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Lee Rocker & Stray Cats: 40 Jahre Katzenbilly


Gitarre & Bass - epaper ⋅ Ausgabe 10/2019 vom 27.09.2019

Zum 40. Geburtstag sind die Stray Cats mit einem neuen Album am Start., 40‘ lautet der schlichte Titel des Longplayers, der im klassischen Klanggewand daherkommt. Reminiszenzen an den Zeitgeist oder Mainstream sucht man vergebens. Auch 2019 basteln die Stray Cats ihren Sound aus Slapback-Gretsch, Kontrabass und Standschlagzeug. Elemente aus Blues, Surf, Country und Jazz sorgen für Abwechslung ohne sich weit von den Fifties-Roots zu entfernen.


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Bildquelle: Gitarre & Bass, Ausgabe 10/2019

Das scheint jung zu halten – die altersmäßig angebrachte Midlife-Crisis glänzt mit Abwesenheit, selbst nach 40 Jahren im Business sprühen die Herren Setzer, Rocker ...

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Das scheint jung zu halten – die altersmäßig angebrachte Midlife-Crisis glänzt mit Abwesenheit, selbst nach 40 Jahren im Business sprühen die Herren Setzer, Rocker und Phantom vor Spielfreude und beamen den Rockabilly ins 21. Jahrhundert.
Kurz vor der Europa-Tour gibt Bassist Lee Rocker am Telefon bereitwillig Auskunft über das neue Album und seinen musik alischen Werdegang. Im Gegensatz zu manch anderem Protagonisten der Rockabilly-Szene erweist sich der 58-jährige, als Leon Drucker geborene, Musiker als offener Zeitgenosse, der mit der weit verbreiteten, fast religiösen Stiltreue vieler Kollegen wenig am Hut hat.


„Ich liebe die alten Platten, aber ich finde nicht, dass alles wie 1955 klingen muss.“


Mr. Setzer in Action


40
Wie seid ihr auf die Idee zu einer Jubiläums-CD gekommen?
Letztes Jahr haben wir zum ersten Mal seit zehn Jahren vier Konzerte gespielt und es war einfach unglaublich! Die Band klang besser als je zuvor. Wir fingen mit einer Show in Las Vegas an und zwanzigtausend Leute haben jedes Wort mitgesungen und ich dachte, wir sollten was machen, es ist Zeit. Bei den Stray Cats passieren Dinge immer sehr organisch und ungeplant. Die Konzerte waren toll, wir hatten Riesenspaß und sagten: „Uns gibt es 40 Jahre, lasst uns eine Platte machen“. Die Cats sind zurück, es ist die richtige Zeit dafür.
Waren die Songs schon fertig geschrieben oder habt ihr mit einem Riff und ein paar Akkorden angefangen?
Die meisten waren geschrieben, aber sie klangen ganz anders, als wir mit ihnen fertig waren! (lacht) Du kommst mit einem Song an, dann ändert sich der Drumbeat, der Basspart, die Gitarrenriffs entwickeln sich. Die Songs waren schon da, aber das Arrangement und die Attitüde sind am Schluss nicht dieselben. Wenn wir einen Song spielen, klingt er jedes Mal ein bisschen anders. Es ist mehr wie ein Gespräch zwischen uns.
Habt ihr komplett live eingespielt?
Fast alles ist live, bis auf ein paar Vocals und Gitarren-Overdubs. Das Blackbird-Studio in Nashville ist ein digitales Studio, aber wir haben es wie eine Bandmaschine genutzt. Wir waren alle in einem großen Raum, mit ein paar Stellwänden und Vorhängen zwischen uns. Wir konnten uns ansehen, sehr altmodisch, das gibt’s heute nicht mehr oft.

der bassist
Du hast auf dem Cello angefangen. Hattest du klassischen Unterricht?
Oh ja! Ich bin in einer Musikerfamilie aufgewachsen. Mein Vater war 61 Jahre lang der Solo-Klarinettist der New Yorker Philharmoniker und meine Mutter Musikprofessorin an der Universität. Ich habe Kammermusik gespielt. Es gab nur eine Regel in meiner Jugend: Du suchst dir ein Instrument aus und nimmst Unterricht! Mit 6 oder 7 habe ich angefangen Cello zu spielen, habe Notenlesen gelernt, Musiktheorie, Harmonielehre, Blattsingen, Klavier. Ich habe also definitiv einen traditionellen Background. Mit 13 habe ich mit der Klassik aufgehört. Ich liebe immer noch alle Arten von Musik, aber das war einfach nicht mein Ding. Ich habe mit dem elektrischen Bass und Rock’n‘Roll angefangen und das führte mich zum Kontrabass, denn die Musik, die ich liebte, hatte diesen Sound. Willie Dixon oder Elvis und die Sun Sessions. Es hat mir aber sehr weitergeholfen, es war leicht vom Cello zum Bass zu wechseln.
Hattest du weiterhin Unterricht?
Auf dem E-Bass ja. Den Wechsel zum Kontrabass habe ich dann aber allein vollzogen. Zu dem Zeitpunkt hatte ich schon einen ganz guten Überblick.
Spielst du auch andere Musik als Rockabilly?
Auf jeden Fall Jazz-Sachen. Akkordverbindungen und verschiedene Walking-Bass-Lines. Meine wichtigsten Einflüsse sind Willie Dixon und Ray Brown. Ich denke nach und spiele und versuche neue Wege durch eine Akkordverbindung zu finden. Ich spiele jetzt seit 45 Jahren, und je mehr das Instrument in deinem Kopf ist, desto mehr verschiedene Sachen fallen dir ein. Das ist ziemlich aufregend und sollte das Ziel eines jeden Musikers sein: Sich immer zu verbessern und das musikalische Vokabular weiterzuentwickeln. Das ist die Herausforderung!
instrumente Welche Bässe hast du auf dem Album verwendet?
Es waren drei verschiedene Instrumente. Auf den rockigeren Songs ist ein King-Bass mit Stahlsaiten und magnetischen EMG Pickups zu hören. Das ist der Sound der frühen Stray-Cats-Alben. Der hat viel Power und Low End. Den kannst du auf, I Attract Trouble‘ und, Cry Danger‘ hören. Für andere Songs habe ich zwei andere King-Bässe gespielt, mit Darmsaiten und Piezo-Pickups und mich mehr auf das Mikrofon verlassen. Es ist ein ganz anderer Sound, die Note zieht sich zurück, sie hat einen richtigen Ausklang, mit schönem Attack und Bässen, aber das Sustain ist nicht da. Die habe ich auf, Got Love If You Want It‘, Mean Picking Mama‘ und, Nothing’s Going Right‘ eingesetzt. Live mache ich das genauso.
Wie nimmst du den Bass auf?
Ich benutze eine Menge Spuren. Wir mikrofonieren den Verstärker, nehmen zwei DIs von den Pickups und mikrofonieren das Instrument. Dann habe ich vier Spuren und abhängig vom Song nehme ich mehr oder weniger Mikrofon. Das gibt mir viel Flexibilität.
Hast du ein Extra-Signal für den Slap/Click-Sound?
Der kommt hauptsächlich vom Mikrofon oder dem Piezo, der liefert die Finger-Sounds und den Slap.
Welchen Verstärker hast du benutzt?
Auf diesem Album war es ausschließlich ein neuerer Ampeg SVT in der klassischen Ausführung.
Welche Pickups sind auf deinen Bässen?
Der mit den Stahlsaiten hat aktive EMG-Pickups mit vier Polen und einen Piezo am Steg. Der Cold Steel und der zweite King-Bass haben nur einen Piezo-Pickup von einer kleinen dänischen Firma namens Planet Wing.
Benutzt du irgendwelche Effekte?
Ich dreh das Gain am Verstärker auf, um etwas Drive und Dreck in den Sound zu bekommen, lasse die Röhren etwas arbeiten, damit sie warm werden.
Und wie machst du das live?
Gewöhnlich reise ich mit drei speziell für mich gebauten Instrumenten und wir nutzen nur die Pickups und den Amp.

rockabilly

Rockabilly ist ja ein sehr strikt definiertes Genre, aber die Stray Cats haben den klassischen Stil schon immer variiert. Auf dem Album habt ihr auch Blues oder Surf-Einflüsse. Passiert so etwas bewusst, damit es nicht zu gleichförmig wird?
Die Stray Cats sind etwas Besonders. Wir sind nicht nur dieses oder jenes Ding. Es gibt Rock’n’Roll, Blues und Surf in unserem Sound und das war schon immer so, schon bei unserer ersten Single, Runaway Boys‘. Wir mischen immer verschiedene Stile. Es ist ein Fehler, dass viele Neo-Rockabilly-Acts denken, sie müssten diese Musik genauso spielen wie in den 50er-Jahren. Ich habe lange mit Musikern wie Scotty Moore gespielt und die Leute haben sogar deren Fehler kopiert! Ich liebe die alten Platten, aber ich finde nicht, dass alles wie 1955 klingen muss. Eine neue Band muss nicht so spielen, da gibt es keine Regeln. Das kriegst du sowieso nicht hin. Die Original-Typen waren Innovatoren und das ist die Tradition, die man fortsetzen sollte!
Warum hat Rockabilly immer noch so eine Anhängerschaft, obwohl die Musik über 60 Jahre alt ist und sich nicht viel verändert hat seit den 50ern?
Sie ist echt, von Menschen gemacht, mit Leidenschaft und echten Instrumenten. In der heutigen Zeit, in der so viel passiert, ist es Musik, die nichts mit Politik oder dem was in der Zeitung steht, zu tun hat, und das ist wichtig für die Welt!
Musik ist also eine Abwechslung zu den alltäglichen Problemen?
Ohne Zweifel. Es gibt Musik, die politisch ist, aber das hat nichts mit dem zu tun, was ich mache. ■