetzt auch zeigen. Wir müssen mehr Zweikämpfe suchen und davon deutlich mehr gewinnen. Es geht auch darum, den Druck zu genießen, rauszugehen, richtig Spaß zu haben und zu zeigen, wer wir sind! Deutschland war immer eine Turniermannschaft. Das müssen wir jetzt zu 100 Prozent wieder beweisen.

Im ersten Gruppenspiel geht es gegen Japan, danach gegen Spanien. Wie sehr ist dieses Duell in der Kabine von Real Madrid schon Thema gewesen?

Gar nicht so sehr. Wir wissen trotzdem, wie gefährlich sie sind. Das letzte Duell ging für uns ja ziemlich in die Hose (0:6 vor der EM 2021; d. Red.). Wir haben da definitiv etwas gutzumachen!

Was sagen die anderen Weltstars über Deutschland?

Also wenn ich mit meinem brasilianischen Mitspieler Vinicius spreche, sagt er immer: „Ihr habt eine super Mannschaft: Sané, Musiala, Gnabry, Kimmich. Das sind alles super Spieler!“

Und was antworten Sie?

Dass ich es auch so sehe, wir haben eine starke Truppe, einen super Mix aus Jung und Erfahren. Wir sind Deutschland – es ist egal, wie wir vorher gespielt haben. Wir müssen die entsprechenden Lehren daraus ziehen und jetzt liefern. Wir sind nicht so schlecht, wie wir manchmal dargestellt werden, aber das müssen wir jetzt auch auf dem Platz zeigen!

Wird es ein Duell mit Spanien um Gruppenplatz 1?

Das ist mir zu einfach. Unterschätzt Japan und Costa Rica nicht! Dass Überraschungen immer wieder möglich sind, haben wir in den letzten Jahren oft genug erlebt. Das sind sehr unbequeme Mannschaften. Vor allem japanische Spieler sind den meisten von uns aus Deutschland bekannt. Das sind sehr disziplinierte Spieler, mit großem Willen und technisch versiert. Unser Ziel ist klar: Wir müssen gegenhalten und wollen sofort ein Momentum kreieren, dass uns von der ersten bis zur letzten Partie des Turniers trägt. Also bis zum Finale? Natürlich ist das unser Ziel.

„Eine Blamage wie 2018 darf nicht noch mal passieren!“

Wer sind Ihre Topfavoriten?

Hinsichtlich der aktuellen Form waren das zuletzt Argentinien und vor allem Brasilien für mich, die ich aktuell als Topfavorit sehe. Aber ich habe auch gedacht, dass wir 2018 Favoriten sind, und dann sind wir in der Vorrunde ausgeschieden.

Kann sich so eine Blamage wie in Russland noch mal wiederholen?

Einer Fußball- Nation wie Deutschland darf so eine Blamage nicht noch mal passieren!

Schmerzt die Erinnerung daran heute noch?

Nein, es schmerzt nicht mehr. Es war einige Wochen lang hart, es zu akzeptieren. Doch im Fußball kommt die nächste Aufgabe zum Glück immer schnell. Das ist übrigens genauso, wenn du gewinnst – dann wird einen Tag gefeiert, und danach bringt es dir erst mal nichts mehr außer der Erinnerung. Aus beiden kann man jedoch wichtige Schlüsse und Lehren ziehen, die einen weiterbringen.

Seit der letzten WM lief es für Sie herausragend gut. Sie haben mit dem FC Chelsea die Champions League unter Thomas Tuchel gewonnen, sind danach zu Real gegangen. Ein königlicher Aufstieg! Werden Sie noch mehr als Leader auftreten?

In Deutschland heißt es immer, dass Leader auf dem Platz viel reden müssen – das sehe ich nicht so. Ich denke, dass primär Leistung einen Leader ausmacht – wie jemand mit Leistung vorangeht und so seine Teamkollegen pusht und mitzieht. Das macht einen Leader aus, und daran lasse ich mich auch messen. Manche sind zusätzlich auch verbal auf dem Platz aktiv – aber bei mir ist es so, dass ich die Leute durch meine Art auf dem Platz mitreißen will und nicht durch Worte.

In Russland gab es viele Diskussionen um das WM-Quartier Watutinki. Das Zulal-Resort jetzt in Katar liegt ebenfalls weit abgelegen. Tut Ihnen die Ruhe dort gut, oder droht ein Lagerkoller?

Ganz ehrlich: Wir sind dort, weil wir ein großes Ziel erreichen wollen – wir machen ja keinen Urlaub. Solange ich ein Bett habe, bin ich glücklich. Ich halte die ganzen Diskussionen wie damals in Russland über das Quartier für überflüssig und zeitraubend.

Spüren Sie schon einen WM-Geist, wenn Sie mit DFB-Kollegen zusammen sind?

Wir verstehen uns in der Gruppe hervorragend, das ist alles so, wie es sein soll. Ich möchte, dass man das jetzt auch auf dem Platz erkennt. Das ist auch für Hansi Flick das Wichtigste. Das Schlagwort „Team“ benutzt er am häufigsten – und lebt es auch vor.

Wie nehmen Sie Flick vor seinem ersten Turnier als Cheftrainer wahr?

Für mich macht er einen großartigen Job, ist mit vollem Herzen dabei und will den unbedingten Erfolg haben. Die Zeit und die vielen Titel beim FC Bayern haben noch mal zusätzlich diese Lust aufs Gewinnen gepusht – und wenn jemand weiß, wie man gewinnt, dann ist es er. So einen Trainer an Bord zu haben ist für uns Spieler ein großer Gewinn.

Wie sehen Sie die Stürmer-Diskussion? Brauchen wir einen echten Neuner?

Es ist gut, verschiedene Stürmertypen im Team zu haben. Niclas Füllkrug kenne ich noch aus den U-Nationalmannschaften. Er bringt noch mal andere Stärken mit, wie seine Kopfballstärke zum Beispiel. Er ist ein Zielspieler, der gerade in engen Momenten helfen kann.

Kommt Ihre Familie zum Turnier nach Katar, oder bleibt Sie zu Hause?

Meine Familie wird vor Ort sein. Mir ist es wichtig, in den Pausen mal meine Frau und meine Kinder zu sehen. Auch hier hat der DFB einen guten Job gemacht und eine Alternative gefunden. Man muss einfach dankbar sein, wie der Verband uns Spielern unter die Arme greift.