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Legacy-Modernisierung 2022 – in vielen Unternehmen geht es nur langsam voran


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Computerwoche - epaper ⋅ Ausgabe 31/2022 vom 04.08.2022
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Studiensteckbrief

Herausgeber: CIO, CSO und COMPUTER-WOCHE

Platin-Partner: Confluent GmbH

Gold-Partner: PKS Software GmbH; Timetoact Software & Consulting GmbH

Silber-Partner: Cast GmbH; Workday GmbH

Grundgesamtheit: Oberste (IT-)Verantwortliche von Unternehmen in der DACH-Region: strategische (IT-)Entscheider im C-Level-Bereich und in den Fachbereichen (LoBs), IT-Entscheider und IT-Spezialisten aus dem IT-Bereich

Teilnehmergenerierung: Persönliche Email-Einladung über die Entscheiderdatenbank von CIO, CSO und COMPUTER-WOCHE sowie – zur Erfüllung von Quotenvorgaben – über externe Online-Access-Panels

Gesamtstichprobe: 339 abgeschlossene und qualifizierte Interviews

Untersuchungszeitraum: 11. bis 18. Mai 2022

Methode: Onlineumfrage (CAWI)

Fragebogenentwicklung und Durchführung: Custom Research Team von CIO, CSO und COMPUTERWOCHE in Abstimmung mit den Studienpartnern.

Die Studie ist erhältlich unter: ...

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Viele IT-Systeme und geschäftskritische Anwendungen in deutschen Unternehmen sind in die Jahre gekommen. Die Legacy-Applikationen basieren auf veralteten Technologien, einer historisch gewachsenen Code-Basis und monolithischen Architekturen. Das Problem: Mit dem Legacy-Betrieb wachsen die technischen Schulden. Zudem genügt die alte IT-Welt den heutigen Anforderungen an eine agile IT-Infrastruktur nicht mehr. Die Kosten für Betrieb und Wartung sind zu hoch, die Systeme stellen zunehmend ein Sicherheitsrisiko dar. Zudem fehlen nicht selten Mitarbeiter, die mit den überkommenen Technologien vertraut sind.

Um den digitalen Wandel zu meistern, benötigen Firmen eine moderne IT-Infrastruktur, die sich flexibel an wechselnde Anforderungen anpasst. Das Gros der Firmen hat die Zeichen der Zeit erkannt und damit begonnen, ihre Systeme sukzessive zu modernisieren. Doch insgesamt besteht noch Nachholbedarf. Das zeigen die Ergebnisse der Studie „Legacy-Modernisierung 2022“ von CIO, CSO und COMPUTERWOCHE. Dazu wurden 339 Entscheider aus der DACH-Region zu ihren Ansichten, Plänen und Projekten rund um Legacy-Modernisierung befragt.

Viele Altsysteme im Einsatz

Wie sieht die Lage derzeit aus? Die Studie zeigt, dass in 44 Prozent der befragten Unternehmen mindestens die Hälfte der Bestandssysteme schon sehr im produktiven Einsatz sind. Gemeint sind damit Systeme, die den operativen Betrieb tragen, jedoch meist eine monolithische Architektur aufweisen und nach wie vor im eigenen Rechenzentrum betrieben werden. In jedem zehnten Unternehmen gehören sogar mehr als drei Viertel der betriebenen IT-Systeme zum alten Eisen. Gerade einmal jede vierzigste Firma betreibt eigenen Angaben zufolge keine geschäftskritischen Anwendungen mehr auf Altsystemen.

Das Problem mit der Legacy: Die Altsysteme benötigen mehr Pflege. In 59 Prozent der Firmen ist der Aufwand für die Wartung und den Betrieb der Bestandssysteme im Vergleich zu anderen Anwendungen „deutlich höher“, „höher“ oder „eher höher“. Insbesondere die kleineren Firmen mit bis zu 249 Mitarbeitern klagen über den hohen Aufwand. Nur ein Viertel der Befragten sieht beim Wartungsaufwand keine Unterschiede zwischen Alt- und Neusystemen.

Mainframes sind immer noch im Einsatz

Erstaunlich viele Unternehmen (54 Prozent) setzen immer noch Großrechner (Mainframes) mit Betriebssystemen wie BS2000, VSE oder z/OS ein. Auch IBM-Midrange-Systeme wie POWER i oder sogar AS/400 laufen noch. Überdurchschnittlich hoch ist hier der Anteil in kleinen Betrieben mit bis zu 249 Mitarbeitern (67 Prozent) und Firmen mit einem IT-Etat von mehr als zehn Millionen Euro (66 Prozent). 36 Prozent der Befragten haben ihre Großrechner durch andere Lösungen ersetzt. Ein Fünftel der Firmen will ihre bestehenden Mainframes kurz- oder mittelfristig durch andere dezentrale Systeme mit Linux oder Windows ablösen, 50 Prozent plant das langfristig. Behalten will den Mainframe knapp jeder fünfte.

Angesichts des breiten Legacy-Einsatzes verwundert es nicht, dass die Unternehmen mit ihrer IT-Infrastruktur nur durchschnittlich zufrieden sind. Gäbe es Schulnoten, würden die befragten Firmen ihre IT-Infrastruktur mit „befriedigend“ bewerten. Die Durchschnittsnoten liegen bei allen abgefragten Kriterien zwischen 3,07 und 3,27. Am besten schneidet noch die Performance der IT ab (3,07), am schlechtesten die wichtigen Themen Flexibilität und Anpassbarkeit (3,27). Die mäßige Bewertung erstaunt, da eine agile und zukunftsfähige IT als essenziell für die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen gilt. Besonders bemerkenswert an dieser Stelle: Die Anwender aus den Fachabteilungen, die sich tagtäglich mit den IT-Systemen herumschlagen, bewerten nahezu alle genannten Kriterien für die Qualität der IT-Infrastruktur ihres Unternehmens schlechter als die C-Level-Manager und die Repräsentanten der IT-Abteilungen.

Der Modernisierungsbedarf ist also mehr als deutlich. Den meisten Unternehmen ist auch bewusst, dass sie ihre geschäftskritischen Bestandssysteme runderneuern müssen, um die digitale Transformation erfolgreich umzusetzen und wettbewerbsfähig zu bleiben. Laut Umfrage bewerten 61 Prozent die Modernisierung von kritischen Bestandssystemen als sehr wichtig (26 Prozent) oder wichtig (35 Prozent). Vor allem die größeren Unternehmen haben die Baustellen erkannt. Mehr als zwei Drittel (67 Prozent) identifizieren den Modernisierungsbedarf als sehr wichtig oder wichtig. Dagegen sind es bei den kleineren Betrieben gerade einmal knapp die Hälfte. Hier scheinen die Verantwortlichen also weniger Druck zu spüren, ihre Legacy-IT auf Vordermann bringen zu müssen.

Gefragt nach der künftigen Bedeutung von Modernisierungsmaßnahmen geben mehr als drei Viertel (77 Prozent) der Befragten an, dies sei sehr wichtig (43 Prozent) beziehungsweise wichtig (34 Prozent). Nur acht Prozent glauben, dass sie ihre Bestandssysteme nicht zu modernisieren brauchen, um die digitale Transformation erfolgreich zu bewältigen.

Jede Menge gute Vorsätze

Trotz des offensichtlichen Modernisierungsbedarfs hat bislang nur jedes zehnte der befragten Unternehmen die wichtigsten Modernisierungsprojekte bereits abgeschlossen. Es besteht also Nachholbedarf. Knapp ein Viertel plant daher, seine Bestandssysteme bereits nächstes Jahr zu modernisieren, 38 Prozent beabsichtigen, das innerhalb der kommenden ein bis drei Jahre zu tun. Auch hier drücken die größeren Unternehmen stärker auf das Gaspedal. Gut ein Fünftel will in drei bis fünf Jahren seine Systeme auf den technisch neuesten Stand bringen.

Die wichtigsten Motive für eine Erneuerung der IT sind veränderte Anforderungen an Geschäftsprozesse sowie technologische Gründe im Bereich der IT-Architektur mit jeweils 46 Prozent. Auch die hohen Kosten für den Legacy-Betrieb (43 Prozent) sowie fehlendes Know-how etwa für die veraltete Programmiersprache COBOL (36 Prozent) gehören zu den Beweggründen für die Modernisierung von Bestandssystemen.

Prozesse beschleunigen und sicherer machen

Auch bei den Zielen, die sich die Verantwortlichen von der IT-Modernisierung erhoffen, gibt es klare Favoriten. Jeweils knapp die Hälfte will die eigenen Geschäftsprozesse beschleunigen und optimieren sowie für mehr Sicherheit im zunehmend geschäftskritischer werdenden IT-Betrieb sorgen. Schon mit etwas Abstand folgen Themen wie die schnellere Entwicklung neuer Services und Produkte (33 Prozent), geringere Ausfallzeiten (32 Prozent) und Senkung der Betriebskosten (27 Prozent). Seine IT-Altlasten aufzuräumen und auf moderne Techniken umzustellen ist allerdings alles andere als trivial. Die Liste der Herausforderungen ist lang. Das fängt bei Zielkonflikten hinsichtlich der Technologie inklusive eines mangelnden Problembewusstseins und -verständnisses für Lösungen an (41 Prozent). Vielen Unternehmen fällt es zudem schwer, die notwendigen Modernisierungskosten gegenüber dem Management adäquat zu begründen (37 Prozent). Auch die Komplexität des Themas (26 Prozent) sowie Budgetprobleme (24 Prozent) bereiten den Verantwortlichen Kopfzerbrechen im Zusammenhang mit der Legacy-Modernisierung.

Welche konkreten Vorteile erhoffen Sie sich durch die Modernisierung von Bestandssystemen?

Modernisierung lohnt sich

Dabei lohnt es sich, die vorhandenen Altsysteme mit Technologien wie Virtualisierung, Daten-Konversion oder der Erweiterung von Bestandsanwendungen durch neue (Micro-) Services auf Vordermann zu bringen. Auch das zeigt die vorliegende Studie. 88 Prozent der Unternehmen sind mit den bisherigen Projekten rund um die Modernisierung von Bestandssystemen sehr zufrieden, zufrieden oder eher zufrieden. Weniger oder gar nicht zufrieden äußern sich also nur zwölf Prozent.

Große Konzerne unterscheiden sich in diesem Urteil kaum von Mittelständlern, doch es fällt auf, dass im C-Level-Management der Fortschritt besonders gut ankommt. 64 Prozent sind mit den bisherigen Modernisierungsprojekten sehr zufrieden oder zufrieden, in der IT-Abteilung inklusive IT-Leiter gilt das nur für 51 Prozent und bei den Fachabteilungen gerade einmal für 38 Prozent. Insbesondere die letzte Zahl lässt tief blicken, da die Mitarbeiter aus dem Business ja die IT-Systeme und Anwendungen in der Praxis nutzen.

Ein Grund für den schlechten Wert bei den Fachabteilungen könnten zu lange Abstimmungszeiten sein, die oft die Umsetzung von Modernisierungsprojekten behindern. Unternehmen sollten also daran arbeiten, ihre Modernisierungsvorhaben zu beschleunigen. Wichtig ist zudem eine enge Zusammenarbeit zwischen der IT-Abteilung und den Fachbereichen.

Die IT hat den Hut auf

Die Modernisierungsprojekte selbst sind meist Teil der IT-Strategie (61 Prozent), der Digitalisierungsstrategie (46 Prozent), der Datenstrategie oder der Cloud-Strategie. Diese sind wiederum häufig in einen umfassenden Gesamtplan für die Unternehmenstransformation eingebettet oder in einer Art Roadmap für den Wandel. Die IT-Abteilung spielt hier eine wichtige Rolle. In 90 Prozent der Firmen ist sie tief in die Gesamtstrategie für die Unternehmenstransformation eingebunden.

Die IT-Abteilung und der CIO dominieren auch das Thema Modernisierung. In 51 Prozent der Firmen ist der IT-Leiter für die Modernisierung der „alten“ Systeme, Anwendungen und Prozesse zuständig. Zählt man die Zuständigkeit von IT-Abteilung, CIO und IT-Vorstand zusammen, kommt man auf stolze 88 Prozent. Das heißt: Legacy-Modernisierung ist eindeutig ein IT-Thema. In einem Drittel der Unternehmen sieht sich die Geschäftsführung selbst für die Auffrischung der IT verantwortlich.

Die Dienstleister wählt der Chef aus

Die konkrete Auswahl von Dienstleistern für die Modernisierungsprojekte liegt eher in der Zuständigkeit der Unternehmensvorstände. In 37 Prozent der Betriebe ist der CIO und/oder der IT-Vorstand dafür verantwortlich, gefolgt vom Geschäftsführer (31 Prozent) und dann erst dem IT-Leiter und der IT-Abteilung (26 Prozent). Auch der Chief Technology Officer oder Technik-Vorstand (20 Prozent) und der Chief Digital Officer (14 Prozent) spielen bei der Auswahl eines Dienstleisters für die Modernisierung eine Rolle.

(ba)