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LEBEN: Ich kann noch so viel mehr!


Donna - epaper ⋅ Ausgabe 2/2020 vom 08.01.2020

Mit Mitte 50 noch mal ein Start-up gründen oder ins Fernsehen gehen: Frauen über die Entdeckung von späten Talenten


Gründerin mit über 50

Große Kanzlei, schickes Büro, wichtige Mandanten – das war über 20 Jahre das Leben von Dr. Christiane Zedelius. Dann, mit 55, tauscht sie Pumps gegen Sneakers – und beginnt noch mal ganz von vorn: in der Münchner Start-up-Szene

„Mindestens fünf Grad zu heiß“, denkt sie an diesem Montagmorgen. Christiane Zedelius sitzt am Schreibtisch und fühlt sich unwohl. Der bewährte Zwiebel-Look funktioniert nicht gegen die aufsteigende Hitze. Ihr nächster Arzttermin ist erst in fünf ...

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Bildquelle: Donna, Ausgabe 2/2020

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... Wochen. Also googelt sie und findet erstaunlich wenig zum Thema Wechseljahre. Und denkt dann: „Das wär’s doch! Eine App für die Menopause!“ Schon länger ist sie auf der Suche nach einer Idee, mit der sie sich selbstständig machen könnte. Juristisch beraten hat sie schon viele Gründer. „Wie spannend“, habe sie oft gedacht, „das würde ich gern machen.“

Als Partnerin in einer Anwaltskanzlei hat Christiane Zedelius alles erreicht, was sie wollte. Seit ihre drei Kinder aus dem Haus sind, spürt sie immer stärker den Drang, noch einmal etwas völlig anderes zu machen. Die Montagmorgen-Idee lässt sie nicht mehr los. Sie schreibt einen Business-plan und ein Konzept für eine App, in der man Wechseljahrssymptome erfassen und durch eigens entwickelte Audio- und Video-Trainings besser mit ihnen umgehen kann. „Ich habe mich selbst überrascht“, erzählt sie, „eigentlich bin ich der kontrollierte Typ. Sternzeichen Steinbock.“

„Back to zero“ nennt sie das, was folgt: Erst mal verdient sie – nichts. Für drei Monate geht sie von München nach Berlin, um sich „in einem unglamourösen Großraumbüro mit Graffiti an der Wand“ Gründer-Starthilfe zu holen und sich coachen zu lassen. Warum tut sie sich das als erfolgreiche Anwältin mit Mitte 50 an? „Weil ich etwas Sinnvolles machen kann“, sagt Christiane Zedelius. Heute bekommt sie dankbare Mails von Frauen, die sich mit ihren Themen und Problemen endlich ernst genommen fühlen: „Das berührt mich so viel mehr als ein abgeschlossener Vertrag.“

Sie ist begeistert, wie offen und hilfsbereit ihr andere Gründerinnen begegnen. Fast alle sind 20 oder 30 Jahre jünger. Das hat auch sie verändert: „Ich höre heute besser zu als früher, denn nur so kann ich erfahren, was die Nutzerinnen von meiner App wirklich erwarten“, sagt sie. Mittendrin im Leben, so fühle sie sich heute. Und wenn es am Ende doch nicht klappt, mit dem Traum vom Start-up? „Ich wäre traurig. Ich hänge da drin, mit allem, was ich bin.“

Erfand eine App für Frauen in den Wechseljahren, hier in ihrem Münchner Büro: Christiane Zedelius


Lieber ein Start-up gründen, als die Rente zu planen


Petra Wöhrmann hat schon eine ganze Seite für Die Zeit mit der Hand geschrieben


Plötzlich Schrift(er)stellerin
Petra Wöhrmann, 48, arbeitet lange als Artdirektorin in Agenturen. Dann merkt sie durch einen Zufall, dass sie mit ihrer schönen Schrift andere glücklich machen kann – und sich selbst auch

„Stars, Fußballer, Adlige – sie alle standen Schlange, nur um sich von mir eine Postkarte schreiben zu lassen. Dabei bin ich durch Zufall zum Schreiben gekommen: Eine große Luxusfirma suchte für ein Event Kalligrafen, und eine Freundin hatte mich empfohlen, weil sie meine Handschrift so mochte. Und da saß ich nun und war völlig überrascht, wie dankbar diese Menschen für ein paar handgeschriebene Wörter waren. Wie geduldig sie warteten. So viel herzliches Feedback bekam ich in den Agenturen, in denen ich als Kommunikationsdesignerin arbeitete, nie. Da musste man viel aushalten können, eine Ellbogengesellschaft, schnell und fordernd. In diese Arbeit habe ich viel Energie gesteckt, aber wenig wieder zurückbekommen. Seit sechs Jahren sind nun Buchstaben mein Beruf. Ich habe ein eigenes Atelier und gebe Handlettering-Workshops, schreibe für Hermès, Cartier, Louis Vuitton und viele andere große Marken. Nie hätte ich gedacht, dass ich auf diese Weise Geld verdienen kann – und so glücklich damit werde. Natürlich habe ich auch jetzt Deadlines und Druck. Aber ich bin nicht mehr so fremdbestimmt wie in der Agentur. Ich kann selbst entscheiden, ob ich einen Auftrag übernehme oder ablehne, weil er nicht zu mir passt. Aber ich musste viel lernen und kann heute noch nicht alles. Schrift ist eine so vielseitige Kunstform, man muss Werkzeuge und Regeln kennen. Handlettering ist mittlerweile Trend geworden.

Wer in meine Workshops kommt, sucht Entschleunigung und findet sie im handwerklichen Tun. Auch ich bin dadurch gelassener geworden. Um so schreiben zu können, braucht man eine ruhige Hand. Die Arbeit ist für mich wie ‚Finger-Yoga‘ und Meditation. Im Schreiben verliere ich mich, wachse ich, finde ich mein Glück. Es ist nicht einfach, eine Schrift mit Worten zu beschreiben, selbst bei meiner tue ich mich schwer. Vielleicht so: Sie ist sehr fein, achtsam, kann aber auch kräftig und temperamentvoll werden.“

Endlich ein Popstar

Ohne sie hätte man von den Abenteuern von Justus Jonas, Peter Shaw und Bob Andrews kein Bild: Silvia Christoph zeichnete die Buchcover der „Drei ???“. Jetzt, mit 69, hat sie sich bei der Castingshow „The Voice Senior“ beworben – und begeistert Millionen

Frau Christoph, man bekommt Gänsehaut, wenn Sie auf der Bühne von „The Voice Senior“ Janis Joplins „Piece of My Heart“ singen …
Danke. Für mich hat sich mit der Show eine neue Tür geöffnet. Ich habe gemerkt: Da geht ja noch was. Ein echtes Abenteuer.
Aber Sie standen nicht zum ersten Mal auf einer Bühne.
Ich habe schon immer gesungen, jedoch ohne Erfolgsanspruch. Bin in Bars und auf kleinen Festivals aufgetreten und mit meiner Frauen-Rockband Insisters auf Tour gegangen. Aber so viel positives Feedback wie jetzt hatte ich noch nie. Plötzlich rufen bekannte Musiker an und bitten mich: „Mach was mit mir!“
Eigentlich sind Sie Illustratorin, haben unter anderem die Buchcover von „Die drei ???“ gezeichnet.
Darauf bin ich auch stolz. Aber Musik ist direkt und im Moment. Je älter ich werde, desto mehr möchte ich im Jetzt leben.
Was gibt Ihnen die Musik?
Allein am Schreibtisch zu zeichnen macht einsam. Rauszugehen und für andere zu singen bringt mich wieder zu den Menschen.
Wie haben Sie sich auf dieser großen Bühne gefühlt?
Herzklopfen, totale Unsicherheit. Und dann, mit den ersten Takten, kam wieder das Gefühl zurück, das ich von anderen Auftritten kenne: Ich bin angekommen.
War das immer schon so?
Früher habe ich gesungen, um anderen zu gefallen. Heute singe ich, um Menschen zu berühren.
Was bedeutet Erfolg für Sie?
Ich möchte anerkannt und wertgeschätzt werden mit dem, was ich tue. Und ich will davon leben können – das ist in der Musikbranche leider ein großes Problem. Das Business ist einfach zu hart, selbst wenn man sich ihm mit Haut und Haaren verschreibt. Zum Glück bin ich finanziell nicht auf das Singen angewiesen. Ich muss nicht kämpfen. Was passiert, passiert.
Und wenn jetzt der große Plattenvertrag käme?
Dann würde ich ihn unterschreiben.
… und aufhören zu zeichnen?
Nein, das kann ich – und das kann mir keiner nehmen. Aber wenn ich mir endlich mein Häuschen im Grünen kaufen kann, von dem ich seit Ewigkeiten träume – warum sollte ich da Nein sagen?


FOTO: TANJA KERNWEISS

FOTOS: ANGELIKA GÜC/SEMIKOLON, RALF LUTTER/B.Z.