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LEBENSHILFE: VON STIPPERN UND STÖRCHEN


Blinker - epaper ⋅ Ausgabe 100/2018 vom 14.09.2018

Hegefischen helfen, Weißfischbestände zu regulieren und Gewässer zu schützen. Die entnommenen Friedfische sichern Tierparks und Vogelkolonien das Überleben. Ohne Angler könnte auch StorchenvaterGünther Schoen niemals seine Schützlinge ernähren.


Artikelbild für den Artikel "LEBENSHILFE: VON STIPPERN UND STÖRCHEN" aus der Ausgabe 100/2018 von Blinker. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Blinker, Ausgabe 100/2018

Betritt der Storchenvater das Gehege, wissen die Vögel bereits, was sie zu erwarten haben. Ohne Scheu nehmen sie ihm die Fische aus der Hand.


Angler sind Naturschützer. Durch gezieltes Befischen tragen sie dazu bei, die Artenvielfalt eines Gewässers zu bewahren. So auch der Angelverein Kaltenkirchen: Um eine Verbuttung der Weißfische im Nord-Ostsee-Kanal zu ...

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... verhindern, findet dort jährlich ein Hegefischen statt, bei dem große Mengen an Weißfischen aus dem Kanal entnommen werden. Damit sorgt der Verein dafür, dass die verbleibenden Fische besser abwachsen und das Ökosystem stabil bleibt. Doch er geht in Sachen Naturschutz sogar noch einen Schritt weiter, denn jeder Fang leistet einen wichtigen Beitrag dazu, noch eine weitere Art zu erhalten – Störche, die mit den Fischen gefüttert werden.

SOMMERQUARTIER

Seit mittlerweile zwölf Jahren gehen die Fänge des Hegefischens an eine Kolonie im nahe gelegenen Hitzhusen. Über 30 Storchennester ragen zwischen den Dächern des kleinen Ortes hervor. Im Frühjahr, wenn die Zugvögel zum Brüten in den Norden kommen, ist ein Großß -teil von ihnen besetzt. Nun haben sich die meisten Familien wieder in Richtung Afrika aufgemacht, doch im Hinterhof von Günther Schoen kann man immer noch einige Tiere klappern hören, die hier überwintern.

Der im Dorf als „Storchenvater“ bekannte Schoen konnte sich schon immer für Tiere aller Art begeistern, doch Störche haben es ihm besonders angetan. Neben der Imkerei widmet er sich mittlerweile seit fast 30 Jahren seinen gefiederten Gästen. Anfangs waren es allerdings längst nicht so viele wie heute. „Einige Tiere haben sich um einen Brutplatz gestritten“, erklärt er den Ursprung der Kolonie, „da habe ich einfach für einen Horst mehr gesorgt.“ Im Laufe der Zeit sammelten sich immer mehr Vögel in Hitzhusen, um ihre Jungen aufzuziehen. Pro Jahr schlüpfen mittlerweile 50 bis 60 Storchenküken, früher waren es weit weniger. In drei Jahrzehnten schlüpften insgesamt genau 947 Vögel. Schoen führt über die Entwicklung Buch: Für jedes Nest hat er eine eigene Tafel aufgestellt, auf der alle Informationen abzulesen sind.

Beim Hegefischen kommen große Fangmengen zusammen, die sinnvoll verwertet werden müssen. Die Storchenkolonie kommt den Anglern daher gerade recht.


HEGEFISCHEN = NATURSCHUTZ

Die allermeisten Angler entnehmen hauptsächlich Raubfische aus Gewässern. Dadurch kommt es zu einem Friedfischüberhang. Durch Nahrungsmangel kann es so zu Kleinwüchsigkeit kommen, außerdem bringt der Fraßdruck der vielen Friedfische das Ökosystem aus dem Gleichgewicht. Hegefischen wirken diesen Negativfolgen entgegen. Bei den Veranstaltungen werden große Mengen Weißfisch entnommen. Diese Bestandsregulierung kann die Lage unter Wasser entspannen. Engangierte Angler wie Sven Lindemann sammeln bei Hegefischen die Fänge ein und übergeben sie Tierparks oder Einzelpersonen wie Storchenvater Günther Schoen. Eine Win-Win-Situation, denn Storchenkolonien, Tierparks und Co könnten ohne die Weißfischspenden nicht aufrecht erhalten werden.

Ein Storch im Horst – für die Bewohner Hitzhusens ein alltägliches Bild.


Storchenvater Günther Schoen (links) und Stipper Sven Lindemann können bereits auf eine lange Kooperation zurückblicken.


Rotaugen vertilgen die Störche problemlos. Für dicke Brassen hat Günther Schoen einen Häcksler parat.


DANKBARE MÄGEN

Die Hilfe der Angler ist auf dem Hof mehr als willkommen. „Die Störche ziehen natürlich auch selbst los, um Futter zu finden“, sagt Schoen, während er sich zum Gehege aufmacht. In einer Hand hält er bereits einen Eimer voller Fische. „Trotzdem füttere ich an manchen Tagen bis zu 30 Kilogramm zu.“ Kaum hat er das Tor geöffnet, kommen die Bewohner des Geheges ihm entgegen, und kurz darauf verschwinden die ersten Fische zwischen den Schnäbeln. Insbesondere kranken Tieren kommt die Fütterung zu Gute: Schon so mancher Storch, der für die kräftezehrende Reise in den Süden nicht stark genug war, konnte dank der Lieferungen der Angler den Winter überstehen.

Auch andere Vereine im Umkreis haben sich der Idee bereits angeschlossen, weitere Unterstützung für sein Projekt hat Schoen allerdings nicht – nur eine kleine Spendenbox, die vor seinem Haus steht.


„DIE FISCHE HABEN SCHON SO MANCHEN STORCH DURCH DEN WINTER GEBRACHT.“


FOTO: F. PIPPARDT

FOTOS: F. PIPPARDT, N. ADOLPHI