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LEGENDE 2.0


Träume Wagen - epaper ⋅ Ausgabe 1/2019 vom 18.01.2019

Dass verbissener Ehrgeiz oft die besten Resultate bringt, ist bekannt. Was Ford vor bald 60 Jahren aber mit dem GT40 aufbot, verblüffte Freund und Feind gleichermaßen. Ein One-off von 2011 ist auf dem besten Weg, noch eins draufzusetzen


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Fotos: Nico Meiringer


Sieht nicht aus wie ein GT40-Motor, ist auch keiner. Die Replica wird von einem Audi V8 befeuert


Der GT40, zwischen 1962 und 1968 in unterschiedlichen Varianten gebaut, ist eine Legende. Im Grunde verdankt er seine Existenz nichts anderem als verletzter Eitelkeit. Anfang der Sechziger nämlich war Henry Ford II.schwer verärgert, dass der Erzrivale Enzo ...

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Der GT40, zwischen 1962 und 1968 in unterschiedlichen Varianten gebaut, ist eine Legende. Im Grunde verdankt er seine Existenz nichts anderem als verletzter Eitelkeit. Anfang der Sechziger nämlich war Henry Ford II.schwer verärgert, dass der Erzrivale Enzo Ferrari die Verhandlungen über den Verkauf seiner Sportwagenschmiede kurz vor der Vertragsunterzeichnung hatte platzen lassen. So sehr verärgert, dass er bei seinen Ingenieuren eine Retourkutsche in Auftrag gab. „Lasst uns denen mal richtig in den Hintern treten“, war die Ansage, mit der die Amis den GT40 entwickelten, um es dem störrischen Commendatore heimzuzahlen. Das Hauptziel war, Ferrari beim wichtigsten Rennen der Welt zu demütigen – den legendären 24 Stunden von Le Mans. Die Rechnung ging voll auf – 1966 schafften die Piloten des GT40 nach einem zunächst holprigen Start einen sensationellen Dreifach-Sieg.
Als Motoren standen 4.2-Liter mit 306 PS, 4.7-Liter und 340 PS und ein Big Block mit 7 Litern und 485 Renn-PS zur Verfügung. Damit waren 343 km/h Spitze möglich – in den 60er-Jahren ein schier unglaubliches Tempo. Nicht weniger als viermal in Folge gewann der GT40 die 24 Stunden von LeMans, obwohl er 1969 – bei seinem vierten Sieg – im Verhältnis zu Porsche 917, Ferrari 312P und Matra 650 schon reichlich antiquiert wirkte. Jackie Ickx holte das Letzte raus, um Hans Herrmann im Porsche Paroli zu bieten und war um eine Nasenlänge vorn. Ein doppelter Sieg, denn bereits im Jahr zuvor hatte er mit dem gleichen Wagen auf der gleichen Strecke gewonnen – eine absolute Seltenheit in der Geschichte des Rennsports. Die flache Flunder von damals hat vieles gemeinsam mit der sauberen Replica von 2011, neben der klassischen Keilform auch die smarte Lösung der Türen mit langem Dachausleger für einen „leichten“ Einstieg, den V8-Motor und die breiten Kiemen auf der Motorhaube. Dass unter der Haube kein Ford-Aggregat, sondern ein Audi-V8 für Vortrieb sorgt, wird erst bei genauerem Hinschauen deutlich. Mit 354 PS steht der Ingolstädter dem Urahn in nichts nach, weder was die Performance und schon gar nicht, was den Klang angeht. Die Erdrotation hält kurz inne, wenn der 4,2-Liter-V8 startet.


Das Monster erwacht, atmet tief durch und brüllt die Leistung seiner 354 PS hinaus.


Festgezurrt in Vollschalensitze mit Hosenträgergurten, vergleichsweise komfortabel umfangen von Stahlgitterrohrrahmen, Gewindefahrwerk, Sportsitzen und Alcantara, flackert der Blick zwischen Drehzahlmesser und schüttelndem Innenspiegel hin und her. Jeden Gasstoß quittiert der Edelstahlauspuff mit bedrohlichem Grollen, die Vibrationen kneten die Wirbelsäule und wie ein Gokart schießt der Zweisitzer los, kaum dass man sich in der eng gestuften Fünfgangschaltung zurechtgefunden hat. Wahnsinn.
Hatte schon Henry Ford II.bestimmt nur Gutes im Sinn, als er Anfang der Sechziger gemeinsam mit Lee Iacocca dieses Geschoss ausheckte, kommt die Replica darüber hinaus den stark gestiegenen Komfortansprüchen der Neuzeit entgegen.
Es gibt eine Klimaanlage, Sitz und Lederlenkrad lassen sich verstellen, die Instrumente und viele weitere Details stammen aus dem Motorsport, große Brembos mit einstellbarer Bremskraftverteilung vorn und achtern sorgen für eine sichere Verzögerung, 18“-Alus mit Michelin-Pilot-Sport- Reifen halten die Fuhre auf der Piste. Zwar ist die Geräuschdämmung deutlich besser als im Ur-GT40, doch was hinterm Rücken passiert, kommt einem Tornado schon recht nahe. Unterm Radar frisst die Flunder die Strecke, laut, schnell, fordernd – besser gehts nicht. Das Drehmoment wird nahtlos auf die Hinterräder geschaufelt und presst einen erbarmungslos in den Sitz.

wurde extrem hochwertig gebaut und ist mit Euro 5 und grüner Umweltplakette in jeder Beziehung alltagstauglich. Der One-off, eigens gefertigt für einen in der Wolle gefärbten solventen Ford-Fan, ist mehr als ein Hingucker, er ist die moderne Interpretation eines Klassikers mit allen Annehmlichkeiten moderner Technik. Er ist genau wie das Original ein fantastischer Sportwagen, bei dem sich all die Ferraris, Porsches und Lamborghinis da draußen warm anziehen müssen. Und im Gegensatz zum unerschwinglichen Urahn ist er zu haben. Für noch nicht mal 100.000 Euro …


Wow! Diese Hommage an eine Legende ist vom Feinsten ,


Wir danken Route 66 Köln für die Zurverfügungstellung der GT40-Replica