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LebenLust: Sex wie ich ihn will


petra - epaper ⋅ Ausgabe 10/2019 vom 05.09.2019

Irgendwann reichte es ihr mit den Kompromissen: Anna Zimt über ihren nicht ganz einfachen Weg zur LiebeOHNE WENN UND ABER. Ein Auszug aus ihrem neuen Buch „Leck mich!“


Artikelbild für den Artikel "LebenLust: Sex wie ich ihn will" aus der Ausgabe 10/2019 von petra. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: petra, Ausgabe 10/2019

Anfänglich habe ich noch versucht, das Drehbuch, das sich zwischen Luca und mir festgefahren hat, umzuschreiben. Setzte mich mal andersrum auf ihn, drehte mich auf die Seite, wenn er auf mir lag. Aber er reagierte nicht oder mit Verunsicherung. Dann sprach ich es sehr sensibel an und fragte, ob er nicht Lust habe, ein paar neue Dinge auszuprobieren. Aber ich merkte dadurch nur noch mehr, wie schwer es ihm fällt, überhaupt über solche ...

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... Themen zu sprechen. Zum einen, weil es ihm unangenehm zu sein scheint, aber auch, weil er sich in seiner Lust und seinen Fantasien oft zensiert und damit am Ende wahr scheinlich auch limitiert. Daran kann ich nichts ändern. Und ich merke, dass ich langsam die Lust verliere, seine Lust aus ihm herauszukitzeln, auch wenn ich genau das anfänglich auch aufregend fand. Bis zu einem gewissen Grad ließ er sich darauf ein. Aber auch, wenn ich ihn wirklich gerne mag, habe ich das Gefühl, das ich alles probiert hatte, um ihn dabei zu unterstützen, mehr aus sich herauszukommen. Seine Fantasien wirklich mit mir auszuleben.

Ich kann eine Zeit lang vorleben, wie es sein kann, wenn man mit sich, seinem Körper und seiner Sexualität entspannt umgehen kann. Aber am Ende muss der andere mitziehen und sich selbst trauen. Vielleicht ist Lucas eigener Leidensdruck an der Stelle auch einfach nicht groß genug. Muss er ja auch nicht sein. Er sagt zwar, dass er viele Wünsche und Fantasien hat und sie unbedingt ausprobieren will, wagt die Umsetzung am Ende aber doch noch nicht. Und das ist auch in Ordnung. Alles hat seine Zeit und seinen Weg. Aber es ist ebenso in Ordnung, wenn ich diesen Weg nicht mitgehe und mich von Luca verabschiede. Denn es ist nicht meine Aufgabe, jemand anderen selbstsicherer zu machen. Ich kann nicht erzwingen, dass sich eine andere Person selbst liebt.

Das muss jeder selbst lernen. Am Ende ist das wahrscheinlich eine unserer größten Aufgaben im Leben. Vielleicht ist sie noch schwieriger geworden, seitdem Instagram & Co. uns die ganze Zeit eintrichtern, dass wir nicht schön genug, nicht schlank genug, nicht faltenfrei, nicht dellenfrei sind. Dass unsere Wimpern nicht lang genug sind, unsere Nägel immer gemacht sein müssen, an unserem Körper kein überflüssiges Haar zu sehen sein darf und unsere Haare auf dem Kopf nicht lang und dicht genug sind und wir uns deshalb künstliche reinkleben lassen müssen. Oder, dass unsere Vulven nicht schön genug sind, weil sie nicht so perfekt symmetrisch aussehen wie die in den Pornos.

Wir sind auf Selbstzweifel getrimmt, damit wir kaufen. Das ist alles. Wir brauchen keinen tieferen Sinn dahinter suchen. Da ist nur Oberfläche. Für die Industrie sind wir kleine zu manipulierende Geldmaschinen, die gemolken werden wollen. Und dafür braucht es Defizite, Makel, Fehler, für die es dann ein Produkt gibt, das diese Makel und Fehler bekämpfen und auslöschen soll. Mit dem Risiko, dass wir uns in dem Kampf um die Schönheit selbst auslöschen.

Die große Frage ist ja, wie man das so macht mit der Selbstliebe. Ich glaube, dass Menschen, die immer wieder an sich selbst und ihrem Wert zweifeln, an irgendeiner Stelle im Leben eine Verletzung erlebt haben. Und die lässt sie bis heute glauben, sie hätten diesen Schmerz selbst verschuldet oder sogar verdient. Weil sie nicht liebenswert genug sind. Ein Weg der Heilung könnte darin liegen, an diese Stelle zurückzugehen. Und dies vielleicht auch mit therapeutischer Hilfe zu tun. Denn dort, an dieser Stelle, gibt es die Möglichkeit, die Vergangenheit und die Gegenwart voneinander zu entkoppeln. „Mir wurde Schlechtes zugefügt, also muss ich ungenügend sein.“ Diesen Glauben gilt es zu durchbrechen.

Denn wenn man sich als Kind, Heranwachsender oder erwachsener Mensch nicht geliebt gefühlt hat, war vermutlich die Person, von der man sich die Liebe gewünscht hat, selbst nicht in der Lage, zu lieben. Das ist dramatisch, liegt jedoch in der anderen Person. Nicht in uns selbst. Davon abzuleiten, man selbst sei minderwertig, ist fatal. Wir sind nicht nur so liebenswert, wie andere es uns sagen. Denn wie viel Liebe andere geben können, haben wir nicht im Griff. Wie viel Liebe wir aber selbst zulassen oder geben können, auch wenn es Mut und Reflexion benötigt, daran können wir etwas ändern.

Es hatte mich so viel Kraft gekostet, aus jedem Fall, jedem Tief wieder aufzustehen und mich selbst, meinen Körper, mein Temperament, meine Schwächen lieben zu lernen. Ich musste mich schmerzlich aus Beziehungen lösen, die mir nicht guttaten. Mein eingebranntes Muster kennenlernen und Konsequenzen ziehen, an die ich mich immer wieder neu erinnern muss.

Zum Beispiel die Art von Menschen zu erkennen, die mich neben fabelhaft auch klein und ungenügend fühlen lassen. Und ihnen keinen Platz in meinem Leben einzuräumen, sondern sie höflich, aber bestimmt wieder wegzuschicken. Die Menschen, die einen auf Händen tragen, bei denen man den Boden unter den Füßen verliert, die man deshalb bewundert, begehrt oder ins Herz schließt – die all das aber vor allem brauchen, um sich selbst geliebt zu fühlen, Bedürfnisse in dem anderen zu wecken, um die eigenen nicht wahrnehmen zu müssen. Die einen fallen lassen, sobald sie ihr Ziel erreicht haben. Und dann fällt man.

Jetzt bin ich endlich mit mir im Reinen, mag mich so, wie ich bin, lebe mich und meine Sexualität so frei aus, wie ich es will und brauche. Und dabei will ich mich nicht mehr verstellen. Wieso auch? Um so zu tun, als sei ich weniger, damit ein Mann beispielsweise mit mir klarkommt? Auf keinen Fall, Da kann und will ich einfach keine Kompromisse machen. Wieso sollte ich Freundschaften, Affären oder Arbeitsbeziehungen mit Menschen eingehen und pflegen, die mich anders haben wollen?

Das kann doch nicht unser Ziel sein. Unser Ziel sollte sein, der Mensch zu werden, der wir sein wollen. Und (uns) so zu lieben, wie wir sind.

DAS BUCH Anna Zimts kompromissloses Lust-Bekenntnis in voller Länge: Leck mich! Wie ich lernte zu bekommen, was ich will …mvg Verlag, 176 S., 14,99 €, ab 11.9.


FOTO: GETTY/BRUCE AYRES

FOTO: GETTY/ARMAN ZHENIKEYEV