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LEBENSRAUMVERBESSERUNG : FÖRDERUNGEN NUTZEN!


JÄGER - epaper ⋅ Ausgabe 40/2019 vom 15.03.2019

Das Gros der Landwirte muss heute fünf Prozent ihrer Fläche als ökologische Vorrangfläche zur Verfügung stellen? Junglandwirt und Jäger Hannes-Friedrich Bösezeigt auf, wie sich diese Flächen wildfreundlich gestalten lassen.


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Wenn sich Jäger und Landwirte absprechen, können förderfähige Maßnahmen geschaffen werden, von denen alle profitieren, besonders das Wild.


FOTO: DIETER HOPF

Der Winter hat sich verabschiedet. Und damit steht das Frühjahr in den Startlöchern, um die hoffentlich wildfreundliche Vegetation sprießen zu lassen.

MEHR ÖKOLANDBAU

Bedingt durch gesellschaftliche Einflüsse werden wir Jäger in ...

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... unserem Handlungsspielraum immer weiter eingeschränkt, speziell bei der Beutegreiferbejagung. Dazu findet momentan ein wesentlicher Strukturwandel in der Landwirtschaft statt. Vorrang hatte in den vergangenen Jahrzehnten bei der Bewirtschaftung landwirtschaftlicher Flächen die Erzeugung von Lebensmitteln. Mittlerweile leben wir in einer Überflussgesellschaft mit höherer Nachfrage nach sogenannten Bioproduk ten. Die Produktion wird von immer mehr Landwirten dementsprechend angepasst – weg von einer intensiven Bewirtschaftung hin zu einer extensiven. So hat das Bundesministerium für Landwirtschaft die Hoffnung, dass „20 Prozent Ökolandbau“ mittelfristig erreicht werden kann.

STRUKTURWANDEL

Dieser Strukturwandel zieht Schritte in der Bewirtschaftung der Flächen nach sich. Einerseits positiv, da in den biologisch bewirtschafteten Flächen mehr Beikräuter Platz finden werden. Andererseits negativ, da die maschinelle Unkrautbekämpfung zunehmen wird. Aktuell ist hierbei von großen Bearbeitungsgeräten mit hohen Arbeitsgeschwindigkeiten auszugehen. Für das Niederwild und die Bodenbrüter sind Maschi wie der Unkrautstriegel absolut negativ zu bewerten, da die Fluchtmöglichkeiten gen null gehen. Das Schalenwild wird durch den Anbau der biologisch genutzten Kulturen wie Luzerne, Klee, Lupinen, Bohnen oder Erbsen als Leguminosen allerdings profitieren. Auch wird die Fruchtfolge in der Landwirtschaft im Bereich der Nichtleguminosen wie Hafer, Dinkel, Futterrüben oder Sonnenblumen erweitert. Solche Bio-Betriebe müssen allerdings keine Ausgleichsflächen schaffen.

VORRANGFLÄCHEN

Anders bei den konventionell wirtschaftenden Betrieben. Hier ist man seitens des Gesetzgebers gerade dabei, die momentan ökologisch genutzten Vorrangflächen von fünf Prozent auf acht Prozent zu erweitern.Wie können Jäger und Landwirte zusammen diese Flächen optimal für die heimische Tier- und Pflanzenwelt gestalten? Genau dies möchte ich Ihnen als passionierter Jäger und Landwirt im Folgenden erläutern und hoffe, Ihnen hiermit Möglichkeiten aufzuzeigen, Wildäcker bestmöglich mit Landwirten abzusprechen und den stetig steigenden Anteil an ökologischen Vorrangflächen bestmöglich für das Niederund Hochwild zu nutzen.

DER AUTOR :HANNESFRIEDRICH BÖSE

Der weitgereiste 27-Jährige aus dem Landkreis Schaumburg ist von klein an begeisterter Landwirt und Jäger. Als staatlich geprüfter Agrarbetriebswirt ist er in der landwirtschaftlichen Fachberatung tätig und berichtet in verschiedenen Medien Wissenswertes aus der Landwirtschaft und aus der Jagd.

FOTO: PRIVAT

FÜNF-PROZENT-HÜRDE

Für den Landwirt sind die politischen Vorgaben wie Ausgleichsflächen und Greeningmaßnahmen mittlerweile grundlegend im landwirtschaftlichen Produktionsprozess. Flächenbeihilfen werden nur ausgezahlt, wenn der Anteil an ökologischen Vorrangflächen (ÖVF) erfüllt wird. Zu den ökologischen Vorrangflächen, die derzeit noch fünf Prozent der Nutzfläche ausmachen müssen, gehören stillgelegte Brachen, die bei Einhalten der Vorgaben zu Wildäckern umgewandelt werden können, Zwischenfrüchte, aber auch Bienenweiden. Hecken und Landschaftselemente zählen ebenfalls zum Greening. Letzteres hat zur Folge, dass regional keine Flächen für wildfördernde Maßnahmen zur Verfügung stehen. In diesen Regionen einen Landwirt von der Anlage weiterer Maßnahmen zu überzeugen, wird sich meist als ziemlich schwierig gestalten.

HERAUSFORDERUNGEN

Der Landwirt steht vor der Herausforderung festzulegen, welche Flächen er als Vorrangfläche aus der Produktion nimmt. Das ist immer ein Rechenexempel. Welche Flächen würden Sie als Unternehmer aus der Bewirtschaftung nehmen? Natürlich Flächen, die bislang am unwirtschaftlichsten waren. Doch schon hier gibt es Möglichkeiten für den Jäger, positiven Einfluss zu nehmen. Sind Flächen für den Landwirt gleichermaßen rentabel, könnte der Jäger ihn davon überzeugen, die fürs Wild geeignetere Fläche zu nehmen. Brachen werden bekanntlich gerne vom Wild angenommen. Liegt eine der zu wählenden Flächen vielleicht an einem Waldstück? Können Flächen abseits von Straßen angelegt werden? Können Flächen mit weiteren Landwirten zusammengelegt werden, um größere Rückzugsorte zu schaffen? Nur wenige Landwirte werden gegen eine fürs Wild optimale Nutzung dieser Flächen sein – ein gutes Verhältnis zueinander sowie gegenseitiger Wille zur Zusammenarbeit vorausgesetzt. Ein Landwirt freut sich immer über einen Braten, und ein Jäger freut sich immer über einen Anruf vorm Mähen der Wiesen.

ZWISCHENFRUCHTANBAU

Bei dem Anbau von Zwischenfrüchten, der eine Begrünung von kahlem Erdboden nach der herbstlichen Ernte bis ins Frühjahr darstellt, müssen sich die Landwirte nach ihren im Anbauplan stehenden Feldfrüchten richten. Befindet sich innerhalb der Fruchtfolge eines Betriebs zum Beispiel Raps, kann er keine Kreuzblütler als Zwischenfrucht anbauen, da sie im Folgejahr oder später der Hauptfrucht zu stark ähneln und durch selektive Wirkstoffe in den Pflanzenschutzmitteln nicht beseitigt werden können. Befinden sich Zuckerrüben im Anbauplan, kann der Landwirt keine Zwischenfrüchte wählen, die zum Beispiel Rettich enthalten, da dieser ebenfalls nicht mit Pflanzenschutzmitteln bereinigt werden kann und der verbleibende Fruchtkörper Pilzerkrankungen auf die Hauptfrucht überträgt. Die Einflussmöglichkeiten seitens der Jägerschaft in Sachen Zwischenfrüchte sind also relativ gering. Zwischenfrüchte werden mit einer Gewichtung von 0,3 bei der Erfüllung des Anteils der ÖVF gerechnet, das heißt, dass ein Landwirt durch den Anbau von 16,67 Prozent seiner Fläche mit Zwischenfrüchten die fünf Prozent erfüllt. Zwischenfrüchte bauen die Landwirte jedoch auch an, um für Feldhygiene zu sorgen.

UNTERSCHIEDLICHE FLÄCHEN

Wir sollten beim Planen von Wildäckern zwischen Produktions- und Stilllegungsflächen (aus der Produktion genommen) unterscheiden, hier lassen die Landwirte sich ungern reinreden. Falls sich ein Landwirt doch darauf einlässt, auf seinen Produktionsflächen Wildacker zuzulassen, sollten hier einjährige Mischungen gewählt werden. Und zwar solche, die im Winter kaputt frieren und den Landwirt so nur unerheblich stören.

BIENENWEIDE

Ziel bei der Anlage der ÖVF ist es aber, diese angemessen in nichtblühende und blütentragende Bestände aufzuteilen. Um Blütenbestände zu fördern, geht seit dem 1. Januar 2018 die als Bienenweide angelegte Ackerbrache (Brache mit Honigpflanzen) mit einer höheren Gewichtung bei der Berechnung der ÖVF ein als eine gewöhnliche Brache. Nicht wie bei einer gewöhnlichen Brache wird hier die Nutzfläche mit 1 zur Erfüllung der Mindestfläche multipliziert, sondern mit 1,5. Das heißt, durch die Anlage einer entsprechend großen Bienenweide muss der Landwirt nur 3,33 und nicht fünf Prozent für ÖVF aus der Produktion nehmen. Das entspricht einer Wertschöpfungssteigerung für den Landwirt und einem Mehrnutzen für Insekten und zahlreiche weitere Tierarten. Denn Insekten liefern tierisches Eiweiß für Fasanen- und Rebhuhnküken, aber auch für viele weitere Vogelarten. Und Bodenbrüter haben eine höhere Überlebenschance, da sie gute Deckung finden. Zudem äst das Schalenwild gerne die schmackhaften Pflanzen in der Weide.

Blühstreifen und Brachen kommen nicht nur jagdbaren Tierarten zugute, sondern fördern allgemein die Biodiversität, auch die der Insekten.


FOTO: KARL-HEINZ VOLKMAR

Landwirtschaft und Biotopverbesserungen müssen sich nicht widersprechen. Oft lassen sich Förderungen nutzen.


„DER STRUKTURWANDEL IN DER LANDWIRTSCHAFT IST HERAUSFORDERUNG UND CHANCE ZUGLEICH.“


FOTO: WINFRIED SCHÄFER

Von solchen Blühstreifen profitiert das gesamte Ökosystem, da sie die Biodiversität erhöhen.


FOTO: BETTINA DIERCKS

FRAGEN ÜBER FRAGEN

Können die Jäger zum Beispiel die Kosten für das Saatgut übernehmen und die Landwirte den Aufwand für die Bestellung der Flächen? Favorisieren Landwirte vielleicht sogar die wildfreundlichen Flächen unter dem Aspekt der gesellschaftlichen Akzeptanz und benötigen nur noch einen kleinen Anschub? Könnte man den örtlichen Imker einbeziehen und eine Zusammenarbeit anstreben? Unterstützt dieser vielleicht sogar finanziell? Viele Fragen, die untereinander besprochen werden können.

WALD- UND FELDRAND

Ebenfalls mit einem Faktor von 1,5 als Zielerfüllung der ÖVF zählen Waldrandstreifen und Feldrand-Pufferstreifen, die vorrangig an wasserführenden Gewässern und in der Nähe von Hecken oder von anderen Landschaftselementen angelegt werden. Auch bei der Anlage solcher Flächen kann der Jäger versuchen, seinen wildfreundlichen Einfluss geltend zu machen.

VORGABEN BEACHTEN

Es müssen bei der Bestellung der genannten Flächen, beim Befahren dieser und letztendlich bei deren Bearbeitung durch bodenbewegende Geräte landesabhängig Zeiträume eingehalten werden. Gleiches gilt für ein eventuelles Mulchen oder Häckseln dieser Flächen. Tabellen zu den vorgeschriebenen Terminen stehen auf der Internetplattform der örtlichen Landwirtschaftskammer, teilweise bieten auch Jägerschaften oder Hegeringe die Informationen dazu an.