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LEBENSGLÜCK


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myself - epaper ⋅ Ausgabe 11/2022 vom 12.10.2022

Als Dagmar Berghoff zum ersten Mal die Nachrichten las, 1976, stand Chefsprecher Karl-Heinz Köpcke neben ihr. Er sorgte sich, dass sie als Frau vor Aufregung zusammenbrechen könnte. Dabei hatte die damals 33-Jährige zuvor bereits im Südwestfunk als Ansagerin, Hörfunksprecherin und Moderatorin gearbeitet. Ins Rampenlicht wollte sie schon immer, deshalb besuchte sie nach dem Abitur die Schauspielschule in Hamburg – gegen den Willen ihres Vaters. Widrigkeiten, erzählt die kleine fröhliche Frau, hätten in ihr immer Energien freigesetzt. Ob sie das Älterwerden herausfordert und was ein gutes Leben ausmacht, erzählt sie rauchend in ihrem Wohnzimmer mit Blick auf die Alster.

Frau Berghoff, wie fühlt sich Ihr Leben gerade an?

Schön, eigentlich traumhaft. Ich bereue nichts. Mir geht es wie den meisten anderen Menschen auch: Ich fühle mich jünger, als mein Pass sagt. Ich stehe manchmal staunend vor ...

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Ihr gesamtes Leben verbrachte Dagmar Berghoff in ihrer Heimat Hamburg ? und das soll auch so bleiben.
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... dem Spiegel und denke, bist du das wirklich?

Welche Erwartungen hatten Sie an Ihre Zeit nach der „Tagesschau“?

Ich wollte, dass mein Mann und ich jeden Tag zusammen frühstücken. Und er hatte den Wunsch, dass wir endlich mal drei Monate auf Mallorca bleiben, wo uns eine Wohnung gehörte. Aber mit der Wohnung war es komisch: Nachdem wir uns den Traum erfüllt hatten, war er nicht mehr so wichtig. Wir sind gar nicht so oft da gewesen.

Ein halbes Jahr später erhielt Ihr Mann eine Krebsdiagnose. Haben Sie mit ihm über den Tod gesprochen?

Nein. Er war Chirurg, er wusste ganz genau, was da auf ihn zukam. Gleichzeitig war er auch ein Patient, der zu mir sagte: Ich muss nur mehr essen, dann schaffen wir das schon. Damals war er bereits schwer krank. Das macht die Seele mit uns, wenn wir eigentlich keine Hoffnung mehr haben. Sie bildet einen Kokon, und der ist wichtig.

„Ich habe keine Träume mehr. Ein beruhigendes Gefühl“

Wie hat diese Erfahrung Ihr Verhältnis zum Tod beeinflusst?

Ich war dabei, als mein Mann gestorben ist. Auch meinen Bruder habe ich kurz nach seinem Tod gesehen. Beide sahen so friedlich aus. Das war für mich eine große Beruhigung. Ich dachte: Okay, wenn es dich trifft, wird es vielleicht ähnlich sein.

Was braucht es, um trotz der Verluste ein gutes Leben zu führen?

Neugier. Und die Fähigkeit, sich selbst ref lektieren zu können und im richtigen Moment zu merken, wann man etwas verändern muss, um nicht in Lethargie zu verfallen. Man darf durchaus Tüddeltage haben, an denen man sich nicht schminkt. Leggings trägt. Die Haare nicht eindreht. An den anderen Tagen muss man sich zurechtmachen und rausgehen.

Also setzt das Älterwerden voraus, dass man Haltung bewahrt?

Ich habe nie vergessen, die Füße zu heben. Und ich habe immer Absätze getragen. Blöderweise haben sich meine Füße verändert, ich musste eine Weile f lache Schuhe tragen, fange jetzt aber wieder mit Absätzen an. Es müssen ja nicht acht Zentimeter sein. Ich finde mich weiblicher und schöner, wenn ich Absätze trage.

Reagieren Sie immer so gelassen auf die Zipperlein Ihres Körpers?

Ich lebe mich einfach in die Situation ein, und irgendwann denke ich nicht mehr über sie nach. Ich kann zum Beispiel keine Flaschen mehr aufdrehen, ich habe nicht mehr die Kraft in den Händen. Also benutze ich dafür einen Nussknacker.

Wie haben Sie sich als junge Frau das Leben mit 80 vorgestellt?

Innerhalb der Clique haben wir uns ausgemalt, gemeinsam in einem großen Haus zu wohnen: Jeder sollte seine eigene Wohnung haben, und treffen würden wir uns in den Gemeinschaftsräumen. Wir haben uns vorgestellt, wie sich die Macken, die wir haben, im Alter verstärken, und haben sehr gelacht. Aber wann sollten wir zusammenziehen? Die meisten wollen doch zu Hause bleiben und ihre Selbstständigkeit behalten. Ich auch.

Hat sich Ihre Perspektive auf die Nachrichten verändert?

Sie betreffen mich nach wie vor, aber eine gewisse Müdigkeit setzt ein. Wenn es heißt: „soll in Zukunft“ oder „wird wahrscheinlich“ oder „vielleicht“, dann lese ich das gar nicht. Ich denke, berichtet doch darüber, wenn es so weit ist. Und dann nehmen wir all unsere Energie zusammen und überlegen, was zu tun ist.

Welche Geschenke hat Ihnen das Alter gemacht? 

Gelassenheit. Ich musste mal einen Fragebogen ausfüllen für eine Talkshow, und da hieß es: Was sind Ihre Träume? Ich schrieb: Ich habe keine Träume mehr. Darauf hin rief eine besorgte Redakteurin an, die fragte, was los sei. Aber meine Träume haben sich alle erfüllt. Oder ich könnte sie mir erfüllen, wenn ich wollte. Ein beruhigendes Gefühl.

Weisheiten

Dagmar Berghoff braucht nicht viel für ein gutes Leben, nur …

… eine kleine Flasche Champagner

Die sollte man immer im Kühlschrank haben. Das ist eine Portion und erinnert einen im Gegensatz zur großen Flasche nicht daran, dass man alleine trinkt. Außerdem reicht sie genau für ein Schaumbad.

… einen Eisbecher im Café

Oder den Schal, um den man schon lange rumgeschlichen ist, mit dem man sich selbst belohnt, ohne vorher etwas Bestimmtes geleistet zu haben.

… „Der kleine Prinz“ lesen

Es ist so bezaubernd und richtig, jeder Satz eine unerschütterliche Wahrheit.

… Hamburg

Diese Stadt hat alles, was zu einem guten Leben dazugehört, vor allem die Nähe zum Wasser.

*Teil 6 unserer neuen Serie „Aus Erfahrung lernen“.