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Legenden der Leidenschaft: Philipp von Burgund und Johanna von Kastilien: Große Liebe oder Wahnsinn?


Adel aktuell - epaper ⋅ Ausgabe 2/2019 vom 16.01.2019

„La loca de amor“ – die Wahnsinnige aus Liebe – nennt der spanische Volksmund die Tochter der großen Königin Isabella von Kastilien, der Columbus ein neues Weltreich zu Füßen legte. Und tatsächlich beginnt die Lebensgeschichte Johannas zwar wie ein schönes Märchen, endet aber in einer Tragödie


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Bildquelle: Adel aktuell, Ausgabe 2/2019

Er wurde schon zu Lebzeiten „Philipp der Schöne“ genannt. Seine junge Braut Johanna verliebte sich Hals über Kopf in ihn


Königin Isabella, Johannas Mutter, vermachte ihrer Tochter den Thron von Kastilien, den diese jedoch niemals bestieg


Eine Armada von einhundertzwanzig festlich geschmückten Schiffen geleitet die ...

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... siebzehnjährige Königstochter nach Flandern, wo Herzog Philipp, der Sohn des habsburgischen Kaisers Maximilian I., auf sie wartet. Die Segler der Spanierin kommen jedoch im Golf von Biskaya in die Temporales – die gefürchteten Herbststürme. Die Hälfte der stolzen Flotte versinkt. 65 Schiffe können sich mit zerfetzten Segeln und schwerer Schlagseite an die Küste von Zeeland retten. Zwar gehört Johanna zu den Überlebenden, aber sie hat den größten Teil ihres Hochzeitsgutes verloren, und das wird ihrem Zukünftigen überhaupt nicht schmecken.

Völlig durchnässt, hustend und niesend betritt Johanna niederländischen Boden und sehnt sich nach nichts anderem mehr, als schnellstens in die tröstenden Arme ihres zukünftigen Gatten zu eilen. Doch dieser sagenhaft attraktive Mann, dem man schon zu seinen Lebzeiten den Beinamen „der Schöne“ gibt, scheint es nicht für nötig zu halten, sie willkommen zu heißen. Johanna ist zutiefst betrübt. Die Enttäuschung weicht jedoch ein wenig, als ihr von den Niederländern ein begeisterter Empfang bereitet wird. Wo immer sie sich zeigt, braust Jubel auf, wirft man ihr Blumen entgegen und feiert sie wie eine Königin.

Johannas Schönheit fasziniert ihn sofort

Johanna sieht in ihrem golddurchwirkten Kleid bezaubernd aus. Nichts erinnert mehr an das durchnässte Häuflein Elend mit den vom Salzwasser verklebten Haaren. Jetzt ist sie wieder schön und strahlend. Der Hochzeitstag ist bereits festgelegt, doch Philipp hat sich vorgenommen, keinen Tag früher bei seiner Braut einzutreffen. Immerhin ist es nicht seine Entscheidung gewesen, die Spanierin zu heiraten, und das will er auch deutlich machen. Die Begeisterung seiner Niederländer lässt ihn jedoch neugierig werden. Zögernd reitet er nach Lier, wo Johanna auf ihn wartet, und je näher er der Stadt kommt, umso mehr treibt er sein Pferd zur Eile an. Endlich steht er vor ihr – staubig von der Reise und mit zerzausten Haaren, aber dennoch unwiderstehlich. Johanna sieht ihn, und es ist um sie geschehen, und auch der Prinz ist von seiner spanischen Braut überwältigt. Sie fasziniert ihn so sehr, dass er das Protokoll über den Haufen wirft. Er muss sie sofort haben, dieses schöne Mädchen, mit den glänzenden, dunklen Haaren, der makellosen, olivfarbenen Haut und den meergrünen Augen. Auf keinen Fall kann er noch warten, bis die offiziellen Trauungszeremonien vorüber sind. Zufällig ist ein Geistlicher im Raum, der nun die Anweisung bekommt, sie sofort im christlichen Sinne zu verbinden. Das Paar kniet kurz nieder. Philipp hält die Hand Johannas, und der Geistliche spricht einige Worte, die beide kaum hören. Dann verlassen die jungen Leute fluchtartig den Raum. Philipp zerrt Johanna in einen Saal des Palastes, in dem ein breites Himmelbett steht. Dort reißen sie sich, trunken vor Liebesraserei, gegenseitig die Kleider vom Leib. Die formellen Hochzeitsfeierlichkeiten – für die Bevölkerung ein rauschendes Fest – lassen die beiden wie in Trance über sich ergehen. Sie warten nur auf den Augenblick, in dem sie sich ungesehen zurückziehen können. Das Feuer der Liebe und Leidenschaft brennt in beiden lichterloh. Nach der Hochzeit lassen sich die Frischvermählten im Brüsseler Palast von Coudenberg nieder, wo Johanna im November 1498 einem kleinen Mädchen und im Februar 1500 einem Sohn, dem späteren Kaiser Karl V., das Leben schenkt. Die jungen Eltern sind überglücklich, und Johanna, die zwar eine ausgezeichnete Erziehung genossen, aber ansonsten eine traurige und lieblose Kindheit erlebt hat, erfährt das erste Mal in ihrem Leben, was es bedeutet zu lieben und geliebt zu werden. Doch Philipp ist kein Mann fürs Leben, kein Ehemann, der zu Hause bleibt und keine andere Frau mehr ansieht.


Eine Serie von Antje Windgassen


Mit 17 Jahren reist Johanna von Kastilien zu ihrem Bräutigam Philipp von Burgund und überlebt einen Sturm nur knapp


Johanna verbannt die hübschen Frauen vom Hofe

Bereits wenige Monate nach der Hochzeit fühlt er sich eingeengt und erinnert sich wieder daran, dass es außer seiner Frau noch andere schöne Mädchen gibt. Johanna erkennt die Gefahr und wacht von nun an argwöhnisch darüber, dass an ihrem Hof kein hübsches weibliches Wesen mehr zu finden ist. Ein schwerer Fehler, denn auf diese Weise treibt sie Philipp noch nachdrücklicher aus dem Schloss. Kehrt er dann zurück, kommt es zu den hässlichsten Eifersuchtsszenen, zu Vorwürfen, Ausflüchten, Versprechungen und Tränen. Danach sinkt man gemeinsam ins Bett und feiert ausgiebig Versöhnung. Doch nach und nach wird aus der leidenschaftlichen Liebe ein nervenzerfetzender Kampf, und je eifersüchtiger Johanna ihren schönen, leichtfertigen Gatten zu umklammern sucht, umso abgestoßener fühlt er sich von ihr. Er lässt sich nun von seinen Dienern ein eigenes Schlafzimmer herrichten, die schlimmste Strafe, die er seiner jungen Frau antun kann. Verzweifelt versucht sie immer wieder die Aufmerksamkeit ihres Gemahls zu erlangen, was umso schwerer ist, da sie sich fast ständig in anderen Umständen befindet und in dieser Verfassung für Philipp absolut nichts Reizvolles mehr hat. Johanna schenkt ihrem Gatten im Laufe der Ehe insgesamt sechs Kinder, aber auch diese schaffen keine Verbindung mehr zwischen dem Paar. Durch den Tod ihrer Mutter im Jahre 1504 wird Johanna zur rechtmäßigen Königin von Kastilien. Da Philipp die Krone jedoch für sich will, beginnt er das Gerücht auszustreuen, seine Frau sei wahnsinnig geworden.

Philipp von Burgund und Johanna von Kastilien

Der Gemahl Isabellas und Johannas Vater, Ferdinand, bestieg den Thron Kastiliens


Unerwartet stirbt Philipp mit 28 Jahren

Eine Behauptung, die wegen ihrer ständigen Eifersuchtsrasereien auch allgemein geglaubt wird. In ihrer Not weiß Johanna nicht, wem sie mehr misstrauen soll – ihrem Gemahl oder ihrem eigenen Vater, der gleichfalls versucht, seiner Tochter den kastilischen Thron streitig zu machen. Der Tod übernimmt die Rolle des Richters, und als Philipp im Herbst 1506 unerwartet einem tödlichen Fieber erliegt, ist Johanna untröstlich und wie gelähmt. Widerspruchslos lässt sie sich von ihrem Vater als geisteskrank bezeichnen und auf die Festung Tordesillas verbannen. König Ferdinand besteigt nun den Thron seiner Tochter, die allgemein nur noch „Johanna die Wahnsinnige“ genannt wird. Und als er zehn Jahre später stirbt, übernimmt ihr ältester Sohn, der spätere Kaiser Karl V., die Kronen Kastiliens und Aragons und vereint sie zu einem spanischen Königreich. Seine Mutter verbleibt auch während seiner Regentschaft in der Festung Tordesillas, unter der Obhut der Nonnen von Santa Clara. Dort stirbt sie 1555 im Alter von 75 Jahren. Historiker sind heute der Ansicht, dass man sich der temperamentvollen Spanierin nicht wegen ihres Geisteszustands sondern aus machtpolitischen Erwägungen entledigt hat – „Johanna die Wahnsinnige“ also gar nicht wahnsinnig gewesen ist, sondern das bedauernswerte Opfer einer gemeinen Intrige.

Maximilian I., Kaiser des Heiligen Römischen Reiches, war Philipps Vater


Johanna von Kastilien und Philipp von Burgund lebten im Brüsseler Palast von Coudenberg – bis Philipp 1506 an einem tödlichen Fieber starb


Auch Johannas Sohn, der als Karl V. die Königswürde Kastiliens und Aragons übernahm, befreite seine Mutter nicht aus der Gefangenschaft


Maria von Burgund, Philipps Mutter, starb schon im Alter von 25 Jahren


Fotos: INTERFOTO (7)