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LEBENDIGES ERBE


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Landlust - epaper ⋅ Ausgabe 3/2022 vom 13.04.2022

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Ein Fleckchen Heimat, ein Rückzugsort, betriebliche Lebensgrundlage – Waldbesitzer betrachten ihren Wald aus unterschiedlichen Blickwinkeln. Anders als oft vermutet, befindet sich fast die Hälfte unserer Wälder in privatem Eigentum. Die andere Hälfte liegt in den Händen von Bund und Ländern, Städten und Gemeinden sowie Kirchen und Stiftungen.

Kleiner Privatwald

Die meisten Waldeigentümer besitzen relativ kleine Flächen unter 20 Hektar. Diese zählen zu den Kleinprivatwäldern. Ihre durchschnittliche Größe liegt sogar bei weniger als drei Hektar. Viele der Waldflächen gehören zu landwirtschaftlichen Betrieben, die von Generation zu Generation weitervererbt werden. Doch im Zuge des Strukturwandels gibt es immer mehr Eigentümer, die nicht in der Landoder Forstwirtschaft arbeiten und entfernt von ihrem Wald wohnen. Bei kleineren Flächen sind die finanziellen Erträge, wenn überhaupt, eher gering. Vor allem ...

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... ideelle Werte spielen für Kleinwaldbesitzer eine wichtige Rolle. Sie möchten ihren Wald stabil erhalten und ihn eines Tages als lebendiges Erbe weitergeben.

Rechte und Pflichten

Eigentum verpflichtet – das gilt auch für den Privatwaldbesitzer. Er ist zwar in der Nutzung und Pflege seines Waldes weitgehend frei. Es gibt jedoch einige rechtliche Vorgaben, die das Bundeswaldgesetz zum Schutz unserer Wälder vorgibt. So ist der Besitzer zum Beispiel verpflichtet, vom Borkenkäfer befallene Fichten zu fällen oder Kahlflächen aufzuforsten. Auch die Verkehrssicherungspflicht gehört dazu. Gepflegte Waldwege sind für viele Menschen eine Selbstverständlichkeit – für die Eigentümer sind sie aber mit Kosten und Arbeit verbunden. Auch wenn ein Wald im privaten Besitz ist, darf sich jeder zur Erholung darin aufhalten. Dies ist gesetzlich mit dem Betretungsrecht der freien Landschaft in Deutschland festgehalten. Waldeigentum bedeutet zudem regelmäßige Zahlungspflichten wie die Grundsteuer oder auch Beiträge an Berufsgenossenschaften ab einer Größe von 0,25 Hektar.

Kleiner Wald – viele Fragen

Ob geerbt oder gekauft – neuen Besitzern stellen sich auch bei einem kleinen Wald viele Fragen wie etwa zum Gesundheitszustand, zur Kulturpflege oder zu Fördermitteln. Viele dieser Fragen können die für den Privatwald zuständigen Revieroder Bezirksforstleute beantworten (lesen Sie auch unsere Informationstexte auf den Seiten 121/122). Oftmals ist die Entfernung zwischen Wohnort und Wald jedoch so groß, dass sich Waldbesitzer gar nicht selbst regelmäßig um ihre Flächen kümmern können oder wollen. Manch kleines Flurstück gerät sogar in Vergessenheit. Zudem macht stark zersplitterter Kleinbesitz es oftmals schwer, die Flächen sinnvoll zu pflegen und zu bewirtschaften. Durch freiwilligen Flächentausch und Waldflurbereinigungsverfahren wird versucht, größere Besitzeinheiten zu bilden.

Gemeinsam stärker

Für eine fachkundige Bewirtschaftung hat der Waldbesitzer verschiedene Möglichkeiten. Er kann etwa einen Dienstleister beauftragen oder einen Betreuungsvertrag mit den öffentlichen Forstverwaltungen oder der zuständigen Landwirtschaftskammer abschließen. Als Selbsthilfeeinrichtungen wurden von Waldbesitzern zudem Zusammenschlüsse gegründet. Nach dem Bundeswaldgesetz heißen sie zum Beispiel Forstbetriebsgemeinschaften, Forstbetriebsverbände oder Forstwirtschaftliche Vereinigungen. Darüber hinaus gibt es zahlreiche Waldgenossenschaften, in denen Anteile von Generation zu Generation weitergegeben werden. Zu ihren Aufgaben gehört es, ihre Mitglieder zu beraten, weiterzubilden und öffentlich zu vertreten, zum Beispiel wenn der Wald von einem Straßenbau betroffen ist. Ebenso ist es vorteilhaft, Forstpflanzen oder nötige Bau-und Arbeitsmaterialien für mehrere Waldbesitzer gemeinsam und in größeren Mengen einzukaufen oder umgekehrt bei der Holzvermarktung größere Mengen Holz gemeinsam zu verkaufen. Mittlerweile bieten die meisten dieser Zusammenschlüsse Waldpflegeverträge für Waldbesitzer an. Einige Gemeinschaften haben eigenes Personal eingestellt, kooperieren mit den örtlichen Forstbehörden oder beauftragen einen selbstständigen forstlichen Dienstleister.

Waldpflegevertrag abgeschlossen

Für die professionelle Unterstützung ist die bayrische Waldbesitzerin Barbara Zumstein dankbar. „Die Anforderungen sind hoch. War für meine Ahnen der Wald zum Beispiel mitunter ein sicheres, planbares und wertvolles ‚Sparschwein‘ zur Finanzierung, so ist das heute nur noch bedingt sicher, oftmals auch das Gegenteil.“ Auch Susanne Göswein aus Wiesbaden hat einen Waldpflegevertrag abgeschlossen. „Mein verstorbener Ehemann war Steuerberater und hat den Wald aus seiner Familie vererbt bekommen, jetzt besitze ich den Wald. Es ist schön, ein Stückchen ‚Erde‘ auf Lebenszeit zu besitzen“, findet die Rentnerin. Heutzutage besitzen immer mehr Frauen eigene Waldflächen und schließen sich ebenfalls in eigenen Netzwerken zusammen. Ein solches ist zum Beispiel der gemeinnützige Verein „Waldbesitzerinnen NRW e. V.“, der seit 2011 besteht. „Wir sind eine heterogene Gemeinschaft mit unterschiedlichen Berufen“, erzählt die zweite Vorsitzende Ulrike Schulte-Bausenhagen-Lemke. Die meisten haben den Wald geerbt oder durch Einheirat erhalten und nutzen ihn auch, um den Lebensunterhalt zu bestreiten. Der professionelle Umgang mit ihrem Wald ist diesen Frauen wichtig.

Generationenvertrag

Wer den Wald pflanzt, genießt selten die Frucht, lautet ein Sprichwort. Ein Waldbesitzer braucht einen langen Atem, bevor er aus seinem Einsatz einen nennenswerten Ertrag erzielt. Die durchschnittliche Dauer von der Pflanzung bis zum angestrebten Durchmesser des Baumes wird Umtriebszeit genannt. Dieser Zeitraum für die Baumart Buche liegt zum Beispiel etwa bei 120 bis 160 Jahren, für die Nadelbaumart Fichte bei 80 bis 120 Jahren. Bis zur sogenannten Hiebsreife eines älteren Baumes kann jedoch einiges passieren. Viele Waldbesitzer mussten besonders in den vergangenen Jahren erleben, dass sich ihre Wälder durch Orkane und anhaltende Trockenheit grundlegend verändert haben bzw. großflächig zerstört wurden. Aber nicht nur Klimawandel und Umweltverschmutzung mit ihren Folgeschäden wie Bränden oder Krankheiten setzten den Bäumen zu, auch Schädlingsbefall und Wildverbiss erfordern ständige Aufmerksamkeit.

BESUCHEN ERLAUBT

Ein Wald-Spaziergang ist für viele Menschen zu jeder Jahreszeit ein schönes Erlebnis. Jeder hat das Recht, den Wald zu betreten – auch wenn er in privater Hand ist. Ein Waldweg ist laut Gesetz jedoch in erster Linie ein Wirtschaftsweg und kein Fuß-, Reit-oder Radweg. Besucher, die sich als Gäste im Wald sehen, sind immer willkommen, betonen fast alle Waldbesitzer. Jedoch wünschen sie sich rücksichtsvolles Verhalten, besonders zum Schutz für die dort lebenden Tiere und Pflanzen. Flächen, auf denen junge Bäume gepflanzt wurden oder Bäume geerntet werden, dürfen nicht begangen werden. Absperrungen sollten zur eigenen Sicherheit akzeptiert werden, denn das Betreten des Waldes geschieht auf eigene Gefahr. Wer gewerblich zum Beispiel Kräuter oder Pilze sammeln möchte oder Veranstaltungen durchführt, benötigt hierzu die Zustimmung des Waldeigentümers.

ERSTE SCHRITTE

Ob geerbt oder erworben – frischgebackene Waldbesitzer müssen erst einmal viele Informationen einholen. Im Falle einer Erbschaft gilt es zunächst zu klären, ob es sich um ein Alleinerbe oder um eine Erbengemeinschaft handelt. Anschließend ist es ratsam, sich einen genauen Überblick über die Lage und die Größe des Waldstücks zu verschaffen. Die eingetragenen Rechte, Nutzungsart und eventuelle Belastungen sind im Grundbuch vermerkt. Es wird beim Amtsgericht (oder bei staatlichen Grundbuchämtern der Gemeinden) geführt. Wertvoll ist auch eine topografische Karte. So weit ausgerüstet ist es sinnvoll, das Waldstück aufzusuchen und sich einen ersten Eindruck vor Ort zu verschaffen.

WEM DER WALD GEHÖRT

Landwirtschaftliche Flächen bedecken den Großteil unseres Landes. Etwa ein Drittel der Landesfläche besteht aus Wäldern – das entspricht insgesamt rund 11,4 Millionen Hektar. Fast die Hälfte des deutschen Waldes befindet sich in Privateigentum. In Deutschland sind dies rund 1,8 Millionen Waldeigentümer. Der restliche Wald gehört Bund, Ländern und verschiedenen Körperschaften wie Städten und Gemeinden.

UNTERSCHIEDLICHE ANTEILE

Die Anteile in den einzelnen Bundesländern sind sehr unterschiedlich. Nordrhein-Westfalen hat mit 67 Prozent den höchsten Privatwaldanteil in Deutschland. Neben den Hunderttausenden Kleinwaldbesitzern gibt es auch größere private Forstbetriebe: 22 Prozent der Privatwälder sind zwischen 20 und 200 Hektar groß. Weitere 27 Prozent der Privatwälder sind über 200 Hektar groß.

BERATUNG UND BETREUUNG

Der einzelne Privatwaldbesitzer oder der forstwirtschaftliche Zusammenschluss kann die Beratung, Betreuung oder Bewirtschaftung durch die öffentlichen Forstverwaltungen in Anspruch nehmen. Die Beratungsleistungen sind für die privaten Waldbesitzer überwiegend kostenlos. Kostenpflichtige Betreuungsleistungen können in vielen Fällen zusätzlich gefördert werden. Darunter fallen besonders die nachhaltige Waldbewirtschaftung, der Waldschutz und Hilfen für die forstliche Infrastruktur. Aus kartellrechtlichen Gründen darf das Holz nicht mehr durch den betreuenden öffentlichen Forstbetrieb für die Waldbesitzer verkauft werden. Daher gründen sich derzeit viele neue forstliche Zusammenschlüsse, um die eigene Vermarktung zu organisieren.

Klimastabil für die Zukunft

Der Wald von Berufsfeuerwehrmann Christian Burkhardt befindet sich bereits seit 1865 in Familienbesitz. Er arbeitet seit Jahren daran, seinen brandenburgischen Kiefernwald in einen klimastabilen und standortgerechten Wald mit vielen unterschiedlichen Baumarten und naturnahen Waldrändern umzubauen, den er eines Tages an seine Kinder übergeben möchte. Für den Waldumbau nutzt er den Ertrag aus dem Holzverkauf. Pflanzungen und Pflegemaßnahmen im Jugendstadium verursachen jedoch zunächst nur Kosten. Es dauert Jahrzehnte, bevor zum Beispiel junge Bäume, die bei Durchforstungen gefällt werden, als Brennholz genutzt und verkauft werden können. Erst wenn der Baum eine gewisse Dicke erreicht hat, sind nach Abzug der Erntekosten nennenswerte Einnahmen zu erreichen.

Verschiedene Ziele

Einen Beitrag zum Klima-und Naturschutz leisten, einen Freizeitausgleich schaffen, den Wald nutzen – ob wirtschaftlich oder für den Eigenbedarf: Die Ziele sind vielfältig. Klaus Dietrichs aus Niedersachsen etwa nutzte die Gelegenheit, als in seiner Umgebung ein kleines Waldstück zum Verkauf stand. „Zuerst habe ich hauptsächlich an die Holzversorgung für meinen Kachelofen gedacht. Durch meinen Cousin, einen ehemaligen Forstamtsleiter, habe ich viel über Waldbau gelernt“, erzählt der Facharzt. Die Betätigung im Grünen macht ihm viel Freude. Sie ist aber von Hand und ohne Maschinen auch sehr arbeitsintensiv und nur mit der Hilfe von Freunden und Familie zu schaffen, hat der neue Waldbesitzer festgestellt.

Ottmar Bechteler aus dem bayrischen Heimenkirch bewirtschaftet neben seinem Hof acht Hektar Schutzwald. Dazu zählen Wälder oberhalb einer Siedlung, die vor Naturgefahren wie Steinschlag und Erdrutschen oder auch vor Lärm schützen sollen. Einerseits sieht der Landwirt den Wald als Arbeitsplatz, der mit Sachverstand gepflegt werden muss, um einen Zuverdienst zu ermöglichen. „Ich versuche aber auch mit meinem Wald einen Lebensraum für Groß-und Kleintiere aller Art zu schaffen. Ruhe im Wald gibt es nur, wenn man ihn auch mal in Ruhe lässt, egal ob mit der Säge, Wanderschuhen, beim Reiten oder Radeln.“ Bei Landwirt Christoph Lingg aus dem Westallgäu ist der finanzielle Beitrag seines Waldes zum Gesamteinkommen nur gering. Aber er freut sich darüber, eigenes Bauholz für Arbeiten an seinem Haus zu nutzen und mit eigenem Holz zu heizen. „Der Wald ist für mich ein Stück Heimat, ein Teil von meinem Leben. Ich wurde früh von meinen Eltern in die Waldarbeit eingebunden. Heute bin ich der Vater und die Familientradition geht weiter“, erzählt er.

Eng verbunden

In jedem Falle profitieren Waldeigentümer von den Anstrengungen ihrer Vorfahren oder Vorbesitzer. Der eigene Einsatz zahlt sich zu einem großen Teil erst für die Kinder oder Enkel aus. In der eigenen Lebenszeit die Waldgeschichte ein Kapitel weiterschreiben und den Wald als eine Art Leihgabe für die kommende Generation erhalten – für Waldeigentümer und Forstleute ist dieses Denken und Handeln in langen Zeiträumen eine Selbstverständlichkeit.

AUF HOLZ GEBAUT

In der Entwicklungsgeschichte der Menschen war Holz der zentrale Werkstoff. Die Siedlungen wuchsen zu Städten, Handwerk entwickelte sich und die schnell wachsende Bevölkerung brauchte immer mehr Holz für unzählige Alltagsgegenstände, für den Bau von Häusern, Scheunen, Mühlen oder Schiffen und als Brennstoff zum Kochen und Heizen. Historiker sprechen daher vom hölzernen Zeitalter.

VERSCHENKT, VERLIEHEN, VERPFÄNDET

Es bildeten sich verstärkt Besitzansprüche über die zunehmend knapper werdenden Waldflächen und Holzvorräte heraus. So taucht in vielen mittelalterlichen Urkunden erstmals das Wort „Forestis“ auf, was bedeutet, dass der Wald zum königlichen Forst erklärt wurde. Der Besitzer war meist alleiniger Inhaber aller damit verbundenen Rechte und Nutzungen. Der jeweilige König oder Herrscher schenkte, verlieh oder verpfändete Wald an Adelige oder Geistliche, die er belohnen wollte.

ZERSPLITTERTE FLÄCHEN

Dies führte im Laufe der Zeit zu einer starken Zersplitterung des Waldbesitzes. Zahlreiche geistliche und weltliche Fürsten, Ritter und niederer Adel besaßen mehr oder weniger Wald, ebenso wie Reichsstädte, Klöster und bäuerliche Markgenossenschaften (durch Gemarkungen entstandene Gebiete eines oder mehrerer Dörfer). Dieser wurde unaufhörlich verschenkt, verkauft oder verpfändet, vererbt oder durch Heirat erworben – viele Waldflächen gingen über die Jahrhunderte durch zahllose Hände. Im Rahmen der Säkularisation, d. h. der Einziehung des Grundbesitzes vieler geistlicher Fürstentümer und Klöster, entstand Anfang des 19. Jahrhunderts wiederum größerer landesherrlicher Wald. Gleichzeitig bildete sich durch Realteilung (Aufteilung des Landes an alle Erbberechtigten) und durch Teilung von Gemeindewald in bestimmten Gebieten stark parzellierter Kleinstprivatwald.

NACHHALTIGE BEWIRTSCHAFTUNG

Bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts stieg der Holzverbrauch immer weiter. In der frühindustriellen Zeit verbrauchten der Bergbau, Erz-und Glas-Verhüttung, Köhlerei und andere Gewerbe riesige Holzmengen. Gleichzeitig wurde weiterhin viel Wald gerodet, um Äcker und Felder anzulegen. Die Landschaft veränderte sich dauerhaft. Vor mehr als 350 Jahren entstanden erste forstkundliche Überlegungen, diesen Raubbau aufzuhalten und eine geordnete Waldbewirtschaftung zu entwickeln. Grundlage war die Vermessung der Ländereien.

Die heutige nachhaltige Forstwirtschaft achtet darauf, dass immer mehr Holz nachwächst, als genutzt wird, der Wald in seiner Gesamtheit erhalten bleibt und die verschiedenen Schutzund Erholungsfunktionen erfüllen kann.

■ Text: Dr. Verena Sohns