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LEGALES BUSINESS – CANNABIS NUTZPFLANZE ODER KLIMA-SORGENKIND?


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greenup - epaper ⋅ Ausgabe 12/2022 vom 06.05.2022
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Bildquelle: greenup, Ausgabe 12/2022

Die Legalisierung kommt – zumindest lautet so das Versprechen. Im Koalitionsvertrag ist die „kontrollierte Abgabe von Cannabis an Erwachsene zu Genusszwecken in lizenzierten Geschäften“ festgeschrieben. Zwar verzögert sich die Gesetzgebung derzeit noch aufgrund der Pandemie und anderer globaler Krisen, aber die Marschroute ist eingeschlagen.

DAS DERZEITIGE VERBOT NUTZT NIEMANDEM

Seit Jahrzehnten herrschen für Marihuana hierzulande Schwarzmarktverhältnisse. Es gibt keine Kontrollen, unter welchen Bedingungen die Pflanzen angebaut werden oder welche Chemikalien beim Anbau zum Einsatz kommen.

Ob den THC-haltigen Blüten künstliche Cannabinoide oder andere experimentelle Substanzen zugesetzt wurden, ob sie vor dem Verkauf in Flüssigdünger getaucht wurden, damit sie schön schwer glänzen, ob es sich um überpotentes Gras oder um wirkungsloses Kraut handelt: All das können Nutzerinnen und Nutzer erst erahnen, ...

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... wenn sich die Wirkstoffe in ihre körpereigenen Endocannabinoid-Systeme ergießen. Konsumiert wird natürlich trotzdem. Umfragen zufolge haben 2018 etwa 7,1 Prozent aller Erwachsenen zwischen 18 und 64 Jahren an einem Joint gezogen oder auf anderem Wege Cannabis konsumiert. Die tatsächliche Zahl liegt wahrscheinlich darüber.

Eine vernünftig geregelte Abgabe, wie sie derzeit geplant ist, sollte allen ein größeres Maß an Sicherheit und Zuverlässigkeit ermöglichen und dürfte viele dubiose Deals mit Substanzen unklarer Herkunft verhindern. Viele Fragen sind allerdings noch offen, wer wie viel und was genau anbauen darf.

VIELE SCHNUPPERN EIN GESCHÄFT

Gesicherte Qualität, Ausbremsung der Drogenkriminalität und Jugendschutz werden bei den neuen Gesetzesvorhaben stets als vordergründig betont. Aber natürlich erhoffen sich viele von der Eröffnung des Marktes für die kostbaren Blütenerzeugnisse auch große Gewinne. Die Nachricht der Freigabe hat einen Boom in einem Wirtschaftszweig ausgelöst, der bislang durch strengste Regulierungen eingeschränkt war. Die Ankündigung, lizenzierte Abgabestellen einzurichten, dürfte vielerorts mit Freuden aufgenommen worden sein. Headshops haben in den letzten Jahren sichtlich an ihrem verruchten Bongraucher-Image gearbeitet und bie-ten verstärkt trendige Accessoires für eine breitere Kundschaft an. Daneben haben sich im Stadtbild auch CBD-Geschäfte etabliert, die nicht berauschendes Cannabidiol als Blüten, Öl,Kapseln und Creme anbieten. Hier wird das Image der Heilpflanze gerne mit einem Luxus-und Wellness-Aspekt verknüpft. Das ist wohl auch notwendig, denn ein Fläschchen mit hochkonzentriertem CBD-Öl kann bis zu 100 Euro kosten. Würden solche Geschäfte Lizenzen für den Verkauf von potentem THC-haltigen Cannabis erhalten, wäre das für den Einzelhandel die Erfüllung grasgrüner Wunschträume. Wie genau der lizenzierte Verkauf stattfinden soll und wer überhaupt eine Genehmigung erhält, ist allerdings noch ungeklärt.

Staat könnte 4,7 Milliarden Euro an Steuern einnehmen

Sind die größten Profiteure des deutschen Cannabis-Booms also alternative Yogi-Tee-Trinkende in süßlich duftenden Coffeeshops? Nein, denn das größte Geschäft ist der kommerzielle Anbau im großen Stil. Und hier sind Unternehmen aus der Pharmabranche derzeit am besten aufgestellt. So hat zum Beispiel das Start-up Cannamedical Pharma, das deutsche Apotheken mit aus Kanada und Holland importierter Cannabis-Medizin versorgt, 2020 bereits zweistellige Millionenumsätze erwirtschaftet. Die Sanity Group, die ebenfalls Arzneimittel auf Cannabisbasis herstellt, wurde von Kapitalgebenden bis Ende 2021 mit 68,5 Millionen Euro gefördert.

Gesetzgebung entscheidet, ob Cannabis-Monopole entstehen

Ein weiterer aufstrebender Player im deutschen Cannabusiness ist Demecan. Das in Dresden ansässige Unternehmen hat als eine von nur drei Firmen (neben Tilray Medical und Aurora) die Erlaubnis der deutschen Cannabisagentur beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) erhalten, Cannabis in Deutschland anzubauen. 600

Kilogramm getrocknete Blüten jährlich dürfen die sächsischen Hanf-Unternehmer nun in einem ehemaligen Schlachthaus ernten.

WARUM CANNABIS DRINNEN ANBAUEN, WENN ES AUCH DRAUSSEN GEHT?

In einem Schlachthaus? Warum sollte man die meterhohen Nutzpflanzen in einem geschlossenen Raum anbauen, wenn es doch legal ist? Alle medizinalhanf-herstellenden Unternehmen betreiben Indoor-Anbau in abgeschlossenen Gewächshäusern. Diese sind oft hermetisch und sicherheitstechnisch abgeriegelt, werden mit Halogenstrahlern beleuchtet, mit Klimaanlagen belüftet und künstlich bewässert. Statt auf natürlichem Boden, werden die vornehmlich geklonten Pflanzen mit mineralischen und chemischen Düngemitteln gezogen und erhalten CO2 zur Wachstumsbeschleunigung, sowie keimtötende Bestrahlungen. Es gibt gute Gründe, die für eine abgeschlossene Zucht sprechen. Die Wachstumsbedingungen können beispielsweise so exakt kontrolliert werden, dass die Pflanzen extrem große Erträge abwerfen. Man ist unabhängig von saisonalen Witterungen und hält Schädlinge fern. Gerade bei Medizinalhanf sind diese strengen Maßstäbe erforderlich. Da es sich um verschreibungspflichtige Medikamente handelt, sind schwankende Eigenschaften von Naturprodukten unerwünscht. Bekannt HANF ALS CO² -FÄNGER Hanfpflanzen können pro Hektar acht bis 15 Tonnen CO2 binden.

Wälder im Vergleich nur etwa zwei bis sechs Tonnen. Damit das Kohlendioxid nicht zurück in die Atmosphäre gelangt, muss es allerdings langfristig gespeichert werden – hierfür bietet sich Baumaterial an. Solcher Hanfkalk, oder „Hempcrete“, ist zwar teurer als gewöhnlicher Beton, hat dafür aber eine negative CO2 -Bilanz ist dies von Teesorten, die nur unter bestimmten Bedingungen die Bezeichnung Arzneitee erhalten. Was der industrielle Indoor-Anbau an Energiekosten und CO2 -Emissionen bedeutet, lässt sich unter anderem in den USA verfolgen. Eine Studie in Colorado, wo der Anbau für Genusszwecke seit 2012 legal ist, kam zu dem Ergebnis, dass Indoor-Growing mehr CO2 verursacht als der dortige Kohleabbau.

Die Emissionen pro Kilogramm Ertrag an getrockneten Blüten schwanken demnach zwischen zwei und fünf Tonnen CO2 -Äquivalenten – abhängig vom Standort, von den Anlagen und anderen Faktoren. Zum Vergleich:

Eine Person verursacht eine Tonne CO2 bei einem Hin-und Rückflug zwischen Frankfurt und Lissabon. Dabei braucht Hanf solche technokratischen Bedingungen gar nicht, wenn er zum reinen Genuss gezogen werden soll.

Die einjährigen anspruchslosen Cannabispflanzen können auf deutschen Böden unter der Sommersonne und mit Regenwasser wachsen. Allerdings bedeutet das nicht unbedingt einen grünen Goldrausch. Als Landwirtschaftsminister Cem Özdemir verkündete, die deutschen Bäuerinnen und Bauern würden wegen der kommenden Legalisierung „bereits in den Startlöchern stehen“, konnten das nicht alle Landwirtinnen und Landwirte sofort nachvollziehen. Der landesweite Bedarf an berauschenden

Blüten ließe sich theoretisch zwar mit einigen Feldern decken, aber das wäre im Vergleich zu Getreide oder Hopfen eher eine Nischenkultur. (siehe Interview) Zudem ist ökologischer Freilandanbau so gar nicht im Sinne der millionenschweren Pharmaunternehmen. Sie fordern von der Gesetzgebung auch für den Genusshanf strengste medizinische Vorgaben. Cannabis aus der Landwirtschaft? Aus der Sicht von Demecan „utopisch“ und „unmöglich“, wie einer der Gründer mit Verweis auf Bedenken über Technik und Sicherheit dem Tagesspiegel sagte. Und was ist mit dem Eigenanbau? Es braucht ein wenig Spezialwissen, aber im Prinzip kann jede einzelne Person im Frühjahr ein paar Pflanzen auf dem Balkon oder im Garten einpflanzen und im Spätsommer ernten. Wenn industrieller Anbau und Agrikultur legal werden, macht es wenig Sinn, private Kultivierung weiterhin unter Strafe zu stellen.

Allerdings ließen sich so auch weniger Gewinne und Steuergelder einfahren.

Es wäre also klug, die Anbau-Technologien und -Methoden in anderen Ländern anzuschauen und Erkenntnisse über Energieoptimierung zu sammeln.

Eine jahrtausendealte Kulturpflanze ausschließlich in energieverbrennenden Fabrikgebäuden zu ziehen sollte kein Vorbild für einen neuen Markt sein. Mit liberalen Regulierungen sowie progressiver Forschung und Entwicklung kann nachhaltige und fortschrittliche Agrikultur von Cannabis ein Vorbild für ökologische Landwirtschaft und Urban Farming im 21. Jahrhundert sein.

„Die beste Regelung ist keine Regelung!“

Bernd Wortmann,

Geschäftsführer der Wortmann AIG ist Diplom-Agraringenieur, Gründungsmitglied des gemeinnützigen Vereins Nutzhanf-Netzwerk und hat jahrelang in Deutschland Nutzhanf zur Speiseölgewinnung angebaut

Wie viel Anbaufläche wäre in Deutschland für Genusshanf notwendig, wenn alles im Freiland angebaut werden würde?

Ein Hektar kann problemlos einen Ertrag von 500 Kilo Blüten erreichen. Gehen wir von einem Bedarf von 500Tonnen im Jahr aus, würden 1.000 Hektar ausreichen. Als Vergleich: In Deutschland wird derzeit auf etwa 2,84Millionen Hektar Winterweizen angebaut und auf 100.000 Hektar Wein. Es wäre also problemlos möglich, mit vergleichsweise kleinen Flächen den Bedarf zu decken.

Wie ist Deutschland als Standort für Hanffelder zu bewerten?

Cannabis stammt aus Zentralasien, aber nach 10.000 Jahren Kultivierung gibt es viele für nördlichere Gebiete geeignete Sorten. Deutschland ist ein guter Hanfstandort. Es gibt zahlreiche potenzielle Standorte in Deutschland – für den Genusshanf besonders geeignet sind die Weinbaulagen.

Braucht Hanf besondere Bodenbedingungen?

Hanf benötigt nicht den nährstoffreichsten Boden, aber wächst unter besseren Bedingungen natürlich ausgeprägter und hinterlässt einen garen Boden. Er hat tiefe Pfahlwurzeln, die die Erde auflockern. Und der Schatten, den die Pflanzen werfen, hat positive Auswirkungen auf den Bodenzustand. Hanf gilt als resistent.

Braucht es Pestizide?

Bislang haben wir in unserer Anbaugemeinschaft sowohl bei den konventionell wirtschaftenden Betrieben und erst recht bei den Biobetrieben noch nie irgendein Mittel eingesetzt.

Wie sollte eine ideale agrarwirtschaftliche Regulierung für Sie aussehen?

Die beste Regelung ist keine Regelung!Genau wie der Konsum sollte auch der Anbau freigegeben werden. Im Idealfall sollte jeder Landwirt und jede Privatperson anbauen dürfen, was sie möchte. Dann könnte man ertragreichere und gesündere Sorten anbauen.Das Zweitbeste wäre es, die legalen THC-Werte für Nutzhanf weiter anzuheben. Selbst bei 1–2 Prozent lässt sich kein Rausch erzeugen. Werden die Produkte dann als Lebens-oder Genussmittel zugelassen, sollte es Vorgaben und Deklarierungen geben, ähnlich wie bei Alkohol und Tabak.

MEDIZINALHANF

Belege über die Heilwirkungen von Cannabis gibt es, seit die Menschen über Medizin schreiben. Der älteste Nachweis stammt von vor knapp 5.000

Jahren. Im Arzneibuch des chinesischen Kaisers Shen Nung 2.800 v. Chr. wurde die Pflanze als vielseitiges Medikament angepriesen. Durch das Altertum hinweg wurde Cannabis unter anderem gegen Entzündungen, Schmerzen, Depressionen und Asthma verschrieben. In Europa, wo Cannabis lange nicht heimisch war, war über die medizinische Wirkung nur wenig bekannt. Mit der Kolonialisierung Indiens und dem Gewürzhandel änderte sich dies jedoch, sodass im 19.

Jahrhundert auch westliche Gesellschaften die Pflanze zu schätzen lernten. Die von den USA ausgehende Prohibition unterdrückte jedoch wissenschaftliche Fortschritte und Erkenntnisse für weite Teile des 20. Jahrhunderts. Erst 1992, mit der Entdeckung des körpereigenen Endocannabinoid-Systems, in dem die chemischen Pflanzenbestandteile wirken, wurde die Forschung wieder verstärkt.

Medizinisches Cannabis wird meistens in Blütenform verabreicht. Es gibt auch Fertigarzneimittel, in denen der isolierte Wirkstoff Tetrahydrocannabinol (THC) verabreicht wird. Pharmaunternehmen entwickeln stetig neue Medikamente auf Cannabisbasis, allerdings existieren auch Erkenntnisse, dass die Pflanzenwirkstoffe gemeinsam in natürlicher Form besser wirken, als isolierte Bestandteile.

Entourage-Effekt nennt sich dieses Phänomen. Hierzulande genießt Medizinalhanf derzeit noch den Status einer letztmöglichen Lösung. Erst wenn chronisch Schwerkranke alle sonstigen verfügbaren Pharmazeutika und Therapien erfolglos durchlaufen haben, dürfen sie Cannabis als Medizin verschrieben bekommen.

Und dies macht bei weitem nicht jede ärztliche Fachkraft mit, da auf sie hohe bürokratische Hürden zukommen. Die Hoffnung ist nun, dass eine neue Gesetzgebung die Verordnung von medizinischem Cannabis erleichtert.

NUTZHANF

Seit Jahrzehnten ist er einer der sinnlosesten Opfer des Kampfes gegen die Drogen:

Nutzhanf sind jene Cannabispflanzen, die wegen ihrer robusten Fasern und ihrer Samenkörner angebaut werden. Hanftextilien, Hanföl und Seile sind nur einige der Anwendungsmöglichkeiten. Gepresst zu harten Baustoffen, können aus Hanf selbst Häuser gebaut werden. Auch im Energiesektor gibt es Innovationen: Hanfbatterien sind vielversprechende Alternativen zu Lithium-Akkus und könnten bald in E-Fahrzeugen zum Einsatz kommen. Nutzhanfsorten enthalten nur sehr geringe Mengen an THC, die Blüten sind für den Konsum nicht geeignet. Trotzdem werden diejenigen, die sie anbauen möchten, wie potenzielle Drogenbarone behandelt. Die Regulierungen fordern eine landwirtschaftliche Lizenz, es sind nur bestimmte Sorten für den Anbau zugelassen und zu jedem Feld und zu jeder Ernte müssen Prüfbeauftragte bestellt werden, die die THC-Werte messen. Überschreitet eine Sorte den Grenzwert von 0,3 Prozent THC zweimal, wird sie auf eine schwarze Liste gesetzt. Die große Hoffnung ist, dass die Nutzpflanze im Laufe der neuen Gesetzgebung bessere Chancen zur landwirtschaftlichen Entfaltung bekommt.

GENUSSHANF

Gefährliche Rauschdroge oder harmloses Genussmittel? Cannabis wirkt sehr individuell, die Wirkungen sind nicht zu verallgemeinern. Fest steht, dass Millionen Menschen Cannabis wegen seiner positiven Wirkungen konsumieren:

Entspannung, Stressabbau, veränderte Wahrnehmung. Demgegenüber stehen die negativen Effekte bei übermäßigem Konsum: Konzentrationsschwierigkeiten,

Antriebslosigkeit, psychische Abhängigkeit und Atemwegserkrankungen, wenn es geraucht wird. Besonders Jugendliche sind gefährdet, ihre Gehirnentwicklung durch Cannabiskonsum zu hemmen. Neuere Erkenntnisse lassen in einigen Fällen auch auf einen Zusammenhang zwischen Marihuana und Psychosen schließen.

Im direkten Vergleich zu sozial akzeptierten Drogen wie Alkohol und Tabak ist Cannabis nicht gefährlicher. So gibt es beispielsweise keine dokumentierten Todesfälle durch direkten Konsum und die Symptome bei einer Abhängigkeit sind eher mild.