Lesezeit ca. 5 Min.

Leben retten? Das kann jeder!


Logo von Gong
Gong - epaper ⋅ Ausgabe 15/2022 vom 08.04.2022

GESUNDHEIT

Artikelbild für den Artikel "Leben retten? Das kann jeder!" aus der Ausgabe 15/2022 von Gong. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Gong, Ausgabe 15/2022

MACHT MUT Die Notärztin Dr. Carola Holzner klärt auch im Internet über Erste Hilfe auf

BUCHTIPP

Dr. med. Carola Holzner Eine für alle Fischer 272 S., 16 €

Acht Minuten braucht Notärztin Dr. Carola Holzner im Schnitt, bis sie mit dem Rettungswagen am Einsatzort eintrifft. Diese acht Minuten können lang sein. Zu lang. Bei einem Kreislaufstillstand zum Beispiel – die Akutmaßnahmen sind immer ein Wettlauf gegen die Zeit.

„Mit jeder Minute ohne Wiederbelebungsmaßnahmen sinkt die Überlebenswahrscheinlichkeit um zehn Prozent“, sagt Dr. Holzner. „Mit jeder verlorenen Minute sinkt zusätzlich das sogenannte Outcome, also dass der Mensch wieder so wird wie vorher.“ Die Oberärztin am Helios Klinikum Duisburg ist durch ihren Videoblog auch als „Doc Caro“ bekannt. Über You-Tube und Social-Media-Kanäle möchte sie Laien komplexe Medizinthemen verständlich machen. Besonders das Thema Erste Hilfe liegt ihr am Herzen.

Herzdruckmassage bei Bewusstlosigkeit

Einer Umfrage des ADAC zufolge liegt der ...

Weiterlesen
epaper-Einzelheft 0,99€
NEWS Jetzt gratis testen
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Gong. Alle Rechte vorbehalten.
Lesen Sie jetzt diesen Artikel und viele weitere spannende Reportagen, Interviews, Hintergrundberichte, Kommentare und mehr aus über 1000 Magazinen und Zeitungen. Mit der Zeitschriften-Flatrate NEWS von United Kiosk können Sie nicht nur in den aktuellen Ausgaben, sondern auch in Sonderheften und im umfassenden Archiv der Titel stöbern und nach Ihren Themen und Interessensgebieten suchen. Neben der großen Auswahl und dem einfachen Zugriff auf das aktuelle Wissen der Welt profitieren Sie unter anderem von diesen fünf Vorteilen:

  • Schwerpunkt auf deutschsprachige Magazine
  • Papier sparen & Umwelt schonen
  • Nur bei uns: Leselisten (wie Playlists)
  • Zertifizierte Sicherheit
  • Freundlicher Service
Erfahren Sie hier mehr über United Kiosk NEWS.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 15/2022 von Naturparadies in den Niederlanden EIN BETT IM KORNFELD. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Naturparadies in den Niederlanden EIN BETT IM KORNFELD
Titelbild der Ausgabe 15/2022 von Was uns in schweren Zeiten KRAFT gibt. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Was uns in schweren Zeiten KRAFT gibt
Titelbild der Ausgabe 15/2022 von Die TV-HÖHEPUNKTE zum Fest. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Die TV-HÖHEPUNKTE zum Fest
Titelbild der Ausgabe 15/2022 von Die Kunst der Verführung. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Die Kunst der Verführung
Mehr Lesetipps
Blättern im Magazin
Die Kunst der Verführung
Vorheriger Artikel
Die Kunst der Verführung
Das Herz der Republik
Nächster Artikel
Das Herz der Republik
Mehr Lesetipps

... Erste-Hilfe-Kurs bei jedem zweiten Befragten hierzulande zehn Jahre oder länger zurück. „Die Leute haben Angst, etwas falsch zu machen“, sagt Dr. Holzner. „Man muss ihnen vermitteln, dass sie nichts falsch machen können.“ Laut dem Deutschen Reanimationsregister wurde 2020 in 40 Prozent aller Herzstillstände eine Reanimation durch einen Laien begonnen. „Doc Caros“ persönliche Erfahrungen sind jedoch ganz andere: „Ich bin froh, wenn zwei von zehn etwas machen.“

In Deutschland ist man verpf lichtet, Erste Hilfe zu leisten – sofern es zumutbar ist. Das heißt: Sofern man sich als Ersthelfer nicht selbst in Gefahr bringt. Wer wegschaut, macht sich strafbar. Und keine Sorge: Passiert ein Fehler, droht keine Strafe. Ganz im Gegenteil – man kann nichts falsch machen. Ist eine Person bewusstlos, gilt die Regel „Prüfen, rufen, drücken“. Erst prüft man, ob derjenige atmet. Das herauszufinden ist nicht ganz einfach (siehe Seite 18). „Sobald man sich unsicher ist, gilt: Er atmet nicht“, sagt die Notärztin. Währenddessen ruft bestenfalls jemand anderes bereits die 112, und dann beginnt man mit der Herzdruckmassage. Dabei kräftig auf den Brustkorb zwischen den Brustwarzen drücken, fünf bis sechs Zentimeter tief. Dabei keine Scheu haben! Dr. Holzner: „Wenn eine Rippe bricht, dann hat man’s gut gemacht. Wir müssen mit unseren Händen das Herz ersetzen und lebenswichtigen Sauerstoff zum Gehirn pumpen.“ Eine zusätzliche Atemspende (siehe Seite 18) ist perfekt, aber lange nicht so wichtig wie die Herzdruckmassage, auf die Ersthelfer sich konzentrieren sollten. Im Gegensatz zu früher wird auch die Pulskontrolle nicht mehr empfohlen.

In anderen Ländern ist die Berührungsangst im Notfall meist nicht so groß wie in Deutschland, weiß die Notärztin. Warum? Ein Grund dafür: Das Wissen über Erste Hilfe ist viel präsenter, weil es regelmäßiger, zum Beispiel schon in der Schule, gelehrt wird. Mit der Kampagne „#ichrette deinleben“ möchte auch Dr. Carola Holzner gemeinsam mit Hilfsorganisationen und medizinischen Fachgesellschaften bundesweit verpf lichtend die Einführung von Unterricht in Wiederbelebung an deutschen Schulen erreichen. Darüber hinaus empfehlen Experten, die eigenen Kenntnisse alle zwei Jahre aufzufrischen. Egal ob über einen Kurs, eine App – oder eben über Onlinevideos. Auch die Anleitungen rechts geben einen Überblick.

Schlaganfall rasch erkennen

Symptome, auf die man sofort reagieren sollte

Erleidet jemand einen Schlaganfall, sollte man sofort handeln. Mithilfe des sogenannten FAST-Tests kann man den Notfall erkennen. Der „BE FAST“-Test (englisch für „Sei schnell“) offenbart ihn auch, wenn die anderen Symptome weniger deutlich sind. Die Ursache, eine Durchblutungsstörung im Gehirn, muss so schnell wie möglich behandelt werden, sonst kann es zu bleibenden Lähmungen, Sprachstörungen oder sogar zum Tod kommen. Optimalerweise werden Betroffene in eine sogenannte Stroke Unit gebracht, eine auf Schlaganfall spezialisierte Abteilung in Kliniken. Laut der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe gibt es davon aktuell 339 in Deutschland, in relativer Nähe von 90 Prozent aller Bürger.

B BALANCE Verliert der Betroffene plötzlich das Gleichgewicht oder hat Gangstörungen?

E EYES Hat die Person Probleme mit den Augen? Dazu zählen Sehverlust, Unschärfe, Doppelbilder.

F FACE Der Betroffene soll bitte einmal lächeln – ist sein Gesicht einseitig gelähmt?

A ARMS Kann er beide Arme zeitgleich anheben, die Handflächen nach oben drehen?

S SPEECH Kann die Person einen Satz nachsagen? Oder klingt die Sprache verwaschen?

T TIME Bemerken Sie eine oder mehrere Schwierigkeiten? Keine Zeit verlieren: 112 wählen.

So bringen Sie Verletzte in die stabile Seitenlage

Erste Hilfe in vier Schritten: Das müssen Helfer bei der Positionierung beachten

Keine Reaktion, aber Atmung vorhanden? Die stabile Seitenlage verhindert, dass die Zunge in die Luftröhre rutscht oder Erbrochenes eingeatmet wird.

1 Neben Betroffenen knien. Seine Beine strecken. Nahen Arm angewinkelt nach oben legen.

2 Fernen Arm am Handgelenk greifen, über die Brust ziehen, Handoberfläche an die Wange legen. Hand nicht loslassen.

3 Fernen Oberschenkel greifen, Betroffenen zu sich ziehen. Das oben liegende Bein bildet einen rechten Winkel.

4 Kopf nach hinten neigen, Mund öffnen. Der Kopf ruht so auf der an der Wange liegenden Hand, dass die Atemwege frei bleiben. 112 rufen!

Unfallgefahr im Haushalt kennen

Nicht nur beim Herzstillstand, auch beim Infarkt, Schlaganfall und bei drohender Erstickung muss es schnell gehen. Bei Verbrennungen und anderen Unfällen muss man ebenfalls rasch und richtig reagieren können. Oder besser noch: Sie vermeiden! „Das fängt schon damit an, dass Leute ihren Bürostuhl auf den Tisch stellen, um eine Glühbirne reinzudrehen. Oder den Herd an den Strom anschließen, ohne die Sicherung rauszudrehen“, berichtet Notärztin Dr. Carola Holzner aus ihren Erfahrungen. „Bitte nicht!“

FRANZISKA WIEGARD

Rettungsmaßnahmen

Ersthelfer können – bis der Notarzt eintrifft – für Menschen in bedrohlicher Situation viel tun

Atmung überprüfen

Bewusstlos? Den Kopf der/des Betroffenen leicht überstrecken. Schauen, ob sich der Brustkorb hebt und senkt. Ohr über Mund und Nase legen und prüfen, ob ein Luftstrom hör-oder fühlbar ist. Aber: Höchstens 10 Sekunden auf den Check der Atmung verwenden.

Kreislauf stabilisieren

Ohnmächtig? Betroffene(n) ansprechen, sanft rütteln. Reagiert er oder sie darauf, Beine hochlagern. Dadurch kann das Blut leichter zum Herzen fließen. Aber: Wurde zuvor über Herzschmerzen geklagt, den Oberkörper hochlagern!

Mund-zu-Mund-Beatmung

Keine Atmung, keine Reaktion? 30-mal Herzdruckmassage, 2-mal Beatmung im Wechsel – bis der Rettungsdienst da ist oder der Patient wieder atmet. Kopf dabei leicht überstrecken. Mit Daumen und Zeigefinger einer Hand Nase verschließen. Einatmen, Lippen dicht um den geöffneten Mund des Patienten legen, ausatmen.

Heimlich-Griff

Verschluckt? Droht Erstickung, 5-mal mit flacher Hand zwischen die Schulterblätter schlagen. Löst sich der Fremdkörper nicht, Person von hinten umfassen, eine Faust unterhalb der Rippen in die Magengrube legen, diese mit anderer Hand greifen und 5-mal nach hinten oben ziehen.

Herzdruckmassage

Keine Atmung, keine Reaktion? Den Ballen einer Hand auf der Mitte des Brustkorbs platzieren. Ballen der anderen Hand auf die erste Hand setzen. Arme sind durchgestreckt. Jetzt 30-mal kräftig drücken, etwa 5 Zentimeter tief.

Angst nehmen und beruhigen

Panikattacke? Den oder die Betroffene(n) ansprechen und beruhigen – es besteht keine Lebensgefahr. Konzentration auf die Umgebung oder den Lauf eines Sekundenzeigers lenken. Patienten sehr tief ein-und langsam ausatmen lassen.

Wichtige Rufnummern

Hier erhalten Sie Akuthilfe. Plus: fünf entscheidende Punkte für den Anrufer (ganz rechts)

Polizei 110

Feuerwehr/Rettungsdienst 112

Ärztlicher Bereitschaftsdienst 116 117

Giftnotruf (z. B. Berlin) 030 19240

Hilfetelefon für Frauen bei Gewalt 08000 116 016

Telefonseelsorge 0800 111 0 111

Wer den Notruf wählt, sollte die „5 W“ im Kopf haben

1. Wo ist es passiert?

2. Was ist passiert?

3. Wie viele Verletzte gibt es?

4. Welche Art von Verletzung?

5. Warten auf Rückfragen!