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Leander Wilhelm im Interview: „Wir achten darauf, auch Spätblüher zu pflanzen“


TASPO - epaper ⋅ Ausgabe 5/2020 vom 31.01.2020
Artikelbild für den Artikel "Leander Wilhelm im Interview: „Wir achten darauf, auch Spätblüher zu pflanzen“" aus der Ausgabe 5/2020 von TASPO. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Tilia tomentosa ’Brabant‘, Standzeit etwa sechs Jahre, blüht spät und ist ein Vertreter der trockenheitstoleranten Baumarten.


Fotos: privat/Leander Wilhelm

Bedingt durch den Klimawandel kommt es zunehmend zu Hitze- und Trockenperioden, welche Stadtbäumen zusetzen. Zudem sollte auch in der Stadt die Förderung von Bienen und anderen Insekten eine wichtige Aufgabe sein. Wie die Stadt München mit den sich ergebenden Herausforderungen umgeht, fragten wir in folgendem Interview Leander Wilhelm, Abteilungsleiter im Baureferat Gartenbau. Von Christoph Geißler

Herr Wilhelm, inwiefern plant die Stadt München ihre ...

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... Bepflanzungspläne auf den Klimawandel anzupassen?
Wilhelm: Besonders wichtig ist uns die Artenvielfalt. Wir versuchen, besonders viele verschiedene Arten und Gattungen von Bäumen zu pflanzen. In vielen Städten besteht der Baumbestand zu 70 Prozent nur aus zwei Sorten, meist Linden und Ahorn. Wir benutzen diese klassischen Stadtbäume natürlich noch immer, achten bei Neupflanzungen jedoch darauf, nicht zu viel Linden oder Ahorn zu pflanzen. Die Gartenamtsleiterkonferenz (GALK) testet zurzeit 40 Bäume in Testpflanzungen in verschiedenen Städten. Die Stadt München testet selbst über 100 verschiedene Baumarten und Sorten, diese werden regelmäßig bonitiert und bearbeitet. Quercus cerris, die Zerreiche, etwa eignet sich besonders gut. Ihren Ursprung hat sie in den warmen Gebieten Süd- und Südosteuropas.

Welche Baumarten pflanzen Sie nächstes Jahr? Welche pflanzen Sie nicht mehr?
Wilhelm: Grundsätzlich pflanzen wir alles Mögliche. Wie gesagt, die genetische Vielfalt ist uns sehr wichtig. Jährlich pflanzen wir standardmäßig zwei- bis zweieinhalb tausend Bäume. Dazu kommen dann noch Großprojekte, die nicht in diese Zahl mit einfließen. Zum Vergleich: Die Stadt München hat etwa 800.000 Bäume im Bestand, 110.000 davon sind Straßenbäume. Wegen des Eschentriebsterbens pflanzen wir nur noch selten Fraxinus excelsior, wir sind auf tolerantere Arten wie Fraxinus ornus, Fraxinus pennsylvanica oder Fraxinus americana umgestiegen. Wegen Pseudomonas gibt es bei uns auch nur noch wenige Rosskastanien-Neupflanzungen.

Welche Baumgrößen bevorzugen Sie für Pflanzungen?
Wilhelm: Die ideale Größe eines Baumes hängt für uns vom Standort ab. An Straßen pflanzen wir Alleebäume, mit 25-30 Zentimetern Stammumfang. Für Grünflächen geht es dann auch eine Nummer kleiner, hier pflanzen wir in den Größenordnungen 20-25 Zentimeter und 25-30 Zentimeter. Auf Plätzen, wo Bäume auch etwas hermachen müssen, pflanzen wir dann auch größere Bäume. Dann dauert es nicht mehr ganz so lange, bis der Baum wirklich repräsentativ wird.

Trockenheitstoleranz ist Angesichts der regional aufgetretenen extremen Hitze und Trockenheit der vergangenen Jahre ein großes Thema geworden. Wie lässt die Stadt München dies in ihre Grünplanung mit einfließen?
Wilhelm: Ein wichtiger Punkt beim Pflanzen eines Baumes, besonders was das Thema Wasserversorgung angeht, ist die Standortwahl. Diese ist mindestens genauso wichtig wie die richtige Art oder Gattung. In München haben wir die Vorschrift, dass für Neupflanzungen die Baumgrube mindestens 36 Kubikmeter Baumsubstrat fassen muss. Wir benutzen gut geeignetes Substrat, welches auch starke Wasserbindefähigkeiten hat. Neue Bäume werden nach der Entwicklungspflege bei uns nicht mehr gegossen, das heißt, sie müssen auch ohne eine Zusatzbewässerung lebensfähig sein. Das funktioniert mit unseren großen Baumgruben sehr gut. Während Hitzeperioden sind Bäume an solch einem guten Standort noch immer grün, während andere an schlechteren Standorten es nicht mehr sind.

Bäume, die Sie pflanzen wollen, müssen auch erst einmal produziert werden. Wie kooperieren Sie mit Baumschulen, um sicher zu gehen, dass die Bäume, die Sie morgen pflanzen wollen, dann auch verfügbar sind?
Wilhelm: Wir kooperieren hier sehr eng mit Baumschulen, wir schreiben unsere Bäume auch aus. Was mir wichtig ist, ist dass wir die Bäume nicht bloß auf dem Papier kaufen. Wir gehen in die Baumschulen und schauen uns die Bäume vorher an, machen dort vor Ort auch unsere Qualitätskontrollen. Wenn eine Baumschule mal nicht die nach Ausschreibung gewünschte Qualität liefern kann, dann gehen wir zur nächsten Baumschule. Für unsere normalen Bedürfnisse finden wir für gewöhnlich genug passende Bäume in Baumschulen, wenn wir Großprojekte planen, bestellen wir die benötigten Bäume schon ein bis zwei Jahre im Voraus. Das machen wir jetzt schon seit 20 Jahren so, dadurch haben wir sehr gute Marktkenntnisse. Ich selbst bin auch viel unterwegs in Baumschulen.

Artenschutz und Biodiversität werden auch immer wichtiger. Man denke nur an das bayrische Volksbegehren Artenvielfalt, welches ganz unter dem Motto „Rettet die Bienen“ stand. Wie findet der Arten- und Bienenschutz bei Ihnen Beachtung?
Wilhelm: Insekten spielen für unsere Planung durchaus eine Rolle. Wir richten unsere Planung nicht gezielt auf das Insektenwohl aus, setzen aber trotzdem bewusst besonders spätblühende Bäume in alte Pflanzungen verteilt ein. Im Sommer und Herbst gibt es für Bienen sonst keine allzu große Nahrungsgrundlage mehr, dem steuern wir etwas entgegen. Bei Neuplanungen achten wir schon im Voraus darauf, dass einige Spätblüher mit gepflanzt werden. Für Straßenbäume ist das etwas schwer, das versteht sich von selbst, aber auf Grünflächen ist das sehr gut machbar.

Was planen Sie mit den Götterbäumen, die Sie im Bestand haben?
Wilhelm: Götterbäume gibt es in München nur sehr, sehr wenige. Mir selbst sind bloß drei oder vier Exemplare bekannt, und diese sind noch aus der Nachkriegszeit. Da der Götterbaum bei uns nicht invasiv ist und wir ohnehin nur sehr wenige davon im Bestand haben, gibt es keinen Grund, gegen sie etwas zu unternehmen. Die bleiben stehen.

Inwiefern konkurrieren Sie mit dem Wohnungsbau? Verliert die Stadt München dadurch viele Bäume?
Wilhelm: Dazu kann ich keine konkrete Aussage treffen. Insgesamt wird in Städten immer mehr verdichtet, Wohnungsknappheit ist ein großes Thema. Da sich dafür zu fällende Bäume jedoch oft auf Privatgrund befinden, gibt es dazu keine Zahlen. Unsere Neupflanzungen sollten die Baumverluste durch Wohnungsbau auswiegen.


„Was das Thema Wasser angeht, ist die Standortwahl ein wichtiger Punkt. Diese ist mindestens so wichtig wie die richtige Baumart“


Leander Wilhelm, Abteilungsleiter im Baureferat Gartenbau

Der Autor

Christoph Geißler,


Volontär bei der TASPO, sprach mit Leander Wilhelm zum Thema Baumpflanzungen in der Stadt München